In Guinea-Bissau ist die weibliche Genitalverstümmelung zwar verboten, aber immer noch weit verbreitet.  Der Weltfriedensdienst unterstützt das guineische Netzwerk DJINOPI (dt: Leute, lasst uns vorangehen“), das sich für die Abschaffung dieser folgenschweren Praxis einsetzt. Eine zentrale Rolle spielen dabei Imame, denn das grausame Ritual wird religiös begründet. Daher kam die im vergangenen Jahr veranstaltete Konferenz einem Durchbruch gleich. Diese wurde unter anderem von der deutschen NRO TARGET e.V. und dem Weltfriedensdienst unterstützt.

Die „Islamkonferenz zur Ächtung der weiblichen Genitalbeschneidung“ begann mit einem Eklat. Imam Aboubacar Touré ergriff das Wort: „Warum diskutieren wir über weibliche Genitalbeschneidung? Das Thema hat keinerlei Relevanz für Guinea-Bissau. Wir sollten uns mit anderen Verbrechen wie dem Drogenmissbrauch durch Jugendliche beschäftigen Die gleiche Frau, die wir vor der Genitalbeschneidung bewahren wollen, lässt vielleicht später eine Abtreibung vornehmen. Warum reden wir nicht über dieses Verbrechen?“

Redner bei der Islamkonferenz gegen Genitalverstümmelung

Rede eines Gelehrten, während der Islamkonferenz gegen Genitalverstümmelung

45 Islamgelehrte aus dem In- und Ausland  sowie der guineische Gesundheitsminister und die Vorsitzenden einiger Frauenorganisationen nahmen teil. Anerkannte religiöse Persönlichkeiten unterstrichen, dass der Islam jegliche physische Gewaltanwendung verbiete. Eingriffe in den menschlichen Körper seien verboten, sofern sie Schaden verursachten. Folglich sei die weibliche Genitalverstümmelung ein überlieferter Brauch, dem Einhalt geboten werden müsse.

Ein wichtiger Schritt gegen Genitalverstümmelung, auf den Taten folgen müssen

Nach zwei Tagen intensiver Diskussionen und Debatten ergriff Imam Aboubacar Touré erneut das Wort. „Diese Konferenz war wie eine Schule. Vorher habe ich es abgelehnt, mich mit dem Thema Genitalverstümmelung zu beschäftigen. Nachdem ich Männern zugehört habe, die mich in Gelehrtheit bei weitem übertreffen, habe ich die Wahrheit gesehen und meinen Irrtum erkannt.“ Wie alle anderen Konferenzteilnehmer unterzeichnet er die Erklärung von Bissau, in der es heißt:

„Der Oberste Rat für Islamische Angelegenheiten und die Imame in Guineas-Bissau schließen sich der Ächtung der weiblichen Genitalbeschneidung durch namhafte islamische Gelehrte an. Möge Allah uns helfen, in naher Zukunft die schädliche Praxis für die Gesellschaft im Allgemeinen und für Mädchen im Speziellen zu beenden.“

Die Präsidentin des Projekts Djinopi, Domingas Gomes, unterstreicht: Auch nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Abschaffung der weiblichen Genitalbeschneidung werden Mädchen beschnitten. Deshalb sei Aufklärungs- und Bewusstseinsarbeit die einzige wirksame Waffe zur Verteidigung der physischen Integrität der Mädchen

13.07.2016

Gepostet in: Guinea-Bissau: Alternativen zur Genitalverstümmelung fördern

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Ein Global Generation Workshop in Österreich

IMG_2954-lowDer eisgrüne Inn fließt mitten durch die Stadt, links und rechts ragen schneebedeckte Berge in den Himmel – die Trainerin Juba Khetokule Khuzwayo von unserer Partner-Organisation SINANI in Südafrika ist begeistert: „Schaut nur, was der große Masterdesigner für uns geschaffen hat!“ Eine Superkulisse für unseren Workshop mit der Tiroler Global Generation Gruppe. Sie ist heterogener als gedacht: Insgesamt sind wir neun Personen: Aus Ungarn, Deutschland, Südafrika, Tirol und der Steiermark. Ob wir hier irgendwelche Gemeinsamkeiten herausfinden können? Auf Wandzeitungen stellen wir für uns wichtige geschichtliche Ereignisse der jeweiligen Länder zusammen. Hier wird ein Land von einer Mauer durchtrennt, dort wird mit Gewalt ein perfides System der Unterdrückung etabliert, Tirol wird in einen österreichischen und einen italienischen Teil getrennt, in Ungarn leiden die Menschen unter der ach so viel gepriesenen Freiheit nach dem Ende des Kalten Krieges. Zusammen kommt eine große Menge völlig unterschiedlicher, ja unvergleichlicher Erlebnisse.

