Bolivien: Prävention und Konflikttransformation

Die Friedenskultur (Cultura de Paz) im Departement Potosí stärken, das ist Ziel der Zusammenarbeit des Weltfriedensdienstes mit der lokalen Partnerorganisation ISALP (Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí). Durch gewaltfreie Konfliktbearbeitung unter Einbezug der indigenen Kultur wird zu einer friedlicheren Gesellschaft und zum Verfassungsziel des Vivir Bien (dem Guten Leben) beigetragen.

 

Bolivien: Prävention und Konflikttransformation

Die Friedenskultur (Cultura de Paz) im Departement Potosí stärken, das ist Ziel der Zusammenarbeit des Weltfriedensdienstes mit der lokalen Partnerorganisation ISALP (Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí). Durch gewaltfreie Konfliktbearbeitung unter Einbezug der indigenen Kultur wird zu einer friedlicheren Gesellschaft und zum Verfassungsziel des Vivir Bien (dem Guten Leben) beigetragen.

 

 

Die Corona-Pandemie hat weltweit zu mehr Gewalt gegen Frauen und Kinder geführt. In Bolivien wurde 2020 offiziell an jedem dritten Tag eine Frau und an jedem siebten Tag ein Kind ermordet, meist durch den Partner oder Ex-Partner. Mit einer groß angelegten Medienkampagne tragen unsere Partnerorganisationen zum Ende der Alltagsgewalt gegenüber Frauen und Kindern bei. Dabei klären sie auch über Präventionsmaßnahmen in der Covid-19 Pandemie auf.

 

„Du kannst das besser! Mit Dialog überwinden wir die Pandemie“

Im Lockdown bündelten unsere drei Partnerorganisationen in Bolivien ihre Kräfte in der Medienkampagne „Eres mejor que eso! Con diálogo saldremos de la pandemia”. Diese schärft seit März 2021 den Blick der Öffentlichkeit auf häusliche Gewalt und fördert Inklusion und Dialog mit Frauen, Kindern und indigenen Gemeinschaften.

Die Alltagsgewalt bleibt der öffentlichen Wahrnehmung weitestgehend verborgen. Darum schafft die Medienkampagne dafür ein Bewusstsein mit offiziellen Zahlen zur Gewalt gegen Frauen und Kinder. Demnach wurden im Jahr 2020 in Bolivien 30.824 Fälle häuslicher Gewalt registriert, wobei in 4.998 Fällen sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder ausgeübt wurde. Der animierte Kurzfilm zu häuslicher Gewalt ist einer von vielen Kurzfilmen, mit denen außerordentlich viel Aufmerksamkeit geschaffen werden konnte. Sie helfen, die Problemlage aus der Perspektive der Betroffenen zu verstehen.

 

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In einem digitalen Seminar zu Gewalt und Friedenskultur konnte die Auseinandersetzung mit dem Thema vertieft werden. Auch mit diesem Angebot trafen unsere Partnerorganisationen einen Nerv. So wurde die Videoaufnahme des Seminars allein in Facebook über 300 Mal kommentiert. Für den direkteren und persönlicheren Austausch stehen darüber hinaus eigene WhatsApp-Gruppen zur Verfügung. Ein landesweiter Wettbewerb ruft die bolivianische Bevölkerung dazu auf, eigene Gewalterfahrungen in Geschichten, Gedichten oder Videos zu verarbeiten.

 

Radiobeiträge für die ländliche Bevölkerung im Süden

Nach wie vor ist die Übertragung via Radio die beste Möglichkeit, die ländliche Bevölkerung im Süden Boliviens zu erreichen. Die Wirkung der Kampagne wurde deshalb auch damit sichergestellt, dass Radio- und Fernsehbeiträge, wie etwa die Radionovelle „Maestra Pacífica“, Poster und Flyer in Spanisch, Quechua und Guaraní produziert wurden.

Auf reconciliemosbolivia.org und facebook.com/reconciliemosbolivia finden Sie weitere Informationen.

