Seit 2006 berät Ulli Westermann als Kooperant TSURO für den Weltfriedensdienst in Nachhaltiger Landwirtschaft, Ressourcenschutz und Organisationsentwicklung.

“Gestern, am 26. Januar war ich mit meinem Kollegen Johannes Mufakose unterwegs, um vor Ort den Entwicklungsstand des Nichthybridsaatgutprogramms zu begutachten, das von TSURO vor drei Monaten initiiert worden war. TSURO versucht, auch weit abgelegene Dörfer im Distrikt zu erreichen, und entsprechend lange und mühsam war unsere Fahrt in die steinigen Hügel der Gebiete um Nhedziwa und Cashel. Im Chiramba Dorf trafen wir Frau Ndadzungira und ihre Nachbarin, die uns ein sehr gutes Beispiel einer Mischkultur von Mais und Cow Peas zeigten. Ebenso beeindruckend war ihre Entschlossenheit, sich als allein erziehende Mütter mit zwei bzw. vier Kindern trotz akuten Geldmangels ein menschenwürdiges Leben zu erhalten. Frau Ndadzungira konnte auch die Vorteile ihrer Mischkultur so detailliert schildern, dass andere Dörfler davon in anschaulicher Weise lernen können. An diesem Tag sahen wir in fünf weiteren Dörfern Beispiele viel versprechender Hirsefelder und verschiedene andere Anbausysteme. Es ist es wert, solche Anstrengungen zu unterstützen.

TSURO stellt ein Paradebeispiel für Entwicklung von unten dar. Im Verlauf der letzten neun Jahre haben sich immer mehr kleinbäuerliche Familien in diesem gemeindebasierten Verein zusammengeschlossen, um ihr Überleben auf dem Lande zu sichern. Nachhaltiger, sorgfältiger Umgang mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen war ihr Ziel. Daraus ergaben sich diverse ökologische Initiativen: Förderung biologischer Vielfalt; Permakultur Design in Heimstätten, Gärten und Feldern; Integration von Tierhaltung und Ackerbau; Naturschutz für einheimische Wälder und Quelleneinzugsgebiete; Förderung von Saatgutsicherungsprogrammen durch klimatisch angepasste Nichthybridsorten; Bienenzucht, Fischteiche, Kleinviehhaltung und vieles mehr.

TSURO ist sehr stark der Einbindung in die lokale Kultur und den in der Satzung festgelegten Werten verpflichtet. Basisdemokratie, gegenseitiger Respekt, Transparenz, Toleranz und Gerechtigkeit sind stets lebendig und ein deutlich spürbares Merkmal der Organisationskultur. ‚Grassroots’ Trainer aus den Gemeinden unterstützen die Entwicklung von Gemeindeprojekten, die von Komitees auf Dorfebene ständig begleitet werden. In den Dörfern, in den Bezirken und auf Distriktebene werden dezentralisierte Pläne erstellt und auf verschiedenen Ebenen integriert. TSURO ist bei anderen Akteuren für seine offene, nicht diskriminierende Vorgehensweise geschätzt.

Die simbabwische Krise ist auch an TSURO nicht spurlos vorübergegangen. Im Gesundheitsbereich kämpfen die Menschen unter schwersten Bedingungen mit den Auswirkungen von HIV & AIDS, Cholera und einer allgemein desolaten Gesundheitsversorgung. Zum Jahresanfang 2009 ist auch die Ernährungslage im ganzen Lande äußerst prekär und die schwächsten Bevölkerungsschichten sind davon am meisten betroffen. Nahrungsmittelsicherung auf dem Lande muss durch Maßnahmen zur nachhaltigen Stabilisierung der kleinbäuerlichen Produktion gesichert werden – ein wichtiger Beitrag zur Friedenssicherung. Hier weisen die vom Weltfriedensdienst geförderten Programme in Chimanimani in eine Richtung, die auch für Entwicklungsansätze in anderen Gegenden relevant ist.

Ich lebe mit meiner Frau und zwei Kindern schon seit vielen Jahren hier in Chimanimani und werde TSURO weiter mit aller Kraft dabei unterstützen ein deutliches Beispiel für nachhaltige Gemeindeentwicklung zu setzen. Wenn Sie nähere Fragen zu TSURO haben, stelle ich gerne weitere Informationen zur Verfügung.

Mit herzlichen Grüssen aus Chimanimani,

Ihr Ulli Westermann”

27.01.2009

Gepostet in: Simbabwe: Gemeinschaftlicher Ressourcenschutz und Ernährungssouveränität

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