Jugendliche bei einen eskalierter Protest

veröffentlicht im Querbrief 1/2018

Warum es noch mehr Zivilen Friedensdienst in Guinea braucht und wie sich das Projekt auch auf andere  Kontexte ausweiten ließe, berichten die ZFD-­Fachkräfte Susanne und Aboubacar Souaré.  

Was ist bisher der größte Erfolg des Projektes in Bezug auf Gewaltprävention?

Aboubacar Souaré:  Der Aufbau der Nationalen Friedenskoalition mit fest installierten Friedenskomitees im ganzen Land ist der bislang größte Erfolg des  Zivilen Friedensdienstes in Guinea. So  können Konflikte vielerorts konstruktiv bearbeitet und der Ausbruch von Gewalt verhindert werden. In der aktuellen Projektphase bringen wir den Dialog zwischen Sicherheitskräften und aufgebrachter Zivilgesellschaft voran. Auf beiden Seiten soll das Gewaltpotenzial abgebaut werden, damit berechtigte Protestaktionen in Zukunft gewaltfrei ablaufen. 

Was brauchen Sie, um die Arbeit noch erfolgreicher zu machen?

Aboubacar Souaré: Damit unsere Arbeit Erfolg hat, muss sie  auch mit anderen Bereichen kohärent sein. Wir werden als Deutsche wahrgenommen, und die Unterstützung der deutschen Regierung wird geschätzt. Aber sie fördert nicht nur Frieden, sie exportiert auch Waffen in die Welt. Das nehmen  die Menschen hier wahr – und sie fragen sich: was ist das für ein Spiel? Um die Glaubwürdigkeit der Arbeit zu erhöhen,  sollte die deutsche Politik auf allen Ebenen kohärent für den  Frieden eintreten. 

Susanne Souaré: Je mehr Geld wir haben, umso mehr Fortbildungen können wir machen. Und der Bedarf ist riesig. Vor allem arbeiten wir aber mit den „Jeunes de l’axe“, den Jugendlichen der Achse, die wir als Lokomotive der Jugend Guineas sehen. Mit unseren Fortbildungen möchten wir möglichst vielen von ihnen zeigen, wie sie Frustration und Protest gewaltfrei kundtun können und so auch wahr-­ und ernstgenommen zu werden. 

Aboubacar Souaré: Das größte Problem in Guinea ist die schlechte  Regierungsführung. Wir müssen an der Basis für Verantwortlichkeit und gute Regierungsführung kämpfen. Aber auch die deutsche Regierung muss Druck ausüben. Wir brauchen diese Unterstützung, wir brauchen aber auch persönlichen Schutz. Bisher ist es uns gelungen, uns zwischen zwei Feuern zu bewegen, ohne uns zu verbrennen. Wir arbeiten immerhin mit den Jugendlichen der Achse,  die – zu Unrecht – als Staatsfeinde betrachtet werden. Zwar sind sie jetzt glücklicherweise als Nichtregierungsorganisation anerkannt. Dennoch bleibt die Unsicherheit. Wir haben beispielsweise einen Film über die Arbeit gemacht, von dem wir nicht wissen, ob wir ihn veröffentlichen können. Wir fürchten die Konsequenzen. Wir haben Angst um das Projekt, Angst um die Jugendlichen, die im Film kein Blatt vor den Mund nehmen, und Angst um uns. 

Wie könnte man das “Intelligente Bajonett” noch ausweiten?

Susanne Souaré: Aus dem Projekt ist bereits ein flächendeckender Ansatz geworden. Das ist unser großer Erfolg. Jetzt ist es wichtig, die entstandenen Kontakte zwischen Sicherheitskräften und Protestbewegung zu festigen. Außerdem wäre es sinnvoll, die ehrenamtlich getragenen Strukturen langfristig zu sichern. Auch gilt es weiterhin, den Dialog zwischen Regierung und Opposition zu befördern. Darüber hinaus müssen die in der Vergangenheit geschehenen Menschenrechtsverletzungen aufgearbeitet werden. Ganz wichtig ist es, dass wir durch unsere Arbeit nicht nur Gewalt, sondern auch Radikalisierung vorbeugen. 

Aboubacar Souaré: Wir glauben, dass die Zusammenarbeit zwischen den Protestgruppen und den Sicherheitskräften, wie wir sie in Guinea machen, auch in anderen Staaten funktionieren könnte. Unsere Erfahrungen und Erfolge beschränken sich nicht auf den guineischen Kontext, sondern sind übertragbar, wenn sie an andere Kontexte angepasst werden. Denkbar wäre sogar eine Zusammenarbeit mit militärischen Kräften, damit es nicht mehr zu Gewalttaten gegen die eigene Bevölkerung kommt.

10.04.2018

Gepostet in: Aktuelles, Guinea: Stärken von Demokratie und Bürgerrechten für Frieden

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