Durch Gespräche Gemeinsamkeiten entdecken

Zumindest auf den ersten Blick. Wie sind wir damit umgegangen, auf individueller, zivilgesellschaftlicher und politischer Ebene? Hier wurden Sprachen verboten, dort auch. Hier die Schuldsprüche der Nürnberger Prozesse, dort die Bekenntnisse vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission. Hier waren es die Studenten, die auf die Straße gegangen sind. Dort auch. Hier gab es extreme Gewalt, dort auch. Hier wurden Menschen nach bestimmten Kriterien in überlegen und unterlegen sortiert. Dort auch. Hier wurde körperliche Züchtigung gesetzlich verboten, dort auch. Welche Rolle haben eigentlich Frauen gespielt? Und die Kirche(n)? Und die Musik? … Stundenlang haben wir uns gegenseitig erzählt, nachgefragt, Unterschiede, vor allem aber viele, viele Parallelen entdeckt. Es hat uns alle sehr nachdenklich gestimmt. Auf eine äußerst positive Weise. Es ist schon erstaunlich, wie nah und ähnlich wir uns doch in vielen Dingen sind, wenn wir genauer hinschauen.

KATRIN MIKETTA (Erstveröffentlichung im Querbrief 4/2010)

07.07.2016

Gepostet in: Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

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Juba Khuzwayo, Simanga Sithebe und Mdu Molefe von Sinani schildern ihre Erfahrungen

Wie sehen Sie das heutige Südafrika, fast 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid?

Molefe: Es gibt großen Fortschritt in vielen Bereichen. Apartheid und soziale Ungleichheit waren in diesem Land durch die alte Gesetzgebung tief verwurzelt. Diese wurde an den Wandel angepasst. Wir haben heute neue Gesetze. Außerdem gibt es politische Maßnahmen zur Gleichstellung am Arbeitsmarkt. Diejenigen, die früher benachteiligt wurden, haben jetzt mehr Möglichkeiten. Trotzdem haben all diese Gesetze keinen Effekt, wenn große Teile der Bevölkerung nicht für den Arbeitsmarkt ausgebildet sind. Bildungsmöglichkeiten auch in ärmeren Gemeinden müssen angegangen werden, wenn wir tatsächlich Gleichheit schaffen möchten. Denn bis jetzt gilt noch immer: Wer Geld hat, kann seine Kinder auf bessere Schulen schicken. Darum werden diejenigen, die keinen Zugang zu hochwertiger Bildung haben, immer nur in der zweiten Reihe stehen. So können die Gesetze nicht greifen.
Aber insgesamt hat sich das Land stark zum Guten gewendet, gerade was unsere Verfassung und unser Rechtssystem angeht. Wir verfügen über Institutionen, die es uns ermöglichen, Streitfragen vor Gericht zu bringen und die Regierung anzuprangern. Das hilft, Unabhängigkeit zu bewahren.

Sithebe: Aus sozialer Perspektive sind wir viel integrierter als vorher und es herrscht ein breites Spektrum soziokultureller Interaktion. Wir haben nun die Möglichkeit, uns auszudrücken. Wir haben Bewegungsfreiheit und können an Orte ziehen, die anders sind, als das, was wir davor gewohnt waren.

Khuzwayo: Es gibt viele gute Ansätze in der Politik, um Menschen den Umgang mit sozialen Herausforderungen zu erleichtern. Beispiele sind die Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und das Sozialhilfesystem, von denen die Menschen direkt etwas haben. Außerdem werden interessante und kreative Gesetze eingeführt, so wie die Regelung, dass Krankenhäuser und Gefängnisse ihre Einkäufe bei lokalen Gemeindeorganisationen ausführen müssen.

Was trägt Sinani zur Gestaltung des Wandels bei?

Molefe: Sinani ermöglicht es den Menschen, mit der Regierung zusammen den sozialen Wandel zu gestalten, indem sie die Regierung auf die Bedürfnisse der Bevölkerung aufmerksam macht. An unserer jährlichen Generalversammlung laden wir normalerweise immer einen Regierungsvertreter ein, um sich mit unseren Mitgliedern auszutauschen.

