Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

Junge Menschen und unter ihnen besonders junge Frauen werden im Südlichen Afrika vielfältig politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell diskriminiert. In der Regel bleibt ihnen die aktive Teilhabe an persönlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen verwehrt.  Ihnen eine Stimme zu geben und Chancen ihre Zukunft mitzugestalten ist das Ziel der südafrikanische Organisation STEPS. Mit einem regionalen Netzwerk von NGOs nutzen sie öffentliche Vorführungen von  Dokumentarfilmen, um erfolgreich Sozialen Wandel anzustoßen.

Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

Junge Menschen und unter ihnen besonders junge Frauen werden im Südlichen Afrika vielfältig politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell diskriminiert. In der Regel bleibt ihnen die aktive Teilhabe an persönlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen verwehrt.  Ihnen eine Stimme zu geben und Chancen ihre Zukunft mitzugestalten ist das Ziel der südafrikanische Organisation STEPS. Mit einem regionalen Netzwerk von NGOs nutzen sie öffentliche Vorführungen von  Dokumentarfilmen, um erfolgreich Sozialen Wandel anzustoßen.

Südafrika ist mit 140.000 Infektionen und mehr als 2.000 gemeldeten Todesfällen Afrikas Corona-Hotspot. Dabei ist zu befürchten, dass die große Infektionswelle erst in den Wintermonaten Juli und August auf das Land zurollt.

Am 26. März erklärte Präsident Cyril Ramaphosa in Militäruniform dem Virus den Krieg. Durch eine landesweite strenge Ausgangssperre wollte die Regierung Zeit gewinnen, um das Gesundheitssystem vorzubereiten. Dies ist ihr gelungen: Sie hat Feldkrankenhäuser, Isolier- und Quarantänestationen und tausende Intensivstationen eingerichtet.

Auf der anderen Seite wurden 73.000 Soldaten, vor allem in den Townships, mobilisiert, um die harten Maßnahmen durchzusetzen. 230.000 Südafrikaner*innen, die gegen die Notstandsgesetze verstießen, kamen in Arrest, elf wurden von der Polizei getötet.

Kapstadt Innenstadt während des Lockdowns – Foto: Don Edkins / STEPS

 

Lockdown mit verheerenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen

Mit der Ausgangssperre ging den meisten Bewohner*innen in den Townships die ohnehin karge Einkommensquelle verloren, die ihr Überleben sicherte. Das Versprechen, ihre Wasser-, Hygiene- und Nahrungsversorgung sicherzustellen, erfüllte die Regierung nicht oder nur teilweise. Arbeitslosengeld bekommen nur Menschen, die angestellt sind. Das schließt einen Großteil der Bevölkerung aus, die im informellen Sektor arbeitet. Ausgeschlossen sind auch Millionen von Obdachlosen, Migrant*innen und Flüchtlingen. Vor Lebensmittelausgaben bilden sich teils kilometerlange Schlangen, die Fälle von Mangelernährung nehmen zu.

Seit dem 1. Juni wurden die Ausnahmeregeln gelockert. Seitdem gehen wieder mehr Menschen arbeiten, die Taxis fahren wieder, die Schulen und die meisten Läden sind wieder geöffnet. Allerdings steigen seitdem nicht nur die Infektionszahlen; auch die Gewalt gegen Frauen und Kinder nimmt zu. Präsident Ramaphosa nennt sie bereits eine zweite Pandemie und sieht den Grund im verstärkten Konsum von Alkohol, der nach fast 3 Monaten wieder verkauft werden darf.

Eine spontane Demo von Studierenden gegen Gewalt gegen Frauen – Foto: Booker Mwenza / STEPS

Die massiven politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen Südafrikas haben sich durch die Corona Krise verschärft. Um dem zu begegnen, sind spontan zivilgesellschaftliche Initiativen und Netzwerke entstanden, in der Metropole Kapstadt gibt es mittlerweile über 70 davon. Initiativen aus wohlhabenderen Teilen der Stadt bilden Partnerschaften mit denen in ärmeren Vierteln.

