Die unselbständige Stiftung Solidarität und Menschenrecht (S.U.M.) wurde im Jahr 2000 von dem Psychologen Rolf-Albert Schmitz und seiner Tochter Susanne Schmitz gegründet.
Mit ihrer Arbeit wollen die Stifter vor allem zur Verbesserung der Menschenrechtssituation im In- und Ausland beitragen. Seit dem Jahr 2005 fördern sie jährlich mit einem großzügigen Betrag u.a. die Menschenrechtsarbeit des Rates der Indigenen Organisationen von Jujuy, COAJ in Argentinien.

Rolf-Albert Schmitz lächelt. Als Stifter und Mitglied des Weltfriedensdienstes unterstützt er das Projekt COAJ- Menschenrechte für Indigene schon seit Jahren..

Rolf-Albert Schmitz unterstützt das Indigenen-Projekt COAJ als Stifter der Stiftung Solidarität und Menschenrecht und als Mitglied des Weltfriedensdienstes.

Die Teilnahme an Workshops, Gespräche mit COAJ-MitarbeiterInnen und VertreterInnen der kooperierenden Gemeinden während seines Projektbesuchs bestärkten Rolf-Albert Schmitz in seinem Engagement. Eine persönliche Freundschaft verbindet ihn inzwischen mit der Präsidentin von COAJ, Natalia Sarapura, die er bei jedem ihrer Deutschlandbesuche traf. Auf seine Initiative schlug seine lokalen Amnesty-Gruppe die kämpferische Argentinierin für den Bremer Friedenspreis vor, den sie 2013 erhielt.

Insgesamt trug S.U.M. mit 96.000 Euro entscheidend dazu bei, dass der Weltfriedensdienst seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem argentinischen Partner im Rahmen mehrerer BMZ-finanzierter Projekte in Folge fortsetzen konnte. Zusätzlich ermöglichte S.U.M. den Bau und die Ausstattung eines Studentenwohnheims, in dem COAJ auch Meetings und Veranstaltungen durchführen kann. Für den Weltfriedensdienst und COAJ ist es ein großes Geschenk, Rolf-Albert und Susanne Schmitz an ihrer Seite zu wissen!

Steuervorteile für das Engagement für Menschenrechte

Die Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt. Das bedeutet, dass Zuwendungen an die Stiftung (Spenden) steuerabzugsfähig sind. Spender erhalten eine Zuwendungsbestätigung („Spendenbescheinigung“) zur Vorlage beim Finanzamt.

Folgende Steuervorteile gelten für Spender und Stifter:

  • Spenden an die Stiftung können nach § 10b EStG
  • bei Privatpersonen bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte
  • bei Unternehmen bis zu 4 Promille der Summe der gesamten Umsätze und der im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne und Gehälter als Sonderausgaben abgezogen werden.
  • Zusätzlich kann für Spenden in den Vermögensstock der Stiftung („Zustiftungen“) ein Sonderausgabenabzug bis zu € 1 Mio. (Ehegatten: € 2 Mio.) geltend machen, der innerhalb von 10 Jahren zeitlich beliebig vorgetragen werden kann und alle 10 Jahre erneut zur Verfügung steht.

Stiftungskonto der Stiftung Solidarität und Menschenrecht

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE41100205000002266600
BIC: BFSWDE33BER

Zweck: Zustiftung oder Spende

12.04.2017

Gepostet in: Argentinien: Indigene kämpfen um ihr Land, Die Stiftungen des Weltfriedensdienst e.V.

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Juba Khuzwayo, Simanga Sithebe und Mdu Molefe von Sinani schildern ihre Erfahrungen

Wie sehen Sie das heutige Südafrika, fast 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid?

