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Realschüler spenden Arbeitslohn für Afrika

Text und Foto: MARTIN ROOS

Elsenfeld. Sie wuchten Schränke herum, falten Kartonagen zusammen und räumen verstaubte Aktenordner aus dem Zimmer. Am Mittwochmorgen 8 Uhr sind Fabian Neuber (15) aus Erlenbach (15) und Ralf Bender (15) aus Streit an ihrem Arbeitsplatz im Einsatz. Der Arbeitstag geht bis 13 Uhr. Doch die beiden Jungen sind weder Lehrlinge noch Schulschwänzer. Nein, sie arbeiten einen Tag lang für einen guten Zweck bei der Firma Ullmann Plastic GmbH im Rücker Industriegebiet. Den Arbeitsplatz haben sich die beiden vor vier Wochen ausgesucht. Ihren Lohn, fünf Euro die Stunde, stecken die Schüler der Klasse 8 g nicht in die eigene Tasche, sondern unterstützen ein Afrika-Projekt um den Kindern dort Schulbildung zu ermöglichen.

Normalerweise sitzen die beiden Jugendlichen um diese Zeit in ihrem Klassenzimmer in der Realschule Elsenfeld und pauken Englisch, Mathe und Deutsch. Doch an diesem Mittwoch verwandeln die beiden eine Rumpelkammer in einen Arbeitsplatz. Für das Projekt „work4peace – Arbeiten anstatt zu lernen” wurde eigens ein Vertrag mit dem Unternehmer abgeschlossen. „Die Jungs sind echt eine Verstärkung” freut sich Firmenchef Thorolf Winter vom kunststoffverarbeitenden Betrieb Ullmann Plastic über die Unterstützung. „Die beiden Jungs haben Arbeiten bekommen, die sie selbstständig ausführen können”. „Wenn sie heute nicht hier wären, hätte ich jemanden anderen abstellen müssen, der die Arbeiten gemacht hätte”.

„Insgesamt sind 210 Achtklässler der Staatlichen Realschule unterwegs”, klärt Projektleiter Richard Albrecht auf. Die ganze achte Jahrgangsstufe geht heute anstatt in die Schule zum Arbeiten und alle Schüler haben sich den Arbeitsplatz selber gesucht. Manche sind im Altersheim, einige im Kindergarten und andere in Unternehmen. Verschiedene arbeiten auch als Babysitter oder helfen Opa und Oma im Garten. Jeder hat im Vorfeld dafür einen Vertrag bekommen, bei dem der vereinbarte Lohn geregelt ist.

„Bei der Arbeit hier muss man ganz schön anpacken, aber dafür kann man sich in der Mittagspause auch wieder ausruhen”, sagt Ralf Bender während er mit Mitschüler Fabian Neuber einen Tisch aus dem Zimmer schleppt. Der ergänzt, dass das Ganze wie eine Mischung aus Praktikum und gutem Zweck ist.

„Wenn heute jeder der 210 Schüler in fünf Stunden Arbeit 25 Euro verdient, ist das die Summe, um unsere zehn Waisenkinder für ein Jahr in Tansania zu finanzieren”, rechnet Richard Albrecht, der für das Projekt zuständige Lehrer vor. Seit dem 1. Januar 2007 unterstützt die Realschule Elsenfeld mit Stipendien die dortige Wende Secondary School. „Wir besorgen Geld für talentierte aber mittellose Schüler und Waisenkinder in der stark von Aids betroffenen Region”, erklärt Albrecht. Seit Beginn der Aktion hat die Schule bereits zehn Patenkinder unterstützt. Das jüngste ist zehn, der älteste 21 Jahre alt.

Mit einem Film über Straßenkinder und einem Referat über Afrika wurden die Schüler vorab auf das Projekt vorbereitet. Im dem von Schülern der neunten Klasse vorgetragenen Referat wurden die Probleme Afrikas wie Krankheiten, Unterversorgung und Aids geschildert und über youtube die Wende Secondary School vorgestellt. „Nun kennen die Schüler jedes einzelne Kind das sie unterstützen beim Namen und haben es im Film gesehen”, erklärt Richard Albrecht. „So etwas motiviert natürlich noch mehr”. 2

Besonders berührt hat Schüler Ralf Bender der Film von Werner Lebert über die Straßenkinder. Besonders krass war, wie die Kinder an den Flaschen mit den Klebern riechen. „Wir leben hier in Deutschland wie die Maden im Speck und dort schnüffeln sie Klebstoff und leben von ein bisschen Essen aus dem Müll”. „So etwas ist echt tragisch”. Unterdessen fände es Fabian Neuber gut, wenn das Projekt auch an anderen Schulen Nachahmer finden würde, weil dann noch mehr Kinder die Chance auf Bildung bekämen.

Laut Richard Albrecht geht es seiner Schule bei dem Projekt nicht nur darum Geld in die Dritte Welt zu schicken, sondern auch, um den Schülern zu zeigen, wie gut es ihnen eigentlich geht. „Und wenn sie ihren Teil dazu beitragen, andere zu unterstützen, denen es nicht so gut geht, und auch noch lernen Verantwortung für andere zu übernehmen, dann hat das Projekt seinen Zweck erfüllt”.

Foto: Arbeiten statt zu lernen. Einen Tag lang arbeiteten Fabian Neuber (vorne) und Ralf Bender für das Projekt „work4peace” im Industriebetrieb Ullmann Plastic im Rücker Industriegebiet. Ihr Lohn, 25 Euro für fünf Stunden Arbeit, spenden sie dem Afrika-Projekt ihrer Realschule.

30.05.2016

Gepostet in: Aktuelles von work4peace