Bürger*innen und Gruppen fordern ein Umdenken bei den Sicherheitskräften. Statt in den Townships die Ausgangssperre gewaltsam durchzusetzen, wo diese faktisch nicht umsetzbar ist, sollten sie die Versorgung und Aufklärung der Bevölkerung begleiten und absichern. Auch sind dringend Maßnahmen notwendig, damit sich Menschen vor dem Virus schützen können: Einkommens- und Ernährungssicherung, ein Dach über dem Kopf, Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen, Zugang zu Informationen, der Schutz vor Gewalt und die Solidarität von privilegierteren Schichten der Gesellschaft.

 

STEPS: Filme als Lebenshilfe

Auf die Situation in Südafrika und den Nachbarländern, die ebenfalls unter den Folgen der Pandemie leiden, reagiert unsere Partnerorganisation STEPS mit dem, was sie am besten kann: mit der Produktion von Filmen.

Die Mitarbeiter*innen beraten ihre Netzwerkpartner beim Erzählen von Corona-Geschichten, die dann über die sozialen Medien schnelle Verbreitung finden. „Gerade die jungen Leute überraschen uns immer wieder mit ihren kreativen Ideen“, berichtet unsere Fachkraft Marianne Gysae. So zeigt ein Video aus Lesotho, wie man eine Wasserstation zum Händewaschen aus lokal verfügbaren Materialien herstellt:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

In Uganda entstand ein Podcast, der sich gegen die Ausgrenzung Geflüchteter in Corona-Zeiten wendet. Ein Musikvideo von John Chiti von der sambischen Albinism Foundation macht auf die Rechte von Menschen mit Behinderungen während der Corona Krise aufmerksam.

In der Krise wird schnell nach Schuldigen gesucht, Gruppen werden stigmatisiert und Gerüchte galoppieren. Auch diesen Mythen entgegenzutreten und für Aufklärung zu sorgen. hat sich das Team von STEPS vorgenommen.

 

03.07.2020

Gepostet in: Aktuelles, Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

Junge Menschen und unter ihnen besonders junge Frauen werden im Südlichen Afrika vielfältig politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell diskriminiert. In der Regel bleibt ihnen die aktive Teilhabe an persönlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen verwehrt.  Ihnen eine Stimme zu geben und Chancen ihre Zukunft mitzugestalten ist das Ziel der südafrikanische Organisation STEPS. Mit einem regionalen Netzwerk von NGOs nutzen sie öffentliche Vorführungen von  Dokumentarfilmen, um erfolgreich Sozialen Wandel anzustoßen.

Laurence Dworkin © STEPS

Südafrika ist nach Ägypten das von Corona am meisten betroffene Land Afrikas. Auch eine harte zweimonatige Ausgangssperre konnte die Verbreitung des Virus bisher nicht eindämmen. Am vergangenen Sonntag starb Laurence Dworkin an COVID-19. Er war Filmemacher, Mitgründer und lange Jahre Direktor unserer multinationalen Partnerorganisation STEPS. Ein großer Schock für das Team. Unsere Kooperantin Marianne Gysae schreibt dazu: „Die Medien berichten täglich von steigenden Ansteckungs- und Opferzahlen. Mit Laurences Tod ist das Virus für uns plötzlich zur furchtbaren Realität geworden.“

Umstellung auf Online-Arbeit gelungen

Die Pandemie hat die Arbeitssituation von STEPS grundlegend verändert. Bei den wöchentlichen Videokonferenzen teilen die Mitarbeiter*innen Ideen, wie sie sich auf die neue Realität einstellen und die verschiedenen Netzwerkpartner noch besser unterstützen können. Viele der Aktivitäten lassen sich im Homeoffice bewältigen. So wurden zwei neue partizipatorische Filmprojekte fertiggestellt, die nun online gestartet werden sollen. Gute und völlig neue Erfahrungen sammelte das Team auch bei der virtuellen Projektevaluierung. In der Konzipierung eines Folgeprojekts wird auch die weltweite Corona-Pandemie mit ihren möglichen Langzeitfolgen berücksichtigt.

Mut machen und Austausch befördern

Wie vor dem Ausbruch von Corona, betreuen die STEPS-Mitarbeiter*innen in Kapstadt täglich Netzwerkpartner*innen aus 7 Ländern. Sie machen ihnen Mut und fördern den Austausch untereinander. Sie teilen Informationen zur Prüfung von Krankheitssymptomen auf Covid-19 und Anleitungen zur Herstellung von Masken aus Plastikflaschen bzw. aus Stoffresten. Sie ermutigen die Organisationen des STEPS-Netzwerks, mit der Verbreitung eines Films zu einfachen Gartenbautechniken die Selbstversorgung mit Gemüse zu fördern.

