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Agrarökologie
Milderung der Folgen des Klimawandels

Hätte es den Wirbelsturm Idai auch ohne die menschengemachte Erderhitzung gegeben? Als einzelne Ereignisse sind Naturkatastrophen nicht direkt auf den Klimawandel zurückzuführen. Doch zumindest ist es in diesem Fall plausibel anzunehmen, dass der Wirbelsturm dadurch mehr Wasser aufnehmen konnte, sich langsamer bewegte und so erst diese Wucht entfalten konnte. In Idais Katastrophengebiet liegt auch eine der Projektregionen des Weltfriedensdienst. Nach dem Wirbelsturm wurde unseren lokalen Partner-NGOs deutlich: Gebiete, in denen sie agrarökologische Landnutzungsformen angewandt haben, konnten dem Wirbelsturm am ehesten standhalten.

Unangepasste Landnutzung verschärft Auswirkungen des Klimawandels

Für viele Menschen auf der Welt bedeutet der Klimawandel, dass die durchschnittlichen Temperaturen steigen, während sich die Jahresniederschläge verringern. Folgen auf den ersten Regen lange Trockenphasen, vertrocknet die Saat. Wird als Antwort darauf erst später gesät, verdorrt am Ende die Ernte. Die Frage des richtigen Zeitpunktes für die Aussaat ist für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern weltweit zu einem Glücksspiel auf Leben und Tod geworden.

 

Brandrodung zerstört Vegetation und tötet Bodenleben. Regen spült den Boden weg. Bei Starkregen drohen Erdrutsche.

Die schleichende Katastrophe des Klimawandels bedeutet für Millionen kleinbäuerliche Familien Dürre und Ernteausfälle.

Auf Flächen, die für kleinbäuerliche Landwirtschaft genutzt werden, ist unangepasste Landnutzung oft ein Problem. Aus schierer Not, aber auch durch ungenügendes Wissen über agrarökologische Zusammenhänge oder weil Flächennutzungsplanung und -politik fehlen, werden sensible Gebiete wie Wasserscheiden und Flussufer besiedelt. Abholzung, Überweidung und das Abbrennen von Gras- und Buschlandschaft rauben dem Boden die Schutzschicht. Die auf diese Weise ohnehin schon strapazierten Landflächen können Naturkatastrophen nichts entgegensetzen.

Erfahrungen in Simbabwe: Agrarökologie ist der Schlüssel

In der vom Wirbelsturm Idai betroffenen Projektregion des Weltfriedensdienst hatten die Menschen durch jahrelange gemeinsame Arbeit ihre natürlichen Ressourcen wieder in einen ursprünglichen, widerstandsfähigen Zustand gebracht. So gingen die Wassermassen des Wirbelsturms nicht überall auf entblößte Böden nieder. Eine vielfältige, dichte Pflanzendecke und Sickergräben entlang von Höhenlinien bremsten den Wasserfluss bergabwärts. Gute Durchwurzelung sorgte zudem für die schnelle Aufnahme großer Wassermengen und hielt gleichzeitig den durchweichten Boden fest.

 

Landnutzung nach agrarökologischen Prinzipien mindert die Folgen von extremen Unwetter, der schleichenden Katastrophe Klimawandel und sichert die Ernährung.

 

Die Menschen dachten nicht an Wirbelstürme, als sie sich zusammenfanden und Gräben aushoben, Bäume und Gräser pflanzten und sich Regeln zur agrarökologischen Nutzung des Landes gaben. Ihnen ging es darum, Wasser aus üblichen Regenfällen aufzufangen und im Boden zu speichern. Damit erhöhten sie ihre Ernteerträge, rehabilitierten Wasserquellen, geboten Bodenerosion und Überschwemmungen bei Unwettern Einhalt. Ein zusammen organisiertes Management von Weideflächen wurde zum unverzichtbaren Bestandteil ganzheitlicher und ökologischer Landnutzung.

Durch ihre gemeinsamen Anstrengungen konnten die Menschen ihre Umwelt erfolgreich rehabilitieren und sogar aufwerten. Erhöhter Niederschlag von Tau, Verdunstungskühle und verringerte Windgeschwindigkeiten sind mikroklimatische Effekte von Vegetation. Verbesserte agrarökologische Anbauverfahren, die Weiterentwicklung und der Austausch von lokalem Saatgut, Früchte, Honig und andere Waldprodukte sowie Tierhaltung tragen zur Ernährungssouveränität bei. Gleichzeitig hat die Zusammenarbeit auch die sozialen Beziehungen gefestigt und die Resilienz der Gemeinschaften erhöht. Agrarökologische Landnutzung hat das Potenzial, selbst die Auswirkungen des Klimawandels abzufedern.

Was bedeutet Agrarökologie?

Agrarökologie ist wissens- statt technikbasiert, stützt sich auf das lokal verfügbare soziale Kapital und fördert es gleichzeitig. Agrarökologie wird auf vielfältige Art und Weise angewendet. Gemeinsam ist allen Formen eine hohe funktionale Biodiversität auf dem Hof bzw. im Betrieb und die Nutzung und Stützung widerstandsfähiger Agrarökosysteme. Auf diese Weise bettet sich die Agrarökologie in lokale Ökosysteme und soziale Beziehungen ein. Dabei ist sie tief verwurzelt im Kulturerbe einer jeden Gesellschaft.