Molefe: Es gibt großen Fortschritt in vielen Bereichen. Apartheid und soziale Ungleichheit waren in diesem Land durch die alte Gesetzgebung tief verwurzelt. Diese wurde an den Wandel angepasst. Wir haben heute neue Gesetze. Außerdem gibt es politische Maßnahmen zur Gleichstellung am Arbeitsmarkt. Diejenigen, die früher benachteiligt wurden, haben jetzt mehr Möglichkeiten. Trotzdem haben all diese Gesetze keinen Effekt, wenn große Teile der Bevölkerung nicht für den Arbeitsmarkt ausgebildet sind. Bildungsmöglichkeiten auch in ärmeren Gemeinden müssen angegangen werden, wenn wir tatsächlich Gleichheit schaffen möchten. Denn bis jetzt gilt noch immer: Wer Geld hat, kann seine Kinder auf bessere Schulen schicken. Darum werden diejenigen, die keinen Zugang zu hochwertiger Bildung haben, immer nur in der zweiten Reihe stehen. So können die Gesetze nicht greifen.
Aber insgesamt hat sich das Land stark zum Guten gewendet, gerade was unsere Verfassung und unser Rechtssystem angeht. Wir verfügen über Institutionen, die es uns ermöglichen, Streitfragen vor Gericht zu bringen und die Regierung anzuprangern. Das hilft, Unabhängigkeit zu bewahren.

Sithebe: Aus sozialer Perspektive sind wir viel integrierter als vorher und es herrscht ein breites Spektrum soziokultureller Interaktion. Wir haben nun die Möglichkeit, uns auszudrücken. Wir haben Bewegungsfreiheit und können an Orte ziehen, die anders sind, als das, was wir davor gewohnt waren.

Khuzwayo: Es gibt viele gute Ansätze in der Politik, um Menschen den Umgang mit sozialen Herausforderungen zu erleichtern. Beispiele sind die Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und das Sozialhilfesystem, von denen die Menschen direkt etwas haben. Außerdem werden interessante und kreative Gesetze eingeführt, so wie die Regelung, dass Krankenhäuser und Gefängnisse ihre Einkäufe bei lokalen Gemeindeorganisationen ausführen müssen.

Was trägt Sinani zur Gestaltung des Wandels bei?

Molefe: Sinani ermöglicht es den Menschen, mit der Regierung zusammen den sozialen Wandel zu gestalten, indem sie die Regierung auf die Bedürfnisse der Bevölkerung aufmerksam macht. An unserer jährlichen Generalversammlung laden wir normalerweise immer einen Regierungsvertreter ein, um sich mit unseren Mitgliedern auszutauschen.

Sithebe: Was ich sehr an unserer Organisation schätze, ist dass einige Mitarbeiter in der Führung von Sinani sehr gut zuhören können und sich in ihrer Meinungsäußerung zurücknehmen. Man kann einfach keine gute Gemeinschaftsordnung schaffen, ohne in die zwischenmenschlichen Beziehungen zu investieren und ohne den Menschen einen Ort zu bieten, wo sie sich näher kommen und in Gespräche treten können. Sinani führt Menschen zusammen, die sich davor gegenseitig den Tod wünschten. Jetzt legen wir ihnen ans Herz, zu verstehen, was für eine neue Gesellschaft nötig ist: der Aufbau von Beziehungen, die Zeit füreinander und eben die Fähigkeit, einander zuzuhören.

Khuzwayo: Wir verbinden Menschen. Sinani hilft, Kontakte zu Ressourcen zu verschaffen. Diese Art von Netzwerkarbeit hat großen Erfolg.

Was war für Sie persönlich das Schlimmste an der Apartheid?

Molefe: Für mich war das Schlimmste, dass die Menschenrechte mit Füßen getreten und den Menschen ihre Würde genommen wurde. Aber das Allerschlimmste war die Ermordung von wehrlosen Menschen: Menschen, die mit Steinen gegen Schwerbewaffnete antraten. Wir leben noch immer mit der Hinterlassenschaft der Apartheid. Unsere Gesellschaft hat sich noch nicht versöhnt.

