Der KOMPASS – Das Themenheft des Weltfriedensdienst

Das Themenheft des Weltfriedensdienst erscheint jährlich und befasst sich mit friedens- und entwicklungspolitischen Themen

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Von Wolf-Ullrich Westermann (Veröffentlich im KOMPASS #6 Migration anders denken)

TSURO: Frauen in Simbabwe bewässern ein Kohlfeld mit Wassereimern

Kleinbäuerinnen in Simbabwe bei der Feldarbeit, Foto: Ulli Westermann

Auch das Land Simbabwe teilt eine Geschichte von Migration. Vor allem das im östlichen Hochland gelegene Gebiet des heuti­gen Chimanimani wurde in den letzten 200 Jahren von verschie­denen Wanderungsbewegungen geprägt. Darunter zählen die Nguni-Invasionen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die koloni­alen Vertreibungen zwischen 1890 und 1900 und die rassistische rhodesische Siedlungspolitik im Zuge des Land Apportionment Acts von 1930. In den Jahren zwischen 1977–1992 flüchteten tausende von Menschen vor dem Bürgerkrieg in Mosambik und fanden in Chimanimani eine neue Heimat. Umgekehrt wander­ten aber auch viele junge Menschen in dieser Phase als Binnen­flüchtlinge aus dem ländlichen Chimanimani in die Stadt ab, um der Gewalt im Grenzgebiet zu Mosambik zu entfliehen. (mehr …)

15.05.2018

Gepostet in: Der KOMPASS - Das Themenheft des Weltfriedensdienst, Simbabwe: Gemeinschaftlicher Ressourcenschutz und Ernährungssouveränität

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Karte und Infokasten Simbabwe

Von Eli Westermann (Veröffentlicht im KOMPASS #6 Migration anders denken)

Eli Westermann, Kooperantin des Weltfriedensdienst e.V. berichtet von den Konfliktpotenzialen zwischen neuen und alteingesessene EinwohnerInnen in Chitsaa.

Der Chikukwa-Clan, der heute im Chimanimani-Distrikt im Osten Simbabwes ansässig ist, blickt auf eine 400-jährige Geschichte zurück. In der Kolonialzeit war ihm alles Land genommen worden. Als in den 1950er Jahren dann eine Forst­wirtschaft im Chimanimani-Distrikt aufgebaut wurde, dienten die Mitglieder des Chikukwa-Clans als Arbeitskräfte. Dabei wurden ihnen Wohngebiete zugewiesen, die jedoch regelmäßig wechselten. In den 1970er Jahren wurden die Chikukwaner in die von der rhodesischen Regierung gegründeten Tribal Trust Lands abgedrängt. Die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung wurde zwangsumgesiedelt, ähnlich wie in den Homelands unter der südafrikanischen Apartheidpolitik.

Chitsaa liegt südlich des Chikukwa-Gemeindelandes, gehört jedoch zum traditionellen Einflussbereich des Stammesober­hauptes von Chikukwa. Vor der simbabwischen Unabhängigkeit im Jahr 1980 war hier die Hauptgemeinde des Chikuwa-Clans ansässig. Es gab eine Grundschule und einen Dip Tank [Anm. d. Red.: eine Veterinäranlage – ein Tauchbecken mit Chemikalien gegen Zecken und andere Viehparasiten]. Ab den 1960er Jahren expandierte auch hier die Forstwirtschaft, und die halbstaat­liche Forstkommission pflanzte Pinien. Heute heißt sie Allied Timbers und bildet zusammen mit anderen privaten Liegen­schaften eine einflussreiche Forstindustrie, die etwa ein Viertel des Chimanimani-Distrikts okkupiert. (mehr …)

15.05.2018

Gepostet in: Der KOMPASS - Das Themenheft des Weltfriedensdienst, Simbabwe: Friedliche Konfliktbearbeitung

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Karte und Infokasten Guinea

Von Mamadou Kaly Diallo (Veröffentlicht im KOMPASS #6 Migration anders denken)

Zahlreiche junge GuineerInnen kommen auf illegalem Weg nach Europa, oder sie leben und/oder arbeiten dort auf illegale Weise. Diese Art der Einwanderung wird klandes­tine Migration genannt und birgt für die Menschen, die sich dazu entschließen, enorme Risiken. In diesem Interview berichtet Ibrahima Sory Diallo*, ein junger Aktivist und Mitglied der Plattform junger AktivistInnen für Demokratie und Entwicklung (PJDD), von der aktuellen Lage in Gui­nea. Er schildert das Schicksal von Amadou Baldé*, einem klandestin migrierten Freund. Ibrahima Sory Diallo lebt in Niari Wada, einem Stadtteil von Conakry, der Hauptstadt Guineas. Die Fragen stellte Mamadou Kaly Diallo, Mitarbei­ter des Baïonnette Intelligente (dt.: intelligentes Bajonett), einem Projekt der Bildungsarbeit für Mitglieder der Streit­kräfte und der Zivilgesellschaft.

Wie ist die gegenwärtige Situation in Guinea?

In Guinea läuft zu viel schief. Wir sind schon seit Langem enttäuscht. Wir haben unsere Hoffnung verloren – insbeson­dere in den Präsidenten. Bevor er an die Spitze des Staates gewählt wurde, hatte er uns Versprechungen gemacht, die er danach nicht gehalten hat. Er hatte uns versprochen, dass im Falle seines Wahlsiegs 50 Kilogramm Reis zum Preis von 25.000 GNF [etwa 2,50 €; Anm. d. Red.] verkauft würden, doch nun ist der Reis noch teurer als vorher. Er hatte auch versprochen, den Studierenden Tablets bereitzustellen und Brücken zu bauen, doch von alldem haben wir bis heute nichts gesehen. Bei so vielen Lügen entsteht zwangsläufig Misstrauen. Wir misstrauen unserem Präsidenten und haben keine Hoffnung mehr.

