Wald schützen
In Deutschland und weltweit

Früher war Europa fast vollständig von Wald bedeckt. Erst mit Beginn der Zivilisation, also den ersten festen europäischen Siedlungen, fingen die Menschen an, den Wald zu roden. Das ist zwar mehrere Tausend Jahre her, zeigt aber gut, wie groß unser Einfluss auf Natur und Umwelt ist. Gleichzeitig sind Wälder auch unsere Lebensversicherung, sie versorgen uns mit Sauerstoff und stabilisieren das Klima. Deswegen ist es besonders wichtig, dass wir sie erhalten. Und das nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt!

Was Sie für den Schutz der Wälder tun können

Stadtbäume gießen

Bäume in der Stadt und am Straßenrand werten nicht nur das Stadtbild auf, sie spenden auch Schatten, senken ihre Umgebungstemperatur und speichern C0₂. Besonders in der Nähe von Straßen helfen sie, die Luft zu verbessern, indem sie Feinstaub und andere Schadstoffe binden. Manche der winzigen Partikel bleiben an Blättern oder Rinde kleben, andere werden über winzige Poren, die Spaltöffnungen der Blätter, aufgenommen.

Durch immer höhere Temperaturen und geringere Niederschläge geraten die Bäume zunehmend in Trockenstress. Dagegen hilft vor allem Wasser, aber auch eine effektive Klimapolitik muss unsere Stadtbäume retten. Das können Sie bei Wahlen bedenken und bis dahin Ihre Stadtbäume gießen.

Wenn gießen, dann richtig:

  • Damit das gegossene Wasser nicht gleich wieder verdunstet, wird am besten früh morgens oder spät abends gegossen, wenn es nicht so heiß und sonnig ist.
  • Ein Gießrand um die Baumscheibe (ein kleiner Erdwall) verhindert, dass das Wasser auf die Straße läuft.
  • Das Wasser kann besser einsickern, wenn die Erde vorher schon einmal angefeuchtet und gehackt wurde.
  • Wenn gießen, dann richtig: so viel Wasser gießen wie versickert, gerne 50 Liter oder mehr, wenn es heiß ist. Achtung: Werden regelmäßig kleine Mengen Wasser gegeben, entwickelt der Baum nur oberflächliche Wurzeln, die schneller trockenfallen und den Baum bei Trockenheit nicht mehr versorgen können. Testweise einfach nach dem Gießen mal mit dem Finger bohren, wie tief die Erde nass ist.
  • Eine Bepflanzung der Baumscheibe kann die Verdunstung reduzieren. Damit die Pflanzen nicht mit dem Baum um Wasser und Wurzelraum konkurrieren, kleine Stauden oder einjährige Pflanzen setzen.

Aber ist Stadtbäume-Gießen nicht Wasserverschwendung? Regenwasser ist zum Gießen grundsätzlich besser geeignet als Trinkwasser. In den meisten Städten verschwindet der Regen aber in der Kanalisation, bevor er den Bäumen zugutekommt. Bis die Kanalisation entsprechend angepasst wird, bleibt in der Stadt kaum eine andere Möglichkeit, als mit Trinkwasser zu gießen. Und die Stadtbäume können nicht so lange warten, bis städtisches Regenwasser für sie gesammelt wird.

Kurz und knapp: Wenn gießen dann richtig, am besten früh oder spät, einen angefeuchteten Boden, der das Wasser besser aufnimmt.

Weitere Möglichkeiten

Gefährdete Bäume erkennen

Wasser und Wald sind für uns Menschen zwei sehr wichtige Ressourcen. Wir trinken Wasser und erzeugen damit unsere Lebensmittel. Holz dient uns als Baustoff und Energieträger. Die beiden Ressourcen sind auch miteinander verknüpft. Unsere Forsten, also nicht natürlich gewachsene Nutzwälder, sind durch die vergangenen Dürrejahre in Bedrängnis geraten. Den Bäumen fehlt das Wasser, wodurch sie geschwächt und angreifbarer für Schädlinge und Krankheiten werden. Urwälder, also natürlich gewachsene und vom Menschen weitestgehend unberührte Naturräume, verkraften Dürren besser. Sie speichern und reinigen Niederschlagswasser wie kein anderes Ökosystem und binden große Mengen CO₂. Durch ihre außergewöhnliche Artenvielfalt sind sie besonders klimaresistent, denn die Lebewesen schützen einander. Viele seltene Arten gedeihen in sterilen Wirtschaftswäldern nicht. Monokulturen sind besonders anfällig, weil sich Schädlinge und Krankheiten ungebremst von Baum zu Baum ausbreiten können und so in kürzester Zeit den ganzen Wald vernichten. Um das zu verhindern, werden in Monokulturen viele Pestizide eingesetzt, die auch in Grundwasser gelangen können und es verschmutzen.

