Nach einer weiteren viel zu kurzen Nacht, klebrigen Marmeladenstullen und Tee im Hotel und der rettenden Tasse Milchkaffee bei Uli und R. führt uns der Weg nach Bethlehem. Weil der Haupteingang heute für jüdische Gläubige reserviert ist, die zu tausenden zu Rahels Grab pilgern, geht es für uns einmal um die Stadt herum. Wir bestehen den Schlomo oder Ahmed-Test der Soldaten mal wieder auf den ersten Blick und werden durchgewunken.

Unterstützung bei psychischen Problemen

In Bethlehem sind wir, um GTC persönlich kennen zu lernen. Der Weltfriedensdienst will die Arbeit des  Guidance and Training Center ab dem nächsten Jahr personell und finanziell unterstützen. Der gemeinsame Projektantrag liegt zur Bewilligung beim BMZ. Der Direktor des Projekts Victor, stellt uns bei Keksen und Tee die umfangreichen Aktivitäten des Centers vor. Es geht um die Behandlung psychischer Schäden. Diese sind unter den schrecklichen Bedingungen, einer politisch, sozial und ökonomisch schwierigen Situation wie in Palästina, besonders häufig sind.

Workshop GTC

Im Projekt GTC geht es um die Aufklärung und Behandlung psychischer Probleme.

Das Thema wird weitgehend tabuisiert, Menschen mit Schwierigkeiten schnell stigmatisiert, erklärt Victor. Daher kombinieren sie ihre Arbeit mit einer Aufklärungskampagne. Diese bietet den Menschen sowohl Unterstützung bei Schizophrenie und Depressionen als auch in der Bewältigung von Familienproblemen und sexueller Aufklärung. Weit spannt sich der Bogen aus Aktivitäten.  Zum einem das ambitionierte Vorhaben eine  arabisch-sprachige Fachbibliothek aufzubauen. Darüber hinaus geht es auch um die Vernetzung möglichst vieler Akteure und Institutionen, wie Schulen, Universitäten, das Gesundheits- und Bildungsministerium und palästinensische wie internationale Nichtregierungsorganisationen.

Die Leute von GTC betrachten die Arbeit als Einsatz für ihre Leute und ihre Gemeinschaft. “Das ist mein Platz”, sagt Viktor, “hier kann ich am Ende des Tages sagen, etwas wichtiges getan zu haben für die Gemeinschaft. Diese Arbeit stellt mich zufrieden.” Besonders lohnend sei die Arbeit mit Kindern. Beginnen sie sich im Verlauf der Therapie zu öffnen, ihre Gefühle zu zeigen, oder einfach nur zu lächeln, wird ihm immer wieder klar, dies ist der richtige Platz. Wir fühlen uns auch am richtigen Platz, jetzt ist das BMZ dran.

Musik als Mittel um Gefühle zu zeigen

In Ramallah treffen wir Reema, Riham und Odeh von unserer Partnerorganisation Al-Mada. Zusammen bauen WFD und Al-Mada ein Musiktherapie-Zentrum auf. Tomeh ist Direktor, technischer Berater für die Musiktherapie, Komponist und Musiker. Er nimmt sich Zeit für das Interview, erklärt mir die technischen Aspekte des Programms und die Idee der Musiktherapie: Menschen, die nicht die Möglichkeit bekommen ihre Gefühle auszudrücken, gezwungen werden, oder sich gezwungen fühlen, sie in sich einzusperren, nehmen Schaden. Das betrifft den Geist, den Körper, ihre Lebensqualität.

Studio

Viele Instrumente stehen einer musikalischen Therapie zur Verfügung.

In der palästinensischen Gesellschaft, so Odeh, seien die Möglichkeiten seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen sehr gering. Die äußeren Gegebenheiten sind besonders frustrierend und deprimierend. Insbesondere gelte das für Kinder und Jugendliche. Hier greift die Arbeit des Musiktheraphie-Zentrums, an Schulen und mit verschiedenen Ziel- und Altersgruppen in Ramallah. Musik hat die Fähigkeit, in Menschen etwas zu bewegen, Stress zu lösen und Gefühle wie Freude auszudrücken. In der Therapie lernen die Menschen so Abstand zu nehmen von ihrem Alltag, ihre Gefühle, sich als Ganzes und ihr Leben wertzuschätzen.