Noch immer gibt es Personen, die sich das alte System zurückwünschen. Sie betrachten die ungleiche Gesellschaft als gottgegeben – eine Rasse sei der anderen nun mal überlegen. Es scheint, dass die Bemühungen um Versöhnung nur von einer Seite kommen, der Seite der damals Unterdrückten.

Sithebe: Stellen Sie sich vor, Sie belagern das Haus von jemandem, Sie wünschen die Kontrolle über diese Person und dass diese Ihnen den Haushalt führt – genau das ist es, was die Apartheid gemacht hat. Der „Hausneger“ steht seinem Herren so nahe, dass er, selbst wenn er könnte, nicht wegrennen würde. Er denkt, dass das, was ihm schadet, ok für ihn ist. Das ist traurig.

Khuzwayo: Die Apartheid zerstörte das Denken der Menschen. Sie kontrollierte ihre Bewegungen und Grundrechte und beeinträchtige ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

Was ist für Sie das größte Geschenk der Nachapartheidszeit? Etwas, dass für Sie nicht selbstverständlich ist.

Molefe: Das Recht auf freie Meinungsäußerung, ohne dass man sich umschauen müsste, wer einen gleich einsperrt oder sogar umbringt. Man kann jetzt sagen, was man für richtig oder falsch hält. Während der Apartheid war das ein Verbrechen, das mit dem Tod bestraft wurde.

Sithebe: Manchmal belebt sich der Schrecken der rassistisch motivierten Morde wieder. Aber wir haben nun die Möglichkeit, miteinander zu sprechen und zu verstehen, woher der andere kommt. Das Recht, aufgebracht zu sein, hat jeder, aber dennoch müssen wir weitergehen. Wir haben jetzt den Raum, uns auszusprechen.

Khuzwayo: Wir haben eine wundervolle Verfassung! Wenn Dinge angeprangert werden, berufen sich die Leute tatsächlich auf die Verfassung. Sie benutzen sie um zu sagen: Dafür haben wir gekämpft und deshalb ist dies und jenes nicht akzeptabel!

JUBA KHUZWAYO ist seit über 10 Jahren bei Sinani im Arbeitsbereich Konfliktbearbeitung tätig und arbeitet derzeit an ihrem PhD. Ihre politischen und religiösen Einstellungen lebt sie mit viel Engagement in sozialen Aktivitäten aus.

MDUDUZI MOLEFE ist Direktor von Sinani, der früh seine Bildung für den Kampf für die Freiheit opferte. Nach dem Ende der Apartheid holte er diese nach und erwirbt jetzt seinen Mastertitel.

SIMANGA SITHEBE, zuständig für Planung, Monitoring und Evaluation. Sein Anliegen ist es, den Menschen zu vermitteln, dass sie stolz darauf sein können, wer sie sind. Brücken zwischen verschiedenen Gruppen zu bauen, erscheint ihm fundamental.

Übersetzung aus dem Englischen: Elisabeth Jeglitzka

06.07.2016

Gepostet in: Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

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Gewalt gegen Frauen in Simbabwe stellt ein großes gesellschaftliches Problem dar. Circa 30% der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren gaben an, schon einmal Opfer physischer Gewalt geworden zu sein. Auch politisch motivierte Gewalttaten richten sich sehr häufig gegen Frauen, um sie und ihre Familien einzuschüchtern. Aus diesem Grund engagiert Musasa sich mit dem Projekt Pamusasa für Gewaltprävention und die Unterstützung von Opfern die geschlechterbezogene Gewalt erlebten.

„2008, im Jahr der Wahlen, musste  mein Ehemann nach Mosambik fliehen. Er war politisch aktiv, in der Opposition. Ich wurde geschlagen und missbraucht von einem der Anführer aus unserem  Dorf. Ich war schwanger. Unser Kind kam zur Welt. Zwei Wochen später wurde ich eingesperrt und sollte hingerichtet werden.  Sie fragten ununterbrochen, wo mein Ehemann sei. Ich hatte Angst! Ich wollte weg. Sie haben mich  bedroht und  vergewaltigt.

