Guinea-Bissau: Zivil-Militärischer Dialog

Seit August 2009 erschließt das zfd-Projekt “Mom ku Mom” Neuland in der Zusammenarbeit zwischen dem Weltfriedensdienst und der Partnerorganisation DDCC. Zu deren Gründungsmitgliedern zählen militärischen Akteure, u.a. hohe und mittlere Offiziere sowie deren Untergebene bei Militär und Mitglieder der “Nationalen Versöhnungskommission im Sektor Verteidigung und Sicherheit”. Außerdem gehören dem DDCC paramilitärische Akteure (Polizei, Grenz- und Forstschutz) und auch Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen an.

Guinea-Bissau: Zivil-Militärischer Dialog

Seit August 2009 erschließt das zfd-Projekt “Mom ku Mom” Neuland in der Zusammenarbeit zwischen dem Weltfriedensdienst und der Partnerorganisation DDCC. Zu deren Gründungsmitgliedern zählen militärischen Akteure, u.a. hohe und mittlere Offiziere sowie deren Untergebene bei Militär und Mitglieder der “Nationalen Versöhnungskommission im Sektor Verteidigung und Sicherheit”. Außerdem gehören dem DDCC paramilitärische Akteure (Polizei, Grenz- und Forstschutz) und auch Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen an.

Lautsprecher gegen Fehlinformationen (c) Claudina Joaquim da Silva Gomes

Der Weltfriedensdienst fördert in Guinea-Bissau ein Netzwerk von 11 landesweit tätigen Friedensgruppen. Diese bemühen sich jetzt um eine Partnerschaft mit lokalen staatlichen Institutionen des Gesundheitswesens und des Seuchenschutzes, um der Ausbreitung der Pandemie gemeinsam entgegenzuwirken.

Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen Ende Dezember 2019 verschärften sich die innenpolitischen Auseinandersetzungen. Es wird befürchtet, dass das Gewaltpotenzial durch die politische Situation, durch umstrittene behördliche Maßnahmen und ein kaum funktionsfähiges Gesundheitssystem steigt.

Lautsprecher gegen Gerüchte

Unsere Kolleg*innen von GTO-Bissau haben erste Radiospots aufgenommen, die über Corona-Präventionsmaßnahmen informieren. Ein Projektauto fährt durch die Straßen von Bissau und sendet die Spots zusätzlich aus Lautsprechern. Die nächste Generation der Spots ist schon in Arbeit. Dabei soll es um den Umgang mit Falschnachrichten und Gerüchten über Heilmittel gehen.

GTO setzt bei seinen Aktivitäten verstärkt auf digitale Kommunikation über soziale Online-Netzwerke. „Eine digital gestützte Kommunikation gab es im Netzwerk schon zuvor, wir hatten dies bereits während der Wahlprozesse angeschoben. Jetzt erhält sie mit COVID-19 einen neuen Fokus.“, sagt unsere Fachkraft Jasmina Barckhausen.

Barckhausen baut auf die Friedensarbeit: „Das Netzwerk der Friedensgruppen ist bereit, die Konflikte zu bearbeiten, die sich gerade erst durch die Pandemie entwickeln, beispielsweise durch Hunger oder Diebstähle. Die Cashew-Ernte müsste eigentlich gerade beginnen und gilt schon als gescheitert. Die Konflikte werden sich verschärfen und müssen bearbeitet werden. Dazu braucht es Mutmacher wie das Projekt des Friedensforums.“

 

Mit Auftreten des Coronavirus hat unsere Partnerorganisation ihr Tätigkeitsspektrum adhoc erweitert:
Lesen Sie weiter auf dem Corona-Portal des Zivilen Friedendienstes (ZFD) 

14.04.2020

Gepostet in: Aktuelles, Guinea-Bissau: Zivil-Militärischer Dialog

Guinea-Bissau: Zivil-Militärischer Dialog

Seit August 2009 erschließt das zfd-Projekt “Mom ku Mom” Neuland in der Zusammenarbeit zwischen dem Weltfriedensdienst und der Partnerorganisation DDCC. Zu deren Gründungsmitgliedern zählen militärischen Akteure, u.a. hohe und mittlere Offiziere sowie deren Untergebene bei Militär und Mitglieder der “Nationalen Versöhnungskommission im Sektor Verteidigung und Sicherheit”. Außerdem gehören dem DDCC paramilitärische Akteure (Polizei, Grenz- und Forstschutz) und auch Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen an.

Projekte wie Mom ku Mom (Hand in Hand) in Guinea-Bissau, die auf eine tiefgreifende Veränderung von Menschen, bewaffneten Gruppen und von Kriegen geprägten Gesellschaften abzielen, sind auf die Geduld ihrer Kooperationspartner und Geldgeber angewiesen.