Sithebe: Was ich sehr an unserer Organisation schätze, ist dass einige Mitarbeiter in der Führung von Sinani sehr gut zuhören können und sich in ihrer Meinungsäußerung zurücknehmen. Man kann einfach keine gute Gemeinschaftsordnung schaffen, ohne in die zwischenmenschlichen Beziehungen zu investieren und ohne den Menschen einen Ort zu bieten, wo sie sich näher kommen und in Gespräche treten können. Sinani führt Menschen zusammen, die sich davor gegenseitig den Tod wünschten. Jetzt legen wir ihnen ans Herz, zu verstehen, was für eine neue Gesellschaft nötig ist: der Aufbau von Beziehungen, die Zeit füreinander und eben die Fähigkeit, einander zuzuhören.

Khuzwayo: Wir verbinden Menschen. Sinani hilft, Kontakte zu Ressourcen zu verschaffen. Diese Art von Netzwerkarbeit hat großen Erfolg.

Was war für Sie persönlich das Schlimmste an der Apartheid?

Molefe: Für mich war das Schlimmste, dass die Menschenrechte mit Füßen getreten und den Menschen ihre Würde genommen wurde. Aber das Allerschlimmste war die Ermordung von wehrlosen Menschen: Menschen, die mit Steinen gegen Schwerbewaffnete antraten. Wir leben noch immer mit der Hinterlassenschaft der Apartheid. Unsere Gesellschaft hat sich noch nicht versöhnt.

Noch immer gibt es Personen, die sich das alte System zurückwünschen. Sie betrachten die ungleiche Gesellschaft als gottgegeben – eine Rasse sei der anderen nun mal überlegen. Es scheint, dass die Bemühungen um Versöhnung nur von einer Seite kommen, der Seite der damals Unterdrückten.

Sithebe: Stellen Sie sich vor, Sie belagern das Haus von jemandem, Sie wünschen die Kontrolle über diese Person und dass diese Ihnen den Haushalt führt – genau das ist es, was die Apartheid gemacht hat. Der „Hausneger“ steht seinem Herren so nahe, dass er, selbst wenn er könnte, nicht wegrennen würde. Er denkt, dass das, was ihm schadet, ok für ihn ist. Das ist traurig.

Khuzwayo: Die Apartheid zerstörte das Denken der Menschen. Sie kontrollierte ihre Bewegungen und Grundrechte und beeinträchtige ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

Was ist für Sie das größte Geschenk der Nachapartheidszeit? Etwas, dass für Sie nicht selbstverständlich ist.

Molefe: Das Recht auf freie Meinungsäußerung, ohne dass man sich umschauen müsste, wer einen gleich einsperrt oder sogar umbringt. Man kann jetzt sagen, was man für richtig oder falsch hält. Während der Apartheid war das ein Verbrechen, das mit dem Tod bestraft wurde.

Sithebe: Manchmal belebt sich der Schrecken der rassistisch motivierten Morde wieder. Aber wir haben nun die Möglichkeit, miteinander zu sprechen und zu verstehen, woher der andere kommt. Das Recht, aufgebracht zu sein, hat jeder, aber dennoch müssen wir weitergehen. Wir haben jetzt den Raum, uns auszusprechen.

Khuzwayo: Wir haben eine wundervolle Verfassung! Wenn Dinge angeprangert werden, berufen sich die Leute tatsächlich auf die Verfassung. Sie benutzen sie um zu sagen: Dafür haben wir gekämpft und deshalb ist dies und jenes nicht akzeptabel!

JUBA KHUZWAYO ist seit über 10 Jahren bei Sinani im Arbeitsbereich Konfliktbearbeitung tätig und arbeitet derzeit an ihrem PhD. Ihre politischen und religiösen Einstellungen lebt sie mit viel Engagement in sozialen Aktivitäten aus.

MDUDUZI MOLEFE ist Direktor von Sinani, der früh seine Bildung für den Kampf für die Freiheit opferte. Nach dem Ende der Apartheid holte er diese nach und erwirbt jetzt seinen Mastertitel.

SIMANGA SITHEBE, zuständig für Planung, Monitoring und Evaluation. Sein Anliegen ist es, den Menschen zu vermitteln, dass sie stolz darauf sein können, wer sie sind. Brücken zwischen verschiedenen Gruppen zu bauen, erscheint ihm fundamental.