Mein Mann kam wieder, wir gingen zur Polizei. Politisch motivierte Gewalt? Davon wollte  man nichts wissen! Mein Baby hatte zu viel durchstehen müssen, es starb kurze Zeit später.

Nach einiger Zeit wurde der Täter aber doch verurteilt. Ich bin froh, dass mein Fall vor Gericht kam. Mein Mut hat mich so weit getragen. Ich möchte allen Frauen sagen: Seid mutig, haltet durch!“

Gesellschaftliche Ächtung der Opfer 

So zynisch es klingt: Es hätte noch schlimmer kommen können. Oft werden vergewaltigte Frauen und Kinder von der eigenen Familie und der Gesellschaft stigmatisiert und ausgeschlossen. Und die durch Vergewaltigung entstandenen Kinder erinnern ihre Mütter tagtäglich an die erlittene Gewalt. Die Mütter schwanken zwischen Liebe, Hass und Schuld. Häufig bleiben Frauen mit ihren Erfahrungen allein und erzählen niemandem davon, aus Scham und Angst.
Das Projekt von Musasa versucht den betroffenen Frauen einen sicheren Ort zu geben, an dem Geschehenes verarbeitet werden kann. Durch Kontakt mit Gemeinden, BeamtInnen und traditionellen EntscheidungsträgerInnen wird versucht, die Menschen für das Thema politisch motivierter Gewalt zu sensibilisieren.

 

06.07.2016

Gepostet in: Simbabwe: Unterstützung für Überlebende von geschlechterbezogener Gewalt

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Indigene Gemeinden in Jujuy Demonstration für Landrecht

von: Elisabeth Jeglitzka (Erstveröffentlichung im Querbrief 3/2012)

6. Dezember 2011,
auf der Hochebene bei Ojo de Huancar zwischen den argentinischen Provinzen Jujuy und Salta haben sich rund 500 Indígenas aus 33 Gemeinden versammelt. Sie haben den langen Weg in die abgelegene Andensteppe auf sich genommen, weil sie gespannt auf hohen Besuch warten. James Anaya, der unabhängige UN-Sonderberichterstatter für Indigene Rechte, hat seinen Besuch angekündigt und sie setzen große Hoffnung darauf. Er wird sich über die Situation der Indígenas informieren und den Vereinten Nationen dazu Bericht erstatten. Nach Stunden des Wartens erscheint am Horizont endlich ein Hubschrauber. Unter ohrenbetäubendem Lärm nähert er sich. Die bunten Fahnen geraten mächtig ins Wehen und erst als der Motor langsam abstirbt, wird die Musik hörbar, die zur Begrüßung von James Anaya gespielt wird.

Trotz der fröhlichen Begrüßung ist der Besuch von tiefem Ernst gezeichnet. Anaya wurde eingeladen um sich über die Besorgnis erregende Menschenrechtssituation vor Ort zu informieren. Die indigene Bevölkerung ist in ganz besonderem Maße betroffen. Die Probleme reichen von Vertreibung über die Zerstörung der wirtschaftlichen und kulturellen Lebensgrundlagen bis zur ethnischen Diskriminierung. Die indigenen Frauen leiden besonders unter der Situation. Bei einem Treffen zwischen Anaya und der Leiterin des Rates der Indigenen Organisationen von Jujuy (COAJ) Natalia Sarapura und einigen Mitarbeiterinnen des Projekts „Rechtsprechung Indigene Frau“ (Jurisprudencia Mujer Indígena) wurde Anaya in die komplexe Problematik eingeführt.

