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Wir bieten ab dem 1. September einen Praktikumsplatz im Bereich Kampagnen- und Bildungsarbeit.

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04.02.2019

Gepostet in: Aktuelles, Stellenangebote

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Simbabwe blickt gerade in einen Abgrund. Bei Protesten gegen die drastische Erhöhung der Kraftstoffpreise gab es Anfang dieser Woche mehrere Tote. Demonstranten hatten Barrikaden errichtet und Geschäfte geplündert. Jetzt sind die Straßen der großen Städte wie ausgestorben. Viele Läden bleiben geschlossen. Die Regale sind seit Wochen leer. Die Regierung hat das Internet abgestellt, um Informationsflüsse zu kontrollieren. Es gibt kein Bargeld mehr. Wer sich selbst versorgen kann, scheint im Vorteil. Doch müssen auch diese Familien Schulgebühren bezahlen oder Öl zum Kochen kaufen.

Wie wichtig die Kontrolle über Ressourcen wie Wasser, Land und Saatgut, oder der Zugang zu Märkten, Wissen und Kapital ist – das erleben die Menschen in Simbabwe in diesen Tagen auf erbarmungslose Weise. Umso wichtiger ist es, sich selbst zu organisieren.

53 Nutzpflanzen – Saatgutgruppen haben eine riesige Auswahl

Beispiel Saatgut: Im östlichen Bergland Simbabwes arbeiten der Weltfriedensdienst und die Kleinbauernorganisation TSURO zusammen für Ernährungssouveränität und den gemeinschaftlichen Schutz der Ressourcen. In unserem Projektgebiet gibt es mehrere lokale Saatgutgruppen, die gemeinsam 6.000 Sorten von 53 zum Teil Jahrhunderte alten Nutzpflanzen erhalten haben. Ein großer Schatz, um daraus Sorten auszuwählen, die an verschiedene Standorte und Klimaveränderungen angepasst sind. Im Vergleich: die Welternährung basiert überwiegend auf 5 verschiedenen Nutzpflanzen. So sind die Familien nicht auf den Kauf teuren Saatguts angewiesen.

Wenn die Frauen einer Saatgutgruppe zusammenkommen, geht es um Trainings und Austausch bei der Gewinnung von sortenreinem und leistungsfähigem Saatgut und seine Lagerung. Es geht um den Vergleich von Erträgen bestimmter Sorten, um Tausch und Vermarktung. Wie sind die Erfahrungen mit neuen Nutzpflanzen wie Fingerhirse? Was ist eine ausgewogene Ernährung? Und, wichtig in bargeldlosen Zeiten: Wie kann Pflanzenöl selbst hergestellt und so auf dessen Zukauf verzichtet werden?  Diese Saatgutgruppen, die es mittlerweile im ganzen Distrikt gibt, sind ein wichtiger Baustein für eine selbstbestimmte Ernährung.

Erschienen am 19.1.2019 in der Tageszeitung “Neues Deutschland” als Abschluss der Solidaritätsaktion “Teilen macht satt“, die “Neues Deutschland” traditionell gemeinsam mit SODI, INKOTA und dem Weltfriedensdienst durchführt.

01.02.2019

Gepostet in: Aktuelles, Simbabwe: Gemeinschaftlicher Ressourcenschutz und Ernährungssouveränität

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Mit dem Friedensfilmpreis der Berlinale werden jährlich Filme prämiert, die durch eindringliche Friedensbotschaften überzeugen. Der 34. Friedensfilmpreis wird am 17. Februar 2019 verliehen. Der Vorverkauf startet am 01. Februar 2019 im Hackesche Höfe Kino.Die Jury hat der Weltfriedensdienst zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der Friedensinitiative Zehlendorf berufen. Unter den 7 Jurymitgliedern sind VertreterInnen aus Film und Produktion, Kunst und Kultur sowie Wissenschaft und Politik..

Zur Jury des Friedensfilmpreises gehört auch Jean Peters. Er erforscht mit dem Peng! Kollektiv neue Taktiken und Strategien der politischen Mobilisierung mit Hilfe von Kunst, Hacking und Aktivismus. Im Interview spricht Jean Peters über sein Engagement in der Jury des Friedensfilmpreises. Die Fragen stellte Martin Zint am 25.01.2019.

„Der Demokratie die Zähne schärfen“

Sie sind in die Jury des Friedensfilmpreis berufen worden. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Ich bin Cineast, konsumiere unglaublich viel Bild und Ton. Als Juror eines politischen Preises hat man aber einen anderen Blick: Wie kann ich mich in dem Dschungel von Emotionen, Aussagen und Metaebenen mit dem Wertekompass orientieren? Das find’ ich spannend.

Wovor graut es Ihnen?

Es ist ein dummes Gefühl an den Warteschlangen vor den Kinos vorbeizugehen… Aber anders schaffen wir unser Pensum nicht.

Wie bereiten Sie sich vor?