So erkennen Sie Bäume, die unter Wasserstress stehen: Die Auswirkungen der Dürrejahre auf unsere Wälder und Forsten können Sie auch selbst beobachten. Folgende Krankheitsbilder entstehen unter anderem durch Wasserstress und Trockenperioden:

  • Aufgeplatzte Rinde: Aufgrund von starken Temperaturschwankungen können Rinde und Stamm aufreißen. Das erschwert den Wassertransport in die Baumkrone und der Baum bekommt weiteren Wasserstress. Durch die Risse kommt es viel schneller zu Schädlingsbefall.
  • Rußrindenkrankheit: Durch heiße und trockene Sommermonate begünstigt, kann sich der Pilz in schwächelndem Holz ansiedeln, das erscheint dann wie verkohlt. Der Pilz schadet nicht nur dem Baum, sondern er ist auch für uns Menschen Gesundheitsschädlich. Betroffen sind überwiegend Ahornarten.
  • Kronenverlichtung: Die Vitalität bzw. der Schädigungsgrad eines Baumes stehen in enger Beziehung zu der Dichte der Baumkrone. Abweichungen vom Normalzustand weisen auf Störungen hin. Die Ursachen können unterschiedlich sein. Klar ist, dass witterungsbedingte Einflüsse, die durch den Klimawandel immer extremer werden, großen Einfluss auf die Gesundheit unserer Bäume und Wälder haben.
  • Vogellöcher im Stamm: Vögel, die in Stammlöchern nisten, sind meist ein Zeichen für morsche Baumstämme. Der Specht lässt sich besonders gern in den weichen Stämmen nieder. Ist ein Baum morsch, stirbt er bald. Morsch werden Bäume, wenn ihr Immunsystem angegriffen ist und durch den Befall einer Krankheit.
  • Borkenkäfer: Der Borkenkäfer ist zu einem großen Problem in Deutschland geworden. Durch die Trockenperioden der letzten Jahre konnte er sich besonders gut verbreiten. Im frühen Stadium ist der Befall an kleinen Bohrlöchern, abgeknickten und toten Triebbereichen erkennbar. Ist der Befall fortgeschritten, wird die Baumkrone blasser und die Rinde lässt sich lösen. Dann sind Fraßspuren und Larven deutlich zu erkennen.

Wussten Sie schon? Nur noch 3 % der EU-Waldflächen sind Urwälder und sie sind bedroht. Um Wirtschaftsflächen zu schaffen finden auch in der EU immer wieder illegale Rodungen statt. Deswegen ist es besonders wichtig, auf zertifizierte Holz- und Papierprodukte zu achten. Mehr dazu gibt es unter Waldfreundlich einkaufen (siehe unten).

Testen Sie Ihr Wasser-Wissen! In unserem Online-Quiz auf https://wfd.de/wasser/

Beiträge in sozialen Medien veröffentlichen

Für mehr globale Gerechtigkeit hat der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) den Hashtag #weltweitwichtig geschaffen. Jede*r ist eingeladen, eigene Beiträge zur digitalen Aktion zu veröffentlichen.

„Unsere Botschaft ist deutlich: Uns ist es nicht egal, was in anderen Teilen der Welt passiert. Wir zeigen mit der Aktion, was #weltweitwichtig ist und fordern eine nachhaltige Politik, die alle mitnimmt“, erklärt Dr. Bernd Bornhorst, Vorstandsvorsitzender von VENRO.

Der Weltfriedensdienst unterstützt die Aktion mit vielen eigenen Beiträgen in Facebook und Instagram. Dabei fordern wir auch weltweit mehr Waldschutz.

Was ist Ihnen weltweit wichtig? Nutzen Sie den Hashtag #weltweitwichtig und markieren Sie unser Profil in Ihrem Beitrag, damit wir reagieren können!

Regenwald-Projekte unterstützen

Der Amazonas-Regenwald wird auch die grüne Lunge unserer Erde genannt. Er versorgt große Teile Südamerikas mit Regenwasser1https://wfd.de/thema/fliegende-fluesse und bindet große Mengen an CO₂2Zeit Online: Faktencheck – Der Amazonas-Regenwald als „grüne Lunge“ und Klimaretter, online unter: https://www.zeit.de/news/2019-08/23/der-amazonas-regenwald-als-gruene-lunge-und-klimaretter, letzter Abruf: 11.05.2021, 16:00 Uhr.. Doch durch Rodungen und Waldschädigungen wird der Regenwald dezimiert. Schon seit einem Jahrzehnt stößt der brasilianische Amazonas-Regenwald mehr CO₂ aus, als er binden kann.3Qin, Y., Xiao, X., Wigneron, JP. et al. Carbon loss from forest degradation exceeds that from deforestation in the Brazilian Amazon. Nat. Clim. Chang. 11, 442–448 (2021). Online unter: https://doi.org/10.1038/s41558-021-01026-5. Der Wald ist demnach ein Netto-Emittent und verstärkt den Klimawandel. Ändern wir als Menschheit nicht unser Verhalten, steuert der Amazonas auf seine Zerstörung zu, denn er ist eines der wichtigsten Kippelemente unserer Erde. Werden 20 bis 25 % seiner Fläche abgeholzt, entsteht irreversibler Schaden und das Ökosystem bricht in sich zusammen.4Thomas E. Lovejoy, Carlos Nobre: The Amazon Tippig Point, in: Science Advances 21 Feb 2018: Vol. 4, no. 2, eaat2340. Online unter: https://advances.sciencemag.org/content/4/2/eaat2340, DOI: 10.1126/sciadv.aat2340. Bis jetzt sind knapp 20 % der Waldfläche verschwunden,5https://en.wikipedia.org/wiki/Deforestation_of_the_Amazon_rainforest#Loss_rates nach: Rhett A. Butler: Calculating Deforestation Figures for the Amazon, April 24, 2018 [aktualisiert: Jan 4, 2020], online unter: https://rainforests.mongabay.com/amazon/deforestation_calculations.html, letzter Abruf: 11.05.2021, 16:00 Uhr. das ist zu nah an der kritischen Grenze.

