Jede/r zehnte AfrikanerIn lebt mit einer Behinderung. Viele werden diskriminiert und isoliert, sind einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt. Mit Filmen kämpfen sambische Organisationen erfolgreich für Inklusion.

Dienstag, 10. April

Ein weiterer Tag, der zeigt, wie machtvoll Filme als Mittel für sozialen Wandel und die Verwirklichung von Menschenrechten sein können.
Im Mittelpunkt stand der von Weltfriedensdienst und Brot für die Welt geförderte und von STEPS produzierte Film „Music Activists“ über Inklusion aus Sambia. Er begleitet den bekannten sambischen Musiker John Chiti bei den Vorbereitungen eines Konzertes mit einem Chor taubstummer Menschen. Etwa jede/r zehnte AfrikanerIn lebt mit einer Behinderung. Dennoch, so John, ist „unsere Gesellschaft für Menschen mit Behinderungen taub.“

Isolation und Diskriminierung von Menschen mit Behinderung

In Sambia gilt John als Mensch mit Albinismus nicht nur als behindert, sondern lebt auch mit der ständigen Gefahr von Übergriffen. Den Körperteilen von Menschen mit Albinismus werden besondere Kräfte zugeschrieben, vergleichbar dem Horn von Nashörnern. In den letzten zehn Jahren wurden in 27 Ländern südlich der Sahara Menschen mit Albinismus Opfer von Angriffen und sogar Morden. Daher gehen Kinder mit Albinismus oft nicht zur Schule. Das gilt auch für viele andere Kinder mit Behinderungen. Ihre besonderen Bedürfnisse werden nicht berücksichtigt. Selbst einfachste Hilfsmittel wie Brillen oder Medikamente sind nicht verfügbar. Sie werden isoliert und diskriminiert. Ohne Bildung haben sie später wenig Chancen auf einen Job und sind damit einem besonders hohem Armutsrisiko ausgesetzt.

Mann mit Albinismus und Frau mit Krücke aus Sambia während einer Diskussion zu einem Film über Inklusion bei der STEPS-Konferenz "Filme als Mittel für Sozialen Wandel"

John Chiti (Albinism Foundation, Sambia) und Musola C. Kaseketi (Vilole Image and Productions, Sambia)

Mit den Menschen, statt für die Menschen

STEPS und die sambische Partnerorganisation Vilole Images and Production unterstützten die ProtagonistInnen von „Music Activists“ durch Trainings in der Produktion von Filmen. Das Skript konnten sie so selbst schreiben, selbst Regie führen. Wenn der Film heute an Schulen und in Gemeinden gezeigt und mit dem Publikum diskutiert wird, ist immer ein taubstummer Mensch als geschulte/r ModeratorIn dabei. Auf diese Weise wird garantiert, dass Menschen mit Behinderung selbst für sich sprechen.
Die Inklusion von Menschen mit Behinderung in alle Lebensbereiche ist das Ziel der sambischen AktivistInnen. Sie fordern Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, gleiche gesellschaftliche Teilhabe, die Möglichkeit sich frei zu bewegen ohne Angst vor Übergriffen und ohne überall auf Barrieren zu stoßen.

Unmöglich?

„Music Activists“ zeigt taubstumme Menschen, die singen und tanzen

Er wurde inzwischen von vier sambischen TV-Sendern gezeigt. Im Anschluss wurden jeweils Fragen von ZuschauerInnen diskutiert, die sich über Telefon live einbringen konnten. Mit einem der Sender konnte sogar eine Diskussionsrunde mit VertreterInnen von verschiedenen Organisationen von Menschen mit Behinderungen und der Polizei ausgestrahlt werden.

Der 14. Juni wurde von der sambischen Regierung als Tag der Menschen mit Albinismus eingeführt.

Mit Hilfe des Films starteten die AktivistInnen einen Dialog mit verschiedenen Unternehmen. Eine Minengesellschaft beschäftigte daraufhin 6 Menschen mit Albinismus, eine Supermarktkette mehrere Taubstumme.

John wurde auf eine Afrika-Konferenz über Albinismus in Kenia eingeladen. Dort wurden regionale Aktionspläne entwickelt. Die Regierungen in Süd- und Ostafrika werden damit aufgefordert, auf die Übergriffe zu reagieren und endlich konkrete Maßnahmen zur Prävention und Strafverfolgung zu ergreifen.

Er hat außerdem von der renommierten Young African Leaders Initiative ein Stipendium erhalten, das eine intensive Schulung an einer Universität in den USA beinhaltet.

 

Weitere Beiträge zur STEPS-Regional-Konferenz “Filme als Mittel für Sozialen Wandel” (9.-13. April 2018):
Montag: 15 Menschenrechts-Organisationen am Kap der Guten Hoffnung
Dienstag: Filme für Inklusion
Mittwoch: Jugendliche Change Agents: Denkmuster ändern
Donnerstag: Ressourcenkonflikte mit Filmen zur Sprache bringen
Freitag: Filme als Mittel für Sozialen Wandel

11.04.2018

Gepostet in: Aktuelles, Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

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