Ich denke im Moment viel darüber nach, wie sich politische Filme historisch entwickelt haben. Wenn ich an den kolumbianischen Hausbesetzerfilm Caracol von 1993 denke. Damals war das was ganz Besonderes, den haben dann alle geguckt in der linken Szene. Die Tragikkomödie wurde zur Trommel im sozialen Kampf, hat Menschen verbunden und angefeuert. Gibt es sowas heute noch? Und welche Kämpfe sind vielleicht schon im Mainstream angekommen?

Es geht mir viel um den Kit in unserer Gesellschaft – dazu zählen auch Rollenbilder. Wie werden sie repräsentiert? Damit meine ich nicht nur die Redeanteile von Frau und Mann. Sondern etwa wie heute Männlichkeit dargestellt wird. Wie könnten geschlechterübergreifende Allianzen im Kampf gegen das Patriarchat aussehen? Frieden bedeutet für mich nicht nur die gewaltfreie Konfliktlösung, sondern eben auch große Ungerechtigkeiten, so stabil sie auch wirken mögen, zu bekämpfen. Und die werden im Alltag in unsere Haut genäht, in die sind wir alle verstrickt.

Dann interessieren mich auch die Produktionsbedingungen. Finden dezidiert kollektive Prozesse, wie sie im Theater immer üblicher werden, auch in der Filmwelt statt?

Und wenn der Film dann mit Metaebenen spielen kann und künstlerisch überzeugt – dann bin ich glücklich!

Sie sind Aktionskünstler und arbeiten in einem Kollektiv. Manche Ihrer Aktionen wirken nicht besonders friedlich. Stiften Sie Unfrieden?

(lacht) Wir reagieren doch auf Unfrieden. Wir (vom Peng Kollektiv) wählen Themen aus, bei denen wir davon ausgehen, dass sie zu Unfrieden in der Gesellschaft führen. Es gibt leider sehr viele Provokateure, die sich denken: “Komm wir gehen in die Waffen-Lobby und versuchen die stärker zu machen.” Oder Supermarktketten aufbauen, die auf Ausbeutung basieren. Und da kann man nicht einfach zuschauen. Da fühle ich mich als friedliebender Bürger provoziert und möchte mit Humor, mit Liebe, mit Chuzpe, aber eben auch mit einer ganz klaren Haltung begegnen. Bei diesen rasant wachsenden Machtunterschieden müssen wir der Demokratie die Zähne schärfen!

Das Peng-Kollektiv geht sehr streng mit den NROs in’s Gericht. Wie sehen Sie das, wo Sie jetzt in einer Jury mitarbeiten, die von zivilgesellschaftlichen Gruppen, von NROs getragen wird?

Da unterscheide ich zwischen NGOs und Zivilgesellschaft. Ich bin Teil der Zivilgesellschaft. Ich möchte jetzt nicht zu spitzfindig werden, ich weiß was Sie meinen, aber es gibt auch sehr unterschiedliche NGOs. Also zum Beispiel ist die Stiftung “Familienunternehmen” der Form nach eine NGO. Aber die ist nur dazu da, die Superreichen zu unterstützen und alle egalitären Gesetze abzuschaffen. Das ist ein Fall des Missbrauchs des Gemeinnützigkeits-Status’.

Die Kritik, die sie vermutlich ansprechen, richtet sich aber an NGOs die sagen “Wir vertreten mit starker Stimme die Zivilgesellschaft”, wie Amnesty International, Campact und andere große Organisationen. Da muss man doch genau hingucken, wie viel Engagement sie zeigen, gemessen an der Dringlichkeit der Krisen und des besonderen Status, den diese Organisationen durch Anerkennung und Finanzierung genießen einerseits, und dem ständigen Rumdödeln mit Petitionen und Overheadkosten andererseits. Radikale Zeiten brauchen radikalere Maßnahmen. Da wird es manchmal fraglich, ob man NGOs als „Vertreter*innen der Zivilgesellschaft“ bezeichnen kann. Viele NGOs sind viel zu sehr auf ihren Selbsterhalt fixiert – und damit der Marktlogik unterworfen.

Die sollte man auf ihre Haltung überprüfen. Dazu habe ich ein Manifest geschrieben, das “Critical Campaigning Manifest”. Wenn man das NGOs auf den Tisch legt und die sagen, wir halten uns an wenigstens vier dieser elf Punkte, dann ist schon viel gewonnen. Wie sehr ist eine NGO nur noch Steigbügelhalter und macht alles, um mal wieder mit der SPD oder den Grünen an einem Tisch zu sitzen und alles andere ist egal weil es für ihre kleinen Karrieren und ihr Selbstbild wichtig ist. Da muss man aufpassen, dass man nicht in einer Institutionalisierung geschluckt wird und die politische Dimension untergeht.

Wir sind ja auf der Seite der “Guten”, die Böll Stiftung, der Weltfriedensdienst und die Friedensinitiative Zehlendorf. Aber was müsste passieren, dass es trotzdem Peng macht?

(lacht) Da muss man vorsichtig sein, ob Sie oder wir auf der Seite der Guten sind. Es gibt viele die den Begriff Frieden für sich okkupieren wollen. Ich habe das in verschiedenen Friedensinitiativen beobachtet, da muss man genau hinschauen. Da kann es auch ohne das Peng-Kollektiv Peng machen.