 

 

18.06.2021

Gepostet in: Aktuelles, Bolivien: Prävention und Konflikttransformation

Bolivien: Prävention und Konflikttransformation

Die Friedenskultur (Cultura de Paz) im Departement Potosí stärken, das ist Ziel der Zusammenarbeit des Weltfriedensdienstes mit der lokalen Partnerorganisation ISALP (Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí). Durch gewaltfreie Konfliktbearbeitung unter Einbezug der indigenen Kultur wird zu einer friedlicheren Gesellschaft und zum Verfassungsziel des Vivir Bien (dem Guten Leben) beigetragen.

 

Am Sonntag den 18.10.2020 finden die mehrfach verschobenen nationalen Präsidentschaftswahlen in Bolivien statt. Nach den Wahlen vom Oktober 2019 haben die politischen und gesellschaftlichen Spannungen, auch durch die Corona-bedingten Quarantänebestimmungen und des Lockdowns, in den vergangenen Monaten weiter an Brisanz zugenommen. Bei zahlreichen Wahlkundgebungen kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Attacken der unterschiedlichen Anhänger der großen Parteien, die um die politische Macht kämpfen*. Auch der Rückzug der Übergangspräsidentin Jeanine Áñez (Partei Juntos) aus dem Wahlkampf konnte die stark gespaltene und hochpolarisierte Gesellschaft nicht beruhigen. Daher ist zu befürchten, dass es während und nach den Wahlen zu weiteren Unruhen und Gewaltausbrüchen kommt.

Illustration zur Kampagne „¡Eres mejor que eso! Reconciliemos Bolivia con diálogo.” (reconciliemosbolivia.org / Weltfriedensdienst e.V.)

Im Kontext dieser angespannten Situation ruft der Weltfriedensdienst e.V. mit den bolivianischen Partnerorganisationen Investigación Social y Asesoramiento Legal de Potosí (ISALP), Centro Juana Azurduy und Fundación Acción Cultural Loyola (ACLO) zur Gewaltfreiheit und Dialog auf. Die Medienkampagne „¡Eres mejor que eso! Reconciliemos Bolivia con diálogo.” („Du kannst das besser! Versöhnen wir Bolivien durch Dialog.”) möchte zur Gewaltprävention und zu einem konstruktiven friedlichen Dialog innerhalb der Bevölkerung im südlichen Bolivien beitragen. Neben verschiedenen Videos und Informationsgrafiken wird auch eine Radionovelle „La Maestra pacífica“ in unterschiedlichen Medien und sozialen Kanälen veröffentlicht. Um die Reichweite und Relevanz der Medienkampagne zu steigern, wurden die Videos und die Novelle zudem in den drei verschiedenen Sprachen, Spanisch, Quechua und Guaraní, produziert. Auf reconciliemosbolivia.org können sich interessierte Leser*innen über die Medienkampagne informieren.

*Luis Arce tritt als Kandidat für die Partei Movimiento para el Socialismo (MAS) von Ex-Präsidenten Evo Morales an; der Vorgänger von Evo Morales Carlos Mesa für die Partei Comunidad Ciudadana und Luis Camacho tritt als Kandidat für die Partei Creemos an.

15.10.2020

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Bolivien: Prävention und Konflikttransformation

Die Friedenskultur (Cultura de Paz) im Departement Potosí stärken, das ist Ziel der Zusammenarbeit des Weltfriedensdienstes mit der lokalen Partnerorganisation ISALP (Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí). Durch gewaltfreie Konfliktbearbeitung unter Einbezug der indigenen Kultur wird zu einer friedlicheren Gesellschaft und zum Verfassungsziel des Vivir Bien (dem Guten Leben) beigetragen.

 

Der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder war schon vor Corona das eigene Zuhause. Mit der Ausgangssperre nimmt die Gewalt jetzt weiter zu. Unsere Partnerorganisation unterstützt Betroffene in Sucre.

In weiten Teilen Boliviens gilt nach wie vor eine rigorose Ausgangssperre: nur ein Mal pro Woche darf das Haus zu Fuß für einen kurzen Einkauf verlassen werden. Den riesengroßen informellen Sektor in Bolivien trifft das hart. Vor allem indigene Frauen aus ländlichen Gebieten und Migrantinnen im städtischen Raum leben „von der Hand in den Mund“.

