Zivil-Militärischer Dialog in Guinea-Bissau in Aktion: Mitglieder eines Friedesworkshops bei einer spielerischen Übung zur Vertrauensbildung.

Zivil-Militärischer Dialog in Guinea-Bissau in Aktion: Mitglieder eines Friedesworkshops bei einer spielerischen Übung zur Vertrauensbildung.

Seit August 2009 erschließt das zfd-Projekt „Mom ku Mom“ Neuland in der Zusammenarbeit zwischen dem Weltfriedensdienst (WFD) und der Partnerorganisation DDCC.

Zu den Gründungsmitgliedern zählen militärischen Akteure, u.a. hohe und mittlere Offiziere sowie deren Untergebene bei Militär und Mitglieder der „Nationalen Versöhnungskommission im Sektor Verteidigung und Sicherheit“. Außerdem gehören dem DDCC paramilitärische Akteure (Polizei, Grenz- und Forstschutz) und auch Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen an. Ziel des Projektes ist zunächst eine Überwindung der Kultur des Schweigens (Freire) zwischen bewaffneten Akteuren und Zivilbevölkerung nach dem Krieg von 1998/99, bzw. mit zivilgesellschaftlich organisierten Kriegsopfern. Die Initiative hierzu ging zunächst von der WFD-Partnerorganisation UNDEMOV aus.

Aufbauen auf dem Staatswappen Guinea-Bissaus

Einheit, Kampf und Fortschritt sind Postulate aus dem Staatswappen, die ohnehin einen breiten Interpretationsspielraum zulassen, der in dem Projekt durch reframing erweitert wurde: Einheit lässt sich beispielsweise als Homogenisierungsdruck, aber auch als Vielfalt von Perspektiven konzipieren, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, auch wenn die Methodenvorschläge divergieren. Kampf kann mit Waffengewalt geführt werden, oder sich auf das Bemühen um gegenseitiges Verständnis im Dialog beziehen. Der zu erringende Fortschritt kann als Almosen erbettelt und in Empfang genommen werden, oder als eigene Leistung erfahrbar gemacht werden. Dabei kann Menschenwürde als Teil von Freiheit konstruiert werden, die Frames wie „Sicherheit ist Macht/Kontrolle über Andere“ durch „Sicherheit ist Verantwortung füreinander“ substituieren.

Das Projekt „Mom ku Mom“ soll auf der Basis des „Einheit-Kampf-Fortschritt“-Ansatzes ein friedenspädagogisches Ausbildungshandbuch entwickeln, das militärischen AusbilderInnen zur Verfügung gestellt wird und in das Curriculum der Militärakademie eingehen soll.

Die Allparteilichkeit des Weltfriedensdienst und seiner Kooperantin ist bei dieser Zielgruppe nicht nur notwendig, sondern auch Teil des pädagogischen Ansatzes zur Befriedung innermilitärischer Auseinandersetzungen, und zur Ausrichtung der Kräfte (Energien) auf eine konstruktive Konflikttransformation. Sie ist in Guinea-Bissau eine tiefenkulturelle Ressource, die nicht erst geschaffen werden muss, sondern durchaus vorhanden ist. Allparteilichkeit ist hier auch in traditionellen Konflikttransformationsprozessen eine gängige Praxis, die von weisen Männern (und Frauen) gelebt wird, und hohe soziale Anerkennung erfährt.

31.08.2017

Gepostet in: Guinea-Bissau: Zivil-Militärischer Dialog

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