Lithiumabbau in Südamerika
Aus dem Salzsee ins Handy

Als „weißes Gold“ bekannt, steckt Lithium heute in jedem Handy-Akku und wird zunehmend auch für die Batterien von Elektro- und Hybridautos gebraucht. Zwischen Argentinien, Bolivien und Chile wird ein Drittel1Öko-Institut e. V.: Ökologische und sozio-ökonomische Herausforderungen in Batterie-Lieferketten: Graphit und Lithium, online unter: https://www.oeko.de/presse/archiv-pressemeldungen/presse-detailseite/2020/lithium-graphit-fuer-die-batterieproduktion-zukunft-der-lieferkette. des weltweit verbrauchten Lithiums in Salzseen unter freiem Himmel abgebaut. Das geht leider nicht problemlos vonstatten. Die Rechte der in der Region lebenden indigenen Bevölkerung werden dabei häufig missachtet.

Wie kommt das Lithium aus dem See ins Handy?

Direkt an den Salzseen wird salzhaltiges Grundwasser, Sole genannt, aus tiefen Brunnen gefördert und in künstliche Becken gepumpt. Nach zahlreichen Verdunstungsschritten ist das Wasser in den Becken so weit reduziert, dass ein Gemisch mit hoher Lithiumkonzentration übrigbleibt. Durch weitere Trocknungs- und Reinigungsvorgänge wird schließlich der Rohstoff Lithiumcarbonat gewonnen2https://de.wikipedia.org/wiki/Lithium#Produktionsprozess.

Das Lithiumcarbonat wird vor allem verschifft und zur Herstellung von Akkus eingesetzt. Allein in Deutschland sind 2019 fast 22 Millionen Smartphones verkauft worden3Statista: Absatz von Smartphones in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2020, online unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/77637/umfrage/absatzmenge-fuer-smartphones-in-deutschland-seit-2008/., dazu kommen Laptops sowie die Batterien für Elektroautos. Weil das Recycling noch in den Kinderschuhen steckt, muss für jeden Akku neues Lithium abgebaut werden. Doch es besteht Hoffnung: So haben beispielsweise Forscher*innen in Sachsen ein Verfahren gefunden, mit dem in Deutschland Lithium kostengünstiger wiedergewonnen werden kann, als es neu aus den Abbaugebieten zu importieren4Bundesministerium für Bildung und Forschung: Lithium aus Deutschland: nachhaltig und kostengünstig, online unter: https://www.bmbf.de/de/lithium-aus-deutschland-nachhaltig-und-kostenguenstig-5576.html..

Wasserverschwendung durch Lithiumabbau

Um Lithium zu gewinnen, werden große Mengen Wasser benötigt. Obwohl das verwendete Grundwasser nach der Lithiumgewinnung den umliegenden Seen zugeführt wird, sinkt der Grundwasserspiegel durch die erhöhte Verdunstung nicht nur an den Förderstätten selbst, sondern auch weit über sie hinaus. So wird Trinkwasser für die Menschen in der gesamten Region knapp und die fragilen Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht5Liu, W. and D.B. Agusdinata (2020): Interdependencies of lithium mining and communities sustainability in Salar de Atacama, Chile. In: Journal of Cleaner Production, Volume 260..

Die Lithiumabbaugebiete in der Andenregion liegen teilweise in Naturschutzgebieten, in denen viele endemische Vogelarten leben, darunter verschiedene Flamingos, aber auch die Andenkatze, Chinchillas und Nandus6In der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion sind die Andenkatze und das Kurzschwanz-Chinchilla als stark gefährdet angeführt. Der Andenflamingo ist gefährdet und einige weitere Arten haben einen potenziellen Gefährdungsstatus. https://es.wikipedia.org/wiki/Reserva_provincial_altoandina_de_La_Chinchilla.  Lithiumabbau beeinträchtigt die Wasserreserven sowohl für Mensch wie auch Natur und dies in einer der trockensten Regionen der Welt.

Lithiumabbau oder Indigene Gemeinden?

Seit Jahrhunderten bauen die Menschen vor Ort behutsam das Salz der Seen ab und handeln damit. Nun verwehren die Lithiumunternehmen ihnen den Zugang zu den Salinen. Einige Gemeinden erhielten Kompensationszahlungen, die so gering waren, dass sie ihren Namen nicht verdienten. Heute bedroht die Zerstörung der Lebensgrundlagen nicht weniger als 33 indigene Gemeinden.