Die Anwältinnen und Psychologinnen der Frauenorganisation Centro Juana Azurduy (CJA) beraten von Gewalt betroffene Frauen und Kinder. Mindestens sieben von zehn Frauen erleben Gewalt, vor allem durch Partner und Verwandte. Diese Situation verschärft das Coronavirus nun zusätzlich. Die Hotlines unserer Partnerorganisation werden gerade mit Hilferufen von Frauen und Kindern überflutet.

Lebensmittelspenden: Solidarität ist die wichtigste Waffe gegen das Virus. © ACLO

Isoliert mit dem gewaltbereiten Partner

CJA steht gerade vor allem telefonisch mit Basisorganisationen von Frauen zusammen und berät Frauen, die von Krise besonders hart getroffen sind, weil sie im informellen Sektor arbeiten. Die Anwältinnen von CJA bringen die Taten zur Anzeige, beraten und geben den nötigen Rückhalt. In den ersten vier Wochen der Quarantäne wurden über 1.400 Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt in Bolivien angezeigt. Vier Frauen starben durch häusliche Gewalt. 43 Vergewaltigungen von Kindern wurden publik. CJA befürchtet, dass die Dunkelziffer während des totalen Lockdowns deutlich höher liegt. Zu der Angst vor einer Ansteckung kommt nun die wirtschaftliche Not hinzu – und für viele Frauen das Problem, mit ihren gewalttätigen Partnern in völliger Isolation zu leben.

 

Das Schweigen brechen

Um das Schweigen zu brechen, verbreitet CJA Aufklärungskampagnen über die sozialen Netzwerke und den projekteigenen Radiosender Radio Encuentro. Hier geht es auch um Hilfen der Regierung sowie Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus.CJA hat die bolivianische Regierung aufgefordert, mehr zu unternehmen, um Frauen und Kinder während der Quarantäne vor Gewalt zu schützen. Die Organisation setzt auch auf Vernetzung und Nachbarschaftshilfe. „Solidarität ist die wichtigste Waffe gegen das Coronavirus“, lautet die einvernehmliche Meinung im Team. Nur gemeinsam sind Frauen stark.

 

Hilfsmaßnahmen der Regierung

Für viele Bolivianer*innen bedeutet die Quarantäne kein Einkommen und das seit Mitte März. Die Regierung hat zwar mittlerweile Hilfszahlungen an Bedürftige gestartet, aber diese sind so niedrig, dass sie die Not nur leicht lindern können. Bei diesen Barauszahlungen kommt es immer wieder zu großen Menschenansammlungen. In entlegenen Gebieten kommt das Geld oft gar nicht an, weil es keine Banken gibt und die Menschen nicht in Nachbarorte reisen dürfen. Zum Teil haben die Banken auch nicht genügend Bargeld, um die Unterstützung auszuzahlen.

Ein überfordertes Gesundheitssystem

Innerhalb von zwei Wochen stieg die Zahl der Infizierten von offiziell 950 auf 2.556 Infizierte (Stand: 10. Mai 2020). Doch die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Das Gesundheitssystem ist nicht auf die Behandlung von Covid19-Patienten vorbereitet.Für die 11 Millionen Bolivianerinnen und Bolivianer standen Ende April nur 60 Intensivbetten und 20 Beatmungsgeräte bereit. Tests werden nur wenige durchgeführt und es gibt kaum geeignete Labore im Land.

 

 

14.05.2020

Gepostet in: Aktuelles, Bolivien: Prävention und Konflikttransformation

Bolivien: Prävention und Konflikttransformation

Die Friedenskultur (Cultura de Paz) im Departement Potosí stärken, das ist Ziel der Zusammenarbeit des Weltfriedensdienstes mit der lokalen Partnerorganisation ISALP (Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí). Durch gewaltfreie Konfliktbearbeitung unter Einbezug der indigenen Kultur wird zu einer friedlicheren Gesellschaft und zum Verfassungsziel des Vivir Bien (dem Guten Leben) beigetragen.

 

29.10.2019 Straßenproteste und Generalstreik: Rund eine Woche nach der Präsidentenwahl in Bolivien und dem umstrittenen Sieg des Amtsinhabers Evo Morales formiert sich massiver Widerstand.