Unterschiedliche Realitäten vor Ort

In Botswana, Südafrika und Uganda gilt eine vollständige Ausgangssperre, so dass alle Filmvorführungen abgesagt werden mussten. In Simbabwe beteiligen sich die STEPS-Netzwerkpartner*innen an einem nationalen Covid-19-Plan. Die Kolleg*innen aus Lesotho berichten, dass sie das Gesundheitsministerium auf dessen Bitte hin dabei beraten, wie die STEPS-Methode bei den Maßnahmen zur Corona-Vorbeugung angewandt werden kann. Die beiden Organisationen in Malawi setzen ihre zielgruppenorientierten Filmvorführungen fort und auch in Sambia gehen die Programmaktivitäten unter Beachtung des Abstandsgebots weiter.

Digitale Filmplattform AfriDocs

Die digitale Filmplattform AfriDocs, ein STEPS-Programm, das von einer Filmstiftung gefördert wird, stellt hochwertige Dokumentarfilme aus Afrika und der ganzen Welt bereit, die Menschen in Quarantäne zur Auseinandersetzung mit wichtigen Themen unserer Zeit animieren.

29.05.2020

Gepostet in: Aktuelles, Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

Junge Menschen und unter ihnen besonders junge Frauen werden im Südlichen Afrika vielfältig politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell diskriminiert. In der Regel bleibt ihnen die aktive Teilhabe an persönlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen verwehrt.  Ihnen eine Stimme zu geben und Chancen ihre Zukunft mitzugestalten ist das Ziel der südafrikanische Organisation STEPS. Mit einem regionalen Netzwerk von NGOs nutzen sie öffentliche Vorführungen von  Dokumentarfilmen, um erfolgreich Sozialen Wandel anzustoßen.

„Die Menschen in den Townships benötigen dringend Nahrungsmittel und Hygieneprodukte. Und für unsere ehrenamtlichen Partner*innen brauchen wir unbedingt Guthaben für Mobiltelefone, damit wir in Kontakt bleiben können“, sagt unsere Fachkraft Marianne Gysae, die mit unserer südafrikanischen Partnerorganisation STEPS zusammenarbeitet.

In Südafrika gilt seit dem 26.03.2020 ein striktes Ausgangsverbot, das gerade noch einmal um 14 Tage verlängert wurde. Präsident Cyril Ramaphosa hat schnell und entschlossen reagiert und die Fallzahlen wachsen noch langsam. Doch es wird befürchtet, dass die Maßnahmen eine rasante Ausbreitung des Virus nicht verhindern können.

Zwar steht das Land als Afrikas stärkste Wirtschaftsmacht immer noch besser da als die meisten anderen Ländern des Kontinents. Die Situation des Gesundheits- und Sozialsystems gibt indes keinerlei Anlass zu Optimismus.

Die Townships trifft es am Härtesten

Für 56 Millionen Südafrikaner*innen gibt es nur rund 90.000 Krankenhausbetten, davon nicht einmal 1.000 Intensivbetten. Weniger als die Hälfte der Südafrikaner*innen in ländlichen Regionen und Townships hat Zugang zu fließendem Wasser. Zum Wassermangel hinzu kommen oft unhaltbare hygienische Zustände. Vom Lockdown ist der informelle Sektor besonders betroffen: Millionen Straßenhändler, Taxifahrer, Müllsammler haben ihre einzige Einkommensquelle verloren.

„Menschen in einem Township haben nicht die geringste Chance, sich physisch zu isolieren, selbst wenn sie sich noch so sehr vor dem Virus fürchten. Das Leben hat keine andere Wahl als weiter zu pulsieren auf staubigen Höfen und von Müll strotzenden Straßen, weil vier oder sechs oder vielleicht noch mehr Menschen in einem Raum leben. Und irgendwie muss irgendjemand die nächste Mahlzeit auf den Tisch bringen”, schrieb Jacques Marais am 10.April im Daily Maverick.

Angesichts einer schweren Wirtschaftskrise hat die Regierung kaum Handlungsspielraum, die angekündigten Maßnahmen umzusetzen, um die gesundheitlichen und sozialen Folgen der Pandemie abzufangen.