Der Amazonas-Regenwald ist nicht nur ein einzigartiges und wertvolles Ökosystem. Allein im peruanischen Teil leben mindestens 1.340 indigene Gemeinden, die auf ihren Wald angewiesen sind.6https://www.forestpeoples.org/en/partner/asociacion-interetnica-de-desarrollo-de-la-selva-peruana-aidesep

In der peruanischen Mythologie sind die Kapokbäume („Lupuna“ genannt) die schützenden Geister des Regenwaldes.7http://www.iquitostimes.com/legend-of-the-lupuna-tree.htm Doch gegen illegale Rodungen können die Lupunas wenig ausrichten. Unsere Partnerorganisation Kené verfolgt Menschenrechts- und Umweltschutzverletzungen juristisch und verteidigt die Rechte der Einwohner*innen. 2019 ist ein historischer Durchbruch gelungen: eine Kakaofirma musste wegen illegaler Rodungen 4 Millionen Euro Strafe an den peruanischen Staat zahlen.

Aufgrund einer Klage eines großen Kakaokonzerns verurteilte der Strafgerichtshof in Lima Lucila Pautrat, Direktorin von Kené, zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe auf Bewährung sowie einer Geldstrafe. Dieses Gerichtsurteil ficht Lucila Pautrat an! Um sie dabei zu unterstützen, haben wir eine Spendenaktion gestartet (mittlerweile beendet). Mehr über das Projekt: Regenwald schützen in Peru.

Waldfreundlich einkaufen

Wussten Sie schon, dass die EU für 16 % der Rodungen tropischer Wälder verantwortlich ist? Die EU ist also die weltweit zweitgrößte Verursacherin von Tropenwald-Rodungen. Nur China verursacht noch mehr Abholzung, das aber auf dreimal so viele Menschen verteilt.8WWF: Die Waldzerstörungs-Rangliste, online unter: https://www.wwf.de/2021/april/die-waldzerstoerungs-weltrangliste, letzter Abruf: 21.04.2021, 17:00 Uhr.

Das können Sie tun, um mit Ihrem Einkaufsverhalten die Regenwälder zu schützen:

 

 

Engagement des Weltfriedensdienst e.V.

In Peru unterstützen wir, gemeinsam mit Rettet den Regenwald e. V., die lokale NGO Kené. Unsere peruanische Partnerorganisation geht juristisch gegen illegale Regenwaldrodungen vor. Kené dokumentiert Menschenrechts- und Umweltschutzverletzungen und bringt diese vor Gericht. Das schützt nicht nur den Amazonas-Regenwald, sondern auch die lokale Bevölkerung.

Unsere Partnerorganisation PORET hat in Simbabwe einen Waldgarten angelegt. Hier können lokale Kleinbäuer*innen voneinander lernen, wie sie ihre Felder wieder fruchtbar und widerstandsfähig gegen die Klimakrise machen können. Das Projekt zeigt den Kleinbauernfamilien damit einen klaren Weg aus chronischer Armut, Hunger und Umweltzerstörung.

Ebenfalls in Simbabwe engagiert sich COTRAD mit unserer Unterstützung für sozialen Zusammenhalt und gegen politisch motivierte Gewalt. Dabei können Gemeindemitglieder in einer eigens aufgebauten Baumschule arbeiten. Das bringt nicht nur fehlendes Feuerholz, es entschärft so lokale Konflikte und ist gut für das gemeinschaftliche Klima.

Mit unserem Aktionsprogramm act4change bieten wir für Schulen auch den „Zukunft pflanzen“-Workshop zu Wasser und Wald an. Dort lernen die Schüler*innen unter anderem über die Bedeutung der Wälder für Artenvielfalt, Wasser und Klima und, was Wälder mit der weltweit gerechten Verteilung von Wasser zu tun haben.

Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützen wir Menschen, ihre Lebensumstände aus eigener Kraft zu verbessern. Als gemeinnützige Organisation der Entwicklungszusammenarbeit sind wir in mehr als 20 Ländern rund um den Globus aktiv.