Übersetzung aus dem Englischen: Elisabeth Jeglitzka

06.07.2016

Gepostet in: Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

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von SARAH WIBBELER, MA Anglistik, Romanistik und Politikwissenschaft, war Praktikantin bei Global Generation (veröffentlicht im Querbrief #4/2012)
„Unglaublich! Du bist der erste Schwarze, den ich hier in Ungarn treffe!“ So der begeisterte Ausruf eines etwa 20-jährigen Mannes auf dem Marktplatz in Bodajk als er Simanga Sithebe sieht. Der war im Rahmen des WFD-Projektes GLOBAL GENERATION dorthin gereist. Das 60 km südwestlich von Budapest gelegene Dörfchen war Schauplatz eines Süd-Nord-Austausches von Global Generation und Simanga Sithebe, Leiter der südafrikanischen Partnerorganisation SINANI, bereicherte den ungarischen Workshop um die südafrikanische Perspektive.

Auf den freundlichen Empfang folgten drei Tage intensiver Arbeit. Die Erwartungen der Teilnehmenden waren vielfältig: „Etwas über Südafrika lernen, Menschen kennenlernen, einen Partner finden, die Welt verbessern…“ So verschieden die Erwartungen, so heterogen die 20-köpfige Gruppe. Da gab es engagierte Frauen, die ehrenamtlich Schülern Nachhilfeunterricht geben, und männliche Teilnehmer, die sich während des Workshops eher passiv zeigten, in den Kaffeepausen aber keine Gelegenheit ausließen, mit jüngeren Teilnehmerinnen ins Gespräch zu kommen. Für einige schienen die Mahlzeiten das Highlight des Tages zu sein, andere nutzten die Pausen, um Simanga über Südafrika auszufragen. Eine Teilnehmerin sagte während des gesamten Workshops kein einziges Wort. Ihr Ehemann und Sprachrohr teilte der Gruppe mit, sie sei zu schüchtern, aber da sie ohnehin meistens einer Meinung seien, könne er auch für sie antworten.

Für die meisten Teilnehmenden war es die erste Begegnung mit Afrika und ihre Erwartungen und Bilder von dem fernen Kontinent waren recht unterschiedlich. Viele glaubten, die Afrikaner „wüssten nicht viel über Europa“, man bekäme dort ja auch „kaum Informationen von dem Rest der Welt“. Andere fragten, ob Simanga in der Wüste lebe und ob man dort überhaupt die Möglichkeit habe, einzukaufen. Während Simanga als „Fremder“ und „Exot“ schnell Mittelpunkt des Geschehens wurde, wechselten viele Kursteilnehmer kaum ein Wort untereinander. Dem positiven Interesse an einer fremden Kultur stand das Desinteresse am eigenen Miteinander gegenüber. Den Grund nannte eine Teilnehmerin schnell und schnörkellos beim Namen: „Na, die da sind Gypsies, die anderen Ungarn.“ Etwa ein Drittel der Teilnehmenden waren Roma. Das schwierige Verhältnis zwischen Roma und Nicht-Roma wurde rasch zum versteckten Thema des Workshops. Die offene Thematisierung des Problems war aber nicht leicht und nur von den wenigsten erwünscht.

Aber gerade der Austausch persönlicher Erfahrungen und die Offenlegung der Biographien verleihen dem Projekt „Global Generation“ seinen Reiz. Was nun aber, wenn die Teilnehmer sich weigern, in Kleingruppen zu arbeiten, geschweige denn, Persönliches von sich preiszugeben? „Wir wollen keine Gruppenarbeit und wir wollen nicht über uns reden. Simanga, erzähl uns aus Südafrika!“ Zumindest in diesem Punkt schienen alle übereinzustimmen.

Und so begann Simanga zu erzählen, von seinem Leben in einem Land, dessen Bevölkerung so gespalten war wie kaum in einem anderen Land der Erde. Ein Land, in dem eine Gruppe die andere gnadenlos unterdrückte. Es folgte eine eindrucksvolle Schilderung über die südafrikanische Geschichte, das Black Consciousness Movement und das Ende des Apartheitregimes. Die Schilderung der Situation der schwarzen Bevölkerung in Südafrika weckte schnell die Empathie der Teilnehmer.

