Friedensarbeit in KwaZulu-Natal

von USCHE MERK, Pädagogin und Friedensfachkraft des Weltfriedensdienstes bei Sinani von 2006 bis 2008. (veröffentlicht im Querbrief 2/2007)

Ziel aller Bemühungen von Sinani ist es, Gemeindestrukturen in Konfliktgebieten so zu stärken, dass sie Frieden, Stabilität und Gewaltfreiheit fördern und Entwicklungsmaßnahmen ermöglichen. Sinani hat die Aufgabe, die Gemeinden in diesem Prozess zu begleiten. Wie kann man sich das konkret vorstellen? Ich möchte das am Beispiel eines beeindruckenden Ereignisses beschreiben, das sich aus der Arbeit von Sinani mit den Gemeinden einer Region entwickelt hat.

Ereignisse und Veränderungen

Am 11. März 2007 strömten fast 10.000 Menschen aus der ländlichen Region Umbumbulu südwestlich von Durban zu einer großen öffentlichen Versöhnungsfeier in Form eines Reinigungsrituals zusammen. Ehrengäste der Veranstaltung waren der Zulukönig Goodwill Zwelithini, der Finanz- und Entwicklungsminister der Provinz Zweli Mkhize, der gleichzeitig hochrangiger ANC-Parteivertreter ist, sowie Mangosuthu Buthelezi, Vorsitzender des Traditional House und Chef der IFP/Inkatha Partei. Eingeladen worden waren sie von den Amakhosi, den traditionellen Führern aus zehn vormals verfeindeten Gemeinden.
Schon am Abend zuvor hatte der rituelle, nicht öffentliche Teil begonnen: Priester der unabhängigen afrikanischen Kirche Shembe hatten im Beisein der Amakhosi eine Ziege geschlachtet und Heilkräuter verbrannt, um in Kontakt mit den Verstorbenen zu treten. Mit Wasser, das mit verschiedenen Beigaben und Gebeten geweiht wurde, reinigten die Amakhosi sich und die Toten symbolisch. Einer der Amakhosi erklärt den Hintergrund der Zeremonie: „Jene, die während der Kämpfe gestorben sind, verfolgen Dich immer noch. Wir, die wir noch am Leben sind, müssen Frieden schließen, so dass unsere Ahnen, die mit Blut befleckt sind, auch zur Ruhe kommen. Durch die Reinigungszeremonie sagen wir ihnen, dass sie die Waffen niederlegen sollen. Dass wir Frieden schließen mit jenen, die sie verletzt haben. Sonst bringen sie uns dazu, erneut die Waffen gegen unsere Brüder zu erheben.“ Am nächsten Tag wurden auch Tausende von Izinsizwa (traditionelle Kämpfer) gereinigt, die in ihren jeweiligen Formationen zur Veranstaltung kamen. „Und die Izinsizwa werden von allen Seiten kommen, sie werden tanzen, Hymnen singen, glücklich sein, ihre traditionellen Kleider und Symbole des Glücks tragen, nicht des Kampfes.“

Die Veranstaltung wurde ein großer Erfolg. Zahlreiche Pressevertreter einschließlich des Fernsehens erschienen und berichteten in den Abendnachrichten und allen relevanten Zeitungen ausführlich darüber. Bei der anschließenden Auswertung waren sich alle einig: „So eine große Reinigungszeremonie, gemeinsam mit allen chiefs und dem König, so etwas hat es noch nie hier gegeben. Wir sind hier geboren, aber so etwas haben wir noch nie gesehen.“