Sei du selbst

Nachdem ich das Aufnahmegerät ausgeschaltet habe, philosphieren wir noch eine gute Stunde, über die Wahrnehmung des eigenen Ichs, die Hindernisse, die wir uns in den Weg legen und legen lassen, wir selbst zu sein. Der Moment sei am Wichtigsten, sagt Odeh, die Gegenwart und nicht die Hyphothek irgendeiner Vergangenheit, die wir nicht beeinflussen können, oder der Zukunft, die nicht gewiss ist. Sind wir in der Gegenwart nicht wir selbst, werden wir auch in der Zukunft nicht zufrieden sein können. Was wir jetzt machen ist wichtig. Mir geht Gandhi durch den Kopf:

“Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Friede ist der Weg!”

Shalom!  Aleikum Salaam!

08.11.2009

Gepostet in: Der Weltfriedensdienst in Palästina, Palästina: Training for Peace

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theater1Zu Besuch beim Yes-Theatre, für uns ein neuer Partner und ein neues Projekt. Wir sehen eine beeindruckende Vorstellung. Etwa 200 Schülerinnen überhäufen das Ensemble hinterher mit Fragen und Vorschlägen. Später bei Tee und Zigaretten stelle ich eine einfache Frage: Warum macht Ihr Theater?

Ein Mensch ohne Hoffnung ist ein gefährlicher Mensch

“Eine schwere Frage: Zunächst, weil ich es mag. Die Menschen mögen es. Und…

Wir versuchen Hoffnung zu geben. Ein Mensch ohne Hoffnung ist ein gefährlicher Mensch.  Gelingt es hingegen, jemanden mit Hoffnung zu erfüllen, auf Morgen, für die eigene Zukunft, wird er keine Gefahr mehr darstellen. Ein Mensch mit Hoffnung wird bereit sein,  mit dir zu reden, dich und deine Ansichten zu tolerieren und Meinungen auszutauschen. Das ist das Fundament. Wenn wir übereinstimmen, einander zuzuhören, haben wir einen Anfang. Wenn wir uns jedoch weigern, das tun, beginnen die Schwierigkeiten.

Die Leute hier leiden, sie sagen, dass sie die ganze Zeit leiden und immer nur leiden. Sie sehen sich als Opfer. Und nun? Soll die Welt ihnen Geld schicken und alles wieder aufbauen? Wenn wir das fordern, werden wir Opfer bleiben, machen wir uns freiwillig zu Opfern. Die Lösung ist, gegen diese Situation zu kämpfen, die Verhältnisse zu ändern. Du kannst die Verhältnisse aber nicht ändern, wenn es dir nicht gelingt, die Menschen und ihre Denkweise zu ändern.

theater2Ich glaube, dass wir als Künstler dazu beitragen können. Wir können etwas ändern und tun es bereits. Wir haben mittlerweile Tausende Leute, die uns kennen, zu den Vorstellungen kommen, die unsere Botschaft verstehen. Sie versuchen jetzt wie wir, die Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten…

Sich gegen etablierte Anführer zu widersetzen erfordert Mut

Wir wollen nicht, dass Leute wie Fotokopien sind, Fotokopien ihrer Väter, nur, weil die es so wollen. Das wollen wir nicht. Wir haben genug von den Älteren, den Anführern, die behaupten, sie würden alle Probleme kennen und für uns lösen. Unsere jungen Leute, können Ihre Probleme selbst lösen. Bereits die kleinen Kinder wissen, was richtig und was falsch ist. Jeder hat das Recht, als alter oder junger Mann, als Frau oder Mädchen NEIN zu sagen. Zu sagen, DAS will ich und DAS nicht. Jeder hat das Recht. Es wahrzunehmen erfordert Mut. Den versuchen wir den Menschen zu geben. Du musst den Mut haben Nein zu sagen. Ich widersetze mich DEM, ich will DAS. Das ist es, was wir versuchen.

Einfach!”

