Menschenrechte in der Krise

Der Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus geht in Simbabwe mit zunehmender Gewalt gegen die Bevölkerung einher. Menschenrechtsgruppen beklagen Vorfälle, in denen die Polizei in Häuser eindringt, Menschen öffentlich schlägt und erniedrigt und Besitz zerstört.

 

„Dann schlug mich der Soldat plötzlich, und alle waren sprachlos.“

Für ein einziges Päckchen Zucker stand eine Frau in der Kleinstadt Chivu stundenlang in einer Warteschlange. Das Land leidet unter einer lähmenden Knappheit an Waren des täglichen Bedarfs wie Brot oder Maismehl. Warteschlangen waren schon vor COVID-19 allgegenwärtig. Doch die Situation hat sich durch die derzeitigen Einschränkungen massiv verschlimmert.

Soldaten kamen und wiesen die Leute an, den Mindestabstand einzuhalten. Die Frau sagte gerade zu ihren Nachbarn, sie wünschte, COVID-19 würde enden: „Ich hoffe, alles wird wieder normal.“ Doch einer der Soldaten bezog das wohl auf sich, sagte, die Frau untergrübe seine Autorität, beleidigte sie und schlug auf sie ein.

 


Stimmen aus der Bevölkerung

Die Corona-Pandemie hat die bereits bestehenden Krisen in Simbabwe verschärft. Die Zimbabwe Human Rights Association (ZimRights) ist die größte Bewegung Simbabwes, die für Menschenrechte eintritt. ZimRights hat die Erfahrungen simbabwischer Bürger*innen während des Lockdowns dokumentiert. Zwischen April und Juli veröffentlichte die Organisation 10 Berichte, z.B. in der Reihe “Their Voices Matter” (Ihre Stimmen sind wichtig). Über 600 Stimmen aus der Bevölkerung, Aussagen von Gewalt Betroffener und Stellungnahmen von Fachleuten hat ZimRights online gestellt.

 

Menschenrechte und COVID-19

Jetzt hat ZimRights diese Erfahrungen, Berichte, Zeugenaussagen und Expertenmeinungen verknüpft, um eine außergewöhnlich umfassende Einschätzung der Lage der Menschenrechte während der Corona-Pandemie in Simbabwe abzugeben. Der Bericht “Rights in Crisis” (Rechte in der Krise) analysiert darüber hinaus, welche Auswirkungen der Lockdown auf die Bürger*innen, aber auch auf den Staat und die Wirtschaft hat und gibt eine Reihe von Empfehlungen an die Regierung, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sicherstellen sollen, dass Simbabwe gestärkt aus der Krise hervorgeht.

 

In einem Umfeld, in dem die Meinungsfreiheit weitgehend eingeschränkt ist, versucht ZimRights den Menschen eine Stimme zu geben, die in der Corona-Krise besonderen Risiken und Belastungen ausgesetzt sind. Daher widmet der Bericht auch ein Kapitel der Zunahme geschlechtsspezifischer Gewalt während der Corona-Krise „Wir hoffen, dass sich die politischen Entscheidungsträger durch diesen Bericht stärker bewusst werden, dass es in der Menschenrechtspolitik um reale Menschen und reales Leben geht.“, schreiben die Autor*innen.

 

Foto oben: Teil des Covers des Berichts „Their Voices Matter, Week 7“ © ZimRights

Fotos unten: Aus dem Bericht  „Their Voices Matter, Week 5″ © ZimRights

21.07.2020

Gepostet in: Aktuelles