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Aus der Facebook-Gruppe von Adolescer: Wascht Eure Hände! © Grupo AdoleScER

Das größte Land in Lateinamerika hatte 474 Todesfälle durch das Coronavirus innerhalb von 24 Stunden registriert (Stand 29.4.2020). Das ist die höchste Zahl für diesen Zeitraum seit Beginn der Covid-19-Pandemie. Mit einer Gesamtzahl von 5017 Todesopfern hat Brasilien damit China offiziell übertroffen.  Während Krankenhäuser und Friedhöfe des Landes bereits an ihre Grenzen gerieten, hatte der rechtspopulistische Präsident Bolsonaro das Coronavirus stets verharmlost und die Auflösung von Einschränkungen gefordert. Momentan sind im Projektgebiet alle Läden, Schulen und Unis geschlossen. Ausgenommen sind Supermärkte und Apotheken.

“Was mir Mut macht”, berichtet unsere Kollegin Christina Schug aus Recife, “ist die große Solidarität, die wir gerade erleben. Normalerweise interessieren sich die Vermögenden in Brasilien wenig für die arme Bevölkerungsmehrheit. Das ändert sich gerade: Kampagnen, um den Ärmsten zu helfen, werden durch immer mehr Menschen unterstützt. Auch finde ich es bewunderungswürdig, dass viele in den armen Gemeinden sich trotz widriger Umstände freiwillig an die Verhaltensregeln halten und zuhause bleiben.”

Wo bleibt die staatliche Nothilfe?

Viele Menschen in den Favelas, in denen wir arbeiten, verkaufen normalerweise Wasserflaschen an der Ampel oder leben von sonstigen kleinen Arbeiten. „Wie kann ich meine Familie ernähren? Wie geht es mit der Bildung meiner Kinder weiter?“, das sind die drängendsten Fragen, die sie sich seit der Ausgangssperre stellen. Die Regierung hatte ein Nothilfepaket beschlossen, das die Zahlung von bis zu 1200 Real pro Familie vorsieht. Allerdings ist davon mehr als zwei Wochen später kaum etwas bei den Bedürftigen angekommen.

Gewalt nimmt zu

Das Leben auf der Straße in den armen Gemeinden geht dem äußeren Anschein normal weiter. Am Wochenende haben sogar Bars geöffnet. Vielen fehlt das Wissen über den Ernst der Lage. Mangels fließendem Wasser und Seife ist Prävention nur in sehr begrenztem Maße möglich.

•In den Favelas ist Abstand halten kaum möglich.

•Zu Hause zu bleiben kann sich kaum jemand leisten.

•Gewalt in den Familien und auf der Straße nimmt zu.

Funktioniert auch in der Krise

Bildung und Aufklärung sind die wichtigsten Faktoren zur Überwindung von Armut und Gewalt. Die gemeinnützige Organisation Adolescer bildet Jugendliche in den Favelas von Recife zu Friedenserziehern aus. „Unsere Methode funktioniert auch in dieser Krise“, berichtet Schug. „Jetzt bilden wir die  jugendlichen Konfliktlotsen online zur Corona-Prävention fort. Sie geben ihr Wissen an Gleichaltrige, Familie und Nachbarn weiter – mit Fotos, Plakaten und Spots.“

Unsere Partnerorganisation

•Hält Vorträge und Chats auf Social Media zur Corona-Prävention

•Näht 900 Masken und verteilt sie in den Gemeinden

•Produziert Straßenplakate mit der Aufforderung zu Hause zu bleiben

•Unterstützt Crowdfunding- Kampagnen, um Familien mit Lebensmitteln zu versorgen

•Klärt mit Lausprechern auf Fahrrädern  über Verhaltensregeln während der Pandemie auf

 

 

 

29.04.2020

Gepostet in: Aktuelles, Brasilien: Soziale Integration und Gewaltprävention durch Peer Education