Guinea-Bissau: Alternativen zur Genitalverstümmelung fördern

Zum Einsatz für den Frieden gehört für den Weltfriedensdienst der Kampf für die körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde von Mädchen und Frauen. Auch in Guinea-Bissau. Hier sind jährlich 2.000 Mädchen von Genitalverstümmelung betroffen und weitere 80.000 sind gefährdet.

Guinea-Bissau: Alternativen zur Genitalverstümmelung fördern

Zum Einsatz für den Frieden gehört für den Weltfriedensdienst der Kampf für die körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde von Mädchen und Frauen. Auch in Guinea-Bissau. Hier sind jährlich 2.000 Mädchen von Genitalverstümmelung betroffen und weitere 80.000 sind gefährdet.

Netzwerk gegen Genitalverstümmelung

DJINOPI, ein lokales Netzwerk von drei Frauen- und Jugendorganisationen, hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Mädchen vor dem blutigen Ritual zu schützen. Gearbeitet wird in Pilotdörfern mit 1.500 gefährdeten Mädchen und deren Familien, mit islamischen Geistlichen, Lehrern, Dorfchefs und Gesundheitspersonal. VertreterInnen von DJINOPI besuchen die Dörfer, diskutieren mit den MeinungsführeInnen und halten Dorfversammlungen ab. So werden Dorfgemeinschaften zur Abkehr von der blutigen Praxis bewegt.
Mit der lokalen Partnerorganisation Sinim Mira Nasseque gab es in einem Vorläuferprojekt erste Erfolge. 81 Beschneiderinnen konnten zur Abgabe ihrer Messer im Rahmen einer öffentlichen Zeremonie bewegt werden. Dank behutsamer Überzeugungsarbeit gelang die Durchführung einer Reihe unblutiger Initiationsrituale mit 446 Teilnehmerinnen. Mit dem Projekt knüpfen wir an unsere Erfahrungen an.

Aufklärung gegen Genitalverstümmelung – Alternativen fördern

Radiosendungen, Plakate und Flugblätter würdigen zwar auf der einen Seite die Traditionen, weisen aber auch auf die Gefahren der Verstümmelung hin. Sie klären über religiöse und andere Zwänge auf und informieren über Alternativen und Ansprechpartner. Traditionelle Beschneiderinnen werden dabei unterstützt, berufliche Alternativen zu finden, die ein vergleichbares Einkommen und Prestige bieten. Im besten Fall geschieht dies, wie im Vorgängerprojekt, im Rahmen einer traditionellen Zeremonie. Das Engagement gegen die Genitalverstümmelung wird in den Religionsgemeinschaften, Schulen und Gesundheitsstationen, in Ministerien und Entwicklungsprogrammen verankert. Workshops und Trainings, Besuche erfolgreicher Vorhaben in Nachbarländern und die Erarbeitung von Arbeitshilfen tragen dazu bei, das Ziel zu erreichen.

Durch ihr beharrliches Engagement im nationalen Parlament konnte DJINOPI einen wichtigen Erfolg verzeichnen. Mitglieder hatten die Menschen in den Stadtvierteln für eine Parlamentsanhörung mobilisiert und waren bei den Debatten anwesend. Am 6. Juni 2011 wurde ein Gesetz verabschiedet, das die weibliche Genitalverstümmelung in Guinea Bissau verbietet.

23.01.2017

Gepostet in: Guinea-Bissau: Alternativen zur Genitalverstümmelung fördern

Guinea-Bissau: Alternativen zur Genitalverstümmelung fördern

Zum Einsatz für den Frieden gehört für den Weltfriedensdienst der Kampf für die körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde von Mädchen und Frauen. Auch in Guinea-Bissau. Hier sind jährlich 2.000 Mädchen von Genitalverstümmelung betroffen und weitere 80.000 sind gefährdet.

In Guinea-Bissau ist die weibliche Genitalverstümmelung zwar verboten, aber immer noch weit verbreitet.  Der Weltfriedensdienst unterstützt das guineische Netzwerk DJINOPI (dt: Leute, lasst uns vorangehen“), das sich für die Abschaffung dieser folgenschweren Praxis einsetzt. Eine zentrale Rolle spielen dabei Imame, denn das grausame Ritual wird religiös begründet. Daher kam die im vergangenen Jahr veranstaltete Konferenz einem Durchbruch gleich. Diese wurde unter anderem von der deutschen NRO TARGET e.V. und dem Weltfriedensdienst unterstützt.

Die „Islamkonferenz zur Ächtung der weiblichen Genitalbeschneidung“ begann mit einem Eklat. Imam Aboubacar Touré ergriff das Wort: „Warum diskutieren wir über weibliche Genitalbeschneidung? Das Thema hat keinerlei Relevanz für Guinea-Bissau. Wir sollten uns mit anderen Verbrechen wie dem Drogenmissbrauch durch Jugendliche beschäftigen Die gleiche Frau, die wir vor der Genitalbeschneidung bewahren wollen, lässt vielleicht später eine Abtreibung vornehmen. Warum reden wir nicht über dieses Verbrechen?“

Redner bei der Islamkonferenz gegen Genitalverstümmelung

Rede eines Gelehrten, während der Islamkonferenz gegen Genitalverstümmelung

45 Islamgelehrte aus dem In- und Ausland  sowie der guineische Gesundheitsminister und die Vorsitzenden einiger Frauenorganisationen nahmen teil. Anerkannte religiöse Persönlichkeiten unterstrichen, dass der Islam jegliche physische Gewaltanwendung verbiete. Eingriffe in den menschlichen Körper seien verboten, sofern sie Schaden verursachten. Folglich sei die weibliche Genitalverstümmelung ein überlieferter Brauch, dem Einhalt geboten werden müsse.

Ein wichtiger Schritt gegen Genitalverstümmelung, auf den Taten folgen müssen

Nach zwei Tagen intensiver Diskussionen und Debatten ergriff Imam Aboubacar Touré erneut das Wort. „Diese Konferenz war wie eine Schule. Vorher habe ich es abgelehnt, mich mit dem Thema Genitalverstümmelung zu beschäftigen. Nachdem ich Männern zugehört habe, die mich in Gelehrtheit bei weitem übertreffen, habe ich die Wahrheit gesehen und meinen Irrtum erkannt.“ Wie alle anderen Konferenzteilnehmer unterzeichnet er die Erklärung von Bissau, in der es heißt:

„Der Oberste Rat für Islamische Angelegenheiten und die Imame in Guineas-Bissau schließen sich der Ächtung der weiblichen Genitalbeschneidung durch namhafte islamische Gelehrte an. Möge Allah uns helfen, in naher Zukunft die schädliche Praxis für die Gesellschaft im Allgemeinen und für Mädchen im Speziellen zu beenden.“

Die Präsidentin des Projekts Djinopi, Domingas Gomes, unterstreicht: Auch nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Abschaffung der weiblichen Genitalbeschneidung werden Mädchen beschnitten. Deshalb sei Aufklärungs- und Bewusstseinsarbeit die einzige wirksame Waffe zur Verteidigung der physischen Integrität der Mädchen

13.07.2016

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