Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

Die Nichtregierungsorganisation Sinani / Programme for Survivors of Violence (PSV) wurde bereits Anfang der 90er Jahre vor dem Hintergrund der alltäglichen und traumatisierenden Gewalt des Apartheidregimes gegründet. Gemeinsam mit Sinani unterstützt der WFD die Friedensarbeit in KwaZulu-Natal.

Leidvolle Geschichte

In den 80er Jahren war KwaZulu-Natal Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der konservativen Inkatha-Bewegung und des African National Congress (ANC). Der brutale Machtkampf wurde vom Apartheid-Regime gezielt gefördert. Noch heute sind die Nachwirkungen dieser gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen
deutlich spürbar. Sie äußern sich in gegenseitigem Misstrauen, in häuslicher Gewalt, in Alltags- und Beschaffungskriminalität und in gewalttätigen Auseinandersetzungen unter Jugendlichen. Ein weiteres Resultat der leidvollen Geschichte sind Armut und Arbeitslosigkeit.

Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

Sinani unterstützt die Gemeinden KwaZulu-Natals dabei, den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen, der Persönlichkeiten und gesellschaftliche Strukturen zerstört. Mit behutsamer Trauma- und Versöhnungsarbeit fördert Sinani individuelle und soziale Heilungsprozesse.

Eine von Sinani initiierte große Reinigungszeremonie im Jahr 2010 ragt dabei als Meilenstein hervor. Wichtige Persönlichkeiten KwaZulu-Natals riefen in deren Rahmen zu gegenseitigem Respekt auf und traten öffentlich für gewaltfreie Konfliktlösungen ein. Eine Zeitung von und für Jugendliche stärkt das Ansehen der Organisation und ihrer Arbeit.

Perspektiven entwickeln

Um der hohen Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, versucht Sinani wirtschaftliche Perspektiven aufzuzeigen. Dafür werden Kleinprojekte für Frauen und Jugendliche initiiert und Entwicklungsforen unterstützt. Lokale Wirtschaftsentwicklung ist eine wichtige Voraussetzung zur Bekämpfung der Armut.

Langjährige Partnerschaft

Die Zusammenarbeit von Sinani und Weltfriedensdienst entstand bereits 1999 im Rahmen des Inlandsprojekts „Wahrheit, Versöhnung, Gerechtigkeit“. Seit dem Jahre 2001 unterstützt der WFD die Arbeit in KwaZulu-Natal personell und finanziell.

Sie können sich auch gerne direkt auf der Webseite unseres Partners informieren: www.survivors.org.za

Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

Die Nichtregierungsorganisation Sinani / Programme for Survivors of Violence (PSV) wurde bereits Anfang der 90er Jahre vor dem Hintergrund der alltäglichen und traumatisierenden Gewalt des Apartheidregimes gegründet. Gemeinsam mit Sinani unterstützt der WFD die Friedensarbeit in KwaZulu-Natal.

Leidvolle Geschichte

In den 80er Jahren war KwaZulu-Natal Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der konservativen Inkatha-Bewegung und des African National Congress (ANC). Der brutale Machtkampf wurde vom Apartheid-Regime gezielt gefördert. Noch heute sind die Nachwirkungen dieser gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen
deutlich spürbar. Sie äußern sich in gegenseitigem Misstrauen, in häuslicher Gewalt, in Alltags- und Beschaffungskriminalität und in gewalttätigen Auseinandersetzungen unter Jugendlichen. Ein weiteres Resultat der leidvollen Geschichte sind Armut und Arbeitslosigkeit.

Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

Sinani unterstützt die Gemeinden KwaZulu-Natals dabei, den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen, der Persönlichkeiten und gesellschaftliche Strukturen zerstört. Mit behutsamer Trauma- und Versöhnungsarbeit fördert Sinani individuelle und soziale Heilungsprozesse.

Eine von Sinani initiierte große Reinigungszeremonie im Jahr 2010 ragt dabei als Meilenstein hervor. Wichtige Persönlichkeiten KwaZulu-Natals riefen in deren Rahmen zu gegenseitigem Respekt auf und traten öffentlich für gewaltfreie Konfliktlösungen ein. Eine Zeitung von und für Jugendliche stärkt das Ansehen der Organisation und ihrer Arbeit.

Perspektiven entwickeln

Um der hohen Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, versucht Sinani wirtschaftliche Perspektiven aufzuzeigen. Dafür werden Kleinprojekte für Frauen und Jugendliche initiiert und Entwicklungsforen unterstützt. Lokale Wirtschaftsentwicklung ist eine wichtige Voraussetzung zur Bekämpfung der Armut.

