Die unselbständige Stiftung Solidarität und Menschenrecht (S.U.M.) wurde im Jahr 2000 von dem Psychologen Rolf-Albert Schmitz und seiner Tochter Susanne Schmitz gegründet.
Mit ihrer Arbeit wollen die Stifter vor allem zur Verbesserung der Menschenrechtssituation im In- und Ausland beitragen. Seit dem Jahr 2005 fördern sie jährlich mit einem großzügigen Betrag u.a. die Menschenrechtsarbeit des Rates der Indigenen Organisationen von Jujuy, COAJ in Argentinien.

Rolf-Albert Schmitz lächelt. Als Stifter und Mitglied des Weltfriedensdienstes unterstützt er das Projekt COAJ- Menschenrechte für Indigene schon seit Jahren..

Rolf-Albert Schmitz unterstützt das Indigenen-Projekt COAJ als Stifter der Stiftung Solidarität und Menschenrecht und als Mitglied des Weltfriedensdienstes.

Die Teilnahme an Workshops, Gespräche mit COAJ-MitarbeiterInnen und VertreterInnen der kooperierenden Gemeinden während seines Projektbesuchs bestärkten Rolf-Albert Schmitz in seinem Engagement. Eine persönliche Freundschaft verbindet ihn inzwischen mit der Präsidentin von COAJ, Natalia Sarapura, die er bei jedem ihrer Deutschlandbesuche traf. Auf seine Initiative schlug seine lokalen Amnesty-Gruppe die kämpferische Argentinierin für den Bremer Friedenspreis vor, den sie 2013 erhielt.

Insgesamt trug S.U.M. mit 96.000 Euro entscheidend dazu bei, dass der Weltfriedensdienst seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem argentinischen Partner im Rahmen mehrerer BMZ-finanzierter Projekte in Folge fortsetzen konnte. Zusätzlich ermöglichte S.U.M. den Bau und die Ausstattung eines Studentenwohnheims, in dem COAJ auch Meetings und Veranstaltungen durchführen kann. Für den Weltfriedensdienst und COAJ ist es ein großes Geschenk, Rolf-Albert und Susanne Schmitz an ihrer Seite zu wissen!

Steuervorteile für das Engagement für Menschenrechte

Die Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt. Das bedeutet, dass Zuwendungen an die Stiftung (Spenden) steuerabzugsfähig sind. Spender erhalten eine Zuwendungsbestätigung („Spendenbescheinigung“) zur Vorlage beim Finanzamt.

Folgende Steuervorteile gelten für Spender und Stifter:

  • Spenden an die Stiftung können nach § 10b EStG
  • bei Privatpersonen bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte
  • bei Unternehmen bis zu 4 Promille der Summe der gesamten Umsätze und der im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne und Gehälter als Sonderausgaben abgezogen werden.
  • Zusätzlich kann für Spenden in den Vermögensstock der Stiftung („Zustiftungen“) ein Sonderausgabenabzug bis zu € 1 Mio. (Ehegatten: € 2 Mio.) geltend machen, der innerhalb von 10 Jahren zeitlich beliebig vorgetragen werden kann und alle 10 Jahre erneut zur Verfügung steht.

Stiftungskonto der Stiftung Solidarität und Menschenrecht

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE41100205000002266600
BIC: BFSWDE33BER

Zweck: Zustiftung oder Spende

12.04.2017

Gepostet in: Argentinien: Indigene kämpfen um ihr Land, Die Stiftungen des Weltfriedensdienst e.V.

