Die Selbsthilfeinitiative TSURO ermöglicht das Überleben der Kleinbauern im östlichen Hochland von Simbabwe. „Früher, da hatten wir Schirme gegen den Regen. Heute haben wir Schirme, damit uns die Sonne nicht verbrennt.“ Wenn die Alten in Simbabwe erzählen, klingt es wie in einem Märchen: in den Bergen sprudelten Quellen, das heute ausgetrocknete Flachland war mit Wald bedeckt, es gab reichlich Früchte, Fische, Wildtiere… Doch das ist längst Vergangenheit. Seit der Jahrtausendwende schlägt der Klimawandel erbarmungslos zu. Ein trockenes Jahr reiht sich an das nächste. Das Klimaphänomen El Niño vertrieb 2016 viele Menschen mit einer anhaltenden Dürre im südlichen Afrika von ihrem Land. Ob im Ackerbau oder in der Tierhaltung, möglichst jeder Tropfen Wasser muss deshalb nutzbar gemacht werden.

Nachhaltigkeit für 14.000 Haushalte

Doch wie schafft es TSURO, dass die Kleinbauern der Region mitmachen? Die Initiative setzt auf eigenverantwortliche kleinbäuerliche Dorfgruppen. TSURO begleitet die Gruppen im Lernprozess, unterstützt KleinbäuerInnen bei der Einrichtung von Vorführfeldern und bietet Fortbildungen, Austauschbesuche und Best-Practice-Wettbewerbe an. Oft entwickeln die TSURO-Dorfgruppen dabei konkrete Maßnahmen, die zu Erfolgsmodellen werden, wie z.B. kleine Bewässerungsprojekte, gemeinschaftliche Geflügel- oder Ziegenhaltung oder Gemeinschaftsgärten. Alle sind in die Planung und Umsetzung involviert. 2016 praktizierten insgesamt 14.000 Haushalte solche verbesserten Anbaumethoden. Dürrebedingt waren die durchschnittlichen Erträge indes noch dürftig.

Eine ganzjährige Vegetationsdecke in Wäldern und Grasland schützt den Boden vor Austrocknung und schafft ein kühlendes Mikroklima. Pflanzenwurzeln halten den Boden fest und Terrassen sorgen dafür, dass Regenwasser nicht ungenutzt den Berg herabfließt. So wird jeder Regentropfen aufgefangen und speist als Grundwasser Quellen und Bäche, die wiederum Siedlungen und Felder mit Wasser versorgen.

Erfolgreiche Weidehaltung

Bemerkenswerte Erfolge feierten 2016 mehrere durch TSURO organisierte Pilotprojekte zur nachhaltigen Weidehaltung. Jetzt gibt es in den Gebieten wieder vermehrt wilde Tiere, Pflanzenarten sind zurückgekehrt und die Bodenbedeckung hat sich deutlich verbessert. Große Erosionsrinnen sind wieder aufgefüllt und zwei kleine Flüsse, die 2012 noch trocken waren, führten trotz vorangegangener dreijähriger Dürre im Jahr 2016 durchgehend genug Wasser für die Tiere.

Reden und Handeln

TSURO initiierte Treffen in den wichtigsten Wassereinzugsgebieten der Projektregion. Kleinbauern, Traditional Leaders, RegierungsvertreterInnen sowie Personen aus der Zivilgesellschaft und aus der Privatwirtschaft diskutierten: Was bedeutet der Klimawandel für uns? Wie gehen wir mit unserem Wasser um? Was können wir tun, um Ressourcen zu schützen und und eine intakte Umwelt zu regenerieren? In den Dörfern wurden sechs Aktionsgruppen gegründet. Jede Gruppe besteht aus zwanzig von ihren Gemeinden demokratisch gewählten Mitgliedern, die auch mit dem Mandat versehen sind, konkrete Aktivitäten zu planen und mit der Gemeinde umzusetzen. Um zum Beispiel ausgetrocknete Quellen wieder zum Sprudeln zu bringen, wurden mit Unterstützung von TSURO die wichtigsten Einzugsbiete für die Quellen von den davon betroffenen Gemeinden kartiert. Anschließend wurden mögliche Ursachen für die Austrocknung bestimmt und schließlich Schritte zur Wiederherstellung der Quelle geplant. So fällten mehrere Gemeinden nicht-heimische, tiefwurzelnde und stark wasserziehende Eukalyptusbäume im Wassereinzugsgebiet. Der Effekt war unmittelbar. Bereits wenige Tage nach der Fällung begann eine in einem kleinen Tal gelegene und seit Jahren ausgetrocknete Quelle wieder zu sprudeln. Jetzt versorgt sie naheliegende Gehöfte und Gemeindegärten. Durch TSURO haben viele Gemeinden in den vergangenen Jahren gelernt, Zusammenhänge wie diese zu verstehen. Sie bewirtschaften nun das verfügbare Land sorgfältig. Sie schonen und schützen die natürlichen Ressourcen Boden, Wald und Wasser.

Politischer Wille unterstützt den Erfolg

Einige Gemeinden haben Gesetze gegen die traditionelle Brandrodung zur Gewinnung von Weide- und Ackerflächen erlassen, andere zur nachhaltigen Beweidung von Gemeindeland. Diese sogenannten Bye-laws sehen Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen vor und wurden schon von Regierungsstellen übernommen. Wegweisende lokale Verordnungen für alle Gebiete in seinem Einflussbereich erließ der Traditional Leader Chief Chikukwa für seinen Bezirk. Seine Bye-laws wurden von vielen anderen Chiefs als Anregung zur Entwicklung ihrer eigenen Bye-laws verwandt. Ein schöner Erfolg für TSURO.

Eine neue Herausforderung

Doch eine Folge der Dürreperioden der letzten Jahre ist auch eine wachsende Zahl von Klimaflüchtlingen. So sind im vergangenen Jahr mehr als 1.000 Menschen aus dem Flachland in die für Simbabwe relativ regenreichen Berge des Chimanimani Districts gezogen. Die für Ackerbau und Weidewirtschaft nutzbaren Flächen sind jedoch knapp. Die Neuankömmlinge erhöhen den Druck auf das Land. „Ein Baum, der stehen bleibt, hat für sie keinen Wert“, erklärt Chief Chikukwa. Ein Baum kann als Brennmaterial verkauft oder als Baumaterial genutzt werden. Oder er schafft schlicht Anbaufläche, wenn er weicht. „Dass seine Wurzeln den Boden festhalten, er zu günstigem Mikroklima beiträgt und zur Speicherung von Grundwasser, welches dann wieder die Quellen speist, das verstehen sie erst im nächsten Jahr.“ Die Geflüchteten zu integrieren und mit ihnen gemeinsam eine langfristige Perspektive zu entwickeln, ist nun eine der wesentlichen Herausforderungen des Districts. Dank der Zusammenarbeit mit TSURO sind die Gemeindegruppen ausreichend gestärkt und organisiert, um sich dieser Herausforderung zu stellen.

06.10.2017

Gepostet in: Simbabwe: Gemeinschaftlicher Ressourcenschutz und Ernährungssouveränität

Spendenformular

FundraisingBox Logo

×
Spendenwidget

×

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie die neuesten Informationen über die Arbeit des Weltfriedensdienst e.V.

Sie haben sich erfolgreich angemeldet.