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Vor einem Jahr traf Wirbelsturm Idai Chimanimani, Simbabawe mit einer Kraft, auf die niemand vorbereitet war. Dieser seit Menschengedenken tödlichste Wirbelsturm im südlichen Afrika löste Schlammlawinen und Überschwemmungen aus. 525 Menschen wurden getötet, zahlreiche Häuser und Infrastrukturen zerstört. Kurz vor Erntebeginn verwüstete der Wirbelsturm Gärten, Felder, Obsthaine und vernichtete Vorräte.

Fluten und Gerölllawinen verwüsten landwirtschaftliche Betriebe und Wohngebiete in der Projektregion. (Quelle: TSURO 2019)

Mehr als 100.000 Menschen, überwiegend kleinbäuerliche Familien, sind auch heute noch betroffen. Sie haben Anbauflächen, Saatgut und fruchtbaren Boden verloren. In der diesjährigen Anbausaison kommt die schlimmste Dürre seit 20 Jahren hinzu. Die internationalen Organisationen der Nothilfe sind inzwischen weiter gezogen. Wir arbeiten mit unseren Partnerorganisationen TSURO, CELUCT und PORET vor Ort weiterhin daran, den Hunger aus Chimanimani zu vertreiben. Vor einigen Wochen waren wir in der Projektregion, um uns dazu abzustimmen.

Junger Dorfberater leistet 4 Wochen lang Nothilfe

Wo die beiden Flüsse Nyahode und Risutu zusammentreffen, liegt Kopa, einst ein wuseliges kleines Städtchen. In der Nacht des Wirbelsturms hatten sich an einer Brücke am Ortseingang vom Fluss angespültes Geröll und Baumstämme zu einem Damm aufgeschichtet und so die Wassermassen aufgestaut. Unter dem Druck immer mehr nachströmenden Wassers und Gesteins brachen die Brückenpfeiler. Die Überlebenden erinnern sich heute noch an einen lauten Knall mitten in der Nacht. Eine riesige Flutwelle rollte ins Tal und begrub die am Ufer gelegene Siedlung. Fast 200 Menschen verloren auf einen Schlag ihr Leben.

Farai Gumisai, Dorfberater im Auftrag von TSURO, im Gespräch mit einer Saatgut-Gruppe. (Quelle: Weltfriedensdienst e.V. 2020)

Auf dem Geröllfeld treffen wir uns mit Farai Gumisai. Farai ist im Auftrag von TSURO als Dorfberater für die Region zuständig. Er hat nach dem Wirbelsturm unter unvorstellbaren Bedingungen 4 Wochen lang praktisch die gesamte (inter)nationale Nothilfe in Kopa koordiniert. Denn viele Vertreter*innen von Behörden und Polizei waren ums Leben gekommen. Dann endlich erreichten zwei Fahrzeuge von TSURO mit Hilfsgütern als erste auf dem „Landweg“ Kopa. Seine unglaubliche Heldengeschichte erzählte Farai Gumisai mit großer Bescheidenheit.

Für die Zukunft braucht die Region wieder ihr eigenes Saatgut

Mit Farai besuchen wir verschiedene Dorfgruppen, darunter eine Saatgut-Gruppe. Sie berichten, dass einige Kleinbäuer*innen ihre Felder entlang des Flusses durch den Zyklon komplett verloren haben. Der Wirbelsturm habe viel fruchtbaren Oberboden weggeschwemmt. Obstbäume, die eine wichtige Einkommensquelle sind, wurden ebenfalls schwer getroffen. Bananen wachsen infolge von Idai nur noch sehr schlecht.

Saatgut-Produzent*innen erläutern Herausforderungen in der Saatgut-Zucht. (Quelle: Weltfriedensdienst e.V. 2020)

Besonders schwer, so erfahren wir bei unserem Feldbesuch, wiegt der Verlust von Saatgut. Das Ergebnis von Jahren der Züchtung von lokal angepassten, vielfältigen und offen bestäubbaren Pflanzensorten sei praktisch über Nacht auf dem Feld oder im Lager verdorben. Saatgut spielt eine Schlüsselrolle für die Ernährungssouveränität, insbesondere für die Beseitigung von Mangelernährung. Es ist aber auch unverzichtbar bei der Anpassung an die Klimakrise sowie bei der Streuung von Anbaurisiken.

„Wir geben nicht auf“, erzählten uns die Frauen der Gruppe. Wichtig sei nun, möglichst geeignetes Saatgut in großen Mengen zu beschaffen. Es ist die Voraussetzung dafür, dass sie sich in naher Zukunft wieder selbst ernähren können. Dabei geht es um eine möglichst hohe Vielfalt und um die Berücksichtigung kultureller Nahrungsgewohnheiten. Wenn die Kleinbäuer*innen das Saatgut selbst züchterisch weiterentwickeln können, geraten sie nicht in finanzielle Abhängigkeit.

Eigenes Saatgut ist kostbar und vermeidet finanzielle Abhängigkeiten (Quelle: Weltfriedensdienst e.V. 2020)

Von TSURO haben die Dorfgruppen bereits Einiges an Saatgut bekommen, aber auch verloren gegangene Werkzeuge, Wasserschläuche für die Bewässerung und organische Dünger wurden zu großen Teilen ersetzt.

Starker Zusammenhalt und Hoffnung trotz Naturkatastrophe

Die Menschen in Chimanimani haben ihren Zusammenhalt bewahren können. Sie haben noch immer ihr Wissen über nachhaltige Landwirtschaft und schauen auf bemerkenswerte Weise nach vorn. Unsere drei Partnerorganisationen TSURO, CELUCT und PORET in der Region bleiben an ihrer Seite.

 

Für einen erfolgreichen Wiederaufbau werden Spenden weiterhin benötigt!

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20.03.2020

Gepostet in: Aktuelles, Simbabwe: Gemeinschaftlicher Ressourcenschutz und Ernährungssouveränität