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Indigene Gemeinden in Jujuy Demonstration für Landrecht

von: Elisabeth Jeglitzka (Erstveröffentlichung im Querbrief 3/2012)

6. Dezember 2011,
auf der Hochebene bei Ojo de Huancar zwischen den argentinischen Provinzen Jujuy und Salta haben sich rund 500 Indígenas aus 33 Gemeinden versammelt. Sie haben den langen Weg in die abgelegene Andensteppe auf sich genommen, weil sie gespannt auf hohen Besuch warten. James Anaya, der unabhängige UN-Sonderberichterstatter für Indigene Rechte, hat seinen Besuch angekündigt und sie setzen große Hoffnung darauf. Er wird sich über die Situation der Indígenas informieren und den Vereinten Nationen dazu Bericht erstatten. Nach Stunden des Wartens erscheint am Horizont endlich ein Hubschrauber. Unter ohrenbetäubendem Lärm nähert er sich. Die bunten Fahnen geraten mächtig ins Wehen und erst als der Motor langsam abstirbt, wird die Musik hörbar, die zur Begrüßung von James Anaya gespielt wird.

Trotz der fröhlichen Begrüßung ist der Besuch von tiefem Ernst gezeichnet. Anaya wurde eingeladen um sich über die Besorgnis erregende Menschenrechtssituation vor Ort zu informieren. Die indigene Bevölkerung ist in ganz besonderem Maße betroffen. Die Probleme reichen von Vertreibung über die Zerstörung der wirtschaftlichen und kulturellen Lebensgrundlagen bis zur ethnischen Diskriminierung. Die indigenen Frauen leiden besonders unter der Situation. Bei einem Treffen zwischen Anaya und der Leiterin des Rates der Indigenen Organisationen von Jujuy (COAJ) Natalia Sarapura und einigen Mitarbeiterinnen des Projekts „Rechtsprechung Indigene Frau“ (Jurisprudencia Mujer Indígena) wurde Anaya in die komplexe Problematik eingeführt.

Vor allem die Rechte der Frauen werden missachtet

Viele indigene Frauen leiden unter systematischen Verletzungen ihrer Rechte. Schon in der Bildung, die ihnen eigentlich Wege zur Selbstbestimmung und zu besseren Lebensbedingungen ebnen sollte, stoßen sie auf fast unüberwindbare Hindernisse. Die übermäßig hohe Analphabetenquote unter den indigenen Frauen spricht für sich. Viele indigene Gemeinden sind allenfalls mit einer schlecht besetzten Grundschule ausgestattet. Um eine weiterführende Schule zu besuchen, müssen weite Strecken zurückgelegt oder der Wohnort gewechselt werden. Für eine indigene Frau ist dies mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die Wege sind mühsam, vor allem mit Kindern, und nicht selten gefährlich. Finanzielle Mittel für Verkehrsmittel oder gar eine Wohnstätte in einem anderen Ort sind so gut wie nicht aufzubringen. Dazu kommt, dass die Lehrpläne der argentinischen Schulen nicht auf die Vielfalt der Ethnien des Landes abgestimmt. Auch die Städte, an denen weiterführende Bildung angeboten wird, erlauben es den Indígenas nicht, die traditionelle Lebensweise aufrecht zu erhalten. Häufig können sie nicht einmal ihre eigene Sprache beibehalten. Diese Bildungsstruktur des öffentlichen Sektors greift tief in das Leben der Indígenas ein: auf dem Spiel steht ihre Identität und die soziale Integrität der Gemeinden, denn die Frauen, viele von ihnen Mütter, fühlen sich verantwortlich für die Weitergabe der Kultur an ihre Kinder.

Indigene Frauen und ihre Rechte

Die Teilnehmenden des Projekts „Rechtsprechung Indigene Frau“ unter der Leitung von COAJ-Präsidentin Natalia Sarapura treten, unterstützt vom Weltfriedensdienst, gegen diesen grundlegenden Missstand an. Sie verbreiten Informationen über die Lage und ermutigen Frauen, sich in nicht-staatliche Bildungseinrichtungen zu integrieren. COAJ selbst hat hier einen wichtigen Schritt unternommen und den weiterführenden Studiengang „Indigene Entwicklung“ geschaffen. Aber vor allem hilft das Projekt den Frauen dabei, Gerichte anzurufen, wenn ihre Rechte verletzt werden.

Der Besuch von James Anaya ist für den Erfolg ihrer Arbeit von großer Bedeutung. Anaya verfügt über Mittel, die schwierige Situation der indigenen Frauen an die argentinische und internationale Öffentlichkeit zu bringen. Von seinen Empfehlungen an den argentinischen Staat erhofft sich das Projekt, dass die regionale Rechtsprechung endlich den nationalen Gesetzen und internationalen Abkommen entsprechen wird.

Der einzige Weg

Dies ist auch die Erwartung der versammelten Indígenas, die Anaya auf der Hochebene bei Ojo de Huancar begrüßen. Vor den Salzstätten Salinas Grandes möchten sie Anaya die Menschenrechtsverletzungen vor Ort schildern. Ein Bergbauunternehmen soll unter Einverständnis der argentinischen Regierung aus den Salzstätten den heiß begehrten Rohstoff Lithium abbauen. Lithium steht hoch im Kurs, z.B. weil man ihn für Handy-Akkus braucht. Durch die Lithiumproduzenten wird den Indígenas jedoch der Zugang zu den Salzablagerungen verboten. Auch droht durch die Produktionsweise das Grundwasser zu versalzen und wird so für die Bewässerung der kargen Landschaft unbrauchbar.

Die ortsansässigen Indígenas, die schon seit Generationen kollektiv Salz abbauen und das Land nachhaltig bewirtschaften, sind vor Gericht gegangen. Ihr Recht auf Informierung und Absprache wurde massiv verletzt. Jetzt sehen sie sich in ihrer Existenzgrundlage bedroht. Der einzige Ausweg aus dem Konflikt scheint der Rechtsweg zu sein, denn ziviler Widerstand, wie Straßenbesetzungen, wurde anderenorts durch Militäreinsätze im Keim erstickt. Die Indígenas von Salinas Grandes sind gezwungen, darauf zu warten, dass ihnen die Justiz Landtitel für die Salzstätten und die umliegenden Flächen zugesprochen werden. Bevor es zu spät ist.

Mit großen Hoffnungen beladen

James Anaya zeigt sich am Ende seines Besuches beeindruckt, er hat sich die Anliegen der Indígenas von Jujuy offenkundig zu Herzen genommen. Sein erstes Resümee macht Hoffnung. Es scheint, als habe er die Sorgen der Menschen verstanden. Dann steigt Anaya wieder in den Helikopter, beladen mit den großen Hoffnungen vieler Menschen. Seine Empfehlungen sollen die Erfahrungen der Indígenas von Jujuy und Salta aufgreifen und den argentinischen Staat zum Handeln bewegen. Die Indigenen kehren derweil in ihre Gemeinden zurück um den Kampf für ihre Rechte fortzusetzen.

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Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte, James Anaya, besuchte vom 27.11 bis 07.12. 2011 Argentinien und auch die WFD-Projektregion Jujuy. Sein Bericht gibt Einschätzungen zur Lage der indigenen Völker und Empfehlungen für die Regierung Argentiniens sowie die Provinzregierungen.


Der UN-Sonderberichterstatter erkennt Fortschritte Argentiniens im Bereich der indigenen Rechte an. Trotzdem konstatiert er eine Kluft zwischen dem normativen Rahmen und der realen Umsetzung der Gesetzgebung. Der Bericht weist besonders auf die Notwendigkeit hin, die Landrechte der Indigenen und die natürlichen Ressourcen in indigenen Territorien zu schützen. Konflikte gibt es im Bereich der Rohstoffgewinnung durch Bergbau, durch die Ausweitung der Agroindustrie sowie bei Vertreibung und Zwangsumsiedlungen.
Angesprochen wird die soziale und ökonomische Situation der indigenen Völker Argentiniens, ihr Zugang zu Bildung, Gesundheit und Justiz. Er äußert sich auch kritisch zur Kriminalisierung des sozialen Protestes bei Konflikten um indigenes Territorium. Der Bericht wird dem UN-Rat für Menschenrechte und in der UNO Generalversammlung vorgelegt.