06.11.2009

Gepostet in: Der Weltfriedensdienst in Palästina, Palästina: Theaterpädagogische Friedensarbeit

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Ich fahre allein nach Bethlehem. Nach dem üblichen Smalltalk über die touristischen Attraktionen des Landes, die ich unbedingt noch sehen sollte, versucht der Taxifahrer vorsichtig mich für das Jerusalem der Checkpoints und illegalen Siedlungen zu sensibilisieren. Ich passiere den verwinkelten Übergang ins palästinensische Bethlehem zu Fuß und laufe Richtung Zentrum. Hier treffe ich S., die eine  Zusammenkunft mit Mahmoud Zwahre arrangiert hat. Mahmoud ist als Bürgermeister der palästinensischen Siedlung al-Ma’sara ein viel beschäftigter Mann. Seit drei Jahren organisieren er und seine Mitstreiter, darunter viele Israelis und sogenannte Internationals, Demonstrationen gegen die Mauer. Noch ist sie nur eine überwachte Zugangsstrasse zur langgestreckten und rapide wachsenden Siedlung Ephrat. Faktisch schneidet sie die Bewohner al-Ma’saras von über 70% ihres Landes ab.

Die Mauer ist nach internationalen Recht illegal

Woche für Woche demonstrieren sie friedlich dagegen, versuchen die Soldaten hinter dem Stacheldrahtverhau mit der Situation zu konfrontieren. Manche zeigen Reaktionen hinter ihren Uniformen, Sonnenbrillen und Waffen, sagt Mahmoud, wenn sie von den israelischen Aktivisten auf hebräisch angesprochen werden. Sie flüstern, dass sie gezwungen werden, hier zu sein, manche, dass sie sogar lieber auf bei ihnen auf der Seite des Zauns stehen möchten. Diese Flüsterer werden von den Offizieren sehr schnell ausgewechselt.

Mahmoud spricht viel von dem Recht, dass sie auf ihrer Seite wissen. Nach internationalen Recht sind die Siedlungen illegal, ist die Mauer illegal. Das ist ihre Waffe.
Leidenschaftlich und voller Hoffnung spricht er von diesem Kampf David gegen Goliath. Er spricht vom Glauben an die Zukunft für die 52% der Palästinenser, die noch nicht einmal 18 sind.  Er erzählt von Theatern, die sie ins Leben rufen, von Spielzeugbibliotheken für die kleinen Kinder, davon Bäume zu pflanzen, die die Israelis im Zuge des Siedlungs-und Mauerbaus zu Tausenden abgeholzt haben, er spricht von der internationalen Unterstützung, von der Berliner Mauer, die schließlich auch gefallen sei, davon sich nicht unterkriegen zu lassen. Und immer wieder betont er das Prinzip der Gewaltfreiheit ihres Widerstandes.

Auf dem Rückweg nach Bethlehem scheint die Mauer nicht mehr so unüberwindlich.
S. führt mich durch ein Flüchtlingslager. 12.000 Menschen leben hier auf einem Quadratkilomter. Kinder werfen mit Steinen nach uns. Sie hören auf als S. mit ihnen redet. Sie leben direkt im Schatten einer israelischen Garnision und der allgegenwärtigen Mauer. Dahinter liegt ein weites Gebiet mit kleinen Wäldchen, das vor dem Mauerbau als Erholungsgebiet und Spielwiese der Kinder diente. Nun ist es unerreichbar.

Kunstwerke des Friedens

Die Mauer selbst ist inzwischen zur Leinwand geworden. Beeindruckende politische Kunstwerke sind entstanden, die ich dokumentiere und dem geneigten Leser sicher bald zugänglich gemacht werden. Hoffnung auf Frieden, auf die Wiederholung der Geschichte der Berliner Mauer, die Sehnsucht nach Ausgleich und einer Rückkehr in die Heimat prägen die Bilder. Kaum eines ruft zur Gewalt auf.

Wir durchqueren Bethlehem zu Fuß, essen auf dem Platz vor dem Bethlehem Peace Center Shawarma. Links liegt eine Moschee, rechts die Geburtskirche. Wir hören den Muezzin zum Gebet rufen. Die Glocken der Kirche  stimmen leise mit ein.

Die Hoffnung wächst

Der Weg führt uns weiter zum Alternative Information Comitee und von da an die Stadtgrenze. Hier haben Tom und ein paar andere Internationals ein Fleckchen Erde in einem kleinen Tal erworben. Sie hätten woanders ein fruchtbares Stück Land mit einer Quelle erwerben können. Aber unter solchen Bedingungen einen  Garten zu erschaffen sei keine Herausforderung.

Felder in Palästina

Auch unter schwierigen Bedingungen ist nachhaltige Landwirtschaft möglich.