Vor allem die Rechte der Frauen werden missachtet

Viele indigene Frauen leiden unter systematischen Verletzungen ihrer Rechte. Schon in der Bildung, die ihnen eigentlich Wege zur Selbstbestimmung und zu besseren Lebensbedingungen ebnen sollte, stoßen sie auf fast unüberwindbare Hindernisse. Die übermäßig hohe Analphabetenquote unter den indigenen Frauen spricht für sich. Viele indigene Gemeinden sind allenfalls mit einer schlecht besetzten Grundschule ausgestattet. Um eine weiterführende Schule zu besuchen, müssen weite Strecken zurückgelegt oder der Wohnort gewechselt werden. Für eine indigene Frau ist dies mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die Wege sind mühsam, vor allem mit Kindern, und nicht selten gefährlich. Finanzielle Mittel für Verkehrsmittel oder gar eine Wohnstätte in einem anderen Ort sind so gut wie nicht aufzubringen. Dazu kommt, dass die Lehrpläne der argentinischen Schulen nicht auf die Vielfalt der Ethnien des Landes abgestimmt. Auch die Städte, an denen weiterführende Bildung angeboten wird, erlauben es den Indígenas nicht, die traditionelle Lebensweise aufrecht zu erhalten. Häufig können sie nicht einmal ihre eigene Sprache beibehalten. Diese Bildungsstruktur des öffentlichen Sektors greift tief in das Leben der Indígenas ein: auf dem Spiel steht ihre Identität und die soziale Integrität der Gemeinden, denn die Frauen, viele von ihnen Mütter, fühlen sich verantwortlich für die Weitergabe der Kultur an ihre Kinder.

Indigene Frauen und ihre Rechte

Die Teilnehmenden des Projekts „Rechtsprechung Indigene Frau“ unter der Leitung von COAJ-Präsidentin Natalia Sarapura treten, unterstützt vom Weltfriedensdienst, gegen diesen grundlegenden Missstand an. Sie verbreiten Informationen über die Lage und ermutigen Frauen, sich in nicht-staatliche Bildungseinrichtungen zu integrieren. COAJ selbst hat hier einen wichtigen Schritt unternommen und den weiterführenden Studiengang „Indigene Entwicklung“ geschaffen. Aber vor allem hilft das Projekt den Frauen dabei, Gerichte anzurufen, wenn ihre Rechte verletzt werden.

Der Besuch von James Anaya ist für den Erfolg ihrer Arbeit von großer Bedeutung. Anaya verfügt über Mittel, die schwierige Situation der indigenen Frauen an die argentinische und internationale Öffentlichkeit zu bringen. Von seinen Empfehlungen an den argentinischen Staat erhofft sich das Projekt, dass die regionale Rechtsprechung endlich den nationalen Gesetzen und internationalen Abkommen entsprechen wird.

Der einzige Weg

Dies ist auch die Erwartung der versammelten Indígenas, die Anaya auf der Hochebene bei Ojo de Huancar begrüßen. Vor den Salzstätten Salinas Grandes möchten sie Anaya die Menschenrechtsverletzungen vor Ort schildern. Ein Bergbauunternehmen soll unter Einverständnis der argentinischen Regierung aus den Salzstätten den heiß begehrten Rohstoff Lithium abbauen. Lithium steht hoch im Kurs, z.B. weil man ihn für Handy-Akkus braucht. Durch die Lithiumproduzenten wird den Indígenas jedoch der Zugang zu den Salzablagerungen verboten. Auch droht durch die Produktionsweise das Grundwasser zu versalzen und wird so für die Bewässerung der kargen Landschaft unbrauchbar.

Die ortsansässigen Indígenas, die schon seit Generationen kollektiv Salz abbauen und das Land nachhaltig bewirtschaften, sind vor Gericht gegangen. Ihr Recht auf Informierung und Absprache wurde massiv verletzt. Jetzt sehen sie sich in ihrer Existenzgrundlage bedroht. Der einzige Ausweg aus dem Konflikt scheint der Rechtsweg zu sein, denn ziviler Widerstand, wie Straßenbesetzungen, wurde anderenorts durch Militäreinsätze im Keim erstickt. Die Indígenas von Salinas Grandes sind gezwungen, darauf zu warten, dass ihnen die Justiz Landtitel für die Salzstätten und die umliegenden Flächen zugesprochen werden. Bevor es zu spät ist.

