Wasser bedeutet Leben, heißt es. Doch die lapidare Erkenntnis hat eine beklemmende existenzielle Dimension, wenn man sie im Horizont der globalen Versorgungslage bedenkt: 800 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 2,5 Milliarden leben ohne angemessene Sanitätsversorgung, die Zahl an Todesopfern durch verunreinigtes Trinkwasser steigt. Und mit dem Wachstum der Weltbevölkerung wird die Lebensressource nicht nur im im globalen Süden immer knapper. Verschär  wird die Situation durch mächtige wirtschaftliche Interessen. Sie vervielfältigen bestehende Wasserkonflikte und werfen Fragen der Verteilungsgerechtigkeit auf. Ein klassisches Anwendungsfeld ziviler Konfliktbearbeitung, wie sie die Bundesregierung in ihrem Programm Ziviler Friedensdienst fördert. Im Kontext dieses Programms entstand der vorliegende KOMPASS, der Handlungsspielräume für die Transformation von wasserpolitischen Konflikten eruiert.
 

Kurs nehmen

Im Mittelpunkt steht dabei die weltweite Zunahme von Wasserraub, ein Thema, das den Weltfriedensdienst  und seine Partner seit vielen Jahren beschäftigt, sei es in Palästina, Argentinien oder im Senegal. Mit diesem KOMPASS wollen wir den Blick für die Hintergründe schärfen: die globalen Zusammenhänge und lokalen Ursachen von Wasserraub, die im Sahel andere sind als in Indien oder Kenia. Vor allem aber möchten wir daran erinnern, dass Wasser ein kostbares Gemeingut ist, das allen und niemandem gehört, am wenigsten jedoch in private Hände.

Wie ein Menetekel auf die wasserlose Zukunft unseres blauen Planeten nehmen sich die nebenstehenden Satellitenbilder aus. Sie zeigen den fast vollständig ausgetrockneten Aralsee zwischen Kasachstan und Usbekistan, der seit Jahrzehnten das Opfer von menschlichem Raubbau ist, vor allem durch die Bewässerung riesiger Baumwollplantagen aus seinen Hauptzuflüssen. Während vom zentralasiatischen Binnenmeer nach Auffassung von Experten kaum mehr als ein kleines Becken bleiben wird, scheint der Prozess des globalen Wassermanagements als Ganzes noch gestaltbar zu sein. Das legen zumindest einige der Beiträge in diesem  Themenheft  nahe.

Voraussetzung für ein Gelingen wie für den Wasserfrieden insgesamt ist jedoch ein Problembewusstsein, das die Bereit- scha  zum Dialog beinhaltet – zur Anerkennung des Anderen, zu Kooperation und Verteilungsgerechtigkeit. Dafür bedarf es neben Sachkenntnis einer besonderen Tugend ziviler Kon ikt- bearbeitung. Man kann sie vortrefflich am Wasser lernen, wenn man seinem Lauf bis zur Quelle folgt: die Kunst zuzuhören. Ad fontes also und Ihnen viele Anregungen bei der Lektüre wünscht das KOMPASS-Team.

Kompass Nr. 3 – Inhaltsverzeichnis

Titelbild Kompass Nr. 3

Kompass Nr. 3

Methoden und Grundlagen

04 Leitartikel Denn sie wissen, was sie nicht tun (H. Swars)

06 Feature Water Grabbing: Ein schlüpfriges Phänomen (L. Mehta)

16 Feature Alles fließt. Virtuelles Wasser und Wasserfußabdruck (M. Sommer)

 

Analyse und Transformation

13 Bericht Das komplexe Geflecht von Land- und Wasserraub (I. Theesfeld)

15 Interview Die First Africa Conference on Land Grab (M. Attam)

18 Interview Wasser gewinnt erst durch Nutzung seinen Wert (H. Schubert)

20 Bericht Wasser in der afrikanischen Entwicklungspolitik (T. Kunkowski)

22 Interview Wasser braucht Kooperation (S. Mason)

 