Die politische Situation nach den Präsidentschaftswahlen stellt sich als sehr unübersichtlich dar. Am Wahlabend des 20. Oktobers 2019 sah noch alles nach einer Stichwahl zwischen dem amtierenden Präsidenten Evo Morales und dem Kandidaten der Opposition mit den zweitmeisten Stimmen, Ex-Präsident Carlos Mesa, aus. Doch dann wurde die Auszählung der Stimmen unerwartet gestoppt. Als der Prozess 24 Stunden später fortgeführt wurde, verfügte Morales plötzlich über eine hauchdünne Mehrheit, die einen zweiten Wahldurchgang obsolet machte.

Opposition ruft zu Protesten auf

Nachdem es schon während der Wahl Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben hatte, schürte die Pause bei der Stimmenauszählung weitere Gerüchte, bei dieser sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Als dies auch von einer Beobachtermissionen der Organisation Amerikanischer Staaten bestätigt wurde, rief die Opposition ihre Anhänger zu Protesten auf. Bei diesen kam es in den acht größten Städten des Landes zu teilweise gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen Gebäude der Wahlbehörde oder Wahlbüros der Regierungspartei MAS angezündet wurden, es kam zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei, die Provinz Santa Cruz rief zum Generalstreik auf.

Geschlossene Schulen und Panikkäufe

Mittlerweile hat der Ausnahmezustand auch auf die drei Regionen Chuquisaca, Potosí und Tarija, in denen der Weltfriedensdienst in Bolivien tätig ist, übergegriffen. Das öffentliche Leben steht hier seitdem weitgehend still: Es kommt zu Panikkäufen an Tankstellen und in Supermärkten, vielerorts ist Bargeld nur noch eingeschränkt zu erhalten, Schulen und Universitäten sind geschlossen und die Proteste nehmen in ihrer Intensität eher zu, als dass sich eine friedliche Konfliktlösung abzeichnet.

Menschenrecht Kandidatur?

Nachdem nunmehr alle Stimmen ausgezählt sind und sich der notwendige Vorsprung von 10 Prozent des Amtsinhabers für eine erneute Präsidentschaft bestätigt hat, haftet der Wahl neben den vermuteten Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung ein weiterer Makel an, der wohl nur schwer zu beseitigen sein wird. Viele Bolivianer vertrauen ihrem Präsidenten nicht mehr, weil schon dessen Kandidatur höchst umstritten war: Da die bolivianische Verfassung nicht mehr als zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten zulässt, hatte Morales seine Landsleute Anfang 2016 zu einem Referendum aufgerufen, um die Begrenzung aus der Verfassung zu streichen. Doch die Bolivianer verweigerten ihm die dafür notwendige Verfassungsänderung. Dennoch stellte sich Morales in diesem Jahr erneut zur Wahl, entgegen seinem Versprechen, den Willen des Volkes zu respektieren. Das bolivianische Verfassungsgericht hatte ihm eine erneute Kandidatur zugebilligt mit der Begründung, es handele sich dabei um ein „Menschenrecht“.

Es spitzt sich weiter zu

Die Oppositionsparteien sowie die mit diesen verbündeten comités civicos (eine Art Bürgervertetung) haben die Bevölkerung bereits zu weiteren Protesten aufgerufen. Zivilgesellschaftliche Organisationen und Gewerkschaften, die sich mit der Regierung solidarisieren, riefen ihrerseits zu Demonstrationen auf. Auch wenn beide Seiten ihre Anhänger zu gewaltfreiem Protest anhalten, sind weitere Ausschreitungen und Konfrontationen zu befürchten.

Dialog statt Gewalt: Was die lokalen Partner-NGOs des Weltfriedensdienst jetzt tun

In den drei Projekten des Weltfriedensdienst haben die aktuellen Ereignisse einen unmittelbaren Einfluss auf die Projektarbeit:

  • Konfliktsensitive Berichterstattung

Beim Radio des Projektes Acción Cultural Loyola (ACLO) in Sucre wird versucht, durch eine konfliktsensitive Berichterstattung die Auseinandersetzungen nicht noch zusätzlich medial anzuheizen, für eine gewaltfreie Lösung des Konfliktes zu werben und über konstruktive Beispiele der Konflikttransformation zu berichten. Weil das Radio im gesamten Süden Boliviens zu empfangen ist, hat dieser Ansatz das Potenzial, überregional für ein Umdenken bei den Konfliktakteuren zu sorgen. Auch in den ländlichen Projekten von ACLO wird versucht, im Bereich der zivilen Konflikttransformation zu einer friedlichen Lösung beizutragen.

