„In unserem Land liegt unsere Kultur. Dort ist unsere Weisheit, unser Wissen. Im Land ist unsere Medizin. Im Land steckt unsere spirituelle Kraft. Deshalb verteidigen wir unser Land wie unsere eigene Existenz, […]“ – Natalia Sarapura, Präsidentin des Rates der Indigenen Organisationen von Jujuy (COAJ).

Seit seiner Gründung setzt sich COAJ für die rechtliche Anerkennung kollektiver Landrechte ein. Knapp 200 Gemeinden der Provinz Jujuy im Nord-Westen Argentiniens erhielten schon Besitztitel für ihr Land. In Dörfern wie Jujuy herrscht bittere Armut. Lebensmittel, Gesundheitsversorgung, Strom und Wasser, sowie Schulbildung sind für die Einheimischen meist nicht bezahlbar. Deshalb ist die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen ein Schwerpunkt der Arbeit des Rates.

Medizin – nicht für alle

Besonders das staatliche Gesundheitssystem ist für Indigene schwer zugänglich, da pharmazeutisch hergestellte Medizin teuer ist. Gleichzeitig ist das Wissen über die Nutzung lokaler Heilpflanzen in Jujuy gefährdet. Bald werden traditionelle Therapien nicht mehr weiter praktiziert, wenn die Veränderung der Lebensweisen, vor allem junger Indigener, weiter fortschreitet.

Immer mehr junge Menschen ziehen in Folge der Globalisierung in die Städte. Zunehmend wird es schwieriger die Traditionen auf den Dörfern fortzuführen. In den reichen Ländern entsteht einen gegenläufiger Trend zu traditionellen Heilmethoden. Mit dem Unterschied: Traditionelle Medizin ist nicht einfach nur eine Alternative für arme Bevölkerungsgruppen. Die im Westen verbreitete alternative Medizin hat meistens ihre Quelle in der traditionellen Medizin vieler Kulturen.

Im argentinischen Hochland werden traditionell Cocablätter angebaut, die seit Jahrhunderten als Genussmittel, als Nahrungsergänzungsmittel und für medizinische Zwecke genutzt werden. Sie helfen Hunger, Müdigkeit und Kälte zu verdrängen und verbessern die Sauerstoffaufnahme. So sind sie sehr wirksam gegen die Höhenkrankheit.

Traditionelles Wissen erhalten

COAJ macht es sich auch zur Aufgabe, dieses Wissen zu erhalten. Das betrifft auch den Umgang mit der Natur. Die Gemeinden reaktivieren Anbauweisen, die gewinnbringend genutzt werden kann und die einzigartige Pflanzenwelt der Anden bewahrt und, z.B. durch die Herstellung traditioneller Medizin. Vom Kopfschmerzmittel bis zum Behandlung von Erkältungen und Infektionen. Unterstützt wird diese Arbeit durch eine eigene Hochschule, die Tecnicatura, die traditionelles Wissen mit modernem verbindet.

Landwirtschaft Medizin Pflanzen traditionellZahlreiche Gemeinden insbesondere der trockenen Gebiete der Quebrada und Puna beteiligen sich am Saatgutaustausch. Dadurch werden vergessene, selten gewordene oder bedrohte Nutzpflanzen für Ernährung und Medizin wieder ins allgemeine Gedächtnis gerufen. Ancañoca und Quinoa, dem Klima und Boden gut angepasste Gemüse- und Getreidearten, wurden den LandwirtInnen wieder nahegebracht. Diese können auch bei Trockenheit gedeihen. Workshops zur Bestimmung wilder Medizinalpflanzen und Apothekengärten in den Gemeinden sind sehr erfolgreich. 15 Pflanzenarten sind so der Nutzung wiederzugänglich geworden.

Erfahrungen teilen

Die Nachfrage nach natürlichen Produkten aus den Anbauregionen der indigenen Gemeinden steigt. Produkte wie Quinoa werden populärer und beliebter, auch in Europa. Dies wird sowohl als Chance, als auch als potentielle Gefahr gesehen. Die gemeinschaftlichen, natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen ist wichtig, um die Lebensbedingungen indigener Gemeinschaften zu verbessern. Die Produktion soll Einkommen sichern, ohne durch Massenexporte die eigene Versorgung mit Nahrungsmitteln zu bedrohen. Es geht ihnen darum, in Würde als Teil ihrer Erde und Umwelt zu leben.

 „Wir glauben […],  dass wir einige Erfahrungen teilen können, die auch anderen nützlich sind. […]“, Natalia Sarapura, Präsidentin von COAJ

 

17.01.2017

Gepostet in: Argentinien: Indigene kämpfen um ihr Land

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