Der 33. Friedensfilmpreis geht an die Dokumentation: „The Silence of Others“ (USA / Spanien 2018), der über die Aufarbeitung der totgeschwiegenen Verbrechen des Franco-Regimes berichtet.

Die Regisseure Almudena Carracedo und Robert Bahar, nahmen am 25. Februar in Berlin den Friedensfilmpreis der Berlinale persönlich entgegen. Ellen Ueberschär, Vorstand der Heinrich Böll Stiftung, und Judith Ohene, Geschäftsführerin des Weltfriedensdienst e.V. übergaben die von Otmar Alt geschaffene Bronzefigur und eine Urkunde über das Preisgeld von 5.000 €.

Mit dem „Pakt des Schweigens“ wurden 1977 per Gesetz die Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Franco-Diktatur vom spanischen Parlament amnestiert.

Eine kleine Gruppe von Opfern, Überlebenden und AnwältInnen macht sich auf den Weg, durch Aufarbeitung das staatlich verordnete und von der breiten Gesellschaft akzeptierte Vergessen zu durchbrechen. Gegen die Macht des Staates und gegen die Macht der Gewohnheit gelingt es ihnen, Gerechtigkeit zu erstreiten.

„Dieser Film kann Menschen ändern“

„Der Film ist vor einer Woche fertig geworden, nach sieben Jahren Arbeit an dem Projekt. Jetzt sind wir am Ende einer siebenjährigen Reise und am Beginn einer neuen. Den Filmemacherhut setzen wir erst einmal ab und ziehen den Aktivistenhut auf.“ sagte Frau Carracedo unter dem Applaus des Publikums. „8.000 Gemeinden in Spanien sollten den Film sehen.“

„Unser Film ist ein bescheidener Beitrag zum Dialog, wir starten jetzt eine Kampagne um die Wirkung des Filmes zu erhöhen. In Spanien ist die Zeit zum Erinnern gekommen. Die junge Generation sollte zurückschauen, sie weiß tatsächlich nichts über die Grausamkeiten des Franco Regimes“ fügte Robert Bahar an. „Wir haben erlebt, wie der Film Menschen verändert. Nachdem sie ihn gesehen haben sagen sie, jetzt verstehe ich die Bedeutung des Erinnerns und die schlimmen Folgen der Straflosigkeit.“

Die Regisseurin Almudena Carracedo des Preisträgerfilms "The Silence of Others" bei der Preisverleihung

Preisträgerin: Almudena Carracedo Foto: Stephan Röhl

„Wer sich dem Erinnern verweigert, ist verführbar“

Matthias Coers und Peter Steudtner trugen die Laudatio der Jury gemeinsam vor. „Bei aller Nähe – die durch Kamera und Ton eindeutig und überzeugend herüberkommt und die Spannung bis zur letzten Minute aufrechterhält – macht der Film jedoch auch über die Spanische Bewegung gegen das Vergessen hinaus deutlich, wie wesentlich Erinnerungskultur und Geduld für demokratische und demokratisierende Prozesse sind, die einen wesentlichen Teil des Friedens in Europa ausmachen. Wer sich dem Erinnern verweigert, ist verführbar. Er oder sie kann von Menschenfeinden und Kriegstreibern benutzt werden. Der Schlüssel zum Frieden in Europa war immer auch die Erinnerung und das Sich-seiner-Schuld-stellen.“ formulierte die Jury. Und bei aller Geduld und Vertrauen auf demokratische Prozesse braucht es die Mutigen und auch Unnachgiebigen, die nicht schweigen, sondern vorangehen, eine Erinnerungskultur zu etablieren – die eigentlich im Interesse aller sein sollte“ (die ganze Laudatio).

Der unabhängige Friedensfilmpreis prämiert jährlich Filme, die durch eine eindringliche Friedensbotschaft und ästhetische Umsetzung des Filmthemas überzeugen. Er wird getragen durch den Weltfriedensdienst, der Friedensinitiative Zehlendorf und der Heinrich-Böll-Stiftung.

 

27.02.2018

Gepostet in: Aktuelles

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