Prozessgeschichte

Wie ist dieses Ereignis zustande gekommen? Was hat dazu beigetragen? 2001 wurde Sinani vom örtlichen Polizeipräfekten gebeten, in Umbumbulu Möglichkeiten der Friedensarbeit mit den traditionellen Führern zu entwickeln, um den Kreislauf von politischer Gewalt und polizeilicher Intervention zu durchbrechen. Jahrzehntelang bekämpften sich dort die Gemeinden, die sich über die politischen Konflikte zwischen ANC und IFP polarisiert und in Einflusssphären aufgeteilt hatten.
Es dauerte lange, bis die zutiefst misstrauischen und verfeindeten Amakhosi bereit waren, mit Sinani zusammenzuarbeiten. Deren MitarbeiterInnen begannen, durch individuelle Besuche und in langen Einzelgesprächen unter strenger Beachtung der Protokollvorschriften Vertrauen und die Bereitschaft zum Dialog zu schaffen. Schließlich entstand daraus ein Dialogforum mit traditionellen Führern, das sich regelmäßig traf. Parallel dazu begann Sinani, mit Jugendlichen zu arbeiten, die in die Kämpfe verwickelt waren und Mühe hatten, ein friedliches Leben zu führen und neue Perspektiven zu entwickeln. Mit Hilfe verschiedener Angebote – zum Beispiel Traumaverarbeitung, Kommunikationstraining, aber auch Berufsberatung und Fortbildung – entstanden Jugendgruppen, die bereit waren, sich mit den Jugendlichen der verfeindeten Gemeinden zu treffen und auszutauschen. Darüber hinaus begleitete Sinani verschiedene andere Entwicklungsmaßnahmen zur Armutsminderung und Unterstützung von HIV/AIDS Betroffenen in den Konfliktgemeinden, um weitere Kontakte herzustellen und an gemeinsamen Interessen anzuknüpfen. Langsam ging die offene Gewalt zurück, es gab einen informellen Waffenstillstand.
Auf Initiative einiger Amakhosi wurde Ende 2005 zum ersten Mal darüber diskutiert, ein gemeinsames traditionelles Reinigungsritual aller chiefdoms durchzuführen, um den Frieden zu festigen. Auf den von Sinani moderierten Forumstreffen wurden erste Ideen für die Umsetzung entwickelt und um Unterstützung bei den anderen Amakhosi geworben. Das erwies sich als langer, zäher Prozess, denn bei der Planung und Diskussion der Zeremonie brachen die alten Konflikte wieder auf. Vorwürfe, die Zeremonie zu monopolisieren und für politische Zwecke missbrauchen zu wollen, wechselten sich ab mit persönlichen Animositäten, Eitelkeiten und Kommunikationsproblemen der einzelnen Amakhosi. Die Frage der gleichwertigen Beteiligung und der Wahl des Ortes für die Zeremonie wurde ebenso zum Politikum wie die Frage der Ehrengäste. Im Zentrum stand außerdem das Problem der Finanzierung einer so riesigen Veranstaltung. Daher wurde staatliche Unterstützung gesucht, insbesondere die des Ministeriums für Kommunalentwicklung und traditionelle Angelegenheiten. Allerdings mit ambivalenten Gefühlen, denn das Verhältnis zwischen den traditionellen Führern und den gewählten Vertretern ist alles andere als konfliktfrei. Ein zäher, komplizierter Machtkampf um Einflusssphären, öffentliche Repräsentation und die Angst der traditionellen Führer vor einem Machtverlust machte die Kooperation zwischen diesen verschiedenen kommunalen Entscheidungsträgern schwierig. Es erforderte allerhöchste diplomatische Moderationskunst von Sinani, um schließlich die Veranstaltung mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums, und mit Beteiligung der traditionellen Vertreter aus allen zehn Gemeinden, eines hochrangigen Ministers (und ANC-Vertreters), eines IFP-Führers sowie des Königs durchführen zu können.

Erfolgsfaktoren und Interventionskonzept

Wie hat es Sinani geschafft, solche Prozesse (mit) in Gang zu setzen und zu begleiten? Die Umbumbulu-Veranstaltung ist kein Zufall, auch wenn sie nie als ‚Projekt‘ geplant war. Sie ist Ergebnis jahrelanger Arbeit und vieler kleiner Schritte, die den Prozess hin zu dieser Veranstaltung begleitet haben. Dies war die eigentliche Friedensarbeit, die Veranstaltung selbst ist nur ein Indikator dafür, dass sie erfolgreich war. Sinani hat über viele Jahre des Probierens und Reflektierens ein prozessorientiertes Interventionskonzept entwickelt, das sich nicht nur in Umbumbulu bewährt hat. Drei Elemente sind dabei wesentlich:

• Der Aufbau von vertrauensvollen, tragfähigen Beziehungen im Sinne der afrikanischen Philosophie des Ubuntu, das den Einzelnen mit der Gemeinschaft in einem ganzheitlichen Zusammenhang sieht. Die zentrale philosophische Aussage dazu: “Umuntu ngumuntu ngabantu“ bedeutet die organische Beziehung zwischen Personen, die die Verpflichtung anerkennen, die Bedürfnisse des Anderen zu respektieren. Die Ideale des Ubuntu sind dabei fürsorgliche, großzügige, gerechte und respektvolle Beziehungen. Gerade solche Beziehungen sind durch Gewalt und Traumata massiv gestört, sie können sich aber in einem fortlaufenden, gleichberechtigten Dialog wieder entwickeln.

• Von zentraler Bedeutung ist die Partizipation der Betroffenen. Sie ist notwendig, um Würde wiederherzustellen und Vertrauen in den Veränderungsprozess zu gewinnen. Inspiriert von systemischem Denken geht Sinani davon aus, dass komplexe soziale Systeme nicht durchschaubar sind und vorhersehbar agieren, sondern ihrer eigenen internen Systemlogik folgen. Das bedeutet, dass Veränderungsprozesse nur von den betroffenen Menschen selbst entwickelt und durchgeführt werden können, sie sind die Experten für ihre Probleme und mögliche Lösungen. Die Idee, eine derartige Reinigungszeremonie durchzuführen, hätte niemals von außen kommen können, sie muss von den Betroffenen selbst getragen werden, wenn sie zu Veränderungsprozessen führen soll. Außenstehende Helfer können jedoch nützlich sein, um den Prozess zu begleiten und neue Perspektiven zu entwickeln.

