Jugendliche Change Agents: Denkmuster ändern | Weltfriedensdienst

Jugendliche AktivistInnen im Südlichen Afrika nutzen die Filme von STEPS, um mit Gleichaltrigen über Themen zu sprechen, die sonst nicht zur Sprache kommen, mit Tabus belegt sind oder zu sehr ans Eingemachte gehen. Sie sind Akteure in den Filmen wie auch in den anschließenden Diskussionen und stellen Denkmuster in Frage.

Mittwoch, 11. April

Es macht einen Unterschied, einen Text zu lesen, oder mit den Handelnden eines Dokumentarfilms in einem Kino zu sitzen, gemeinsam ihre Filme zu gucken und Fragen stellen zu können. Filme berühren unsere Gefühle, wie es geschriebene Worte nicht so schnell können – das weiß jede/r SchülerIn aus eigener Erfahrung. Jugendliche spielen bei der Arbeitsweise von STEPS und der Zusammenarbeit mit dem Weltfriedensdienst eine zentrale Rolle. Auch hier auf der Konferenz sind viele der AktivistInnen Anfang 20.
Am dritten Tag der Konferenz stehen diese Youth Change Agents, also jugendlichen Vermittler eines (sozialen) Wandels, im Fokus.

Meinen Freund HIV teile ich mit niemanden

Die Jugendlichen aus den Partnerorganisationen in Malawi, Lesotho, Südafrika, Uganda, Sambia, Simbabwe und Botswana haben durch die STEPS-Trainings bemerkenswerte Kompetenzen aufgebaut. Sie haben heute die Fähigkeiten und Erfahrung, Diskussionen zu schwierigen Themen zu moderieren. Das wird greifbar bei der 21 Jahre alten Pinky von Sesotho Media & Development (Lesotho). Ganz offen spricht sie nicht nur über ihren HIV-Status, sondern auch über ihre Verantwortung ihrem Partner gegenüber. Pinky ist eine der handelnden Personen der beiden Filme, die wir aus Lesotho sehen. Die Filme handeln von der Wichtigkeit, den eigenen HIV-Status zu kennen und wie schwierig es ist, sich ein Herz zu fassen und einen HIV-Test zu machen.

In der anschließenden Diskussion fordert Pinky das Publikum mit ihrem HIV-Status heraus. Sie nimmt uns mit ihrem Humor, ihrer Direktheit und Stärke sofort für sich ein. Sie lässt uns dabei aber auch ihren Schmerz fühlen. Offen erzählt sie, was es bedeutet hat, mit dem Testergebnis „HIV-positiv“ umzugehen. Was sie durchmachen musste, um das Ergebnis und seine Tragweite zu akzeptieren. Sie hat HIV zu ihrem „Freund“ gemacht, den sie mit niemandem teilen will. Diese Verantwortung heißt für sie: Jeder Junge, dem sie seither näher kam, ist davongerannt, als sie ihren Status offenbarte. Trotzdem hält sie an ihren Prinzipien fest und ist voller Hoffnung, dass eines Tages der Richtige bleiben wird.

Sprechen über Tabus

Die erstaunlich fröhliche Stimmung fällt auch bei „Boys Diaries“, einem Film des Jugendnetzwerkes vom National AIDS Council in Simbabwe auf. Die Vorführung wird von dem jungen Aktivisten Joseph (22 Jahre) moderiert. Der Film über ihn und drei Freunde erzählt von den Ängsten, sexuellen Erfahrungen und gesellschaftlichen Erwartungen an junge Männer in Simbabwe – und wohl auch weltweit. Sie offenbaren in dem Film intime Details, zeigen ihre Verletzlichkeit, über die man als junger Mann nicht spricht und schon gar nicht öffentlich. Woher nehmen sie den Mut, es trotzdem zu tun? Joseph und seine Freunde fragen zurück: Wie kann sich etwas ändern, wenn wir nicht anfangen, miteinander zu sprechen?

 

Weitere Beiträge zur STEPS-Regional-Konferenz “Filme als Mittel für Sozialen Wandel” (9.-13. April 2018):
Montag: 15 Menschenrechts-Organisationen am Kap der Guten Hoffnung
Dienstag: Filme für Inklusion
Mittwoch: Jugendliche Change Agents: Denkmuster ändern
Donnerstag: Ressourcenkonflikte mit Filmen zur Sprache bringen
Freitag: Filme als Mittel für Sozialen Wandel

12.04.2018

Gepostet in: Aktuelles, Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

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