Lithium-Abbau in Südamerika – Aus dem Salzsee ins Handy
Der Rohstoff Lithium steckt in vielen technischen Geräten unseres Alltags, etwa in Smartphones, Laptops und besonders in Batterien. Große Lithiumbatterien wiederum stecken in einem der derzeit wichtigsten Ansätze für eine nachhaltige Zukunft: in Elektroautos.
Doch hilft uns diese Ressource, eine nachhaltige Zukunft für alle zu erreichen? Um diese Frage zu beantworten, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Bisher geht der Lithium-Abbau einher mit immensem Wasserverbrauch und Wasserraub sowie der Missachtung von Rechten der indigenen Bevölkerungen.
Wo wird Lithium abgebaut?
Lithium wird vor allem in Südamerika aus Salzseen gewonnen. Besonders große Vorkommen liegen im sogenannten „Lithium-Dreieck“ zwischen Argentinien, Bolivien und Chile (1).
Wie wird Lithium abgebaut?
Für den Abbau von Lithium wird salzhaltiges Grundwasser – sogenannte Sole – aus tiefen Schichten an die Oberfläche gepumpt. Diese Sole wird in große Becken geleitet, in denen das Wasser über Monate hinweg verdunstet. Dabei bleibt eine immer höher konzentrierte Lösung zurück, aus der schließlich Lithium gewonnen wird.
Um Lithium herzustellen, müssen bis zu 97 % des Wassers verdunsten. Für 1 kg Lithium werden dabei rund 2.000 Liter Wasser benötigt (2).
Dieses Verfahren ist besonders problematisch, weil es in sehr trockenen Regionen eingesetzt wird. Der hohe Wasserverbrauch kann dazu führen, dass Trinkwasser knapp wird und Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten.
In den Anden, im sogenannten Lithium-Dreieck an der Westküste Südamerikas, vermutet man heute 70 % des weltweiten Lithiumvorkommens. In Salzseen lagert das begehrte Lithium als Bodenschatz (3).
Die Herstellung von 1 kg Lithium verbraucht fast 2.000 l Wasser – und das in einer der trockensten Regionen der Welt (4).
Allein in einem Smartphone stecken ungefähr 3 g Lithium (5). Bei einer Absatzmenge von weltweit 1,25 Milliarden Smartphones im Jahr 2025 (6) ist die Menge des verwendeten Lithiums unvorstellbar. Was genauso unvorstellbar ist: Gleichzeitig gibt es in Deutschland 200 Millionen Schubladenhandys!
Enormer Wasserverbrauch: 2.000 l Wasser für 1 kg Lithium
Um Lithium abbauen zu können, werden große Mengen Wasser benötigt – und das in einer der trockensten Regionen weltweit. Obwohl das verwendete Salzwasser nicht als Trinkwasser oder für die Landwirtschaft genutzt werden kann, greift das Abpumpen auf lange Sicht auch die Trinkwasservorräte an. Sinkt der Salzwasserspiegel zu stark, könnte Süßwasser nachströmen und sich mit dem Salzwasser mischen (7). Zudem werden für weitere Produktionsschritte Süßwasservorräte angebohrt. So geht für die Menschen in der gesamten Region die essenziellste Ressource verloren und das fragile Ökosystem gerät aus dem Gleichgewicht (8).
Die Lithiumabbaugebiete in der Andenregion liegen teilweise in Naturschutzgebieten, in denen viele endemische Vogelarten leben, darunter Flamingos, aber auch die Andenkatze, Chinchillas und Nandus. Lithiumabbau beeinträchtigt die Wasserreserven sowohl für den Menschen wie auch die Natur.
Konsequenzen für die indigene Bevölkerung durch Lithiumabbau
Seit Jahrhunderten bauen die Menschen vor Ort behutsam das Salz der Seen ab und handeln damit. Nun verwehren Lithiumunternehmen ihnen den Zugang zu den Salinen. Einige Gemeinden erhielten Kompensationszahlungen, die so gering waren, dass sie ihren Namen nicht verdienten. Heute droht die Zerstörung der Lebensgrundlagen indigener Gemeinden.
Obwohl die Bodenrechte in der argentinischen Region der Großen Seen ungeklärt sind, verschaffte die Regierung internationalen Unternehmen bestmögliche Investitionsbedingungen. So haben sich die Konzerne Förderlizenzen für viele tausend Hektar Hochland gesichert, ohne jegliche Beteiligung der indigenen Menschen, die auf diesem Land seit Generationen leben. Ihr Vorgehen verletzt eindeutig das Recht indigener Gemeinden auf Mitsprache bei der Nutzung ihrer Ländereien (nach dem ILO-Abkommen 169) (9).
Erschwerend für die indigenen Gemeinden der Region kommt hinzu, dass das Trinkwasser der Region nicht nur knapp wird, sondern auch zu versalzen droht. Wegen anderer Bergbauarbeiten ist das Wasser zusätzlich stark mit gesundheitsschädigenden Stoffen wie Arsen belastet. Dabei benötigen die Menschen jeden verfügbaren Liter Wasser für Haushalt und Landwirtschaft.
Das können Sie tun
Allein in Deutschland wurden 2025 rund 20 Millionen Smartphones verkauft , dazu kommen Laptops sowie die Batterien für Elektroautos (10). Weil das Recycling noch in den Kinderschuhen steckt, muss für jeden Akku neues Lithium abgebaut werden.
Doch es besteht auch Hoffnung: So haben beispielsweise Forscher*innen in Sachsen ein Verfahren gefunden, mit dem es kostengünstiger ist, in Deutschland Lithium wiederzugewinnen, als es neu aus den Abbaugebieten zu importieren.
Smartphones von fairen und nachhaltigen Anbietern kaufen, z. B. Fairphone oder Shiftphone.
Akku schonen: Damit der Akku lange hält, wird empfohlen, Geräte nicht vollständig zu laden und zu entladen.
Nach der Anschaffung eines neuen Smartphones das alte verkaufen. So kann es weiterhin genutzt werden und landet nicht ungebraucht in einer Schublade oder auf dem Müll.
Alte Smartphones können bei Sammelstellen abgegeben werden. Dort können sie repariert werden, als Ersatzteilspender dienen oder es werden Materialien wiederverwertet.
Vor dem nächsten Kauf gut überlegen: Ist ein neues Smartphone oder ein neuer Laptop wirklich notwendig? Kann ein Gerät vielleicht repariert oder ein gebrauchtes weitergenutzt werden?
Digital Detox: Das Handy oder den Laptop nicht immer im Standby-Modus lassen, sondern auch ab und zu ausschalten.
Einstiegsbild: Lithium-Abbau © Canva