Mit großen Hoffnungen beladen

James Anaya zeigt sich am Ende seines Besuches beeindruckt, er hat sich die Anliegen der Indígenas von Jujuy offenkundig zu Herzen genommen. Sein erstes Resümee macht Hoffnung. Es scheint, als habe er die Sorgen der Menschen verstanden. Dann steigt Anaya wieder in den Helikopter, beladen mit den großen Hoffnungen vieler Menschen. Seine Empfehlungen sollen die Erfahrungen der Indígenas von Jujuy und Salta aufgreifen und den argentinischen Staat zum Handeln bewegen. Die Indigenen kehren derweil in ihre Gemeinden zurück um den Kampf für ihre Rechte fortzusetzen.

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Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte, James Anaya, besuchte vom 27.11 bis 07.12. 2011 Argentinien und auch die WFD-Projektregion Jujuy. Sein Bericht gibt Einschätzungen zur Lage der indigenen Völker und Empfehlungen für die Regierung Argentiniens sowie die Provinzregierungen.


Der UN-Sonderberichterstatter erkennt Fortschritte Argentiniens im Bereich der indigenen Rechte an. Trotzdem konstatiert er eine Kluft zwischen dem normativen Rahmen und der realen Umsetzung der Gesetzgebung. Der Bericht weist besonders auf die Notwendigkeit hin, die Landrechte der Indigenen und die natürlichen Ressourcen in indigenen Territorien zu schützen. Konflikte gibt es im Bereich der Rohstoffgewinnung durch Bergbau, durch die Ausweitung der Agroindustrie sowie bei Vertreibung und Zwangsumsiedlungen.
Angesprochen wird die soziale und ökonomische Situation der indigenen Völker Argentiniens, ihr Zugang zu Bildung, Gesundheit und Justiz. Er äußert sich auch kritisch zur Kriminalisierung des sozialen Protestes bei Konflikten um indigenes Territorium. Der Bericht wird dem UN-Rat für Menschenrechte und in der UNO Generalversammlung vorgelegt.

COAJ schätzt den Besuch als wichtig ein, weil er der internationalen Öffentlichkeit die Belange der Indigenen näher gebracht hat. Die indigenen Gemeinden erhoffen sich, dass dadurch der Druck auf Regierung und Politik erhöht wird, um ihre Rechte durchzusetzen.

27.05.2016

Gepostet in: Argentinien: Indigene kämpfen um ihr Land

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Wer wählt wen und warum?

Eine Aktion für ein bewußtes Wahlverhalten an Schule in Favela von AdoleScER

von Christina Schug

Vorbereitung der Wahlkampagne: Liderancas des WFD-Projekts PazAMIN Foto: C. Schug

Vorbereitung der Wahlkampagne: Liderancas des WFD-Projekts PazAMIN Foto: C. Schug

In Brasilien stehen in ein paar Tagen die Wahlen an: Das größte lateinamerikanische Land sieht sich vor der Herausforderung, zu entscheiden, wer die Führung übernehmen soll. Denn nicht nur die Präsidentschaft soll neu besetzt werden, auch die Posten vieler Politiker auf Staats- und Landesebene stehen zur Wahl. Im Vergleich zu Deutschland können die Bürger in Brasilien sich nicht entscheiden – sie müssen an die Wahlurne treten. Aber ob das ein Vor- oder Nachteil ist, lässt sich nicht so einfach beantworten. Auch AdoleScER blickt mit gerunzelter Stirn auf die bevorstehenden Entscheidungen, die alle Bürger_innen zu treffen haben: „Das brasilianische Wahlsystem ist so komplex und die ganze Wahlwerbung so von Korruption, Geld und Meinungsbildung via nicht-unabhängiger Medien bestimmt, dass es für alle Brasilianer_innen, speziell aber für die arme Bevölkerung in den Favelas, in denen wir arbeiten, sehr schwer ist, zu entscheiden, für wen sie ihre Stimme abgeben“, erklärt ein Vertreter der Organisation. Demokratie und die Macht, die man besitzt, wenn man vielfältig informiert wählen darf, ist an vielen Orten wenig bekannt. Gerade die Schulen der Armenviertel schweigen das Thema tot.

