Leidvolle Geschichte
In der Region Casamance haben sich senegalesisches Militär und bewaffnete Gruppen der Bewegung der Demokratischen Kräfte der Casamance (Mouvement des Forces Démocratiques de la Casamance (MFDC) seit beinahe drei Jahrzehnten blutige Kämpfe geliefert, zu denen auch Gewalt gegen die Bevölkerung gehört. Ursprünglich wurde der Konflikt von der Idee einer unabhängigen Casamance motiviert und getragen. Nach Jahren der Auseinandersetzung wurde der Konflikt zu einem ökonomischen Überlebenskampf der beteiligten Akteure. In der Folge entstand eine regelrechte Kriegsökonomie in Form von Kleinwaffen-, sowie Holz- und Drogenhandel. Dies, und die Zersplitterung der Unabhängigkeitsbewegung MFDC in mehrere Untergruppen macht den Konflikt schwer durchschaubar. Die zahlreichen Akteure sind geographisch und politisch unterschiedlich positioniert; zudem haben sich lange Zeit die Unabhängigkeitsgruppen untereinander bekämpft.

Auch die benachbarten Länder spüren die Folgen des Konfliktes. Allein Gambia und Guinea-Bissau nahmen ca. 20.000 Flüchtlinge auf. Nach Angaben verschiedener Organisationen vor Ort, sind in der Region über 60.000 Menschen vor der Gewalt geflohen oder wurden vertrieben. Hunderte von Dörfern und Feldern mussten aufgegeben werden, weil in ihrer Umgebung Minen gelegt wurden. Kehren die Flüchtlinge und Vertriebenen nach langer Zeit in ihre Dörfer zurück, kommt es oft zu Konflikten um Landrechte.

Die vergangenen Überfälle der für Unabhängigkeit kämpfenden Gruppen und gewaltsamen Reaktionen des Militärs haben in den Familien und Gemeinden tiefe Wunden hinterlassen. Auch wenn es in der Bevölkerung noch immer Ressentiments gegenüber der senegalesischen Regierung gibt, begegnet man, aufgrund der ausgeübten Gewalt, inzwischen auch den Unabhängigkeitskämpfern mit Unverständnis und Ablehnung. Die Sehnsucht nach einem nachhaltigen Frieden wird immer größer.

Notwendiger Dialog
Voraussetzung für einen stabilen Frieden sind Dialog und Versöhnung. Das Misstrauen wegen vergangener Denunziation hat die soziale Bewegung extrem belastet und unter anderem zu einem ethnischen Rückzug geführt. Die Angst auf allen Seiten sitzt tief. Sie verhindert, dass die Menschen offen aufeinander zugehen und gemeinsam nach Lösungen suchen, z.B. wenn es um die Wiedereingliederung ehemaliger Kämpfer oder die Rückkehr von Flüchtlingen geht.

Friedensmarsch in Senegal
 Miteinander reden ohne Angst
Erstes Ziel der Arbeit von CRSFPC/USOFORAL war es daher die Menschen zu ermutigen, ihre Ängste und Probleme zum Ausdruck zu bringen. Sensibilisierungsveranstaltungen in den Dörfern und partizipative Methoden wie Forum-Theater und Volksuniversitäten erlauben der Bevölkerung in angstfreier Atmosphäre ihr Leid und ihre Probleme zur Sprache zu bringen und selbst nach möglichen Lösungswegen zu suchen.

Friedenskomitees stärken die Gemeinschaft
Um den Friedensprozess auf Basisebene zu stärken, wurden unter anderem Friedenkomitees initiiert, die versuchen,  Konflikte auf lokaler Ebene gewaltfrei zu lösen. Dabei geht es unter anderem um Auseinandersetzungen um Landrecht und um die soziale Wiedereingliederung ehemaliger Guerillakämpfer. Das Projekt im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes konzentriert sich auf sieben Regionen, die besonders vom Krieg betroffen sind. Es wendet sich an die Einwohner der Kommunen, an lokale Frauengruppierungen, die im Friedensbildungsprozess eine wichtige Rolle spielen, an ehemalige Unabhängigkeitskämpfer und ihre Familien, an Flüchtlinge und Kriegsopfer. Frauen, Jugend-leader, Lehrer und Schüler, traditionelle Führer, religiöse Autoritäten etc. wurden zu Fortbildungen eingeladen, um einen besseren Umgang mit schwierigen, konfliktträchtigen Themen zu lernen.

USOFORAL – Tun wir uns zusammen!
Partnerorganisation des Weltfriedensdienstes, der das Projekt personell und finanziell unterstützt, ist die Frauenorganisation “Comité Régional de Solidarité des Femmes pour la Paix en Casamance” – CRSFPC/Usoforal. Diese Nichtregierungsorganisation wurde 1999 von Frauen gegründet, die von der Notwendigkeit überzeugt sind, dass die Beteiligung von Frauen am öffentlichen Leben und deren Einbindung in Friedensbildungsprozesse wesentlich sind, um nachhaltigen Frieden in der Casamance herzustellen. Durch (Frauen) Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit soll nicht nur der soziale und ökonomische Status von Frauen verbessert werden, sondern vor allen Dingen auf eine sozial gerechte und friedliche Welt in der Casamance hingewirkt werden. Dabei hat sich die Organisation bewusst den Untertitel “Usoforal” gegeben – es ist ein Wort aus der lokalen Diola-Sprache und bedeutet: TUN WIR UNS ZUSAMMEN!

Vielfältige Aktivitäten

Mit zahlreichen Aktivitäten sorgt USOFORAL dafür, dass die Menschen auf dem schwierigen Weg der Friedens- und Versöhnungsarbeit weiterkommen. Dies geschieht vorwiegend durch Fortbildungs- und Sensibilisierungsarbeit in gewaltfreien Formen der Konfliktbearbeitung, die Schaffung von Friedenskomitees, sowie die Förderung von Mediation und Friedenspädagogik in Schulen und Jugendvereinen. Wirtschaftliche Projekte mit starker sozialer Komponente, die über ein gemeinsames Projekt verstrittene Gruppen eines Dorfes wieder zusammen führen, sind ein besonderes Merkmal des Arbeitsansatzes, den Usoforal mit und für die Dorfgemeinschaft verfolgt. Die Selbstorganisation von Basisgruppen, die Netzwerkbildung von Fraueninitiativen – sowohl lokal, als auch landesweit und länderübergreifend – sowie die Zusammenarbeit mit MusikeiInnen als Friedensbotschafterinnen sind weitere Maßnahmen, um den Friedens- und Versöhnungsprozess in der Region zu stärken.

Auch das Logo von CRSFPC/Usoforal setzt ein Zeichen: Frauenpower und ein herumgedrehter Armeehelm, in dem Reispflanzen wachsen.

20.05.2018

Gepostet in: Senegal: Frauen engagieren sich für Frieden in der Casamance

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