STEPS verbreitet Mut und gibt Tipps

Unsere Partnerorganisation STEPS stärkt mit medienpädagogischen Mitteln die Eigeninitiative und Problemlösungskompetenz junger Menschen. Sie verfügt über ein ausgedehntes Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen und Aktivist*innen in Südafrika und den Nachbarländern Zimbabwe, Malawi, Lesotho, Botswana, Sambia und Uganda. In Zeiten von Ausgangssperre und physischer Distanzierung bewähren sich die eingespielten WhatsApp-Gruppen. STEPS-Mitarbeiter*innen machen Mut und geben Ratschläge zur Bewältigung der Corona-Krise auch unter prekären Bedingungen. Zur Veranschaulichung hier eine Nachricht der letzten Tage aus dem STEPS-Office:

„COVID 19 bedroht unsere Lebensmittelsicherheit. Die Pandemie zeigt, wie wichtig nachhaltige Landnutzung ist. Ein kleiner Hausgarten ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wer nur wenig Platz hat, kann auch Pflanzsäcke nutzen. In unserer Bibliothek aus STEPS-Filmen gibt es den Kurzfilm MORRIS’ BAG  – eine Geschichte über Resilienz, nachhaltige Landnutzung und kommunale Lebensmittelsicherheit. Wenn ihr noch Filme vorführen könnt, nutzt diesen Film, um das Thema zu diskutieren. Wer zu Hause bleiben muss, kann ihn mit der Familie teilen und einen Garten anlegen. Wer schon einen Garten hat, schickt uns bitte Fotos.“

Gartenarbeit im Township.

Angesichts geschlossener Märkte und gähnender Leere in den Haushaltskassen ist jeder Beitrag zur Selbstversorgung willkommen.

Cape Town Together

Unsere Mitarbeiterin Marianne Gysae engagiert sich auch privat im Rahmen der Aktion Cape Town Together. Zusammen mit Nachbar*innen unterstützt sie die Initiative in Zwelitsha im Kayelisha Township. Sie berichtet, dass schon nach einigen Tagen die ersten 43 Hilfspakete in der Partnergemeinde verteilt werden konnten.

Nachbarschaftsinitiative beschafft Hilfspakete für Partnergemeinde. Quelle: https://www.facebook.com/TamboerskloofCAN/

Dass viele Bewohner*innen aus privilegierten Stadtteilen jetzt mit Initiativen in armen Gebieten zusammenarbeiten, macht ihr Mut! Und erinnert an die vielen Nachbarschaftsinitiativen, die sich bei uns gebildet haben, an Lebensmittelspenden an Zäunen und an Migrant*innen, die für Obdachlose kochen.

So einfach können Sie jetzt helfen!

50 Euro Spenden Mobiltelefon-Prepaid-Karten für 35 Kolleg*innen zur Corona-Aufklärung.
150 Euro Spenden 60 Flaschen Desinfektionsmittel, 160 Papierhandtuchboxen und 10 Flaschen Reinigungsmaterial.

Weitersagen und globale Solidarität stärken!

Einen Link zu teilen, kann viel bewirken! Mit nur wenigen Klicks teilen Sie unseren Aufruf mit ihrer Familie, Freunden und Kolleg*innen. Einfach kopieren und weitersagen:

https://weltfriedensdienst.de/corona-gemeinsam-stoppen

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Der Weltfriedensdienst e.V. ist unter der Steuer-Nr. 27/681/51497 als gemeinnützig anerkannt und von der Körperschaftssteuer befreit.

Das DZI-Spendensiegel bescheinigt uns den transparenten und sparsamen Umgang mit Ihren Spendengeldern. Selbstverständlich stellen wir Ihnen eine Spendenquittung aus.

Sie erreichen uns per E-Mail an info@weltfriedensdienst.de oder per Telefon unter +49-30-253-9900. Unsere Adresse lautet: Weltfriedensdienst e.V., Am Borsigturm 9, 13507 Berlin.

 

17.04.2020

Gepostet in: Aktuelles, Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

Junge Menschen und unter ihnen besonders junge Frauen werden im Südlichen Afrika vielfältig politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell diskriminiert. In der Regel bleibt ihnen die aktive Teilhabe an persönlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen verwehrt.  Ihnen eine Stimme zu geben und Chancen ihre Zukunft mitzugestalten ist das Ziel der südafrikanische Organisation STEPS. Mit einem regionalen Netzwerk von NGOs nutzen sie öffentliche Vorführungen von  Dokumentarfilmen, um erfolgreich Sozialen Wandel anzustoßen.

