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Weltfriedensdienst
60 Jahre aktiv für Frieden

Mit einem lebendigen Abend feiert der Weltfriedensdienst seinen 60. Geburtstag in Berlin. Es treten auf: Menschenrechtler, Fachkräfte und zwei leidenschaftliche Aktivistinnen.

Genau so muss ein runder Abend sein. Menschlich, engagiert, auch ein bisschen kämpferisch – und trotzdem beflügelnd und voller Leben. 60 Jahre wirksame Zusammenarbeit von Nord und Süd haben die hochengagierten WFD-Aktive zusammengeschweißt. 60 Jahre, die mit Selbstbewusstsein im Refugio in Berlin vor vollem Haus gefeiert werden.

Blick zurück nach vorn
Der Weltfriedensdienst ist eine Institution. Gegründet 1959, wenige Jahre nach Kriegsende, um ein Zeichen für Versöhnung und friedliches Zusammenleben zu setzen. 1971 dann die Anerkennung als „Träger des Entwicklungsdienstes“, 1999 bewilligte das Entwicklungsministerium das erste im Rahmen des „Zivilen Friedensdienstes“ geförderte Projekt. Weit über 250 Fachkräfte haben sich gemeinsam mit den lokalen Partnerorganisationen für Frieden, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung engagiert. Vorstandsmitglied Gerd Hönscheid-Gross lässt die Wirkkraft des Weltfriedensdienst in seiner Rede Revue passiere. Mit einem Best Of durch die sechs Jahrzehnte, mal ernst, mal heiter, würdigen am nächsten Tag auch Zeitzeug*innen zwischen 19 und 90 Jahren die beachtlichen Erfolge des Vereins. „Mit unserem Ziel Ressourcengerechtigkeit blicken wir auf unsere Zukunft.“

Grandes Dames Lucila Pautrat, Direktorin der Umweltorganisation Kené in Peru, zieht gegen die Abholzung des Regenwalds im Amazonas vor Gericht – und erringt einen historischen Sieg

Zwei couragierte Frauen haben für unsere Geburtstagsfeier weite Reisen auf sich genommen. Lucila Pautrat, Direktorin der Umweltorganisation Kené in Peru, überbringt erschreckende Nachrichten über die Zerstörung der riesigen Regenwäldern des Amazonas. Sie berichtet von der Abholzung, von Menschenrechtsverletzungen und Morddrohungen – und fordert engagiert und heftig: „Diese skrupellose Abholzung muss endlich ein Ende haben.“

Mariam Sow, Direktorin von Enda Pronat, bekämpft Wasserknappheit und Mangelernährung mit ökologisch und wirtschaftlich nachhaltiger Landwirtschaft im Senegal

Kämpferisch schildert auch Mariam Sow, Direktorin der Landwirtschafts- und Entwicklungsorganisation Enda Pronat, wie sie Wasserknappheit und Mangelernährung bekämpfen indem sie eine ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Landwirtschaft im Senegal fördern. Und sie ruft den Norden und die internationalen Institutionen auf: „Stoppt die großflächige Landnahme und den Raub von Boden, Wasser, Flora, Fauna und genetischer Ressourcen im globalen Süden. Stoppt die Liberalisierung der Märkte, damit es den Ländern des Südens ermöglicht wird, ihre Ressourcen, Märkte und Unternehmen zu schützen. Wir brauchen eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit dem globalen Norden!“

Lösungen für Ressourcenkonflikte

Judith Ohene, Dr. Marcel Gounot, Felicitas Eser und Dr. Tim Bunke diskutieren Lösungen für Ressourcenkonflikte

Das fordern auch die WFD-Fachkräfte im Gespräch mit den Vorständen Felicitas Eser und Dr. Marcel Gounot. Sie alle plädieren in ihren Statements zum Thema „Was kann Frieden, wenn es keinen Planet B gibt?“ für wirkliche Veränderungen, für Taten statt Worte. Die Fachkräfte informieren über die Wirkung der Projekte, in denen sie arbeiten, und lassen uns anhand persönlicher Eindrücke an den Auswirkungen von Land- und Wasserraub, etwa in Palästina, teilhaben. Wer bestimmt über den Zugang und die Verteilung von Land und Wasser? Wem stehen Ressourcen zu, besonders wenn diese knapp werden? Dr. Tim Bunke, Friedensfachkraft in Kenia, berichtet anschaulich über Ressourcenmanagement und den konstruktiven Umgang mit Ressourcenkonflikten in dem ostafrikanischen Land.