Die tragische Geschichte eines 65-jährigen Südafrikaners, von Simanga anschaulich vorgetragen, sorgte für Stille im Raum und stellte einen Höhepunkt des Workshops dar. Ein von Armut, Exklusion und sozialem Auf- und Abstieg geprägtes Leben ließ die Teilnehmer verstummen und wie gebannt zuhören. Die Nachwehen des Apartheitregimes waren unmittelbar mit dem Verlust zweier seiner Kinder verbunden, was die Teilnehmer besonders zu bewegen schien. Die Empathie, die die Teilnehmer diesem ihnen unbekannten Mann entgegenbrachten, zeigt, wie sehr eine persönliche Ebene zu mehr Verständigung und Verständnis führen kann. Von den Vorurteilen der ersten Sitzung gegenüber Südafrika war nicht mehr viel zu spüren.

Besonders die Roma, die sich selbst als die „Schwarzen“ Ungarns bezeichnen, identifizierten sich mit den Freiheitskämpfern Südafrikas. Emotionale Ausrufe wie „Simanga, Simanga, bei uns ist das ganz genauso!“ mehrten sich. Wir verfügten über keine Rechte, werden nicht ernstgenommen und sind die Sündenböcke für alle sozialen und wirtschaftlichen Probleme Ungarns. Im Mittelpunkt der Kritik stand die ungarische Bildungspolitik. Segregation an Schulen und eine systematische Benachteiligung der Romakinder sind gängige Praxis, so eine These. Wider Erwarten stimmten alle Teilnehmer zu.

Nicht nur Segregation und Diskriminierung der Roma wurden angeprangert. Soziale Ungerechtigkeiten, mangelnde Infrastruktur und Unzulänglichkeiten der staatlichen Behörden seien Probleme, die nicht nur in Südafrika, sondern auch in Ungarn an der Tagesordnung seien, so die Mehrheit der Teilnehmer. Die Gruppe, die anfangs kaum Partizipation zeigte, wurde immer lebhafter und aktiver. Fragen häuften sich und die derzeitige politische und soziale Situation in Südafrika rückte nun ins Zentrum des Interesses.

Kann nun der Norden vom Süden lernen? – Ja! Nicht nur „über“ Südafrika, wie alle Teilnehmer es sich gewünscht hatten, sondern auch „von“ Südafrikanern. Methoden der Konfliktbearbeitung, der Partizipation und des Umgang mit Behörden wurden in Ungarn als Neuland empfunden. „Wir brauchen dringend Organisationen wie SINANI in Ungarn dringend“, so eine Teilnehmerin. In Ungarn fehlt es vor allem an Kommunikation, die doch so wichtig ist für eine offene, tolerante Gesellschaft. Kommunikation zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen ebenso wie zwischen staatlichen Behörden und Zivilgesellschaft.

Zwei Teilnehmer bemerkten beim Abschiednehmen, sie hätten gerne mehr über die anderen Teilnehmer erfahren, gerade über die jeweils andere Bevölkerungsgruppe. Dies macht Hoffnung eine mögliche Annäherung in Richtung des jeweils vermeintlich „Anderen“ im eigenen Land. Und es zeigt, dass ein Projekt wie Global Generation tatsächlich einen Dialog anregen kann, der die Segregation wenigstens im Kleinen überwindet?

Und welche Rolle spielt dabei der afrikanische Trainer, der auf alle Workshop-Teilnehmer zunächst „fremd“ und „exotisch“ wirkte? Vielleicht konnte gerade ein „Fremder“, mit dem sich alle ein bisschen identifizieren konnten, das Eis brechen. Auf jeden Fall hat Simangas Aufenthalt in Ungarn, allen Problemen, Vorurteilen und Kommunikationsproblemen zum Trotz, gezeigt, wie viel ein Blick über den Tellerrand bewirken kann. Es sind oft sehr persönliche Geschichten, die unser Zusammenleben und unsere Kommunikation prägen und Stereotypenbildung entgegenwirken. Das „Fremde“ und „Andere“ ist spannend, es gibt mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick erkennt und auch Unterschiede können bereichernd sein. Diese auch beim Nachbarn im eigenen Land zu entdecken und wertzuschätzen, bleibt eine Herausforderung. Einen gemeinsamen Traum hat die gesamte Gruppe jedoch bereits für sich entdeckt: Simanga eines Tages in Südafrika zu besuchen.

06.07.2016

Gepostet in: Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

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