Bislang sind die Fallzahlen niedrig in Südafrika. Doch was passiert, wenn das Corona-Virus die Townships und überfüllten Innenstädte erreicht? Zwar ist die Bevölkerung Südafrikas sehr jung, 90 Prozent sind jünger als 60 Jahre. Viele Menschen sind jedoch durch das Immunschwäche auslösenden HI-Virus oder die Lungenkrankheit Tuberkulose gesundheitlich belastet. Geschätzte sieben Millionen Südafrikaner*innen sind HIV-positiv. Davon zwei Millionen nicht in Behandlung. Möglichkeiten zur Selbstisolation gibt es in den Townships nicht.

Corona-Quarantäne im Township?

Wie kann ich mich in einem Township, in einer Blechhütte voll Menschen, selbst unter Quarantäne stellen? Wie fülle ich Vorräte auf, wenn ich von der Hand in den Mund lebe? Was bedeuten Schließungen von Geschäften für Tagelöhner? Ich frage stellvertretend für einen ganzen Kontinent.“ – Everjoice Win, Twitter (Link)

Mehr als 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid ist Südafrika immer noch eines der Länder mit der größten Ungleichheit auf der Welt. Dies wird besonders bei der Gesundheitsversorgung deutlich. 82 Prozent der in Südafrika lebenden Menschen haben keine Krankenversicherung und sind auf öffentliche Kliniken und Krankenhäuser angewiesen. Diese Einrichtungen sind überfüllt, unterbesetzt und nicht ausgestattet, um auf Infektionskrankheiten in diesem Ausmaß zu reagieren.

Fachkraft Marianne Gysae-Edkins berichtet aus Kapstadt

Unsere Fachkraft Marianne Gysae-Edkins hat sich nach ihrer Rückkehr aus Deutschland selbst unter Quarantäne gestellt. Ihre Kolleg*innen arbeiten möglichst von zu Hause. Ärmere Südafrikaner*innen jedoch nehmen die überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel, um zu ihrer Arbeit zu kommen. Südafrika hat strenge Reisebeschränkungen für alle verhängt. Grenzen zu Nachbarländern, viele Häfen und Schulen sind geschlossen und die Menschen aufgefordert, soziale Kontakte möglichst zu reduzieren. Die Versammlungsfreiheit wurde eingeschränkt. „Die Menschen, die keinen Zugang zum guten wie teuren privaten Gesundheitssystem haben, wird es am härtesten treffen. Das sind die Armen in den Townships.“ sagt Marianne am Telefon. „Daher ist der Ansatz der südafrikanischen Regierung genau richtig, auch mit drastischen Maßnahmen die Ausbreitung so weit wie möglich zu verlangsamen.“

 

Moderierte Filmvorführungen stärken verantwortliches Handeln © STEPS

 

Unsere südafrikanische Partnerorganisation STEPS hat öffentliche angeleitete Filmvorführungen und eine für Mai geplante Konferenz von Menschenrechtsaktivist*innen verschoben. Ein Schwerpunkt der Arbeit von STEPS und der Partner*innen ist es, verantwortliches Handeln zu stärken – als einzelner sich selbst und anderen in der Gemeinschaft gegenüber.

Solidarität statt Panikkäufe und Panikposts

Verantwortliches Handeln fordert auch die Südafrikanerin Theodorah Manjo. Sie veröffentlicht auf Facebook (Link) eine Mitteilung an die Privilegierten:

Bitte denken Sie daran, dass es in Südafrika über 31 Millionen Menschen gibt, die keine „Panikkäufe“ tätigen können, wie Sie es gerade tun. Wenn Sie also die Tücher, die Desinfektionsmittel, das verdammte Toilettenpapier benutzen, denken Sie an diejenigen, die am Freitag auf den Lohn warten müssen, um wenigstens einen dieser Artikel zu bekommen, […] Machen Sie sich bewusst, dass eine schlechte Gesundheitsversorgung für Millionen Menschen in diesem Land täglich Realität ist!

