„Guten Tag, ich heiße Pamela Mwateta,

Ich bin 25 Jahre alt und lebe mit meiner Mutter und zwei jüngeren Brüdern im Dorf Kubatana. Kubatana bedeutet in unserer hiesigen Shona Sprache Zusammenarbeiten. Das Dorf befindet sich im Bezirk Chikwakwa. Das ist eine sehr trockene Gegend im Chimanimani Distrikt. Wir leben weit weg von geteerten Strassen und es gibt hier keine öffentlichen Verkehrsmittel. Mit dem Auto brauchen wir etwa eine Stunde bis zur nächsten größeren Strasse, aber da es hier fast keine Autos gibt, bleiben wir da wo wir sind.

Mein Vater hatte es geschafft, für unsere Familie ein kleines Ziegelhaus zu bauen, aber als er 1992 unerwartet starb, waren wir überhaupt nicht darauf vorbereitet, uns jetzt alleine durchs Leben schlagen zu müssen. Meine Mutter wurde sehr depressiv, wir hatten nur wenig Nahrung und dazu kam noch eine schlimme Dürrezeit. Wir ernährten uns oft von Mopani Würmern. Das sind eiweißhaltige Raupen, die auf unseren einheimischen Mopani Bäumen leben. Und auch Feldmäuse waren ein beständiger Teil unseres Speisezettels. Die Familie hatte kein Geld, um uns Kinder zur Schule schicken zu können. Von einigen Nachbarn bekamen wir immer mal ein paar Sachen anzuziehen und manche halfen uns mit ihren Ochsen, das Feld zu pflügen.

Zum Glück half uns im Jahre1998 ein Onkel aus Kadoma, das ist eine etwa 600 km von uns entfernte Stadt. Da konnte ich mit meiner Sekundarschulausbildung anfangen. Für Form I (Achte Klasse) war ich zwar schon recht alt, aber ich schaffte es 2001 bei den Abschlussexamen für die Mittlere Reife drei von fünf Fächern zu bestehen. Irgendwann möchte ich noch mal eine Prüfung ablegen und die restlichen zwei Fächer auch noch bestehen.

Zu Hause gibt es viel Arbeit. Meine Mutter ist jetzt zwar erst 60 Jahre alt, aber sie ist immer noch etwas depressiv. Die meiste Hausarbeit liegt auf meinen Schultern. Ich hole Wasser vom Brunnen, mache das Haus und die ganze Umgebung sauber und hole Feuerholz. Unser Getreide muss ich auf einem Mahlstein fein stampfen und fürs Kochen bin ich auch zuständig.

Seit 2004 bin ich in unserem Distriktverein TSURO dzeChimanimani aktiv. Von TSURO hörte ich über Godfrey Charambamwe. Er ist der TSURO Vertreter in unserer Gemeinde und hat auch einen Laden in unserem Business Centre. Viele Leute aus der Nachbarschaft begannen damals, sich für den Schutz unserer Umwelt in Chikwakwa zu engagieren. Ich nahm dann auch an einem Austauschbesuch in ein Nachbardorf teil. Wir besuchten Das Anwesen von Farai Mandimande und lernten von ihm und seiner Frau, wie man am besten einheimische Hühner hält. Das hat mich damals so motiviert, dass ich mit meinen beiden Brüdern ein eigenes kleines Hühnerprojekt anfing. Am Anfang, im Jahr 2006, hatten wir nur drei Hühner aber am Ende des Jahres waren es schon zwanzig. Dann kamen jährlich immer zwischen zehn und fünfzehn dazu Wir trennten die Kücken immer schon nach zwei Monaten von den Hennen, damit sie wieder anfingen, Eier zu legen.

Ich nahm dann auch an weiteren TSURO Trainingskursen teil und lernte viel  von der TSURO Gemeindeberaterin  Frau Nekete. Jetzt weiß ich, wie wir Geflügelkrankheiten durch einheimische Pflanzen und Kräutertinkturen vorbeugen und heilen können oder wie wir selbst unser Hühnerfutter produzieren können. Wir bauen selbst Sonnenblumen und Mais an, und tauschen Hirse und Soyabohnen gegen Hühner aus. Durch diese Futtermischung haben wir die Eierproduktion pro Tag von fünf auf zehn Eier erhöhen können. Wir halten unsere Hühner als Freilandhühner und haben nur einen ganz kleinen Hühnerstall, etwa 2 x 2 m groß. Es ist wichtig, den Hühnerstall regelmäßig gut zu reinigen, um Krankheiten vorzubeugen.

Mittlerweile essen wir regelmäßig Eier und oft auch mal ein Huhn. Früher gab’ s das nur zu Weihnachten. Wir verkaufen oft Hühner, behalten aber immer mindestens zwanzig. Von dem Einkommen kaufe ich Süßigkeiten und andere Haushaltsartikel und verkaufe sie in einem kleinen Laden in unserem Dorfzentrum. Als älteste Schwester passe ich auf das Geld auf und ich bin auch bei den Kaufs- und Verkaufsentscheidungen maßgeblich beteiligt. Wir haben es jetzt geschafft, die Schulgebühren für drei Kinder meiner Schwester zu bezahlen, die auf die Grundschulen in Makandwa und Chikwakwa gehen. Und ich unterstütze auch einen meiner Brüder, der eine Schule in Rusape besucht.

Außer TSURO kommen jetzt auch manchmal andere Organisationen vorbei, die von unserer Hühnerhaltung gehört haben. Wir haben Hühner an den Family Aids Caring Trust verkauft und das Swedish Development Cooperation Centre führt in unserer Gemeinde Jugendprogramme durch. Bei TSURO bin ich Vorsitzende des Jugendsportclubs. In dem Club spielen wir Fußball und Netzball und nebenbei kommen viele Themen über Jugendprojekte, HIV&AIDS und anderes auf, was die Jugend so interessiert.

Meine Zukunftspläne sind stark auf unser Hühnerprojekt bezogen. Wir wollen ein führendes Beispiel für erstklassige Hühnerhaltung werden. Wir haben unser Projekt aus eigener Kraft ohne jede materielle Zuwendung aufgebaut und sind stolz darauf. Dabei haben uns der Erfahrungsaustausch und das Training durch TSURO motiviert und geholfen. Gerne hätten wir noch mehr Training in Geflügelhaltung. Wir müssen unseren Hühnerstall etwas vergrößern und verbessern, damit er sicherer gegen Schlangen und Diebe wird.

Pamela”

24.08.2009

Gepostet in: Simbabwe: Gemeinschaftlicher Ressourcenschutz und Ernährungssouveränität

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