COAJ schätzt den Besuch als wichtig ein, weil er der internationalen Öffentlichkeit die Belange der Indigenen näher gebracht hat. Die indigenen Gemeinden erhoffen sich, dass dadurch der Druck auf Regierung und Politik erhöht wird, um ihre Rechte durchzusetzen.

27.05.2016

Gepostet in: Argentinien: Indigene kämpfen um ihr Land

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Die Stiftung die schwelle setzt sich mit ihren Partnern für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ein. Daher initiieren und unterstützen wir Projekte, die gesellschaftliche Veränderungen gewaltfrei gestalten und sich für soziale Gerechtigkeit, die Einhaltung und Verwirklichung von Menschenrechten sowie für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt einsetzen.

Die Stiftung verleiht den Bremer Friedenspreis. In der Kategorie “Unbekannte Friedensarbeiterin” wird in diesem Jahr Natalia Sarapura, die Präsidentin von COAJ, ausgezeichnet. Vorgeschlagen wurde sie von der ai-Gruppe Bergisch Gladbach. Der Preis wird ihr am 29. November überreicht. Zur Begründung der Stiftung die schwelle >>

26.05.2016

Gepostet in: Argentinien: Indigene kämpfen um ihr Land

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Fortbildungsprogramm für indigene Frauen, Hüterinnen traditionellen Wissens

Die Anerkennung und Stärkung weiblicher Positionen ist das Hauptanliegen des von COAJ initiierten Fortbildungsprogramms. Die Rolle der Frauen für die Revalorisierung traditionellen indigenen Wissens wird dabei in den Vordergrund gestellt. Das Fortbildungsprogramm umfasst u.a. theoretische Kurseinheiten zu verschiedenen Gewaltformen und ihrem Bezug zu patriarchalischen Strukturen und dem Kolonialismus. Es werden multiple Diskriminierungsformen, denen Frauen oft in der Gemeinschaft ausgesetzt sind, thematisiert: familiäre Gewalt, Ungerechtigkeit im Arbeitsleben, etc. Gleichzeitig wird über die Rechte der Frauen, sich dagegen zu wehren informiert. Außerdem gibt es Einheiten zum „buen vivir“ Ansatz (dt.: Gutes Leben), zu kosmologischen Prinzipien wie der Dualität von Mann und Frau und ihrer Komplementarität. Das Programm wurde von COAJ und der lateinamerikanischen Organisation für Justiz und Gender (Equipo Latinoamericano de Justicia y Género – ELA) erarbeitet.

ProduzentInnen aus der Hochwüste Puna tauschen sich über traditionelles Wissen aus

Ein buntes Treiben begleitete die zweitägige Ausstellungsmesse: Es gab Veranstaltungen zu traditioneller Medizin und Wettbewerbe in traditionellen Handwerksdisziplinen wie spinnen, weben und verschiedenen Jagdmethoden. Die Menschen konnten ihr Können im  Entkörnen von Mais oder im Kochen regionaler Spezialitäten – z.B. Quinoa Eintopf oder der traditionellen Maissuppe, Kalapurca – beweisen. TierhalterInnen, LandwirtInnen und KunsthandwerkerInnen der Region La Intermedia kamen dazu zum 17. Mal im nördlichsten Zipfel Argentiniens zusammen. Das Gemeinschaftsleben soll dadurch gestärkt und der traditionelle Tauschhandel und andere damit verbundene indigene Traditionen belebt werden. Dabei wird von den OrganisatorInnen der Messe, einem Nachbarschaftskreis der teilnehmenden Gemeinden, die Wichtigkeit des kulturellen Erbes der Ahnen betont. Es geht ihnen darum, in Würde als Teil ihrer Erde und Umwelt zu leben.