Langjährige Partnerschaft

Die Zusammenarbeit von Sinani und Weltfriedensdienst entstand bereits 1999 im Rahmen des Inlandsprojekts „Wahrheit, Versöhnung, Gerechtigkeit“. Seit dem Jahre 2001 unterstützt der WFD die Arbeit in KwaZulu-Natal personell und finanziell.

Sie können sich auch gerne direkt auf der Webseite unseres Partners informieren: www.survivors.org.za

von SARAH WIBBELER, MA Anglistik, Romanistik und Politikwissenschaft, war Praktikantin bei Global Generation (veröffentlicht im Querbrief #4/2012)
„Unglaublich! Du bist der erste Schwarze, den ich hier in Ungarn treffe!“ So der begeisterte Ausruf eines etwa 20-jährigen Mannes auf dem Marktplatz in Bodajk als er Simanga Sithebe sieht. Der war im Rahmen des WFD-Projektes GLOBAL GENERATION dorthin gereist. Das 60 km südwestlich von Budapest gelegene Dörfchen war Schauplatz eines Süd-Nord-Austausches von Global Generation und Simanga Sithebe, Leiter der südafrikanischen Partnerorganisation SINANI, bereicherte den ungarischen Workshop um die südafrikanische Perspektive.

Auf den freundlichen Empfang folgten drei Tage intensiver Arbeit. Die Erwartungen der Teilnehmenden waren vielfältig: „Etwas über Südafrika lernen, Menschen kennenlernen, einen Partner finden, die Welt verbessern…“ So verschieden die Erwartungen, so heterogen die 20-köpfige Gruppe. Da gab es engagierte Frauen, die ehrenamtlich Schülern Nachhilfeunterricht geben, und männliche Teilnehmer, die sich während des Workshops eher passiv zeigten, in den Kaffeepausen aber keine Gelegenheit ausließen, mit jüngeren Teilnehmerinnen ins Gespräch zu kommen. Für einige schienen die Mahlzeiten das Highlight des Tages zu sein, andere nutzten die Pausen, um Simanga über Südafrika auszufragen. Eine Teilnehmerin sagte während des gesamten Workshops kein einziges Wort. Ihr Ehemann und Sprachrohr teilte der Gruppe mit, sie sei zu schüchtern, aber da sie ohnehin meistens einer Meinung seien, könne er auch für sie antworten.

Für die meisten Teilnehmenden war es die erste Begegnung mit Afrika und ihre Erwartungen und Bilder von dem fernen Kontinent waren recht unterschiedlich. Viele glaubten, die Afrikaner „wüssten nicht viel über Europa“, man bekäme dort ja auch „kaum Informationen von dem Rest der Welt“. Andere fragten, ob Simanga in der Wüste lebe und ob man dort überhaupt die Möglichkeit habe, einzukaufen. Während Simanga als „Fremder“ und „Exot“ schnell Mittelpunkt des Geschehens wurde, wechselten viele Kursteilnehmer kaum ein Wort untereinander. Dem positiven Interesse an einer fremden Kultur stand das Desinteresse am eigenen Miteinander gegenüber. Den Grund nannte eine Teilnehmerin schnell und schnörkellos beim Namen: „Na, die da sind Gypsies, die anderen Ungarn.“ Etwa ein Drittel der Teilnehmenden waren Roma. Das schwierige Verhältnis zwischen Roma und Nicht-Roma wurde rasch zum versteckten Thema des Workshops. Die offene Thematisierung des Problems war aber nicht leicht und nur von den wenigsten erwünscht.

Aber gerade der Austausch persönlicher Erfahrungen und die Offenlegung der Biographien verleihen dem Projekt „Global Generation“ seinen Reiz. Was nun aber, wenn die Teilnehmer sich weigern, in Kleingruppen zu arbeiten, geschweige denn, Persönliches von sich preiszugeben? „Wir wollen keine Gruppenarbeit und wir wollen nicht über uns reden. Simanga, erzähl uns aus Südafrika!“ Zumindest in diesem Punkt schienen alle übereinzustimmen.

Und so begann Simanga zu erzählen, von seinem Leben in einem Land, dessen Bevölkerung so gespalten war wie kaum in einem anderen Land der Erde. Ein Land, in dem eine Gruppe die andere gnadenlos unterdrückte. Es folgte eine eindrucksvolle Schilderung über die südafrikanische Geschichte, das Black Consciousness Movement und das Ende des Apartheitregimes. Die Schilderung der Situation der schwarzen Bevölkerung in Südafrika weckte schnell die Empathie der Teilnehmer.