Zum anderen, wir haben zu Artikel 26 Grundgesetz komplexe Aktionen gemacht, wo wir z.B. für Heckler und Koch eine Rückrufaktion gestartet haben. In deren Namen haben wir den Händlern geschrieben “Sorry, ihr müsst alle Waffen zurückschicken, im Sinne des Artikel 26, die USA sind kein friedliches Land mehr, wir müssen das mit unserem Grundgesetz in Einklang bringen”. Wir haben noch viele andere Sachen gemacht, das gründet sich alles auf Artikel 26. Da wird es mit Sicherheit noch Aktionen geben, die ein friedliches Miteinander fördern.

Haben Sie einen persönlichen Lieblingsfilm?

Puuh, nee, habe ich wirklich nicht. Da müsste ich einen willkürlich rauspicken. Gerade als Jury-Mitglied halte ich mich da lieber zurück.

30.01.2019

Gepostet in: Aktuelles

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Ursula Reich, ehem. Vorstandsvorsitzende des Weltfriedensdienst e.V.

Ursula Reich, ehem. Vorstandsvorsitzende des Weltfriedensdienst

Standpunkt von Ursula Reich, ehem. Vorstandsvorsitzende des Weltfriedensdienst

Jahrzehntelang – und schon vor dem Pearson-Bericht von 1969 – sprach man von Entwicklung, von „Entwicklungsländern“, von „Unterentwicklung“ und entsprechend entstanden „Entwicklungstheorien“ und die sogenannte „Entwicklungshilfe“. Später dann wurde daraus „Entwicklungszusammenarbeit“ und immer mehr auch ein außenpolitisches Instrument. Zu entwickeln sind selbstverständlich die im Süden; wir hier im Norden halten uns für entwickelt. Es gab und gibt eine Vorstellung davon, was entwickelt ist und wo die Entwicklung hingehen soll. Die Modernisierungstheorien haben eine Zielvorstellung und entsprechend sollte auch der Süden voranschreiten zu „mehr und besser“.

Und heute? Ist die „Entwicklung“ bei uns angekommen? Besser, weiter und mehr brauchen wir nicht, nicht weiter unendliches Wachstum, sondern eine bessere Verteilung in unserer Gesellschaft. Unser materieller Wohlstand ist auf einem sehr hohen Niveau angelangt. Es geht um Transformation, um gegenseitige Achtung und Anerkennung aller sozialen Gruppen. Wir können vom Süden lernen, dass Wohlbefinden nicht vom materiellen Besitz allein abhängt und uns fragen, was unser Wohlsein verbessern und unser gesellschaftliches Gemeinwohl stärken kann. Das heutige Wirtschaftssystem schafft systematische Anreize zur Übernutzung globaler Ökosysteme. Wir müssen und können intelligentere und nachhaltige Lösungen finden für die Nutzung der Ressourcen, die uns auf unserer Erde zur Verfügung stehen.

Wir zivilgesellschaftliche Organisationen sind gefordert, auf Ressourcenkonflikte hinzuweisen und Widerstand zu mobilisieren gegen die weitere rücksichtslose Ausbeutung unseres Planeten.

Lernen wir voneinander. Handeln wir bewusster und achtsamer gegenüber unseren Mitmenschen und in unserem täglichen Umgang als VerbraucherInnen. Entwicklung bedeutet mehr globale Verantwortung und Menschlichkeit. Nur so können wir Frieden auch in unserer Gesellschaft fördern.

Wir dürfen nicht schweigen; wir können handeln in unserem persönlichen Alltag und als Gemeinschaft.

 

09.01.2019

Gepostet in: Aktuelles

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In unserem neuen Querbrief berichten wir über die Probleme Kenias und was unsere Partnerorganisation Isiolo Peace Link dagegen tut.

Kenias Kampf um Ressourcen

Gewalt zwischen Ethnien, islamistischer Terror, Korruption: Unser Kooperant Tim Bunke berichtet, was unsere Partnerorganisation in Kenia dagegen unternimmt.

Eine andere Welt ist nötig
Im nächsten Teil dieser Reihe erklärt Kristin Stressenreuter wie der Boden als CO2-Speicher einen Hoffnungsschimmer auf dem Weg zur 2-Grad-Grenze darstellen kann.

Unternehmensverantwortung
In einer globalisierten Welt werden sich Unternehmen zunehmend bewusst über ihre soziale Verantwortung. Zwei dieser Unternehmen stellen wir in diesem Querbrief vor.

Das Wassermobil in Rheinland-Pfalz
Im Sommer waren wir mit dem Wassermobil in Eisenberg und dem Donnersbergkreis unterwegs. Über 350 SchülerInnen konnten eine Woche lang zur globalen Wasserkrise arbeiten.

Querbrief 4/2018 lesen & herunterladen

Download hier [PDF]

13.12.2018

Gepostet in: Aktuelles, Das Mitgliedermagazin Querbrief

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