Rosen statt Frieden?

Sag es mit Blumen: In den letzten Jahren hat der Blumenhandel den Valentinstag als „Tag der Liebenden“ zu einem festen Datum in seinem Marketing-Kalender gemacht. Das Konzept ging auf: Inzwischen gehören am 14. Februar in Deutschland Rosen für die Liebsten für viele zum guten Ton.

Waren vor 20 Jahren Winterblumen eine Luxusware, erhält man heute zu jeder Jahreszeit Rosen bei jedem Discounter quasi geschenkt. Die Produktion im großen Stil in Ländern, wo immer Sommer ist, macht´s möglich. Und mit dem Flieger sind die begehrten Liebessymbole, am nächsten Tag bei uns. Das einzige, worauf wir bei Winterrosen verzichten müssen, ist der Duft. Denn die Duftstoffe werden extrahiert, um die Haltbarkeit zu verlängern.

Rosen rauben Wasser in Kenia

Kenia ist so ein Land, in dem die Rosen blühen, ganzjährig. Für Kenia ist der Blumenhandel neben Tee, Kaffee und Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige geworden. Zwei von drei Rosen, die in Deutschland verkauft werden, kommen aus dem ostafrikanischen Land. Den Preis für unsere Billigrosen zahlen die Menschen vor Ort: Mit oft unwürdigen und gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen und vor allem mit Wasserraub.

2013 importierte Deutschland 6.600t Blumen aus Kenia. 70 Prozent davon wurden in der Umgebung des Naivasha-Sees auf rund 2.000 ha angebaut. Pro Hektar werden dafür täglich 60 m³ Wasser benötigt. Eine der über 60 Rosenfarmen in der Region kommt so auf einen Verbrauch von ca. 20 Millionen Liter Wasser am Tag. Das Wasser pumpen die Farmen dabei nicht nur kostenlos aus dem Wasser des Naivasha-Sees ab. Was nicht verdunstet, wird als Abwasser mit Pestiziden und Düngemitteln verschmutzt wieder dorthin zurück geleitet.

Neben der Entwaldung von wichtigen Wassereinzugsgebieten des Sees, der schlecht gemanagten Versorgung der wachsenden lokalen Bevölkerung sind die Blumenfarmen eine wesentliche Ursache, dass aus dem See sechs Mal so viel Wasser entnommen wird, wie zufließt.

Dabei ist Kenia ein Land mit chronischer Wasserknappheit. Einer/m KenianerIn stehen durchschnittlich nicht mehr als 7 Liter Trinkwasser am Tag zur Verfügung. Eine Rose allein verbraucht bis zur Ernte zwischen 4 und 13 Liter Wasser. Zum Vergleich: In Deutschland verbrauchen wir pro Kopf durchschnittlich 125 Liter am Tag. Ausgerechnet die Wochen vor dem Valentinstag im Januar und Februar sind zudem die niederschlagsärmsten Monate des Jahres in Kenia.

Rosen verschärfen Konflikte in Kenia

2017 war Kenia von einer schweren Dürre betroffen. Im Norden des Landes nahm sie insbesondere Viehzüchtern und Hirten die Lebensgrundlage. Die Viehherden mussten immer weitere Wege zurücklegen, um an das noch verbliebene Weideland und Wasser zu kommen. Die Tiere magerten ab oder starben, überlebenswichtige Viehmärkte brachen zusammen. Als Antwort trieben sie ihre Herden in fremde Gebiete und lösten so lokale Konflikte aus.

Investoren, die Land in Kenia erwerben, um darauf z.B. Exportkulturen wie Blumen anzubauen, verschärfen diese Konflikte. Im Falle des Naivasha-Sees versperren sie Viehzüchtern und Hirten den Zugang zum Wasser und greifen darüber hinaus durch intensive Bewässerung auf die knappen Wasserressourcen ganzer benachbarter Landstriche zu. In den letzten 30 Jahren ist der Grundwasserspiegel in Kenia um durchschnittlich 5m gesunken.
Oft werden Menschen auch zugunsten von Investitionsprojekten direkt von ihrem Land vertrieben. Zwangsläufig erhöht sich so auch der Druck auf das übrige Land, das die Vertriebenen aufnehmen muss, obwohl die dort lebenden Menschen selbst mit den verschlechterten Bedingungen zurechtkommen müssen. Viele der dabei entstehenden Konflikte werden ethnisch aufgeladen und gewalttätig ausgetragen. Für die islamistische Terrormiliz Al Shabab im östlich angrenzenden Somalia ist das ein gefundenes Fressen. Sie rekrutieren in den letzten Jahren immer mehr ihrer Kämpfer unter frustrierten und perspektivlosen Jugendlichen in Kenia.

Der Weltfriedensdienst engagiert sich zusammen mit der kenianischen Organisation Isiolo Peace Link vor Ort unter anderem mit der Frage der sich verknappenden Ressourcen Land und Wasser. Gemeinsam setzen wir uns für eine gerechte Landverteilung ein und wollen die Menschen bei der gewaltfreien Bearbeitung von Konflikten unterstützen.

Wenn Sie stattdessen auf Rosen aus europäischen Gewächshäusern zurückgreifen, ist der Wasserverbrauch zwar unbedenklich, Sie nehmen aufgrund der Energieaufwändigen Beheizung jedoch höhere CO2-Emissionen in Kauf. Deshalb unser Vorschlag zum Valentinstag: Verschenken Sie ein Lächeln.

Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützen wir Menschen, ihre Lebensumstände aus eigener Kraft zu verbessern. Als gemeinnützige Organisation der Entwicklungszusammenarbeit sind wir in mehr als 20 Ländern rund um den Globus aktiv.