• Durch die Arbeit auf verschiedenen Systemebenen (mit Individuen, Gruppen, Führungsstrukturen, Gemeindeorganisationen) zu verschiedenen Problemfeldern (Gewalt, Armut, HIV/AIDS) werden Mikro- und Makroprozesse verbunden, die sich gegenseitig fördern können. Dies hilft auch Spaltungen und Fragmentierungen, die über den Konflikt entstanden sind, zu überwinden und Gemeinden wieder handlungsfähig werden zu lassen. Die vielen Kontakte, die dabei entstehen, waren z.B. sehr nützlich für die organisatorische Umsetzung der Zeremonie.

Vieles von diesen theoretisch klingenden Konzepten drückt sich in der Praxis in der Haltung der Sinani-GemeindearbeiterInnen aus: Die Art, wie sie Sitzungen leiten und Allen Respekt und Zeit zum Zuhören verschaffen, die Art wie sie Fragen stellen, die die Leute zu eigenen Antworten herausfordern, die Art, wie sie Bedürfnisse von TeilnehmerInnen wahrnehmen und gemeinsam Lösungen für ihre Befriedigung suchen (Verpflegung, Transport, Zeitplanung, Rückmeldung), die Art, wie sie an Gemeindeereignissen teilnehmen, die nicht direkt zum Projekt gehören, die Art, wie sie auf Todesfälle und persönliche Schicksalsschläge von TeilnehmerInnen reagieren, die Art, wie sie Leute und Gruppen in Verbindung bringen, die sich gegenseitig helfen können, die Art, wie sie relevante Informationen und Kontakte an die TeilnehmerInnen weitervermitteln, die Art, wie sie ihre eigene Rolle als Moderator im Hintergrund sehen, die Art, wie sie über sich selbst und die eigene Arbeit nachdenken.

Wirkungen und Nachhaltigkeit

Welche Folgen hatte die Umbumbulu-Veranstaltung bisher? Vier Wochen nach der Zeremonie wurden die Amakhosi vom Finanzminister persönlich eingeladen, um über die Probleme und Herausforderungen von Entwicklungsbemühungen in Umbumbulu zu sprechen. Anschließend stellte er Kontakte zu allen anderen relevanten Ministern und Zuständigen für Entwicklungsfragen her. In den darauf folgenden Forumssitzungen gab es nicht nur zahlreiche positive Rückmeldungen über die Zeremonie, sondern auch viele neue Ideen und Pläne, die sich in den Aussagen der Forumsteilnehmer widerspiegeln:

„Umbumbulu wurde am 11. März neugeboren. Jetzt müssen wir die Früchte des Friedens ernten und sicherstellen, dass Entwicklung in unseren Dörfern stattfindet, Respekt wiederhergestellt wird und die Kriminalität zurückgeht.“

„Das Forum soll weitergehen, es ist sehr wichtig. Es ist die einzige Plattform, in der Leute aus verschiedenen politischen Parteien akzeptiert werden und zusammenkommen. Wir sind einen langen Weg gegangen und jetzt können wir an die verschiedenen Türen klopfen, um Hilfe zur Entwicklung unserer Gemeinden zu organisieren.“

“Aus unseren Gemeinden sollen zukünftig gebildete Leute hervorgehen, die Führer in der Welt werden können. Forumsmitglieder sollten auch Zugänge zu Fortbildungsmöglichkeiten haben, vielleicht sogar ins Ausland reisen, um neues Wissen zu erwerben, so wie die Leute aus dem Ausland immer zu uns kommen, um zu lernen.“

“Wir haben tiefen Respekt vor Sinani, die uns selbst in den schwierigsten Verhandlungen geduldig, hartnäckig und immer unparteiisch zur Seite standen. Sie haben ihrem Namen ,Sinani‘ – ,Wir sind mit Euch‘ wirklich alle Ehre gemacht und wir sind ihnen sehr dankbar für diese Unterstützung.“

