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Argentinien: Indigene auf dem Weg in ein besseres Leben

Die Indigenen sind heute in Argentinien eine gesellschaftliche Randgruppe. Sie haben mit besonders drastischen sozialen Problemen zu kämpfen. Um der indigenen Bevölkerung ein Leben in Würde zu ermöglichen braucht es „desarollo con identidad“ – „Entwicklung mit Identität“. Dabei geht es darum, die eigene Kultur zu bewahren, ohne sich dem Fortschritt zu verschließen. Unser Partner ProSoCo in der argentinischen Region Salta arbeitet auf dieses Ziel hin.

Argentinien: Indigene auf dem Weg in ein besseres Leben

Die Indigenen sind heute in Argentinien eine gesellschaftliche Randgruppe. Sie haben mit besonders drastischen sozialen Problemen zu kämpfen. Um der indigenen Bevölkerung ein Leben in Würde zu ermöglichen braucht es „desarollo con identidad“ – „Entwicklung mit Identität“. Dabei geht es darum, die eigene Kultur zu bewahren, ohne sich dem Fortschritt zu verschließen. Unser Partner ProSoCo in der argentinischen Region Salta arbeitet auf dieses Ziel hin.

von Magdalena Rodekirchen und Bela Allenberg

400 km liegen zwischen dem abgelegenen Department General San Martín und der Hauptstadt Salta der gleichnamigen Provinz Salta im Nordwesten Argentiniens nahe der bolivianischen Grenze. Eine lange, beschwerliche Fahrt. Sie führt über Schotterpisten und Asphaltstraßen, die von der Hitze aufgeweicht und durch das hohe Verkehrsaufkommen mit Schlaglöchern durchzogen sind. Ein schwer beladener Pick-Up unserer Partnerorganisation ProSoCo bringt traditionelles Kunsthandwerk und Agrarprodukte zu den Märkten in Salta. Dort werden sie vermarktet und so neue Einkommensmöglichkeiten geschaffen.

Der Landkreis General San Martín ist wirtschaftlich schwach entwickelt. Rund 60% der Jugendlichen leben unterhalb der Armutsgrenze, über die Hälfte ist arbeitslos und viele verfügen nur über eine Grundschulbildung. Besonders prekär ist die Situation der indigenen Bevölkerung, den hier ansässigen Volksgruppen der Guaraní, Wichí und Chané. Sie sind überproportional stark von prekären Lebensbedingungen, Arbeit im informellen Sektor, mangelndem Zugang zu Trinkwasser, Strom und sanitären Anlagen betroffen. Viele indigene Jugendliche verlassen daher ihre Heimat und suchen ihr Glück andernorts. Die Region wird dadurch nur noch mehr geschwächt. Vertreter der lokalen Bevölkerung befürchten sowohl den Verlust der jungen, leistungsstarken Mitglieder ihrer Gesellschaft, als auch den Verlust ihrer Kultur und ihres Zusammenlebens als Gemeinschaft.

Förderung der lokalen Wirtschaft

Der Weltfriedensdienst unterstützt daher die argentinische Nichtregierungsorganisation ProSoCo (Programas Sociales Comunitarios) bei der Verbesserung der Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten der indigenen Bevölkerung. Die gezielte Förderung des lokalen Unternehmertums spielt dabei die zentrale Rolle. Junge Erwachsene im Alter von 17 -25 Jahherrsren werden im Rahmen des Projektes in der Gründung und Führung kleiner Betriebe ausgebildet und begleitet. Hierfür wird an der lokal verankerten Schule für den ländlichen Raum EFA (Escuela de la Familia Agrícola) in Aguaray ein praxisorientierter Ausbildungskurs für Unternehmertum entwickelt.

Sowohl das Curriculum als auch die jeweiligen Lehrmaterialien werden eigens für die Zielgruppe entwickelt. Die Trainings umfassen vor allem unternehmerische Kompetenzen. Auch Themen der kulturellen Identität sowie der lokalen Entwicklung und Inklusion von kulturellen und ethnischen Minderheiten werden behandelt. Die Weitergabe von Wissen über traditionelle Handwerksfertigkeiten und deren Integration in eine industrialisierte Welt sind ein zentraler Bestandteil des Programms. Als Anreiz für die Entwicklung neuer Produkt- und Unternehmensideen werden Ideenwettbewerbe durchgeführt. Die Gewinner erhalten einen Preis, der sie bei der Umsetzung ihrer Idee unterstützen soll. Eine Marktstudie soll dabei flankierend sinnvolle Bereiche für Unternehmensgründungen identifizieren. Dadurch soll marktbedingt aussichtslosen Unternehmensgründungen vorgebeugt werden.