Die tragische Geschichte eines 65-jährigen Südafrikaners, von Simanga anschaulich vorgetragen, sorgte für Stille im Raum und stellte einen Höhepunkt des Workshops dar. Ein von Armut, Exklusion und sozialem Auf- und Abstieg geprägtes Leben ließ die Teilnehmer verstummen und wie gebannt zuhören. Die Nachwehen des Apartheitregimes waren unmittelbar mit dem Verlust zweier seiner Kinder verbunden, was die Teilnehmer besonders zu bewegen schien. Die Empathie, die die Teilnehmer diesem ihnen unbekannten Mann entgegenbrachten, zeigt, wie sehr eine persönliche Ebene zu mehr Verständigung und Verständnis führen kann. Von den Vorurteilen der ersten Sitzung gegenüber Südafrika war nicht mehr viel zu spüren.

Besonders die Roma, die sich selbst als die „Schwarzen“ Ungarns bezeichnen, identifizierten sich mit den Freiheitskämpfern Südafrikas. Emotionale Ausrufe wie „Simanga, Simanga, bei uns ist das ganz genauso!“ mehrten sich. Wir verfügten über keine Rechte, werden nicht ernstgenommen und sind die Sündenböcke für alle sozialen und wirtschaftlichen Probleme Ungarns. Im Mittelpunkt der Kritik stand die ungarische Bildungspolitik. Segregation an Schulen und eine systematische Benachteiligung der Romakinder sind gängige Praxis, so eine These. Wider Erwarten stimmten alle Teilnehmer zu.

Nicht nur Segregation und Diskriminierung der Roma wurden angeprangert. Soziale Ungerechtigkeiten, mangelnde Infrastruktur und Unzulänglichkeiten der staatlichen Behörden seien Probleme, die nicht nur in Südafrika, sondern auch in Ungarn an der Tagesordnung seien, so die Mehrheit der Teilnehmer. Die Gruppe, die anfangs kaum Partizipation zeigte, wurde immer lebhafter und aktiver. Fragen häuften sich und die derzeitige politische und soziale Situation in Südafrika rückte nun ins Zentrum des Interesses.

Kann nun der Norden vom Süden lernen? – Ja! Nicht nur „über“ Südafrika, wie alle Teilnehmer es sich gewünscht hatten, sondern auch „von“ Südafrikanern. Methoden der Konfliktbearbeitung, der Partizipation und des Umgang mit Behörden wurden in Ungarn als Neuland empfunden. „Wir brauchen dringend Organisationen wie SINANI in Ungarn dringend“, so eine Teilnehmerin. In Ungarn fehlt es vor allem an Kommunikation, die doch so wichtig ist für eine offene, tolerante Gesellschaft. Kommunikation zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen ebenso wie zwischen staatlichen Behörden und Zivilgesellschaft.

Zwei Teilnehmer bemerkten beim Abschiednehmen, sie hätten gerne mehr über die anderen Teilnehmer erfahren, gerade über die jeweils andere Bevölkerungsgruppe. Dies macht Hoffnung eine mögliche Annäherung in Richtung des jeweils vermeintlich „Anderen“ im eigenen Land. Und es zeigt, dass ein Projekt wie Global Generation tatsächlich einen Dialog anregen kann, der die Segregation wenigstens im Kleinen überwindet?

Und welche Rolle spielt dabei der afrikanische Trainer, der auf alle Workshop-Teilnehmer zunächst „fremd“ und „exotisch“ wirkte? Vielleicht konnte gerade ein „Fremder“, mit dem sich alle ein bisschen identifizieren konnten, das Eis brechen. Auf jeden Fall hat Simangas Aufenthalt in Ungarn, allen Problemen, Vorurteilen und Kommunikationsproblemen zum Trotz, gezeigt, wie viel ein Blick über den Tellerrand bewirken kann. Es sind oft sehr persönliche Geschichten, die unser Zusammenleben und unsere Kommunikation prägen und Stereotypenbildung entgegenwirken. Das „Fremde“ und „Andere“ ist spannend, es gibt mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick erkennt und auch Unterschiede können bereichernd sein. Diese auch beim Nachbarn im eigenen Land zu entdecken und wertzuschätzen, bleibt eine Herausforderung. Einen gemeinsamen Traum hat die gesamte Gruppe jedoch bereits für sich entdeckt: Simanga eines Tages in Südafrika zu besuchen.

06.07.2016

Gepostet in: Südafrika: Friedensarbeit und Gemeindeentwicklung

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