Weil es auch für Sinani neu war, traditionelle Rituale in ‚moderne‘ Friedensbildungskonzepte zu integrieren, führte Sinani eine partizipative Untersuchung über die Bedeutung der Reinigungsrituale durch. In Gruppeninterviews mit den Amakhosi und den Izinsizwa entstanden nicht nur lebhafte Diskussionen über die Rolle der Zeremonie, die Beteiligten kamen sich dabei auch näher und begannen selbst, über die Wirkung der Zeremonie und die langfristigen Folgen zu sprechen. Die Einsichten aus dieser Untersuchung führten außerdem zu Dialogen mit Studenten und Professoren an der Universität, die sich mit lokaler Geschichte und einheimischem Wissen beschäftigen. Tief beeindruckt nahmen sie an der Veranstaltung teil und entwickelten die Idee, zusammen mit Sinani eine vertiefende Untersuchung über die Wirkungen der Reinigungszeremonie durchzuführen und die Ergebnisse den Gemeinden in Form eines history booklets oder eines Films zurückzugeben.
Sind diese Entwicklungen also Zeichen – Indikatoren – dafür, dass in Umbumbulu eine nachhaltige Friedensentwicklung eingeleitet wurde? In komplexen sozialen Prozessen wie der Friedensarbeit ist es schwierig, kausale Zusammenhänge zwischen Interventionen und ihren Wirkungen herzustellen, da viele Faktoren an den Veränderungsprozessen beteiligt sind. Noch schwieriger sind Voraussagen darüber, ob Veränderungen nachhaltig sind. Zunehmend setzt sich in der Evaluierungsdebatte von Friedensprojekten die Einsicht durch, dass man über die Nachhaltigkeit von Frieden wenig substanzielle Aussagen machen kann. Die Friedensforscherin Martina Fischer geht sogar soweit zu sagen: „Die Kategorie der Nachhaltigkeit erweist sich m. E. für Evaluierungen von Friedensarbeit, wo es um sozialen Wandel und die Veränderung von gesellschaftlichem Handeln geht, als wenig hilfreich.“ Tiefsitzende Konflikte können unerwartet wieder aufbrechen, ohne dass FriedensarbeiterInnen diese Prozesse kontrollieren könnten. Gleichzeitig lässt sich schwer nachweisen, dass Friedensarbeit einen Gewaltausbruch verhindert hat.
Diese Schwierigkeiten bedeuten jedoch nicht, dass die Auswertung von Friedensarbeit beliebig ist. Für einen anderen bekannten Friedensforscher, John Paul Lederach bedeutet Evaluierung von Friedensprojekten nicht das Messen von Ergebnissen sondern das Lernen darüber, wie Veränderungsprozesse vonstatten gehen. “Unser Ansatz unterstützt Praktiker darin, von den Veränderungsprozessen zu lernen, die sie fördern. Wir unterstützen die Entwicklung einer reflektierten Praxis, die durch explizite und disziplinierte Reflektion Wissen und Verständnis entwickelt, die die Praxis verbessert.“ Einem solchen Verständnis folgt auch Sinani, das in seiner Organisationsstruktur vielfältige Orte geschaffen hat, an denen Wirkungsbeobachtung, Praxisreflektion und kontinuierliches Lernen stattfinden. Doch nicht nur unter den MitarbeiterInnen von Sinani, sondern gemeinsam mit den Gemeinden finden solche Reflektionen statt: In Auswertungssitzungen, bei den Forschungsinterviews, bei Planungsdiskussionen und Jahresmitgliederversammlungen. Die rege Bereitschaft der Gemeindemitglieder, daran mitzuwirken, ist vielleicht der wichtigste Indikator dafür, dass sich die Dialogprozesse fortsetzen werden. Und somit Orte weiter bestehen, an denen auch für unerwartete Herausforderungen und Rückschläge konstruktive Lösungen gefunden werden können.

Die Rolle des Weltfriedensdienstes

Durch die Vermittlung von KooperantInnen und Projektbudgets leistet der Weltfriedensdienst wertvolle Unterstützung für diese Arbeit, zusätzliches Personal kann beschäftigt werden und laufende Kosten für die zeitaufwendigen Programme werden übernommen. Die Friedensfachkräfte des Weltfriedensdienstes haben vieles von der Haltung Sinanis übernommen und ihrerseits zu Reflektionen wahrend der Prozessbegleitung beigetragen. Der Blickwinkel von ‚externen Insidern‘ kann den Lernprozess in Organisationen befruchten, zumal eine wesentliche Aufgabe aller KooperantInnen die Erforschung, Dokumentation und Sichtbarmachung der Sinani-Interventionen ist. So sitze ich zum Beispiel dieses Jahr daran, das Sinani-Konzept in einem Handbuch festzuhalten, das auch anderen Projekten nützlich sein soll. Personelle Unterstützung, vor allem aber langjährige, verlässliche Finanzierung sind Grundlage einer wirkungsorientierten und nachhaltigen Intervention. Veränderungsprozesse brauchen Zeit und Ausdauer. Noch ist es nicht klar, ob der Weltfriedensdienst Sinani über 2008 hinaus unterstützen kann. Aber klar ist schon, dass ein Ende der Unterstützung durch den Weltfriedensdienst nicht das Ende der Arbeit von Sinani bedeuten wird, und noch weniger wird es das Ende von Veränderungsprozessen in Umbumbulu sein.