  • Aufruf zur Gewaltfreiheit

Im ebenfalls in Sucre ansässigen Centro Juana Azurduy (CJA) versucht das Team von Radio Encuentro, seine Hörerschaft dafür zu sensibilisieren, ihren Protest gewaltfrei auszutragen, sowie unabhängig und deeskalierend über die aktuellen Ereignisse zu informieren. Im Arbeitsschwerpunkt „Politische Bildung von weiblichen Führungskräften“ musste das CJA die geplanten Aktivitäten leider aussetzen, um die Teilnehmerinnen während ihrer An- und Abreise sowie ihres Aufenthalts in Sucre nicht unnötig zu gefährden.

  • Appell zum Dialog

In der Minenstadt Potosí, in der das Projekt Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí (ISALP) wirkt, hat die politische Polarisierung zum Stillstand des öffentlichen Lebens geführt. Inzwischen haben neben dem Projektpartner auch die meisten anderen Institutionen ihre Büros aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Multiplikatoren des Projektes – Voluntarios de Paz genannt – sind zwar zum Teil selbst Mitglieder oder Kandidat*nnen verschiedener politischer Parteien, verbreiten aber über die sozialen Medien Botschaften, die zu Dialog und gewaltfreiem Handeln über die Parteigrenzen hinweg einladen.

 

Aktuelle Meldungen auf Facebook: Radio ACLO, Radio Encuentro, Centro Juana Azurduy CJA

 

Jede Spende wirkt

Der Weltfriedensdienst macht Projekte wie in Bolivien auf der ganzen Welt möglich.

29.10.2019

Gepostet in: Aktuelles, Bolivien: Prävention und Konflikttransformation

Bolivien: Prävention und Konflikttransformation

Die Friedenskultur (Cultura de Paz) im Departement Potosí stärken, das ist Ziel der Zusammenarbeit des Weltfriedensdienstes mit der lokalen Partnerorganisation ISALP (Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí). Durch gewaltfreie Konfliktbearbeitung unter Einbezug der indigenen Kultur wird zu einer friedlicheren Gesellschaft und zum Verfassungsziel des Vivir Bien (dem Guten Leben) beigetragen.

 

Frauen in Bolivien bekleiden mittlerweile 50% aller politisch gewählten Ämter und ihr Zugang zu Bildung, Arbeit und Gesundheitsleistungen verbessert sich seit den letzten zehn Jahren stetig. Trotzdem sind bolivianische Frauen und Mädchen nach wie vor strukturell benachteiligt und werden in hohem Maße Opfer verschiedenster Formen gender-spezifischer Gewalt. 2018 wurden 128 Frauen von ihrem Partner, Ex-Partner oder einem Familienangehörigen aus frauenfeindlichen Motiven ermordet; Bolivien hat somit eine der höchsten Femizidraten Lateinamerikas. Frauenrechte zu stärken ist daher ein zentraler Aspekt unserer Friedensarbeit in Bolivien. Das Centro Juana Azurduy (CJA) ist eine Nichtregierungsorganisation in Sucre, die sich bereits seit 30 Jahren genau diesem Ziel widmet, indem sie gewaltbetroffene Frauen juristisch und psychologisch unterstützt, Basisorganisationen von Frauen in ihrer Arbeit stärkt und begleitet und über ihren Radiosender „Radio Encuentro“ Programme ausstrahlt, die Frauen und Mädchen über ihre Rechte aufklären.

 

Workshop zur Transformation von Konflikten.