Interkultureller Workshop zum Thema „Revalorisierung indigenen Wissens“

Circa 50 ProduzentInnen verschiedener indigener Volksgruppen (Ocloya, Tilián, Quechua, Kolla  und Guaraní) reflektierten in verschiedenen Gesprächsgruppen über altes Wissen in der land- und tierwirtschaftlichen Produktion und setzten sich kritisch mit der Einführung moderner Technologien auseinander. Es gibt eine steigende Nachfrage nach natürlichen Produkten aus den Anbauregionen der indigenen Gemeinden. Dies wird sowohl als Chance, als auch als potentielle Gefahr wahrgenommen. Die gemeinschaftlichen natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen ist dabei wichtig, um die Lebensbedingungen in den indigenen Gemeinschaften zu verbessern: die Produktion soll Einkommen generieren und stabilisieren, ohne jedoch die eigene Versorgung mit Nahrungsmitteln zu bedrohen. Fragen rund um Ernährungssouveränität und die Position besonders der weiblichen Produzentinnen wurden im Rahmen dieses Workshops diskutiert.

26.05.2016

Gepostet in: Argentinien: Indigene kämpfen um ihr Land

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Im argentinischen Juyjuy unterstützt der WFD Indigene im Kampf gegen Wasserraub. Ein Bericht zur Wassersituation in Lateinamerika

Der Bürgermeister erhebt die Stimme. Geschlossen protestiert eine argentinische Gemeinde gegen einen internationalen Agrarkonzern, der im ohnehin zu weiten Teilen wasserarmen Land große Anbauflächen für landwirtschaftliche und industrielle Produktion zu erschließen versucht. Das Unternehmen lässt sich von dem Protest nicht beeindrucken. Der Tenor lautet:
„Wir kommen. Wartet ab“.

In Lateinamerika haben immer mehr Regionen mit Wassermangel zu kämpfen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zur Situation in Lateinamerika diskutierten am vergangenen Donnerstag Lutz Philip Hecker von der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus (BTU) und WFD-Programmkoordinator Helge Swars im Lateinamerika-Forum-Berlin.

Der Wasserverbrauch in Mexiko-Stadt übersteigt die Wasserverfügbarkeit in der Region heutzutage um ein Vielfaches. Alle sieben Grundwasserreservoirs sind versiegt. Um den enormen Verbrauch der Bevölkerung zu decken, wird die Mega-City durch ein gigantisches Trinkwasser-Versorgungssystem mit Wasser aus den entferntesten Regionen Mexikos versorgt. Das hat gravierende Folgen für die Menschen in den ländlichen Gemeinden. Während der Verbrauch in der Hauptstadt stetig steigt, haben viele der Landbewohner noch immer keinen Zugang zu fließendem Wasser.

Diese ländliche Unterversorgung führt zu einer zunehmenden Ansiedlung in den ausufernden Armenvierteln rund um Mexiko-City – der Druck auf die urbane Wasserversorgung steigt.

Wer ist Schuld an dieser Entwicklung?

Die Suche nach den Ursachen für den Wassernotstand gestaltet sich kompliziert. Während die Bevölkerung der Global-City einerseits keine Ansätze eines nachhaltigeren Wasserkonsums zeigt, trägt auch die Politik nicht aktiv zu einer Lösung bei. Die kommunalen Wasserwerke in Mexiko arbeiten laut dem Forscher der BTU Cottbus bis heute ineffizient. Auch die bewässerte Landwirtschaft trägt ihren Teil zum Problem bei. Durch die staatliche Subventionierung intensiver und bewässerungsreicher Landwirtschaft (Agrobusiness) sinkt der Grundwasserspiegel in vielen Regionen rapide.