Genauso wenn Sie Ihre Hände für 20 Sekunden am Stück waschen, mit laufendem Wasserhahn, 12 Mal am Tag… Es gibt Gegenden, die nur von 4 Uhr morgens bis 6 Uhr morgens Wasser bekommen […] und für den Rest des Tages keinen Tropfen haben. Das sind nur ein paar Dinge zum Nachdenken, während Sie Ihre Panikposts teilen.“

20.03.2020

Gepostet in: Aktuelles, Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten

Junge Menschen und unter ihnen besonders junge Frauen werden im Südlichen Afrika vielfältig politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell diskriminiert. In der Regel bleibt ihnen die aktive Teilhabe an persönlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen verwehrt.  Ihnen eine Stimme zu geben und Chancen ihre Zukunft mitzugestalten ist das Ziel der südafrikanische Organisation STEPS. Mit einem regionalen Netzwerk von NGOs nutzen sie öffentliche Vorführungen von  Dokumentarfilmen, um erfolgreich Sozialen Wandel anzustoßen.

Jungen Menschen im südlichen Afrika wird soziale und wirtschaftliche Teilhabe verwehrt

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Das südliche Afrika ist die Region mit der jüngsten Bevölkerung auf der Welt. 35% seiner BewohnerInnen sind zwischen 15 und 24 Jahren alt.

Diese Generation ist überdurchschnittlich von Armut, Krankheit (besonders HIV/Aids), schlechten Bildungschancen und Arbeitslosigkeit betroffen. Ihre Lebensgrundlage ist direkt durch Umweltzerstörung und die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen bedroht.

Jugendliche und unter ihnen besonders Mädchen und junge Frauen werden vielfältig politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell diskriminiert. Ein hoher Prozentsatz, der im südlichen Afrika lebenden jungen Frauen hat bereits sexuelle Gewalt erfahren müssen.

Auch junge Homo- und Bisexuelle, Transgender und Intersexuell orientierte Menschen sind Diskriminierung und gezielten Übergriffen ausgesetzt. Vergewaltigungen und Morde an jungen lesbischen Frauen, geschehen beispielsweise beinahe täglich. In Malawi, Zimbabwe oder Sambia können sexuelle Minderheiten bis zu 11 Jahren Haft erhalten.

Ein ausgeprägtes gesellschaftliches Senioritätsprinzip verhindert, dass Erfahrungen, Eindrücke und Sichtweise junger Menschen Gehör finden, sowohl in persönlichen Lebensentscheidungen als auch in gesellschaftlichen Prozessen. Damit wird auch ihr Potential für die Entwicklung in der Region unterdrückt.

Folgen sind eine weit verbreitete Perspektivlosigkeit und Frustration unter jungen Menschen und ihre Migration besonders in die Armutsviertel von Städten mit all ihren Problemen im Bezug auf Gesundheit, Lebensumstände und Lebenschancen und Gewalt. Dabei greifen soziale, politische und familiäre Gewalt ineinander.

Dokumentarfilme für sozialen Wandel im südlichen Afrika

STEPS bearbeitet diese Probleme junger Menschen in sieben Ländern des südlichen Afrika (Lesotho, Botswana, Sambia, Simbabwe, Malawi, Uganda und Südafrika) mit einem regionalen Netzwerk von Selbsthilfeinitiativen junger Menschen und Nichtregierungsorganisationen, die sich für die Belange junger Menschen einsetzen. Dabei setzt STEPS regional produzierte Dokumentarfilme ein, damit junge Menschen in ihren Gemeinden mit Gleichaltrigen aber auch  EntscheidungsträgerInnen offen diskutieren über Ursachen und Lösungsmöglichkeiten ihrer Probleme.

Diese Diskussionen zielen auf die Aktivierung junger Menschen im Wirkungskreis der Selbsthilfeinitiativen und NGOs und stärken deren Wissen und Bewusstsein über Rechte und Verantwortung als BürgerInnen. Sie lernen ihre Meinung frei zu vertreten und erfolgreich Beteiligungsrechte einzufordern und erhalten den dafür notwendigen Raum. Dabei werden sie bestärkt, nach Lösungen für ihre Probleme und die ihrer Gemeinden zu suchen sowie eigenständige informierte Entscheidungen zu treffen, die ihr eigenes Leben und das der Gemeinschaft angehen.

20.05.2018

Gepostet in: Südliches Afrika: Stärkung von Menschen- und Bürgerrechten