Wir können Frieden
Entwicklungen wie die Klimakrise, Wasserknappheit und hoher Ressourcenverbrauchbetreffen alle Menschen in Nord und Süd – ganz akut oder schleichend. Felicitas Eser aus dem Vorstand betont, dass unsere Friedens- und Entwicklungsprojekte seit so vielen Jahren schon Antworten auf diese Herausforderungen finden. „Genau aus diesem Grund“, ergänzt Vorstandsvorsitzender Dr. Marcel Gounot, „ist das Thema Ressourcengerechtigkeit die konkrete Verbindung zwischen der WFD-Projektarbeit im Süden und der Bildungs- und Kampagnenarbeit des Weltfriedensdienst im Norden.“ Die WFD-Geschäftsführerin Judith Ohene moderiert den Abend. Ihr Fazit: „Wir können Frieden. Aber ohne Gerechtigkeit bei Zugang und Verteilung von Ressourcen gibt es keinen nachhaltigen Frieden.“

 

Geburtstagswünsche lokaler Partner*innen

Besonders stolz sind wir auf die netten Geburtstagsgrüße aus aller Welt zu 60 Jahre Weltfriedensdienst. Hier das Video unserer lokalen Partnerorganisationen und Fachkräfte [3 Min.]:

 

Ausstellung „Frieden kann“

Wie eng Ressourcenkonflikte mit dem Thema Gerechtigkeit verknüpft sind, können die Gäste an diesem Abend auch in der Ausstellung „Frieden kann“ über die aktuellen Projekte des Weltfriedensdienst nachvollziehen. Ausstellung ansehen [PDF, 2,7 MB]

Hier finden Sie das Programm [PDF, 1,2 MB] der WFD-Geburtstagsfeier am 22. November 2019.

 

Musik aus Simbabwe: Virginia Mukwesha Hetze mit ihrer Mbira, einem Lamellophon, das von den Shona im südlichen Afrika in der traditionellen  afrikanischen Musik gespielt wird

 

Der Botschafter von Simbabwe, S.E. Paul Chikawa, im Gespräch mit WFD-Geschäftsführerin Judith Ohene

 

Unsere Geschenke-Aktionen zum 60.

Als Geschenk zum 60. Geburtstag hatten wir uns von unseren Freund*innen viele Spendenaktionen gewünscht… und unser Wunsch ging in Erfüllung!

Sie feierten Geburtstage, vollbrachten sportliche Höchstleistungen oder verschenkten eine Portion Weltfrieden – unsere Freund*innen rührten die Werbetrommel für den Weltfriedensdienst und unterstützen unsere Friedensarbeit mit 18.000 Euro. Wärmsten Dank alle Beteiligten!

 

Laudatio: Herausforderungen globaler Friedensarbeit

WFD-Vorstandsvorsitzender Dr. Marcel Gounot im Gespräch mit WFD-Vorstand Gerd Hönscheid-Gross

WFD-Vorstand Gerd Hönscheid-Gross gibt in seiner Rede einen kurzen Abriss der Geschichte des Weltfriedensdienst und blickt optimistisch in die Zukunft des Vereins.
Hönscheid-Gross nimmt uns mit auf eine Reise durch die bewegten 60 Jahre des Vereins. Sein Resümee: Die Geschichte zeigt deutlich die Agilität und Flexibilität des Weltfriedensdienst.

Das ursprüngliche Ziel, als zivilgesellschaftliche Organisation zur Bewahrung des Friedens beizutragen, wurde beibehalten und weiterentwickelt, genauso wie unsere Art der Zusammenarbeit. „Immerhin haben wir seit 1959 über 220 lanjährige Projekte zusammen mit unseren Partnern vor Ort realisiert. Darauf können wir aufbauen.“

Er betont, wie wichtig der Einsatz von Fachkräften für unsere Arbeit ist: „Dieser Ansatz hat Zukunft. Denn die Begegnung von Menschen, die gemeinsam nach Lösungen suchen, bleibt die beste Methode, um die Bedrohungen des Friedens aufzuspüren und nachhaltige Veränderungsprozesse gemeinsam mit unseren Projektpartnern in Gang zu setzen.“ Aber der wirkungsvolle Einsatz von Fachkräften reicht nicht aus. „Wir brauchen politische Entscheidungen für einen Wandel, der den Frieden bewahrt und die Ressourcen schützt und wir brauchen eine breite öffentliche Unterstützung.“

Immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft sind bereit, ihr persönliches Verhalten zu ändern und sich für die jetzt schon von der Klimakrise und von Ressourcenkonflikten betroffenen Menschen zu engagieren. Das ist wichtig für unsere Kampagnen- und Bildungsarbeit in Deutschland, die auf den Erfahrungen und Kenntnissen unserer Projektpartner vor Ort sowie unserer Fachkräfte fußt.

„Ich möchte dem Weltfriedensdienst– und allen Menschen, die ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist – zu 60 lehrreichen und wirkungsvollen Jahren gratulieren und wünsche uns viel Kraft, Inspiration und Mut für die zukünftigen Herausforderungen globaler Friedensarbeit.“

 

Geschichte des Weltfriedensdienst e.V.

Workcamp, Elfenbeinküste, 1965

Seminar, Senegal, 1970

Mahnwache gegen Apartheid in Südafrika, Berlin, 1991

Dr. Ulrich Luig hat im Buch „Weltfriedensdienst: Geschichte einer Idee“ aufgeschrieben, was in den letzten 60 Jahren passiert ist.

Einen kurzen Überblick liefert Ihnen die Zusammenfassung der Geschichte des Weltfriedensdienst und die Chronologie des Weltfriedensdienst.

 

Gesichter des Weltfriedensdienst: Lutz Taufer und Felicitas Eser

Mariam Sow (Senegal) und Lucila Pautrat (Peru)