In der ersten Hälfte des Jahres 2008 konnte TSURO nur wenige der geplanten Aktivitäten durchführen. Nach den politischen Unruhen im Gefolge der März-Wahlen konnten zum Beispiel Projektmaterialien nicht an die Bäuerinnen und Bauern ausgeliefert und auch Trainingsaktivitäten nur in geringem Maße durchgeführt werden. Die Suspendierung aller ‘Field Operations’ von Nichtregierungsorganisationen durch das Ministerium für Public Service, Labour and Social Welfare Anfang Juni machte die Arbeit von TSURO fast unmöglich.

Nach der Aufhebung der Suspendierung im August entwickelte TSURO im Bereich ‘Nachhaltige Landwirtschaft und Ressourcenschutz’ eine außerordentliche Dynamik. Der ausbleibende Niederschlag in der Regenzeit 2007/08 hatte in Simbabwe zu einer Dürre geführt, die die Getreideernte in weiten Teilen des Chimanimani Distrikts fast völlig vernichtete. TSURO gelang es, angesichts der folgenden landesweiten Nahrungsmittelkrise und schwerer Engpässe in der Versorgung mit Saatgut ein umfangreiches Nichthybridsaatgutprogramm für die bevorstehende Saison zu initiieren. Dies kann zwar nicht unmittelbar den Hunger lindern, aber es wurde ein deutlicher Beitrag geleistet, die Hoffnung auf eine verbesserte Ernährungslage ab März zu erhalten. Dazu trug auch der von November bis zum Jahresende  stetige und effektive Regen bei.

Im November wurden in Zusammenarbeit mit der Chiredzi Research Station fünf Workshops zur Saatgutproduktion durchgeführt. Dies legte den Grundstein für Saatgutvermehrung für 134 Kleinbauernfamilien. Darauf aufbauend wurden ca. 7 Tonnen Saatgut (Nichthybrid Mais, Hirse, Erdnüsse, Sonnenblumen, Cow Peas, Soyabohnen und Amaranth) an etwa 500 Kleinbauern in allen Teilen des Distrikts verteilt. Dieses Programm wird durch intensive Beratung begleitet. Die Teilnehmer haben sich in schriftlichen Abmachungen zur Rückgabe eines Teiles ihrer Ernte zur Saatgutvermehrung in ihrer Gemeinde verpflichtet.

Ebenfalls im November wurde ein praktischer Geflügelhaltungskurs in Zusammenarbeit mit Agritex in Shinja Communal Land durchgeführt.

Außer diversen Kleinprojekten, die nicht mit Materialien unterstützt wurden, wurden fünf größere Projekte technisch fast abgeschlossen.

Im gleichen Zeitraum schwappte eine landesweite Cholera Epedemie auch auf den Chimanimani Distrikt über. Dies betraf vor allem die in der Nähe der Chiadzwa Diamantenfelder gelegenen trockenen Gebiete im Westen des Distrikts. Die Familie eines TSURO Wächters in Nyanyadzi verlor dadurch ein Kind. Gerade von größeren Gemeindeveranstaltungen , die wegen der politischen Verhältnisse bereits zwischen März und August einen Rückschlag erlitten hatten, mußte auch zum Jahresende wegen der Choleragefahr Abstand genommen werden.

Es gibt mittlerweile im Distrikt verschiedene sehr gute Beispiele für nachhaltige Landwirtschaft und Ressourcenschutz auf Familien- und Dorfebene, die für Lern- und Austauschprogramme gut geeignet sind. Sogenannte ‚Innovative Farmers’ wurden in diesem Jahr verstärkt in ‚farmer-to-farmer’ Trainings eingebunden. Diese Bäuerinnen und Bauern, deren Anbaubeispiele auf Dorfebene sehr gut für  Lernaktivitäten genutzt werden können, unterstützte TSURO beispielsweise mit Workshops, Saatgut und Obstbäumen speziell angepasster Sorten.

24.04.2009

Gepostet in: Simbabwe: Gemeinschaftlicher Ressourcenschutz und Ernährungssouveränität

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