 

Literatur:
Martina Fischer: Friedensarbeit zwischen Kurzzeit-Evaluierung, Prozessbegleitung und Aktionsforschung, Berghof Working Paper No 3, 2006 (www.berghof-center.org)
John Paul Lederach, Reina Neufeldt, Hal Culbertson: Reflective Peacebuilding: A Planning, Monitoring, and Learning Toolkit, 2007 (www.crs.org)

07.07.2016

Gepostet in: Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

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Auch im zweiten Projektjahr von Global Generation fanden intensive Workshops mit Hilfe unserer Partnerorganisationen statt. Hier ein Artikel über einen sehr bewegenden Workshop  in Ungarn.

Bei allem Respekt!  Ein Workshop in Ungarn zu gesellschaftlichen Umbrüchen

Mittwoch, 21. Dezember 2011

WERA TRITSCHLER ist Koordinatorin von Global Generation.

Veröffentlicht in Querbrief 4/2011 -Umbrüche

Auch in Österreich und Ungarn organisiert Global Generation Workshops zum Globalen Lernen für Menschen ab 50 Jahren. Die Moderation eines Workshops übernimmt eine Trainerin von SINANI – unserer Partnerorganisation in Südafrika. Im September 2011 moderierte Berenice Meintjes ein bewegendes Treffen in Ungarn.

In einer Gaststätte am Rande der kleinen, aber alten und traditionsbewussten Königsstadt Szekesférhervar warteten 35 Teilnehmer, alle mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen zu Südafrika im Kopf. Schnell fiel die Heterogenität der Gruppe auf: Einige Frauen saßen abseits und für sich. Sie widmeten ihre ganze Aufmerksamkeit dem Essen, dessen Reste sie für die Daheimgebliebenen einpackten. Es waren Roma, die von unserer ungarischen Partnerorganisation zu dem Workshop eingeladen wurden. Sie fühlten sich sichtlich unwohl. Berenice Meintjes erkannte auch gleich warum: Andere Teilnehmer erklärten mit Blick auf die Roma: „Sie sind wie die Afrikaner, vermehren sich wie die Kaninchen und bevölkern unsere Städte.“ Berenice überhörte einfach diese und weitere rassistische Äußerungen und sprach über Apartheid in Südafrika und ihre Überwindung. Sie stellte die Arbeit von SINANI für ein friedliches Zusammenleben in Kwa Zulu Natal vor und welche besondere Rolle der gegenseitige Respekt dabei spielt.

Die TeilnehmerInnen waren eingeladen, dies mit der Geschichte des sozialen Wandels in Ungarn zu vergleichen. Spätestens aber, als es um die eigene Rolle zur Heilung und Versöhnung ging und um ein besseres Miteinander – spätestens da wurden die bisherigen Vielredner der Runde leiser. Sie begannen zuzuhören. Die leise und bejahende Art von Berenice, ihr intensives Zuhören, schuf ein Klima der Aufmerksamkeit und Nähe. Ohne dass darüber gesprochen wurde, kamen die Roma von außerhalb in den Stuhlkreis hinein. Als es um Respekt als Voraussetzung für ein friedliches Miteinander ging, waren sie diejenigen, die zu erzählen begannen: Die Geschichten ihrer Kindheit, ihres Zurückgewiesen- Werdens und Sich- Kleinfühlens nahm den Atem und berührte alle. Die TeilnehmerInnen haben sicher viel über Südafrika gelernt. Aber was eigentlich passiert ist auf dem Workshop, das Zusammenrücken zweier Gruppen in ihrem Heimatland Ungarn, ist noch viel wertvoller.

Das ist allein Berenices Verdienst. In nur zwei Tagen ist es ihr gelungen, gegenseitigen Respekt zu schaffen. Ihre jahrelange Erfahrung in der Arbeit unter schwierigsten Bedingungen und das Selbstverständnis von SINANI als Lernende trägt dazu bei. Auch wir wünschen uns noch viele Gelegenheiten, von unseren südafrikanischen Partnern lernen zu können.

06.07.2016

Gepostet in: Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

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Juba Khuzwayo, Simanga Sithebe und Mdu Molefe von Sinani schildern ihre Erfahrungen

Wie sehen Sie das heutige Südafrika, fast 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid?

Molefe: Es gibt großen Fortschritt in vielen Bereichen. Apartheid und soziale Ungleichheit waren in diesem Land durch die alte Gesetzgebung tief verwurzelt. Diese wurde an den Wandel angepasst. Wir haben heute neue Gesetze. Außerdem gibt es politische Maßnahmen zur Gleichstellung am Arbeitsmarkt. Diejenigen, die früher benachteiligt wurden, haben jetzt mehr Möglichkeiten. Trotzdem haben all diese Gesetze keinen Effekt, wenn große Teile der Bevölkerung nicht für den Arbeitsmarkt ausgebildet sind. Bildungsmöglichkeiten auch in ärmeren Gemeinden müssen angegangen werden, wenn wir tatsächlich Gleichheit schaffen möchten. Denn bis jetzt gilt noch immer: Wer Geld hat, kann seine Kinder auf bessere Schulen schicken. Darum werden diejenigen, die keinen Zugang zu hochwertiger Bildung haben, immer nur in der zweiten Reihe stehen. So können die Gesetze nicht greifen.
Aber insgesamt hat sich das Land stark zum Guten gewendet, gerade was unsere Verfassung und unser Rechtssystem angeht. Wir verfügen über Institutionen, die es uns ermöglichen, Streitfragen vor Gericht zu bringen und die Regierung anzuprangern. Das hilft, Unabhängigkeit zu bewahren.

