Schutz von Urwald in Simbabwe
Weltfriedensdienst e.V.

Der Weltfriedensdienstplant führt seit Januar 2019 ein neues Projekt mit der lokalen bäuerlichen Selbsthilfeinitiative TSURO in Simbabwe durch. Dabei ist die Komponente Schutz von Wassereinzugsgebieten und damit Wald- und Biodiversitätsschutz zentral.

Bedrohung der südlichsten Urwaldregion Afrikas

Die Älteren erzählen, dass es früher Wasser in Fülle gab, die Quellen sprudelten aus den Bergen. Selbst das heute ausgetrocknete Flachland war dicht bewaldet, überall konnte man Früchte pflücken, die Flüsse waren reich an Fischen, es gab eine Fülle an Wildtieren. Baobab-Bäume dienten als Schutz und die Baumgruppen an Flüssen und Quellen waren geheiligte Haine, die nie von Buschfeuern bedroht waren. Es gab keinen Mangel an Nahrungsmitteln.

Heute ist nur noch ein Drittel der Fläche des Chimanimani-Distriktes , etwa 110.000ha von Urwald bedeckt. Davon ist ein kleiner Teil immergrüner Tropenwald und gehört damit zum südlichsten Urwald Afrikas. Hier gibt es die meisten der insgesamt 2182 bekannten Pflanzenarten. Das sind über 30% der in Simbabwe vorkommenden Arten. Davon sind 60 endemisch und kommen nur hier vor. Aufgrund der klimatischen Vielfalt und der damit einhergehenden Vielfalt an Lebensräumen sind in der Region 198 Vogelarten und mindestens 35 Säugetierarten heimisch.

Diese Vielfalt ist stark gefährdet. Die Degradation der Urwälder und damit von Wasser- und Bodenressourcen setzte ein mit den Zwangsumsiedlungen in der Kolonialzeit. Für die kommerzielle Landwirtschaft, Holzplantagen sowie größere Nationalparks wurden die meisten Menschen der Region zwangsumgesiedelt. Auf über 150.000ha der Fläche wurden „exotische“ Bäume wie Wattle, Pinien und Eukalyptus angepflanzt. Diese Monokulturwälder können die biologische Funktion von natürlich gewachsenem Urwald mit seiner hohen Artenvielfalt nicht ersetzen. Mit ihren tiefen Wurzeln und hohem Wasserbedarf stören sie die Wasserverfügbarkeit für flacher wurzelnde indigene Bäume und haben einen negativen Einfluss auf den Grundwasserspiegel.

Auf den knappen Flächen, die der einheimischen Bevölkerung zugewiesen wurden, setzte im letzten Jahrhundert ein starkes Bevölkerungswachstum ein. Automatisch erhöhte sich so der Druck auf die natürlichen Ressourcen, insbesondere den Wald. Wald wird abgebrannt, um Weide- und Ackerflächen zu gewinnen oder abgeholzt für Baumaterial und Feuerholz. Damit setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang, denn nur kurzfristig kann auf dem neu gewonnenen Land Ackerbau oder Weidewirtschaft betrieben werden. Bodenerosion und versiegende Quellen zwingen die Menschen, schnell wieder neue Flächen zu entwalden. Busch- und Waldbrände werden nicht nur bewusst gelegt, um neue Bewirtschaftungsflächen zu schaffen, sondern sind auch die Folge von Achtlosigkeit.

Die Abholzung der besonders üppigen Ufervegetation zerstört den Lebensraum von vielen Tierarten. Gleichzeitig wird das Ufer destabilisiert und Erde rutscht in die Flüsse. Als Ergebnis nimmt die Tiefe des Gewässers ab. Die Menschen in Chimanimani sehen in der Versandung ihrer Flussläufe eine der Hauptursachen dafür, dass die Flüsse in der Trockenzeit kein Wasser mehr führen. Die
Wassertemperatur steigt an, die Algen wachsen, die Fische sterben.

