We need Democracy: Künstler*innen aus Myanmar stellen ihre Arbeiten der „Bewegung des zivilen Ungehorsams“ zur Verfügung: Art for Freedom

Mit einem Putsch am 1. Februar wollte das Militär in Myanmar die Zeit zurückdrehen: Zurück zu einem strikten Militärregime, Hausarrest für Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Seitdem gehen Hunderttausende gegen das Militär auf die Straßen. Sie protestieren für die Demokratie – und sie sind kreativ und mutig. Angst macht sich trotzdem breit. Das Militär geht immer gewaltsamer gegen die friedlichen Demonstranten vor.

 

Aktualisierung vom 02.03.2021

Wir unterstützen den gewaltfreien Widerstand

Mit großer Sorge verfolgen wir die Geschehnisse nach dem Militärputsch in Myanmar. Dabei sind wir in engem Austausch mit unseren Partnerorganisationen und Fachkräften im Zivilen Friedensdienst vor Ort. Wir solidarisieren uns mit der Demokratiebewegung in Myanmar, die folgende Ziele formuliert hat:

  • Anerkennung des Wahlergebnisses der allgemeinen Wahl am 8. November 2020
  • Übergabe der Macht an die gewählten Vertreter*innen
  • Freilassung aller politischen Gefangenen
  • Ablösung der Verfassung von 2008 durch eine Verfassung, die Demokratie, Föderalismus und die Kontrolle des Militärs durch zivile gewählte Vertreter*innen sicherstellt.

Hier die vollständige Fassung des englischsprachigen „Open Letter from Civil Society Organizations callling on the United Nations Council Regarding the Urgent Situation in Myanmar” vom 09.02.2021.

Wir haben diese und weitere Forderung zusammen mit der KURVE Wustrow an Bundestagsabgeordnete herangetragen und sie zum raschen Handeln aufgefordert.
Hier unser Aufruf vom 24.02.2021: Bitte um Unterstützung: Friedlichen Proteste und Demokratie in Myanmar schützen.

 

Live aus Myanmar

Dr. Jella Fink, eine unserer Friedensfachkräfte in Myanmar, lebt dort seit 2014 und berichtet aktuell in verschiedenen deutschen Medien, wie sie die Ereignisse einschätzt. Sie beobachtet gekaufte Gegendemonstrant*innen, die Angst vor dem digitalen Überwachungsstaat und Polizisten, die gar nicht gegen Demonstrant*innen vorgehen wollen. Podcasts mit Dr. Jella Fink:

 

Infos aus erster Hand

In unserem Hintergrund berichten wir detailliert über die

  • Rechtfertigung des Militärs
  • mögliche Gründe für den Putsch
  • Formen des Widerstands
  • die Gefahr einer blutigen Niederschlagung
  • das Fehlen einer international abgestimmten Strategie
  • über die ungewisse Zukunft eines Landes im Belagerungszustand (Stand 01.03.2021)

 

Civil Disobedience: Künstler*innen aus Myanmar stellen ihre Arbeiten der „Bewegung des zivilen Ungehorsams“ zur Verfügung: Art for Freedom

Symbole des Widerstands

Die Protestierenden lassen sich von der Gewalt des Militärs nicht beirren und gehen weiter mutig auf die Straße. Die Proteste werden immer kreativer.

  • 3-Finger-Gruß: Sie recken 3 Finger in die Luft als Zeichen des Widerstandes der Unterdrückten. Die Geste kommt ursprünglich aus „The Hunger Games“ (Die Tribute von Panem), es wird damit ein Zeichen des Widerstands gegen autoritäre Regierungen gesetzt. Im Nachbarland Thailand wurde das Handzeichen bereits als Protest gegen das erstarkende Militär verwendet.
  • Töpfeschlagen: Mit Töpfen, Pfannen und Kochlöffeln wird um 20 Uhr der Protest von zuhause aus weitergeführt – so hält man sich an die Ausgangssperre, protestiert aber weiter. Normalerweise vertreibt man zum Jahreswechsel die bösen Geister mit dem Lärm wie bei uns ursprünglich mit Feuerwerk und Böller. Autohupen unterstützen den Protest lautstark. Die Topf-Protestform wird auch „Metal Pot“-Kampagne genannt und im Internet durch den Slogan „Soup not Coup“ (Suppe statt Putsch) ergänzt.
  • Generalstreik: Wie in früheren Protestbewegungen gegen die Militärdiktatur sind auch dieses Mal Studierende und buddhistische Mönche von zentraler Bedeutung. Auch das medizinische Personal, zum Teil ganze Krankenhäuser, verurteilen den Putsch scharf und weigern sich zu arbeiten. Viele Menschen legen die Arbeit nieder. Sogar staatlich Angestellte aus dem öffentlichen Dienst beteiligen sich an den Protesten. Neben Ärzten, Lehrern und Bahnarbeitern schlossen sich auch hunderte Regierungsangestellte der Bewegung des zivilen Ungehorsams an. Immer wieder laufen Polizisten zu den Demonstranten über.
  • Rote Farbe: Rot wird als Farbe der Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD), die Partei von Aung San Suu Kyi, zur Farbe von Protest und Widerstand. Es werden rote Ballons steigen gelassen, rote Fahnen geschwenkt, rote Rosen an verblüffte Polizisten verteilt. Rote Schleifen werden als Zeichen des Protests getragen, zum Beispiel von Ärzt*innen, die nicht streiken.

Streikaufruf: Künstler*innen aus Myanmar stellen ihre Arbeiten der „Bewegung des zivilen Ungehorsams“ zur Verfügung: Art for Freedom

Weitere Zeichen des Widerstands:

  • Demonstrant*innen verstopfen die Straßen mit “liegengebliebenen” Fahrzeugen, tausenden “verlorenen” Zwiebeln, Webseiten des Militärs werden gehackt.
  • Kerzen brennen in den Fenstern und sollen Hoffnung verbreiten und an die Studentin gemahnen, die von einem Projektil in den Kopf getroffen wurde.
  • Firmen, die dem Militär gehören, werden boykottiert. Die noch bis vor kurzem populärste Marke Myanmar Beer ist aus den Regalen verschwunden.

Der Protest ist außergewöhnlich kreativ und vielfältig. Die sozialen Medien spielen eine herausragende Rolle dabei. Oft sind die Transparente graphisch professionell, der Tonfall frech. Wer weiß, was sich die Demonstrierenden als nächstes einfallen lassen?

 

WFD-Programm in Myanmar

Der Weltfriedensdienst arbeitet seit 2015 im Rahmen des Programms Ziviler Friedensdienst (ZFD) in Myanmar in den Bereichen Menschenrechte, Friedensbildung, Konflikttransformation und der Förderung der Zivilgesellschaft bei der Beteiligung an Demokratisierungsprozessen. Mehr dazu hier.

Bild des 3-Finger-Grußes wird während eines nächtlichen Protestes gegen den Militärputsch auf ein Gebäude projiziert (“100 projectors fight for light” auf Facebook), Yangon, Myanmar, 09.02.2021 © Jella Fink

 

 

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05.02.2021

Gepostet in: Aktuelles, Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern