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Wie können ländliche Regionen einbezogen werden?

Laos gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. (Least Developed Countries, LDC). Als Binnenstaat grenzt es an Thailand, Myanmar, China, Vietnam und Kambodscha. Das Land ist geprägt durch Diversität an ethnischen Gruppen, die ihre Kultur und Sprachen teilweise bewahrt haben. Laos möchte die Gruppe der LDC bis 2020 verlassen. Entsprechende Pläne für die Erreichung dieses Ziels wurden im 8. Fünfjahresplan für Nationalsozioökonomische Entwicklung für 2016-2020 festgelegt. Dieser Fünfjahresplan zielt darauf ab, das nationale Wirtschaftswachstum zu beschleunigen, um damit Grundlagen für die künftige Industrialisierung und Modernisierung des Landes zu schaffen. Laos verzeichnete 2015 ein Wirtschaftswachstum von 6,4 %, das aber im Wesentlichen in den Zentren zu spüren ist.
An diesem Wirtschaftswachstum können vor allem jene, die in den ländlichen Gebieten- und Bergregionen leben nicht teilhaben. Das betrifft jedoch 71 % der Gesamtbevölkerung. Die Menschen in den abgelegenen Regionen sind weitgehend vom Arbeitsmarkt und von lokalen Entwicklungschancen ausgeschlossen.


Sie haben nur begrenzte Möglichkeiten, sich an der Geldwirtschaft zu beteiligen und sind der Gefahr ausgesetzt, als billige Arbeitskräfte in Plantagen und Fabriken ausgenutzt zu werden oder in die Städte und die Nachbarländer abwandern zu müssen. Der Anteil an jungen Frauen, die durch Trafficking ausgebeutet werden, nimmt zu. In den ländlichen Gebieten erreicht das laotische Bildungssystem die Bevölkerung nur unzureichend. Offiziell besuchen 94 % der Kinder die Grundschule, aber nur ca. 50 % beenden die fünfte Klasse. Aber auch nach diesem Abschluss können viele Kinder nur ansatzweise schreiben und rechnen. Insbesondere sind die Mädchen betroffen, die oftmals nur ein oder zwei Jahre die Schule besuchen können, da sie in der Familie helfen müssen. Hinzu kommt, dass die Unterrichtsqualität auf Grund schlecht ausgebildeter Lehrer methodisch und aus Sicht der Wissensvermittlung mangelhaft ist.
Weiterhin wirkt erschwerend, dass die Unterrichtssprache laotisch, durch die meisten Kinder aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen erst erlernt werden muss.

Laden im Dorf eröffnet wirtschaft Laos

Ein Dorfbewohner konnte ein eigenes Geschäft eröffnen

Das Projekt „Dorfentwicklung durch non-formale Berufsbildung“ ist ein Projekt des Weltfriedensdienstes und zielt darauf ab, gerade diesen jungen Menschen, die nur eine rudimentäre Schulbildung erhalten haben und meist ethnischen Minderheiten angehören, eine handwerkliche Berufsbildung zu ermöglichen, um damit in ihren Dörfern lokale Dienstleistungen anbieten zu können, Einkommen zu erwirtschaften und so zur Befriedigung von Grundbedürfnissen und zu dörflicher Entwicklung beizutragen.
In Kooperation mit der German Lao Association for Development (GLAD) in Vientiane, wurde das Projekt im Sommer 2014 in den südlichen Provinzen Sekong und Saravan begonnen. Der Weltfriedensdienst vermittelte eine Kooperantin, die GLAD bei der Umsetzung berät und unterstützt.
Basierend auf früheren Projekten arbeitet GLAD eng mit Abgeordneten des Nationalparlaments zusammen, insbesondere mit dem Ausschuss für ethnische Minderheiten. Mit diesen Partnern konnte schnell Zugang zu den Dörfern hergestellt werden. Nachteilig erwies sich aber, dass bis zum heutigen Tag kein MoU mit einer laotischen Regierungsorganisation verhandelt werden konnte, so dass für die weitere Umsetzung in den Dörfern keine Partner zur Verfügung standen und das Projekt im Wesentlichen durch GLAD etabliert wurde. Nach Informationsveranstaltungen in den Dörfern und
in Zusammenarbeit mit den Ortsvorstehern, den Dorfkomitees und den Familien, können sich interessierte junge Männer und Frauen melden. Sie werden an die Berufsschulen in der Provinzstadt vermittelt, wo sie eine informelle, ca. vier monatige, handwerkliche Ausbildung erhalten.
In den Dörfern muss ein Bedarf an der entsprechenden Handwerksrichtung bestehen, d. h. es sollen nur Handwerke erlernt werden, die im Dorf benötigt werden. Nach den Kursen erhalten die jungen Leute zusätzlich einen mehrtägigen kaufmännischen Kurs, in dem Grundlagen zu Preiskalkulation, Kostenermittlung und Ausschreibungen vermittelt werden. Die Junghandwerker können auf Kreditbasis eine Startbeihilfe zur Einrichtung ihrer Werkstätten erhalten, wobei ihnen kein Bargeld sondern die Grundausstattung für das entsprechende Handwerk übergeben wird. So konnten im Laufe der letzten zwei Jahre 43 junge Männer und Frauen ihr eigenes dörfliches Handwerk beginnen.

19.12.2016

Gepostet in: Laos: Dorfentwicklung fördern