Forum und Kommentar

10 Essay Wasserraub und Wassergabe (R. Ziegler)

26 Essay Auf der Suche nach dem guten Leben (S. Peters)

29 Manifest Flüssige Demokratie (M. Pigeon)

31 Kommentar Wasser neu denken (W. Rebel)

35 Ausblick Blick aus dem Mastkorb nach vorn (M. Sommer/M. Zint)

 

ZFD vor Ort

19 Senegal: Weideland versus Biokraftstoff (WFD-Bericht)

25 Palästina: Wasser für nur ein Volk? (WFD-Bericht)

28 Argentinien: Indigene Rechte versus Wachstum (WFD-Bericht)

 

Projekt

14 SUNARPA. Wasserkonflikte transformieren im Sahelraum (B. Fahrenhorst)

32 Live with Water. Mit Wasser leben im Senegal (E. Neumann/M. dos Santos)

34 Dakar ne dort pas. Fotografie und Zeugenschaft (F. Rothenberger)

 

27.06.2016

Gepostet in: Der KOMPASS - Das Fachmagazin des Weltfriedensdienst

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Auf die  zentrale Frage, die in Ländern der ganzen Welt gestellt wird, brauchen Friedensarbeiter heute neue Antworten. Eine davon ist Advocacy – Anwaltschaft für andere.

Wie schaffen wir Gerechtigkeit?

Multinationale Unternehmen expandieren in allen Erdteilen, europäische Handelsabkommen öffnen Afrikanern die Türen oder schließen sie, örtliche Initiativen werden durch Politik aus der Hauptstadt beeinflusst: Damit die Arbeit an der Basis nachhaltig erfolgreich ist, müssen Friedensakteure heute immer auch auf politische und gesellschaftliche Kräfte einwirken.

Advocacy – aber wie?

Für die zweite Ausgabe des WFD-Themenmagazins haben wir Innen- und Außenperspektiven eingeholt und politische und wirtschaftliche Akteure befragt. Die Beiträge zeigen: Die Friedensarbeit ist gefordert. Es ist Zeit, aus den Erfahrungen zu lernen, andere Expertisen abzufragen und die vorhandenen Werkzeuge gezielt zu nutzen. Medien aufmerksam machen, Politiker einbinden, mit Unternehmen zusammenarbeiten – das braucht Kreativität und Professionalität. Der neue Kompass möchte dafür Impulse setzen und ein Bewusstsein schaffen für die Chancen und Risiken, die in der Anwaltschaft für andere liegen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns auf eine Debatte, die weiter führt.

Kompass Nr. 2 – Inhaltsverzeichnis

Kompass Nr. 2 - Advocacy

Kompass Nr. 2 – Advocacy

Position

Hans Jörg Friedrich – Von Advocacy bis Ziviler Friedensdienst

Teil 1: Advocacy bis Interessen
Teil 2: Justiz bis Orte
Teil 3: Personalkapazitäten bis Ziviler Friedensdienst

22 Katrin Miketta  – Im Fluss
35 Joachim C. Wehnelt und Doerthe Beer – Ausblick

In Aktion

ZFD vor Ort
6 Shecku Kawasu Mansaray – Das Ohr ist der Weg
12 Caroline Caesar – Ein neues Zugpferd
24 Annette Fingscheidt – Schutz für MenschenrechtsschützerInnen
32 Cathy Kopp – Anwältinnen für den Frieden

Kampagnen
16 Martin Zint – Aus dem Scheitern lernen
21 Steffi Barisch – Lebensfreude wirkt
23 Ulrike von Wiesenau – Steter Tropfen

Werkzeuge

Foto: Christof Krackert – Bilderbrücke
14 Film: Marianne Gysae – Film ab!
26 Web: Judith Orland – Online mehr erreichen

Akteure

10 Politik: Dany Cohn-Bendit – “Du musst den Schutzpanzer öffnen”
18 Wissenschaft: Dr. Dieter Plehwe – Von der Kunst, Einfluss zu nehmen
28 Wirtschaft: Dr. Katrin Käufer und KOMPASS-Redaktion – Global Alliance for Banking on Values
30 Internationales Rotes Kreuz: Nicolai Panke – Vertraulicher Dialog

 

27.06.2016

Gepostet in: Der KOMPASS - Das Fachmagazin des Weltfriedensdienst

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