 

Mit Theater in die Kasernen

Eine Organisation von Kriegsversehrten überzeugte 2004 den Weltfriedensdienst e.V. von der Notwendigkeit des Dialogs mit Uniformierten, um die Spirale von Rache und Gewalt zu beenden und sich nicht nur auf die Hilfe zur Selbsthilfe der Opfer zu beschränken. Damals galt Guinea-Bissau – auch heute noch eines der zehn Schlusslichter im Human Development Index – als gescheiterter Staat, fest im Griff des Drogenhandels. Die Bevölkerung ist geplagt von Armut, Korruption und Machtmissbrauch.

Teilnehmer melden sich für ein zivil-militärisch Dialogveranstaltungen in der Kaserne von Cachungo an

Teilnehmer melden sich für ein zivil-militärisch Dialogveranstaltungen in der Kaserne von Cachungo an

Mit finanzieller und pädagogisch-didaktischer Unterstützung des Weltfriedensdiensts entstand bis 2009 ein ambitioniertes Netzwerk namens „Ort der Diskussion“ (DDCC), das einen Lernprozess in Organisationen, Polizeirevieren und Kasernen anstieß. Es förderte die Dialoge von Militär- und PolizeiausbilderInnen mit VertreterInnen der Zivilgesellschaft und der Kriegsopfer. Das Projekt begleitete diesen Dialog auch theaterpädagogisch, indem es die aus Brasilien stammende Methode des „Theaters der Unterdrückten“ (Teatro do Oprimido) vermittelte. Hier setzt das Publikum nicht nur die thematischen Schwerpunkte, es wird in die Handlung einbezogen. Einfache Menschen, im Alltag oft diskriminiert und benachteiligt, werden von passiven Zuschauern selbst zu Akteuren. So erlernen sie (schau-) spielend, sich aus Alltagszwängen zu befreien und gesellschaftliche Unterdrückung infrage zu stellen. Wer sich beim Theaterspielen aus vorgegebenen Rollen befreit, der ist auch imstande, sich im Alltag in ähnlichen Situationen couragiert zu verhalten.

 

Gruppenbild vom Friedensforum

Delegierte aus allen Regionen Guinea-Bissaus beim 3. Treffen des Friedensrats

 

Debatte zum Zustand der Nation

Das Friedensforum “Hand in Hand” brachte ab 2010 die Debatte zum Zustand der Nation in die Kasernen und bezog die lokale Zivilgesellschaft ebenso ein wie die Nationalgarde. Innerhalb eines Jahres wussten landesweit alle Militärangehörigen in Guinea-Bissau von der Bewegung in und aus den eigenen Reihen. Ziel der Bewegung war es, interne Missstände wie Willkür, Intrigen, Bestechung sowie Entfremdung der Uniformierten von der Bevölkerung aufzudecken und zu beseitigen.

 

Ein Putsch verändert alles

Die höheren Offiziere, die dem Projekt die Tore der Kasernen geöffnet hatten, waren es auch, die als Erste dessen Wirkung zu spüren bekamen – und manchen von ihnen war das gar nicht so recht. Bei einem Putschversuch an Weihnachten 2011 standen sie ratlos vor den bereitgestellten Waffen, und mussten feststellen, dass ihre Untergebenen selbst über Mauern getürmt waren und sich durch die Mangroven abgesetzt hatten. (mehr …)

10.05.2018

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Guinea-Bissau: Zivil-Militärischer Dialog

Seit August 2009 erschließt das zfd-Projekt “Mom ku Mom” Neuland in der Zusammenarbeit zwischen dem Weltfriedensdienst und der Partnerorganisation DDCC. Zu deren Gründungsmitgliedern zählen militärischen Akteure, u.a. hohe und mittlere Offiziere sowie deren Untergebene bei Militär und Mitglieder der “Nationalen Versöhnungskommission im Sektor Verteidigung und Sicherheit”. Außerdem gehören dem DDCC paramilitärische Akteure (Polizei, Grenz- und Forstschutz) und auch Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen an.

Der Staatsgründer Amilar wandert durch die Stadt

200 FriedensaktivistInnen und zwei Riesenmarionetten bewegten sich am 8 April quer durch die Innenstadt von Bissau, Guinea. Anlass war der 14. Jahrestag der Gründung der Friedensorganisation GTO-Bissau (Gruppe des Theaters der Unterdrückten) und die Eröffnung der 2. Vollversammlung des „Friedensforums“.

Der Nationengründer Amilcar Cabral und Nimba, die Fruchtbarkeitsgöttin der Nalu-Ethnie als „Mutter Guiné“, wurden als Riesenmarionetten zum Leben erweckt. Unterstützt wurde GTO dabei durch die chilenische Organisation Edukarte Valparaiso. (mehr …)

09.05.2018

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Guinea-Bissau: Zivil-Militärischer Dialog

Seit August 2009 erschließt das zfd-Projekt “Mom ku Mom” Neuland in der Zusammenarbeit zwischen dem Weltfriedensdienst und der Partnerorganisation DDCC. Zu deren Gründungsmitgliedern zählen militärischen Akteure, u.a. hohe und mittlere Offiziere sowie deren Untergebene bei Militär und Mitglieder der “Nationalen Versöhnungskommission im Sektor Verteidigung und Sicherheit”. Außerdem gehören dem DDCC paramilitärische Akteure (Polizei, Grenz- und Forstschutz) und auch Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen an.