Sithebe: Aus sozialer Perspektive sind wir viel integrierter als vorher und es herrscht ein breites Spektrum soziokultureller Interaktion. Wir haben nun die Möglichkeit, uns auszudrücken. Wir haben Bewegungsfreiheit und können an Orte ziehen, die anders sind, als das, was wir davor gewohnt waren.

Khuzwayo: Es gibt viele gute Ansätze in der Politik, um Menschen den Umgang mit sozialen Herausforderungen zu erleichtern. Beispiele sind die Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und das Sozialhilfesystem, von denen die Menschen direkt etwas haben. Außerdem werden interessante und kreative Gesetze eingeführt, so wie die Regelung, dass Krankenhäuser und Gefängnisse ihre Einkäufe bei lokalen Gemeindeorganisationen ausführen müssen.

Was trägt Sinani zur Gestaltung des Wandels bei?

Molefe: Sinani ermöglicht es den Menschen, mit der Regierung zusammen den sozialen Wandel zu gestalten, indem sie die Regierung auf die Bedürfnisse der Bevölkerung aufmerksam macht. An unserer jährlichen Generalversammlung laden wir normalerweise immer einen Regierungsvertreter ein, um sich mit unseren Mitgliedern auszutauschen.

Sithebe: Was ich sehr an unserer Organisation schätze, ist dass einige Mitarbeiter in der Führung von Sinani sehr gut zuhören können und sich in ihrer Meinungsäußerung zurücknehmen. Man kann einfach keine gute Gemeinschaftsordnung schaffen, ohne in die zwischenmenschlichen Beziehungen zu investieren und ohne den Menschen einen Ort zu bieten, wo sie sich näher kommen und in Gespräche treten können. Sinani führt Menschen zusammen, die sich davor gegenseitig den Tod wünschten. Jetzt legen wir ihnen ans Herz, zu verstehen, was für eine neue Gesellschaft nötig ist: der Aufbau von Beziehungen, die Zeit füreinander und eben die Fähigkeit, einander zuzuhören.

Khuzwayo: Wir verbinden Menschen. Sinani hilft, Kontakte zu Ressourcen zu verschaffen. Diese Art von Netzwerkarbeit hat großen Erfolg.

Was war für Sie persönlich das Schlimmste an der Apartheid?

Molefe: Für mich war das Schlimmste, dass die Menschenrechte mit Füßen getreten und den Menschen ihre Würde genommen wurde. Aber das Allerschlimmste war die Ermordung von wehrlosen Menschen: Menschen, die mit Steinen gegen Schwerbewaffnete antraten. Wir leben noch immer mit der Hinterlassenschaft der Apartheid. Unsere Gesellschaft hat sich noch nicht versöhnt.

Noch immer gibt es Personen, die sich das alte System zurückwünschen. Sie betrachten die ungleiche Gesellschaft als gottgegeben – eine Rasse sei der anderen nun mal überlegen. Es scheint, dass die Bemühungen um Versöhnung nur von einer Seite kommen, der Seite der damals Unterdrückten.

Sithebe: Stellen Sie sich vor, Sie belagern das Haus von jemandem, Sie wünschen die Kontrolle über diese Person und dass diese Ihnen den Haushalt führt – genau das ist es, was die Apartheid gemacht hat. Der „Hausneger“ steht seinem Herren so nahe, dass er, selbst wenn er könnte, nicht wegrennen würde. Er denkt, dass das, was ihm schadet, ok für ihn ist. Das ist traurig.

Khuzwayo: Die Apartheid zerstörte das Denken der Menschen. Sie kontrollierte ihre Bewegungen und Grundrechte und beeinträchtige ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

Was ist für Sie das größte Geschenk der Nachapartheidszeit? Etwas, dass für Sie nicht selbstverständlich ist.

Molefe: Das Recht auf freie Meinungsäußerung, ohne dass man sich umschauen müsste, wer einen gleich einsperrt oder sogar umbringt. Man kann jetzt sagen, was man für richtig oder falsch hält. Während der Apartheid war das ein Verbrechen, das mit dem Tod bestraft wurde.

Sithebe: Manchmal belebt sich der Schrecken der rassistisch motivierten Morde wieder. Aber wir haben nun die Möglichkeit, miteinander zu sprechen und zu verstehen, woher der andere kommt. Das Recht, aufgebracht zu sein, hat jeder, aber dennoch müssen wir weitergehen. Wir haben jetzt den Raum, uns auszusprechen.