Deshalb emigrieren die GuineerInnen zu den Weißen. Wenn es hier Hoffnung gäbe, blieben sie, schließlich lieben die Men­schen ihr Land und sind am liebsten zu Hause. Ganz egal, was sie in all den Jahren in Europa erleben – letztlich wollen die Menschen immer nach Hause zurück. (mehr …)

15.05.2018

Gepostet in: Der KOMPASS - Das Themenheft des Weltfriedensdienst, Guinea: Stärken von Demokratie und Bürgerrechten für Frieden

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Karte und Infokasten Argentinien

Von Alejandra Castro de Klede (Veröffentlicht im KOMPASS #6 Migration anders denken)

Argentinien ist das beliebteste Einwanderungsland Südamerikas. Knapp 5 Prozent der Bevölkerung bzw. zwei Millionen Menschen haben eine Migrationsgeschichte. Der Weltfriedensdienst e.V. unterstützt Consejo de Organiza­ciones Aborígenes de Jujuy (COAJ). Der Rat der indigenen Organisationen Jujuys setzt sich bereits seit 1989 für die Rechte der indigenen Bevölkerung im nordwestlichen Argentinien ein. Alejandra Castro de Klede, WFD-Kooperantin im COAJ, berichtet, wie Argentinien zum Einwanderungsland wurde. 

Wie kein anderes südamerikanisches Land wurde Argen­tinien von den großen Migrationswellen des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt. Abertausende europäische Einwan­derInnen erreichten das Land in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und in der als nueva migración bezeichneten Einwanderungswelle der 1980er und 1990er Jahre suchten vor allem asiatische MigrantInnen und Menschen aus den nörd­lichen Nachbarländern Bolivien und Paraguay ihr Glück in Argentinien. In vielerlei Hinsicht haben diese unterschiedli­chen Migrationsgruppen – neben der indigenen Bevölkerung – die ökonomische, demografische und kulturelle Entwick­lung des Landes stark mitbestimmt. Die nationale Identität Argentiniens gründete sich auf der Basis einer interkulturel­len Gesellschaft.

Nach aktuellen Daten der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind 4,8 Prozent der argentinischen Bevölkerung, also etwa zwei Millionen Menschen, Migran­tInnen. Damit ist Argentinien das beliebteste Einwande­rungsland in der Region. Den größten Anteil haben Migran­tInnen aus Paraguay, Bolivien, Uruguay, Chile und Peru. Doch auch die Anzahl der afrikanischen, mittelamerikani­schen, kolumbianischen und venezolanischen EinwanderIn­nen steigt kontinuierlich.

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15.05.2018

Gepostet in: Argentinien: Indigene kämpfen um ihr Land, Der KOMPASS - Das Themenheft des Weltfriedensdienst

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Karte und Infokasten Bolivien

Von Heiko Flink (Veröffentlicht im KOMPASS #6 Migration anders denken)

Heiko Flink ist Kooperant des Weltfriedensdienst im Projekt K’acha Kausakunapaq (Quechua für: „Damit wir alle in Harmonie leben“) in Bolivien. Das Projekt setzt sich für eine stärkere Friedenskultur im Departement Potosí ein. Im KOMPASS berichtet er, welche Folgen die Binnenmigration in Bolivien für das Land und die Menschen dort hat.

Bolivien liegt im Herzen des südamerikanischen Konti­nents, die Mehrheit seiner rund 11 Millionen EinwohnerInnen hat einen Migrationshintergrund. Lange vor der Kolonisa­tion siedelten sich verschiedene Kulturen auf dem heutigen Staatsgebiet an, wie auch das Volk der Tiawanaku (Ayma­ra-Kultur). Es gründete zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert Cusco, die Hauptstadt des Inkareiches. Mit der Kolonisation kamen ab dem 16. Jahrhundert SpanierInnen und afrikanische SklavInnen in das Land. Zur Zeit der faschistischen Regime in Europa suchten Juden und Dissidenten aus ganz Europa auch in Bolivien Zuflucht. Später schlossen sich auch viele faschistische Schergen an. Auch aus Asien, Nordafrika, dem Balkan sowie den Nachbarländern suchen MigrantInnen neue Chancen in Bolivien.

Auf der Suche nach Arbeit und sozialem Aufstieg

Seit der Wiedereinführung der Demokratie 1982 lassen sich in Bolivien zwei wesentliche Migrationsbewegungen identi­fizieren: diejenige der städtischen Mittelklasse, die ins Aus­land führt, hauptsächlich nach Argentinien (273.000), Spanien (137.000) und in die USA (133.400). Wesentlich stärker ist die zweite Bewegung, die Binnenmigration der indigenen Bevölke­rungsteile (hauptsächlich Aymara und Quechua) aus den ärms­ten Departements Potosí und Chuquisaca in die wohlhabenden Departements Santa Cruz und Cochabamba bzw. in deren gleichnamige Hauptstädte. So wurde aus der kleinen, mitten im Amazonas-Urwald gelegenen Provinzhauptstadt Santa Cruz innerhalb weniger Jahrzehnte die bevölkerungsreichste und wirtschaftlich wichtigste Metropole des Landes. (mehr …)

15.05.2018

Gepostet in: Bolivien: Prävention und Konflikttransformation, Der KOMPASS - Das Themenheft des Weltfriedensdienst