In Salinen bauen die indigenen Gemeinden der Region Jujuy, Argentinien, seit Jahrhunderten nachhaltig Salz aus den Salzseen ab.

Obwohl die Bodenrechte in der argentinischen Region der Großen Seen ungeklärt sind, verschaffte die Regierung internationalen Unternehmen bestmögliche Investitionsbedingungen. So haben sich die Konzerne Förderungslizenzen für 165.000 Hektar Hochland gesichert, ohne jegliche Beteiligung der indigenen Menschen, die auf diesem Land seit Generationen leben. Ihr Vorgehen verletzt eindeutig das Recht indigener Gemeinden auf Mitsprache bei der Nutzung ihrer Ländereien (nach dem ILO-Abkommen 169)7Internationale Arbeitsorganisation: Übereinkommen 169. Übereinkommen über eingeborene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern, 1989, online unter: http://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/—ed_norm/—normes/documents/normativeinstrument/wcms_c169_de.htm.

Erschwerend für die indigenen Gemeinden der Region tritt hinzu, dass das Trinkwasser der Region nicht nur knapp wird, sondern auch zu versalzen droht. Wegen anderer Bergbauarbeiten ist das Wasser zudem stark mit gesundheitsschädigenden Stoffen wie Arsen belastet. Dabei benötigen die Menschen jeden verfügbaren Liter Wasser für Haushalt und Landwirtschaft.

Ab 2021 will auch ein deutsches Unternehmen gemeinsam mit einem bolivianischen Staatsunternehmen im Salar de Uyuni in Bolivien Lithium abbauen. Das Unternehmen will dabei nach eigenen Angaben besonders auf Umwelt- und Sozialstandards achten. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese nachhaltigen Ziele auch in der Realität bemerkbar machen.

Lithiumabbau in Australien

Inzwischen werden zwei Drittel des weltweit abgebauten Lithiums in Australien produziert. Dort wird es aus lithiumhaltigen Gesteinen gewonnen, wobei Schlamm aus Reststoffen anfällt. Dieses Abfallprodukt lagert in Absatzbecken im Abbaugebiet. Dabei besteht ein gewisses Risiko: Sollte ein Damm brechen, wären durch die entstehende Schlammlawine Menschenleben bedroht und der Schlamm würde die Umwelt stark verschmutzen. Aus einem der Sammelbecken tritt jetzt schon mit Lithium, Wolfram und Uran belastetes Wasser aus und verunreinigt so das Grundwasser.8Öko-Institut e. V.: Lithium & Graphit für die Batterieproduktion: Zukunft der Lieferkette, S. 18 ff, online unter:  https://www.oeko.de/presse/archiv-pressemeldungen/presse-detailseite/2020/lithium-graphit-fuer-die-batterieproduktion-zukunft-der-lieferkette.

Die Minen bieten zwar Arbeitsplätze für die indigene Bevölkerung, doch es wurden auch in Australien wiederholt indigene Stätten durch Bergbau zerstört und die Rechte der indigenen Gruppen missachtet9Albeck-Ripka, Livia: Mining Firm Plans to Destroy Indigenous Australian Sites, Despite Outcry, online unter: https://www.nytimes.com/2020/06/11/world/australia/indigenous-caves-BHP-mining.html..

So verringerst Du Deinen Lithiumkonsum

Bisher wird zwar noch kein vollständig umwelt- und sozialverträgliches Smartphone verkauft, doch wenn du dich für ein Gerät entscheidest, dessen Anbieter möglichst nachhaltig produziert, kannst du zumindest die zukünftige Produktion anderer Hersteller beeinflussen10Josephine Valeske, Antonia Reichwein: Smart und fair? Vier Handy-Modelle im Germanwatch-Blickpunkt, online unter: https://germanwatch.org/de/15066..

Damit der Akku deines Geräts lange hält, achte auf flache Ladezyklen, das heißt, du solltest deinen Akku möglichst nicht vollständig laden und entladen11Christian Clemm Paul Mählitz Alexander Schlösser Prof. Dr.-Ing. Vera Susanne Rotter Prof. Dr.-Ing. Dr. sc. techn. Klaus-Dieter Lang: Umweltwirkungen von wiederaufladbaren Lithium-Batterien für den Einsatz in mobilen Endgeräten der Information- und Kommunikationstechnik (IKT), online unter: https://www.bmu.de/themen/forschung-foerderung/forschung/forschungs-und-entwicklungsberichte/details/umweltwirkungen-von-wiederaufladbaren-lithium-batterien-fuer-den-einsatz-in-mobilen-endgeraeten-der-in/..