In Bolivien herrscht nach wie vor eine stark polarisierte Zuschreibung der Geschlechterrollen, die Frauen im privaten und öffentlichen Raum eine untergeordnete Stellung zuweist und verschiedene Formen von Gewalt gegen Frauen naturalisiert und rechtfertigt. „Diesen Sozialisationsprozess zu durchbrechen, Frauen in ihren Fähigkeiten zu stärken, sich gesellschaftspolitisch zu organisieren und an demokratischen Prozessen zu beteiligen – das sind die erklärten Ziele der „Escuela de Formación Política“ (Schule für politische Bildung) des CJA, in dessen Rahmen jedes Jahr circa 50 Frauen von zivilgesellschaftlichen Basisorganisationen ausgebildet werden,“ erklärt Gretel Lambertin, Leiterin der Lobby- und Advocacyarbeit des CJA. Die Teilnehmerinnen stammen sowohl aus dem urbanen Umfeld der Gemeinde Sucre als auch aus dem ländlichen Raum des gesamten Departements Chuquisaca. In einer mehrmonatigen Ausbildung lernen sie Gender-Rollen der patriarchalen bolivianischen Gesellschaft zu dekonstruieren und stärken dabei ihr Selbstbewusstsein und ihre Kommunikationsfähigkeiten. Sie eignen sich zudem Wissen über gesellschaftspolitische Prozesse und die bolivianische Geschichte an und lernen mit Konflikten konstruktiv und gewaltfrei umzugehen. Gerade letzteres ist im bolivianischen Kontext sehr wichtig, da gesellschaftspolitische Konflikte schnell eskalieren und häufig gewaltsam ausgetragen werden. Genau hier setzt die Kooperation mit dem Weltfriedensdienst an: Seit dem vergangenen Jahr ist der konstruktive Umgang mit Konflikten durch gewaltfreie Kommunikation, Verhandlungstechniken und Dialogprozesse fester Bestandteil der „Escuela de Formación Política“.

Frauenrechte stärken

Um auch zu Veränderungsprozessen auf politisch-struktureller Ebene beizutragen, unterstützt das Projekt den Austausch zwischen den zivilgesellschaftlichen Organisationen und politischen Autoritäten auf lokaler und regionaler Ebene. Das Bewusstsein für die Wichtigkeit solcher Prozesse ist auf Seiten der Abgeordneten jedoch zunächst gering, sodass es viel Überzeugungsarbeit kostet, bis die politischen Vertreter*innen ihre Mitwirkung zusichern.

Auch Männersache: Frauenrechte stärken.

Auch in Bolivien hat die mediale Berichterstattung einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Wahrnehmung von gesellschaftlichen Konflikten und geschlechtsspezifischer Gewalt. „Frauenfeindlichen und gewaltverherrlichenden Beiträgen der Mainstream-Medien konstruktive Alternativen entgegenzusetzen, ist ebenso Ziel des Radio Encuentro wie die kritische Nutzung sozialer Medien unter Jugendlichen zu fördern“, erklärt Ana Lilian Ortega, Journalistin und Chefredakteurin des Radios. Mit der Unterstützung des Weltfriedensdienst haben sich im vergangenen Jahr fünf Journalist*innen im konfliktsensiblen Journalismus fortgebildet und eine neue Radiosendung mit dem Titel „Sin Pretextos“ (Ohne Ausflüchte) ins Leben gerufen, die alle zwei Wochen einen Konflikt behandelt, der sich in Sucre ereignet hat. Die betroffenen Konfliktparteien werden dazu in die Live-Sendung eingeladen und erörtern gemeinsam mit den Moderator*innen die Ursachen und Folgen des Konfliktes. Sie versuchen zudem die unausgesprochenen Interessen der Akteur*innen zu verstehen und nach Lösungen zu suchen. Während die Konfliktparteien es vor allem schätzen, sich in einem konstruktiven Raum Gehör verschaffen zu können, nehmen die Zuhörer*innen „Sin Pretextos“ als ein Programm wahr, durch das sie objektiv und umfassend über Konflikte in ihrer Stadt informiert werden.

Die Autoren: Britta Wiemers ist Konfliktwissenschaftlerin und arbeitet als Fachkraft des Weltfriedensdienst e.V. beim Centro Juana Azurduy im Projekt „Frauen setzen auf eine Kultur des Friedens“. Henry Cervantes ist Psychologe und arbeitet im Centro Juana Azurduy in einem Projekt zur Resozialisierung von männlichen Gewalttätern.

25.09.2019

Gepostet in: Aktuelles, Bolivien: Prävention und Konflikttransformation