„Die Allmende lebt – das Wasser gehört uns allen“ hatte Frau Prof. Dr. Insa Theesfeld ihren Vortrag bei der diesjährigen Jahresversammlung des Weltfriedensdienstes überschrieben. Sie forscht zur Wassernutzung im Agrarbereich und stellte Prinzipien für kollektives Wassermanagement vor.
Mit Allmende wurden und werden Gemeinschaftsgüter bezeichnet. Sie werden meist nach festen Regeln verteilt. Bedürftigkeit, erbrachte Arbeit, feste Anteile sind Kriterien für die Verteilung, Abweichungen davon werden sanktioniert – durch soziale Kontrolle und vertraglich vereinbarte Sanktionen.

Vertrauen aufbauen

Unter dem Obertitel „Wasser verbindet“ befasst sich der Weltfriedensdienst mit den vielfältigen Problemen und Fragestellungen rund um das Lebenselixier Wasser.
Die üblichen Nutzungen von Wasser sind für das Trinken, Kochen, Baden und Putzen. Trotzdem ist die häusliche Wassernutzung nur ein kleiner Teil des gesamten Verbrauchs. Weltweit, benutzt die Industrie etwa doppelt so viel Wasser wie private Haushalte, vor allem als Kühlung in der Stromerzeugung. Weitaus mehr Wasser wird für die Produktion von Lebensmitteln und Fasern (Getreide, Obst, Baumwolle) benötigt und um die natürliche Umwelt zu erhalten.
Weltweit, macht die Landwirtschaft 70-80% des gesamten Wasserverbrauchs aus (67% Entnahme und 86% des Verbrauchs (da die Industrie mehr entnimmt aber wieder einleitet), verglichen mit 20% für Industrie und 10% häusliche Nutzung. In den Industrieländern, verbraucht die Industrie mehr als die Hälfte des verfügbaren Wassers.

Erste Voraussetzung für eine partizipative Nutzung eines Gemeingutes ist Vertrauen. Wo das nicht herrscht, muss es aufgebaut werden. An diesem oft langwierigen Prozess führt kein Weg vorbei. Denn Misstrauen zerstört den guten Willen, der nötig ist, eine Ressource gemeinschaftlich zu verwalten. Eine solche Ressource ist Wasser. Vor allem in der Landwirtschaft trockener Gebiete werden zum Teil komplexe Systeme geschaffen, um allen Bedürftigen einen fairen Anteil zu sichern.

Das geschieht auch in mehreren Projekten des Weltfriedensdienstes. In einer Dorfgemeinschaft in Simbabwe konnte z.B. ein viele Jahre schwelender Konflikt um Wasserverteilung konstruktiv gelöst werden. Lesen Sie dazu auch: Wasser für Alle!

Privatwirtschaftlich oder die öffentliche Hand?

Wasserknappheit ist ein Verteilungsproblem. Hauptmerkmal der weltweiten Süßwasserressourcen ist deren ungleiche Verteilung in Raum und Zeit. Um alle Menschen zu vertretbaren Kosten mit Wasser zu versorgen, sind Investitionen in Leitungssysteme, ggf. Transportkosten, Kosten für Reinigung usw. aufzubringen. Darüber, wer diese Infrastruktur schafft und erhält, gibt es einen Grundsatzstreit.

Privatwirtschaftlich oder die öffentliche Hand? scheint dabei die Frage zu sein. In der an den Vortrag anschließenden Diskussion wurde allerdings deutlich, dass die wirkliche Frage eine andere ist: Wird an dieser Ressource Geld verdient oder steht ihre kostengünstige Verteilung im Vordergrund? Es gibt schlecht gemanagte Trinkwasserversorgung sowohl in der Privatwirtschaft als auch in öffentlicher Hand. Wichtig ist die Antwort auf die Frage: Geht es dem Wasserlieferanten um die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser oder will er maximalen Profit erzielen?

Wasserraub

Mädchen in Senegal mit Ziegen an einer WasserstelleEin weiterer deutlicher Einflussfaktor ist der Wasserraub. Durch private Aneignung, z.B. für Plantagen oder Bergbau, verlieren die Menschen den Zugang zu Wasser. Das trifft besonders die Armen und sozial Schwachen. Einige Partner des Weltfriedensdienstes sind betroffen. In Senegal, wo seit vielen Jahren erfolgreiche naturnahe Landwirtschaft betrieben wurde, okkupierten plötzlich Arbeiter die Felder, zogen Zäune und nutzten das wenige vorhandene Wasser zur Bewässerung ihrer Sonnenblumen Großkulturen. Grundlage waren Verträge, die mit der Regierung geschlossen worden waren. Ähnliche Erfahrungen machten WFD-Partner in Argentinien. In beiden Fällen kollidierte traditionelles Landrecht mit modernem, durch Besitztitel abgesichertes Landrecht. Mehrere vom Weltfriedensdienst geförderte Projekte befassen sich mit den notwendigen Reformen des Landrechtes, die letztlich auch den Zugang zu Wasser regeln.

02.12.2016

Gepostet in: Allgemein

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