Khuzwayo: Wir haben eine wundervolle Verfassung! Wenn Dinge angeprangert werden, berufen sich die Leute tatsächlich auf die Verfassung. Sie benutzen sie um zu sagen: Dafür haben wir gekämpft und deshalb ist dies und jenes nicht akzeptabel!

JUBA KHUZWAYO ist seit über 10 Jahren bei Sinani im Arbeitsbereich Konfliktbearbeitung tätig und arbeitet derzeit an ihrem PhD. Ihre politischen und religiösen Einstellungen lebt sie mit viel Engagement in sozialen Aktivitäten aus.

MDUDUZI MOLEFE ist Direktor von Sinani, der früh seine Bildung für den Kampf für die Freiheit opferte. Nach dem Ende der Apartheid holte er diese nach und erwirbt jetzt seinen Mastertitel.

SIMANGA SITHEBE, zuständig für Planung, Monitoring und Evaluation. Sein Anliegen ist es, den Menschen zu vermitteln, dass sie stolz darauf sein können, wer sie sind. Brücken zwischen verschiedenen Gruppen zu bauen, erscheint ihm fundamental.

Übersetzung aus dem Englischen: Elisabeth Jeglitzka

06.07.2016

Gepostet in: Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

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von SARAH WIBBELER, MA Anglistik, Romanistik und Politikwissenschaft, war Praktikantin bei Global Generation (veröffentlicht im Querbrief #4/2012)
„Unglaublich! Du bist der erste Schwarze, den ich hier in Ungarn treffe!“ So der begeisterte Ausruf eines etwa 20-jährigen Mannes auf dem Marktplatz in Bodajk als er Simanga Sithebe sieht. Der war im Rahmen des WFD-Projektes GLOBAL GENERATION dorthin gereist. Das 60 km südwestlich von Budapest gelegene Dörfchen war Schauplatz eines Süd-Nord-Austausches von Global Generation und Simanga Sithebe, Leiter der südafrikanischen Partnerorganisation SINANI, bereicherte den ungarischen Workshop um die südafrikanische Perspektive.

Auf den freundlichen Empfang folgten drei Tage intensiver Arbeit. Die Erwartungen der Teilnehmenden waren vielfältig: „Etwas über Südafrika lernen, Menschen kennenlernen, einen Partner finden, die Welt verbessern…“ So verschieden die Erwartungen, so heterogen die 20-köpfige Gruppe. Da gab es engagierte Frauen, die ehrenamtlich Schülern Nachhilfeunterricht geben, und männliche Teilnehmer, die sich während des Workshops eher passiv zeigten, in den Kaffeepausen aber keine Gelegenheit ausließen, mit jüngeren Teilnehmerinnen ins Gespräch zu kommen. Für einige schienen die Mahlzeiten das Highlight des Tages zu sein, andere nutzten die Pausen, um Simanga über Südafrika auszufragen. Eine Teilnehmerin sagte während des gesamten Workshops kein einziges Wort. Ihr Ehemann und Sprachrohr teilte der Gruppe mit, sie sei zu schüchtern, aber da sie ohnehin meistens einer Meinung seien, könne er auch für sie antworten.

Für die meisten Teilnehmenden war es die erste Begegnung mit Afrika und ihre Erwartungen und Bilder von dem fernen Kontinent waren recht unterschiedlich. Viele glaubten, die Afrikaner „wüssten nicht viel über Europa“, man bekäme dort ja auch „kaum Informationen von dem Rest der Welt“. Andere fragten, ob Simanga in der Wüste lebe und ob man dort überhaupt die Möglichkeit habe, einzukaufen. Während Simanga als „Fremder“ und „Exot“ schnell Mittelpunkt des Geschehens wurde, wechselten viele Kursteilnehmer kaum ein Wort untereinander. Dem positiven Interesse an einer fremden Kultur stand das Desinteresse am eigenen Miteinander gegenüber. Den Grund nannte eine Teilnehmerin schnell und schnörkellos beim Namen: „Na, die da sind Gypsies, die anderen Ungarn.“ Etwa ein Drittel der Teilnehmenden waren Roma. Das schwierige Verhältnis zwischen Roma und Nicht-Roma wurde rasch zum versteckten Thema des Workshops. Die offene Thematisierung des Problems war aber nicht leicht und nur von den wenigsten erwünscht.

Aber gerade der Austausch persönlicher Erfahrungen und die Offenlegung der Biographien verleihen dem Projekt „Global Generation“ seinen Reiz. Was nun aber, wenn die Teilnehmer sich weigern, in Kleingruppen zu arbeiten, geschweige denn, Persönliches von sich preiszugeben? „Wir wollen keine Gruppenarbeit und wir wollen nicht über uns reden. Simanga, erzähl uns aus Südafrika!“ Zumindest in diesem Punkt schienen alle übereinzustimmen.