Damit dein altes Handy nicht zu einem von Deutschlands 200 Millionen Schubladenhandys wird, gibst du es besser in einer Sammelstelle ab, zum Beispiel beim NABU, weitere Sammelstellen findest du hier.

Dort kann es repariert werden, als Ersatzteilspender dienen oder Materialien daraus wiederverwertet. So müssen nicht alle Rohstoffe neu gewonnen werden und die negativen Folgen des Abbaus können reduziert werden. Denn die Abbaubedingungen solcher Rohstoffe sind oft schlecht, weil die Unternehmen nicht bereit sind, faire Preise zu bezahlen. Und das nur, damit wir billig konsumieren können. Die Folgekosten für Mensch und Umwelt sind dabei oft nicht in den Kaufpreis eingerechnet.

Aber vielleicht brauchst du auch gar kein neues Gerät, sondern kannst ein gebrauchtes weiterbenutzen? Oder dein Altes funktioniert noch?

 

Zusammengefasst:

 

  • Kaufe Smartphones von fairen und nachhaltigen Anbietern
  • Noch besser: Kaufe gebrauchte Smartphones von fairen und nachhaltigen Anbietern
  • Schone deinen Akku durch flache Ladezyklen
  • Verkaufe dein altes Smartphone weiter
  • Gib ausrangierte Smartphones bei Sammelstellen ab

Engagement des Weltfriedensdienst e.V.

18 Jahre (2000-2018) hat der Weltfriedensdienst die indigene Organisation COAJ (Consejo de Organizaciones Aborígenes de Jujuy) unterstützt. Zunächst ging es darum, dass indigene Gemeinden verbriefte Rechte auf das Land ihrer Vorfahren erhalten. Die Gemeinden wollten sich gegen die Ausbeutung ihrer Gebiete und die Zerstörung ihrer heiligen Stätten durch Bergbaumaßnahmen wehren. So entstanden Ausbildungsstudiengänge zu indigener Entwicklung, nationalem Bergbau-, Umwelt- und Landrecht. Gemeindevertreter wurden dabei beraten, wie sie das Land ihrer Vorfahren gegen die Begehrlichkeiten der Bergbau-, Landwirtschafts- und Tourismusbranche verteidigen können.

Recht auf Mitbestimmung durchgesetzt – Indigene kämpfen für Landrechte

Während der Zusammenarbeit konnte COAJ wichtige Erfolge erreichen. Die gesetzliche Grundlage für kollektive Landtitel wurde durchgesetzt und in vielen Fällen Landnahme durch Hoteliers und Bergbauunternehmen verhindert. Umweltverträglichkeitsstudien und Entschädigungen wurden gefordert und in einigen Fällen erreicht. Etwa 170 Gemeinden sind inzwischen als juristische Person registriert, elf Gemeinden konnten ihren kollektiven Landtitel erstreiten. Die indigenen Gemeinden fordern auch nach diesen Erfolgen weiterhin ihr Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht über ihr Land und den dortigen Bergbau ein, denn „Batterien können wir nicht essen: Wer uns das Wasser raubt, nimmt uns das Leben!“.

Durch unser Bildungsprogramm act4change werden Schüler*innen in Deutschland auf das Thema Ressourcengerechtigkeit (wie z. B. Lithiumabbau) aufmerksam. Ein breiteres öffentliches Bewusstsein soll den Druck auf politisch Verantwortliche erhöhen, ressourcengerecht zu entscheiden.

Der Weltfriedensdienst engagiert sich für Ressourcengerechtigkeit in Ländern des globalen Südens, um jeden Tag einer Welt ein Stück näher zu kommen, in der alle Menschen ein selbstbestimmtes Leben in Würde führen und frei von Armut und Gewalt leben.

Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützen wir Menschen, ihre Lebensumstände aus eigener Kraft zu verbessern. Als gemeinnützige Organisation der Entwicklungszusammenarbeit sind wir in mehr als 20 Ländern rund um den Globus aktiv.