Tom will zeigen, dass auch unter schwierigen Bedingungen eine nachhaltige und ertragsfähige Landwirtschaft möglich ist. Wir stoßen zu einer Gruppe Touristen hinzu, die er herumführt. Ich höre und sehe mir Bekanntes und auch viel Neues. Die unbändige Freude am Experimentieren, die einen bei seinen Ausführungen immer wieder anspringt, lässt mein agarwissenschaftliches Herz schneller schlagen. Was für eine Vision, dieses ausgetrocknete Tal zum Leben zu erwecken.

Während ich diese Zeilen schreibe, löst sich zum ersten Mal seit ich hier bin meine Anspannung. Wenn man genug Steine umdreht, findet man am Ende vielleicht doch ein wenig Hoffnung, dass die Wunden, die diesem Land und seinen Bewohnern geschlagen werden, eines Tages verheilen.

05.11.2009

Gepostet in: Der Weltfriedensdienst in Palästina

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Millionen Menschen kommen Jahr für Jahr aus allen Teilen der Welt nach Jerusalem. Sie bestaunen die engen Gassen der Altstadt, schieben sich massenhaft über glatt getretene Steinplatten zu den Heiligtümern dreier Weltreligionen. Zu beiden Seiten reiht sich Geschäft an Geschäft. Den Blick auf den Himmel versperren wahlweise steinerne Gewölbe oder Wellblech.  Ausserhalb der Stadtmauern aus osmanischer Zeit erscheint Jerusalem als eine moderne Metropole mit einem gewissen Hang zu Steinquadern und Betonwürfeln.

Die Siedlungspolitik wird subventioniert

Abu H. zeigt uns das andere Jerusalem. Abu H. ist Palästinenser mit Wohnsitz in Jerusalem. Palästinenser, sagt er, dürfen die Stadt nur betreten, wenn Sie hier bereits wohnen. Sie können eine Sondergenehmigung bekommen, wenn sie 45 Jahre alt und verheiratet sind, Kinder haben und sich noch nicht politisch bestätigten. Befördert ein arabischer Einwohner Jerusalems einen Palästinenser ohne Aufenthaltsgenehmigung, drohen ihm eine empfindliche Geld- und mehrmonatige Haftstrafe, selbst wenn es sich dabei um die eigene Ehefrau handeln sollte.

Jüdische Israelis erhalten als Anreiz zur Ansiedlung in Jerusalem günstig Kredit und 5 Jahre Steuerbefreiung. Steuern zahlen Israelis und Palästinenser sonst gleichermaßen. Aber seit der Besetzung Ost-Jerusalems 1967 wurde in den arabischen Stadtteilen nicht eine Schule errichtet. Abu H. sagt, 80% der öffentlichen Mittel würden in jüdischen Vierteln ausgegeben. Der Unterschied sei sichtbar, als würden erste und dritte Welt direkt aufeinanderprallen. Auf einem Highway, der ein arabisches Viertel in zwei Hälften schneidet, fahren wir in eine neu gebaute Siedlung,  illegal errichtet auf arabischen Land in Ost-Jerusalem. Gegenüber liegt seit 41 Jahren ein palästinensisches Flüchtlingslager – mitten in der Stadt, umgeben von einer Mauer.

Die Mauer soll Israel schützen

Wir treffen den palästinensischen Besitzer eines Miethauses.  Wenige Meter vor dem Haus verläuft die Mauer. Dahinter befindet sich ein arabisches Viertel. Seit dem Mauerbau gehört es offiziell nicht mehr zur Stadt Jerusalem, sondern zur Westbank. Die Menschen in dem Viertel verloren mit der Mauer praktisch über Nacht ihren Status als Einwohner der Stadt.  Von diesem Schicksal sind etwa 50.000 Palästinenser betroffen. Die Mieter des Hauses wurden davon verschont. Doch statt auf einen Garten und besagtes arabisches Viertel, schauen sie nun auf die Mauer. Der Hausbesitzer wurde vor die Wahl gestellt, entweder den Garten für den Mauerbau abzutreten, oder sein Haus vor der Mauer und damit in der Westbank wiederzufinden.  Die Tochter des Hausbesitzers wohnt noch immer in Rufweite, aber in einem Haus auf der anderen Seite. Sie zu besuchen, geht nur über einen Checkpoint und dauert jetzt ein eineinhalb Stunden.