Und so begann Simanga zu erzählen, von seinem Leben in einem Land, dessen Bevölkerung so gespalten war wie kaum in einem anderen Land der Erde. Ein Land, in dem eine Gruppe die andere gnadenlos unterdrückte. Es folgte eine eindrucksvolle Schilderung über die südafrikanische Geschichte, das Black Consciousness Movement und das Ende des Apartheitregimes. Die Schilderung der Situation der schwarzen Bevölkerung in Südafrika weckte schnell die Empathie der Teilnehmer.

Die tragische Geschichte eines 65-jährigen Südafrikaners, von Simanga anschaulich vorgetragen, sorgte für Stille im Raum und stellte einen Höhepunkt des Workshops dar. Ein von Armut, Exklusion und sozialem Auf- und Abstieg geprägtes Leben ließ die Teilnehmer verstummen und wie gebannt zuhören. Die Nachwehen des Apartheitregimes waren unmittelbar mit dem Verlust zweier seiner Kinder verbunden, was die Teilnehmer besonders zu bewegen schien. Die Empathie, die die Teilnehmer diesem ihnen unbekannten Mann entgegenbrachten, zeigt, wie sehr eine persönliche Ebene zu mehr Verständigung und Verständnis führen kann. Von den Vorurteilen der ersten Sitzung gegenüber Südafrika war nicht mehr viel zu spüren.

Besonders die Roma, die sich selbst als die „Schwarzen“ Ungarns bezeichnen, identifizierten sich mit den Freiheitskämpfern Südafrikas. Emotionale Ausrufe wie „Simanga, Simanga, bei uns ist das ganz genauso!“ mehrten sich. Wir verfügten über keine Rechte, werden nicht ernstgenommen und sind die Sündenböcke für alle sozialen und wirtschaftlichen Probleme Ungarns. Im Mittelpunkt der Kritik stand die ungarische Bildungspolitik. Segregation an Schulen und eine systematische Benachteiligung der Romakinder sind gängige Praxis, so eine These. Wider Erwarten stimmten alle Teilnehmer zu.

Nicht nur Segregation und Diskriminierung der Roma wurden angeprangert. Soziale Ungerechtigkeiten, mangelnde Infrastruktur und Unzulänglichkeiten der staatlichen Behörden seien Probleme, die nicht nur in Südafrika, sondern auch in Ungarn an der Tagesordnung seien, so die Mehrheit der Teilnehmer. Die Gruppe, die anfangs kaum Partizipation zeigte, wurde immer lebhafter und aktiver. Fragen häuften sich und die derzeitige politische und soziale Situation in Südafrika rückte nun ins Zentrum des Interesses.

Kann nun der Norden vom Süden lernen? – Ja! Nicht nur „über“ Südafrika, wie alle Teilnehmer es sich gewünscht hatten, sondern auch „von“ Südafrikanern. Methoden der Konfliktbearbeitung, der Partizipation und des Umgang mit Behörden wurden in Ungarn als Neuland empfunden. „Wir brauchen dringend Organisationen wie SINANI in Ungarn dringend“, so eine Teilnehmerin. In Ungarn fehlt es vor allem an Kommunikation, die doch so wichtig ist für eine offene, tolerante Gesellschaft. Kommunikation zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen ebenso wie zwischen staatlichen Behörden und Zivilgesellschaft.

Zwei Teilnehmer bemerkten beim Abschiednehmen, sie hätten gerne mehr über die anderen Teilnehmer erfahren, gerade über die jeweils andere Bevölkerungsgruppe. Dies macht Hoffnung eine mögliche Annäherung in Richtung des jeweils vermeintlich „Anderen“ im eigenen Land. Und es zeigt, dass ein Projekt wie Global Generation tatsächlich einen Dialog anregen kann, der die Segregation wenigstens im Kleinen überwindet?

Und welche Rolle spielt dabei der afrikanische Trainer, der auf alle Workshop-Teilnehmer zunächst „fremd“ und „exotisch“ wirkte? Vielleicht konnte gerade ein „Fremder“, mit dem sich alle ein bisschen identifizieren konnten, das Eis brechen. Auf jeden Fall hat Simangas Aufenthalt in Ungarn, allen Problemen, Vorurteilen und Kommunikationsproblemen zum Trotz, gezeigt, wie viel ein Blick über den Tellerrand bewirken kann. Es sind oft sehr persönliche Geschichten, die unser Zusammenleben und unsere Kommunikation prägen und Stereotypenbildung entgegenwirken. Das „Fremde“ und „Andere“ ist spannend, es gibt mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick erkennt und auch Unterschiede können bereichernd sein. Diese auch beim Nachbarn im eigenen Land zu entdecken und wertzuschätzen, bleibt eine Herausforderung. Einen gemeinsamen Traum hat die gesamte Gruppe jedoch bereits für sich entdeckt: Simanga eines Tages in Südafrika zu besuchen.

06.07.2016

Gepostet in: Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

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