Die beiden Jugendlichen zeigen stolz Urkunde für ihr Unternehmerprojekt

Luis Ortege (links) gehört zu den Gewinnern eines mit 5.000 Pesos (500€) dotierten Ideenwettbewerbs

Vernetzung verschiedenster lokaler Akteure

Wenn die Jung-UnternehmerInnen eine Unternehmensidee entwickelt haben und an ihre Unternehmensgründung gehen, werden sie im Rahmen des Projektes auch bei der Vernetzung mit weiteren hilfreichen Akteuren unterstützt. Dazu gehören lokale Banken, staatliche Förderinstitutionen und Unternehmerverbände. Außerdem wird ihnen bei der Vermarktung ihrer Produkte zum Beispiel durch Produktmessen oder einer Ausstellung ihrer Produkte in der Hauptstadt Salta, geholfen. Diese Zugänge können sie selbst zu Beginn nur schwer herstellen.

Zur Vernetzung, Verbesserung der Rahmenbedingungen und zur Verbreitung des Ansatzes werden außerdem Runde Tische zur lokalen Wirtschaftsentwicklung mit lokalen Akteuren von Staat, Wirtschaft und Wissenschaft veranstaltet. Dadurch wird ein gutes Umfeld für die Mikrounternehmen geschaffen. In der Nachbarprovinz Jujuy hat der Weltfriedendienst einen weiteren Partner: Der Rat der Indigenen Organisationen von Jujuy. Gemeinsam mit diesem gibt es einen Austausch zu Good Pratices und Lessons Learnt. Dieser ist beiden Seiten zuträglich und schafft neue Möglichkeiten der Vernetzung.

Erst der Anfang

Das Projekt betritt mit seinem Ansatz in der Projektregion und mit der Zielgruppe Neuland. Nach der Aufbauphase ist für das kommende Jahr eine Evaluation geplant. Bei dieser wird der erreichte Stand, die Vorgehensweise und eine mögliche Anschlussphase reflektiert. Momentan müssen die ersten Produkte noch mit dem Projektauto die z.T. langen Wege zu Märkten und Messen unternehmen. Auch müssen erste Kontakte durch das Projektteam mit aufgebaut werden. Wenn nun Schritt für Schritt eigenständige Kontakte und Vermarktungswege entstehen, kommen wir dem Ziel näher, Einkommen und eine unabhängige, langfristige Tätigkeit zu schaffen. Damit ermöglichen wir gemeinsam mit der jungen indigenen Bevölkerung und ihren Familien neue Perspektiven jenseits von prekären Arbeitsverhältnissen, Armut und Migration.

Das Projekt ProSoCo

Projekttyp: Förderung nachhaltiger Mikrounternehmen durch Ausbildung, Begleitung und Vernetzung; Erhöhung selbstbestimmt generierter Haushaltseinkommen und Verringerung der Landflucht.

Projektbegünstigte: Direkt werden ca. 100 indigene JungunternehmerInnen des Departaments General José de San Martín gefördert, indirekt werden dadurch ca. 500 Personen in den familiären Haushalten der JungunternehmerInnen erreicht. Außerdem entstehen langfristig positive Beschäftigungs- und Einkommenseffekte bei Anstellung von MitarbeiterInnen sowie durch erhöhte Nachfrage auf den lokalen Märkten durch die neu gegründeten Unternehmen.

Lokaler Partner: Die NRO ProSoCo (Programas Sociales Comunitarios) in Salta und deren lokale Partnerinstitution, die Schule für den ländlichen Raum EFA (Escuela de la Familia Agrícola) in Aguaray.

Zeitraum: 2013 – 2017

WFD-Kooperantin: Alicia Rivero

Finanzierung: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) + WFD-Spenden + Eigenbeitrag von ProSoCo.

06.07.2016

Gepostet in: Argentinien: Indigene auf dem Weg in ein besseres Leben

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