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Wir verlassen das Stadtgebiet. Links hinter einem Checkpoint liegt ein kleines palästinensisches Dorf, rechts die dazugehörenden Ländereien. Der Zugang unter der Straße wurde aus Sicherheitsgründen mit Gesteinsbrocken verriegelt. Zäune machen eine Überqueren der Straße unmöglich. Ein israelisches Gesetz besagt, dass Ländereien, die zwei oder drei Jahre nicht bewirtschaftet wurden, enteignet werden können.

Nach unserer Rückkehr in die Stadt halten wir bei einem zerstörten Haus. Palästinenser dürfen ohne Lizenz keine baulichen Veränderungen an ihren Häusern vornehmen. Die Lizenz kostet umgerechnet etwa 20.000 bis 30.000 Euro. Mit ihrer Erteilung ist nach etwa 10 Jahren zu rechnen. Wer ohne Lizenz baut und erwischt wird, hat einen Monat Zeit sein Haus selbst abzureißen, oder hat die Kosten für den teureren staatlichen Abriss zu tragen.

Wer protestiert wird verhaftet

Wir besuchen zwei Familien, die Ihre Häuser verloren haben. Erst vor wenigen Tagen wurden sie von israelischen Siedlern besetzt. Inmitten der arabischen Viertel entstehen auf diese Weise jüdische Siedlungen, die von Polizei und Armee beschützt werden müssen und sich Stück für Stück ausdehnen. Die Bewohner verharren im Protest vor Ihren Häusern. Später am Abend spreche ich am Rande einer Versammlung des jüdisch-palästinensischen Alternativen Informationskomitee mit Jugendlichen aus Spanien und den Niederlanden, die als Studierende oder Freiwillige in Jerusalem und der Westbank arbeiten. Sie waren nach uns als Teil einer größeren Gruppe von Aktivisten bei einer der vertriebenen Familien gewesen, um sich zu mit den Menschen zu solidarisieren. Die neuen Bewohner des Hauses alarmierten die Polizei, die die Gruppe gewaltsam auflöste und drei Leute in Haft nahm. Ein internationaler Pass ist längst kein Schutz mehr.

In der Altstadt begegne ich am Abend zwei israelischen Soldaten. Halbe Kinder sind sie noch, schauen palästinensischen Mädchen hinterher und haben dabei das Gewehr im Anschlag. Ich versuche sie als Opfer einer Gesellschaft zu sehen, die ihnen den Unterschied zwischen Recht und Unrecht nicht zu vermitteln vermag.

04.11.2009

Gepostet in: Der Weltfriedensdienst in Palästina

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Der tägliche Wahnsinn

Selbst die Stadt beschreibt ein Bild der Gewalt. Steinquader fügen sich zu historischen Mauern und modernen Wohnblöcken, Beton ist zu Hauswänden und Mauern gegossen. Asphaltstraßen schlängeln sich zwischen Hügeln aus Fels und Geröll. Auf ihnen thronen festungsartig die Siedlungen. Dieses Land scheint nur aus Stein, Beton, Asphalt und Staub zu bestehen… und Stacheldraht.

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Die tägliche Abgrenzung und Kontrolle schürt Hass und Gewalt.

Morgens warten wir auf Uli und S. in der Altstadt von Jerusalem. Sie arbeiten als Kooperantinnen des WFD mit Partnern in den besetzten Gebieten. Nach einem kurzem aber herzlichen Hallo, serviert uns S.  die erste von vielen Geschichten über das Leben hier. Auf dem Weg nach Jerusalem hatte sie einen Checkpoint passieren müssen. Zwei jugendliche israelischen Soldaten machten sich ein Vergnügen daraus, sie aus der Reihe zu ziehen und durcheinander schreiend mit Fragen zu bombardieren: “Where you from?” “Where you live?” “Where you work?” “I don’t understand!”. Der tägliche Wahnsinn.

 

Ein anderes mal war das Auto, in dem sie saß, von einer Soldatin durch die Kontrolle gewunken worden, nur um dann die Durchfahrsperre gut getimt zu aktivieren und so das Bodenblech abzureißen. Irgendwie musste ich an die aus Langeweile geborenen Streiche eines Schulfreundes während seines Zivildienstes als Hausmeister in einer Berufsschule denken. Nur tragen die Halbstarken  hier Sturmgewehre. (mehr …)

03.11.2009

Gepostet in: Der Weltfriedensdienst in Palästina

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