Die Reaktion des WFD-Partners Mi-PAREC auf die Unruhen in Burundi

Aus einem Bericht des WFD-Partners Mi-PAREC, Burundi, von Februar 2016 (veröffentlicht im Querbrief 1/2016)

Nach Überfällen bewaffneter Gruppen im Jahr 2014 und zwei kontrovers beurteilten Wahlen im Jahr 2015 befindet sich Burundi in einer schwierigen Situation. Auf die Ankündigung des Präsidenten, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, reagierte die Opposition und zivilgesellschaftliche Gruppen mit Demonstrationen, Militärs versuchten zu putschen. Jugendliche Anhänger politischer Parteien schüchterten ihre Gegner ein. Über 200 Menschen wurden getötet, ungezählte wurden verletzt, nicht zu reden von den materiellen, kulturellen und sozialen Werten, die zerstört wurden. Mehrere private Medien wurden geschlossen. Übrig blieben Propaganda und Gerüchte, was die Panik in der Bevölkerung noch vergrößert. Dieses Klima der Angst trieb 200.000 Menschen in die Flucht.

Angesichts dieser schrecklichen Situation wollte und konnte der lokale WFD-Partner Mi-PAREC nicht untätig bleiben. Die Mitarbeitenden setzten sich zusammen und planten eine ganze Reihe von Interventionen. Ziel war es, Blockaden zu überwinden, Verhärtungen zu lösen sowie Menschen und Gruppen zu ermutigen, über Fronten hinweg ins Gespräch zu bringen.

Das Eis brechen

Ein erstes Ziel war es, das „Eis“ zwischen der Polizei, den Justizbehörden, den lokalen Verwaltungen und den von MIPAREC initiierten Friedenskomitees zu brechen. Dazu wurden diese Akteure eingeladen und tatsächlich kam im Dezember 2015 ein Treffen zustande. Ausführlich wurde die aktuelle Situation analysiert. Um die Kommunikation im Alltag zu verbessern und Spannungen im Zusammenleben abzubauen wurden Strukturen geschaffen, die Kommunikation ermöglichen. Die Teilnehmenden verpflichteten sich, Frieden zu bewahren und einander zu vertrauen.

Jugendliche einbeziehen

Eine ähnliche Initiative brachte die Jugendlichen der verschiedenen Gruppen, Polizisten, Gemeindevertreter und Mitglieder von Friedensclubs zusammen. Ziel war, das im Laufe der Auseinandersetzungen verloren gegangene Vertrauen wieder herzustellen und eine Vereinbarung zum friedlichen Zusammenleben der Mitglieder verfeindeter Jugendgruppen zu erarbeiten. Besonders Jugendliche werden von Politikern zur Erreichung ihrer politischen Ziele instrumentalisiert. Mi-PAREC hat die jugendlichen Anhänger der Parteien gemeinsam eingeladen und Ihnen den Sinn von Bürgerrechten nahe gebracht. In den einzelnen Kommunen wurden Friedensclubs gebildet, denen Jugendliche aller Lager angehören. Mi-PAREC macht sie spielerisch mit Formen gewaltfreier Konflikttransformation vertraut. So wird Versöhnung in ihren Dörfern gefördert. Personell und Finanziell wird Mi-PAREC dabei vom Weltfriedensdienst unterstützt. Die Jugendlichen treffen sich regelmäßig und listen die aktuellen Konflikte auf. Betreffen sie Personen oder Gruppen? Was geschieht zu den Konflikten? Werden sie bearbeitet? Wurden sie gelöst? Was bleibt zu tun? Genauso wird systematisch nach den Ursachen von Spannungen und Trennendem geschaut – und nach dem, was verbindet ist und was den Zusammenhalt in der Gemeinde stärken kann.

Kommunikation

Vertreter der Friedenskomitees aus 14 Gemeinden bilden das Kommunikationsteam. Sie sind mit Handys ausgerüstet und verbreiten damit Informationen untereinander, die sie selber vor Ort recherchieren. Das hat sich schon an mehreren Orten als nützlich erwiesen. Gerüchtebildung wurde vermieden und so wurde Gewaltausbrüchen vorgebeugt. Zum Beispiel durch Nachfragen bei der Polizei bei willkürlichen Festnahmen. Das Netzwerk funktioniert – beim Sammeln von Informationen und deren Verbreitung, genau wie von unten, der lokalen Basis, nach oben zur Verwaltung, Polizei und zu Politikern.

Forum „Frauen in Leitungspositionen“

Lachende Frauen in Burundi Frauen spielen eine große Rolle bei der Friedenserhaltung, nicht nur in Burundi. Mi-PAREC hat deshalb ein Forum für Frauen in Leitungspositionen organisiert. Unter den Frauen die der Einladung Folge leisteten waren Abgeordnete und Senatorinnen, Ministerinnen, Mitarbeiterinnen der Verwaltung und Frauen, die sich in der Politik engagieren wollen. Sie brachten ihre Expertise ein und diskutierten die wesentlichen gesellschaftlichen Herausforderungen, sowie die Frage, welchen Beitrag besonders Frauen leisten können, diese Herausforderungen zu meistern. So kandidierte eine der Frauen als Dorfvorsteherin in ihrer Heimatgemeinde, wurde gewählt und befasste sich mit den dort sehr heftigen ethnischen Spannungen zwischen Anwohnern und Vertriebenen. In Zusammenarbeit mit dem örtlichen, von Mi-PAREC betreuten Friedensclub werden die verfeindeten Gruppen darin begleitet, aufeinander zuzugehen um in Frieden miteinander leben können.

15.07.2016

Gepostet in: Burundi: Versöhnung unterstützen

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