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts verringerten sich die Niederschläge im Zuge des Klimawandels deutlich. Verstärkt wurde der Effekt durch die Störung des Mikroklimas als Folge des Verlustes an Vegetation durch unangepasste Landbewirtschaftung, einschließlich Busch- und Waldbrände.

Konkrete Maßnahmen zum Schutz des Waldes

Ein Ziel des Projekts ist die Wiederherstellung des Urwalds sowie die Schaffung alternativer Einkommensquellen für die Bevölkerung, um den Urwald vor Brandrodung und Abholzung zu bewahren.

In Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden und traditionellen Autoritäten werden in 21 von 23 Bezirken des Distriktes Schutzgebiete festgelegt, durch die Behörden ausgewiesen und Verstöße gegen die Verordnungen bestraft.

Hier die wichtigsten Maßnahmen:

  1. Geplant ist Aufklärungsarbeit, um den Nutzen der Schutzgebiete und ihre Funktionsweise zu erklären. Das schließt Aufklärung gegen Buschfeuer und den Einsatz von Feuerwächtern ein, um insbesondere die verheerenden Waldbrände einzudämmen.
  2. Wiederbelebung des kulturellen Naturschutzerbes. Verschiedene Baumarten und Plätze gelten traditionell als heilig, insbesondere an Ufern oder in Quelleinzugsgebieten. Wie früher sollen heilige Haine (Makwasha) nicht mehr abgeholzt oder niedergebrannt werden.
  3. Aufforstung mit indigenen Baumarten (z.B. Bananen, die Grundwasser mit ihrem Wurzelwerk nahe der Erdoberfläche halten), insbesondere in Quellbereichen, entlang von Flussläufen und in der Nähe von Siedlungen. Damit werden Quellen, Bach- und Flussläufe stabilisiert.
  4. Schaffung alternativer Einkommens- und Ernährungsquellen durch Wiederbelebung der Nutzung von trockenresistenten traditionellen Kulturen wie Hirse. Förderung nachhaltiger Nutzung von Waldprodukten, wie Honig, Medizinpflanzen, Feuerholz, Wildfrüchten, Pilzen, Tieren, Bauholz und Fasern. Wird der lebensbedrohliche Mangel der Menschen überwunden, sind sie nicht mehr gezwungen, ihr Überleben durch den kurzfristigen Raubbau an den Wäldern zu sichern.
  5. In mehreren Gebieten wurde mit der Wiederherstellung von Erosionsrinnen begonnen.
  6. Sehr schnelle Erfolge zeigte auch das Fällen von nicht heimischen Bäumen wie Eukalyptus.
  7. Einführung agrarökologischer Methoden wie Terrassierung, Agroforestry und nachhaltiges Weidemanagement um Degradation von bewirtschafteten Flächen zu reduzieren. Methoden der Wasserernte, Mulchen und Tropfenbewässerung helfen, Wasser zu sparen.

Spenden Sie jetzt!

10.000 m² Urwald zu schützen bzw. wiederaufzuforsten (= ein Fußballfeld) kostet 3.000 Euro. Mit einem Euro retten sie 3,33 m² Urwald.

1 zweitägiges Treffen von 20 Gemeinde- und Behördenvertretern zur Einigung auf gemeinsame Regeln zum Waldschutz kostet 700 €.

Mit 1.000 € können wir 666 Setzlinge von indigenen Bäumen á 1,50 Euro zur Wieder-aufforstung zerstörter Wassereinzugsgebiete anschaffen und verteilen.

Für Workshops mit 20 Teilnehmer*innen aus Umweltaktionsgruppen zur nachhaltigen Nutzung des Waldes durch Bienenhaltung benötigen wir 1.300 € pro Jahr.

Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützen wir Menschen, ihre Lebensumstände aus eigener Kraft zu verbessern. Als gemeinnützige Organisation der Entwicklungszusammenarbeit sind wir in mehr als 20 Ländern rund um den Globus aktiv.