Schüler der Schule Creusa Dornelas Camarâ – CAIC in Santa Luzia bei der Wahlsimulation. Foto: C. Schug

Schüler der Schule Creusa Dornelas Camarâ – CAIC in Santa Luzia bei der Wahlsimulation. Foto: C. Schug

Darum hat sich AdoleScER spontan für eine Sensibilisierungskampagne entschieden.

„Wir wollen, dass die Jugendlichen, die zwar heute noch nicht selbst wählen dürfen, trotzdem aber die Meinungsbildung in ihren Gemeinden beeinflussen, jetzt schon aufklären und anregen sich mit dem Thema Wahlen zu beschäftigen! Das nennt sich Peer-Education und ist das Herzstück unserer Arbeit.“

Als erstes hat die Gruppe AdoleScER eine Fachkraft eingeladen, die das gesamte pädagogische Team und vier Jugendgruppen verschiedener Gemeinden an einem Nachmittag mit anregenden interaktiven Methoden das Thema näher gebracht hat.

Dann haben in der  staatlichen Schule Creusa Dornelas Camarâ – CAIC in Santa Luzia eine Diskussionsrunde zu dem Thema gemacht, mit einer bunt zusammengemischten Gruppe von Schülern. Weil AdoleScER immer mit dem Multiplikationskonzept arbeitet, war auch hier die Idee, dass die Teilnehmenden ihr Wissen wieder an andere Schüler_innen und ihr soziales Umfeld weitergeben. „Manchmal wissen die Leute drei Tage nach der Wahl nicht mehr, wen sie gewählt haben“, erklärt Aline, jugendliche Fachkraft von AdoleScER, „oder die Kandidaten versprechen ganzen Gemeinden irgendeine Verbesserung, die aber selten eintrifft. Das nennt man Bestechung, ist hier aber ganz üblich.“

Schüler der Schule Creusa Dornelas Camarâ – CAIC in Santa Luzia bei der Wahlsimulation. Foto: C. Schug

Schüler der Schule Creusa Dornelas Camarâ – CAIC in Santa Luzia bei der Wahlsimulation. Foto: C. Schug

Der Höhepunkt der Aktion hat dann am vergangenen Montag stattgefunden: Die AdoleScER-Jugendgruppe in Santa Luzia hat zwei Kampagnen entwickelt, die sie in einer Wahlsimulation in der Schule durchgeführt haben. Die Gruppe von Jugendlichen im Alter von 11-15 Jahren wurde durch das WFD-Projekt „PazAMIN“ zu Gewaltprävention in Favelas gebildet und ihre Ausbildung wird darüber finanziert. Zwei Kanditaten, die für drahtloses Internet, besseres Essen, mehr Sicherheit, bessere Lehrer und vieles andere warben, locken viele neugierige Schüler_innen an die Urne. Wer gewinnt spielte in diesem Fall keine Rolle. Wichtig ist die Reflexion, warum die Jugendlichen mitmachen, ob sie zuhören, über die Informationen nachdenken oder einfach nur den Zettel in die Box werfen. Denn genau mit solchen Fragen wurden sie im Anschluss gelöchert – und damit hat AdoleScER hoffentlich einen Denkprozess angestoßen. Denn wenn auch nicht diesen Sonntag, so doch in zwei oder vier Jahren, werden sie an die Urne treten und hoffentlich „bewusst“ wählen.

02.10.2014

Gepostet in: Brasilien: Soziale Integration und Gewaltprävention durch Peer Education

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