Zukünftig lässt sich das Problem nur lösen, wenn Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft in Mexiko an einem Strang ziehen. Sparsamkeit muss oberstes Ziel sein. Auch ein transparentes und abgestuftes Preissystem kann auf lange Sicht zu einem bedachteren Konsum anregen. Die Bereitstellung und der Zugang zu Wasser müsste in diesem Fall zwingend garantiert sein. Jeder Verbraucher könnte in einem bestimmten Zeitraum eine bestimmte Menge Wasser kostenlos konsumieren. Überschreitet der Konsum die zur Verfügung stehende Menge, müsste proportional zum Mehrverbrauch eine Abgabe gezahlt werden, die wiederum direkt in nachhaltige Versorgungssysteme fließen würde.

Indigene wehren sich

Nach dem wissenschaftlichen Vortrag von Lutz Philip Hecker ergänzte WFD-Programmkoordinator Helge Swars den Vortrag um Beispiele aus der Praxis. Der Weltfriedensdienst unterstützt durch die Kooperation mit der Organisation COAJ Indigene im argentinischen Juyjuy im Kampf gegen internationale Lithium Bergbau-Unternehmen.

In den großen Salzseen der Region befinden sich die weltweit größten, leicht zugänglichen Lithium-Vorkommen. Es ist in der Informationstechnologie nicht zu ersetzen und auch für die Herstellung von Batterien für Hybrid-und Elektroautos unverzichtbar. Einige große internationale Konzerne haben bereits mit dem Abbau des wertvollen Rohstoffes begonnen. Die Fördermethode verbraucht dabei große Mengen an Wasser. Nach der ILO-Konvention 169 sind die Unternehmen zwar verpflichtet, Umweltverträglichkeitsstudien durchzuführen – die lokalen Gemeinden werden jedoch nur selten in die Planungen mit einbezogen. Wenn es um gravierende Eingriffe in die Natur geht, muss die ansässige Bevölkerung zwingend angehört werden. Der Weltfriedensdienst und COAJ ermöglichen der indigenen Bevölkerung, ihr Recht auf Anhörung durchzusetzen. Notfalls auf juristischem Weg.

Darüber hinaus hat COAJ mit Unterstützung des Weltfriedensdienst einen Studiengang entwickelt, der es Gemeindemitgliedern ermöglicht, wissenschaftlich fundierte Entwicklungsprozesse für ihre Region zu erarbeiten. Bildung spielt im Prozess der räumlichen Entwicklung eine entscheidende Rolle. Teil des Studiums war unter anderem ein von Amnesty International in der Provinz Formosa organisierter Workshop zu Landrechten indigener Völker. Den juristischen Prozess gegen die Unternehmen begleitet eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit, die sich mit den lokalen Problemen inhaltlich auseinandersetzt.
Nur wer Alternativen aufzeigt, hat die Chance, etwas zu bewirken. In diesem Jahr wird erneut ein voller Jahrgang sein Studium erfolgreich beenden.

Kein Einzelfall

Nach dem Vortragsende äußerten viele Besucher ihre Erfahrungen aus anderen lateinamerikanischen Ländern wie Nicaragua, Kolumbien oder Brasilien. Derartige Probleme in der Region häufen sich. Die Kooperation des WFD mit COAJ zeigt eindrucksvoll, dass es sinnvoll ist, zivilgesellschaftlichen Protest durch finanzielle Unterstützung zu stärken. Hatte der Projektpartner in den vergangenen 20 Jahren in mühsamer Kleinarbeit versucht, die Interessen zahlloser abgelegener Gemeinden zu organisieren, kann der Protest nun gebündelt werden. Unser Engagement findet Gehör – 2011 besuchte gar der UN-Sonderberichterstatter für die Indigene Rechte die Region.

Der Bürgermeister weiß nun:
Er kann warten. Und sich wappnen. Unsere Unterstützung ist ihm sicher.

 

25.05.2016

Gepostet in: Argentinien: Indigene kämpfen um ihr Land

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