Zivil-Militärischer Dialog in Guinea-Bissau in Aktion: Mitglieder eines Friedesworkshops bei einer spielerischen Übung zur Vertrauensbildung.

Zivil-Militärischer Dialog in Guinea-Bissau in Aktion: Mitglieder eines Friedesworkshops bei einer spielerischen Übung zur Vertrauensbildung.

Seit August 2009 erschließt das zfd-Projekt “Mom ku Mom” Neuland in der Zusammenarbeit zwischen dem Weltfriedensdienst (WFD) und der Partnerorganisation DDCC.

Zu den Gründungsmitgliedern zählen militärischen Akteure, u.a. hohe und mittlere Offiziere sowie deren Untergebene bei Militär und Mitglieder der “Nationalen Versöhnungskommission im Sektor Verteidigung und Sicherheit”. Außerdem gehören dem DDCC paramilitärische Akteure (Polizei, Grenz- und Forstschutz) und auch Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen an. Ziel des Projektes ist zunächst eine Überwindung der Kultur des Schweigens (Freire) zwischen bewaffneten Akteuren und Zivilbevölkerung nach dem Krieg von 1998/99, bzw. mit zivilgesellschaftlich organisierten Kriegsopfern. Die Initiative hierzu ging zunächst von der WFD-Partnerorganisation UNDEMOV aus.

Aufbauen auf dem Staatswappen Guinea-Bissaus

Einheit, Kampf und Fortschritt sind Postulate aus dem Staatswappen, die ohnehin einen breiten Interpretationsspielraum zulassen, der in dem Projekt durch reframing erweitert wurde: Einheit lässt sich beispielsweise als Homogenisierungsdruck, aber auch als Vielfalt von Perspektiven konzipieren, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, auch wenn die Methodenvorschläge divergieren. Kampf kann mit Waffengewalt geführt werden, oder sich auf das Bemühen um gegenseitiges Verständnis im Dialog beziehen. Der zu erringende Fortschritt kann als Almosen erbettelt und in Empfang genommen werden, oder als eigene Leistung erfahrbar gemacht werden. Dabei kann Menschenwürde als Teil von Freiheit konstruiert werden, die Frames wie “Sicherheit ist Macht/Kontrolle über Andere” durch “Sicherheit ist Verantwortung füreinander” substituieren.

Das Projekt “Mom ku Mom” soll auf der Basis des “Einheit-Kampf-Fortschritt”-Ansatzes ein friedenspädagogisches Ausbildungshandbuch entwickeln, das militärischen AusbilderInnen zur Verfügung gestellt wird und in das Curriculum der Militärakademie eingehen soll.

Die Allparteilichkeit des Weltfriedensdienst und seiner Kooperantin ist bei dieser Zielgruppe nicht nur notwendig, sondern auch Teil des pädagogischen Ansatzes zur Befriedung innermilitärischer Auseinandersetzungen, und zur Ausrichtung der Kräfte (Energien) auf eine konstruktive Konflikttransformation. Sie ist in Guinea-Bissau eine tiefenkulturelle Ressource, die nicht erst geschaffen werden muss, sondern durchaus vorhanden ist. Allparteilichkeit ist hier auch in traditionellen Konflikttransformationsprozessen eine gängige Praxis, die von weisen Männern (und Frauen) gelebt wird, und hohe soziale Anerkennung erfährt.

31.08.2017

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Guinea-Bissau: Zivil-Militärischer Dialog

Seit August 2009 erschließt das zfd-Projekt “Mom ku Mom” Neuland in der Zusammenarbeit zwischen dem Weltfriedensdienst und der Partnerorganisation DDCC. Zu deren Gründungsmitgliedern zählen militärischen Akteure, u.a. hohe und mittlere Offiziere sowie deren Untergebene bei Militär und Mitglieder der “Nationalen Versöhnungskommission im Sektor Verteidigung und Sicherheit”. Außerdem gehören dem DDCC paramilitärische Akteure (Polizei, Grenz- und Forstschutz) und auch Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen an.

In Guinea-Bissau wurden Gruppen von FriedensaktivistInnen in Mediation ausgebildet. Ein Artikel in der aktuellen Ausgabe der E+Z von unserer Kooperantin Jasmina Barckhausen und Armando Mussa Sani zeigt, was mit gewaltfreien Mitteln erreicht werden kann.

Hier können Sie den Artikel lesen:

www.dandc.eu/de/article/drei-beispiele-fuer-friedliche-loesung-von-landkonflikten-guinea-Bissau

Theatergruppe, Foto: José Luis Aguilar

01.08.2017

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