Lang lebe die Kleidung

Deutsche konsumieren im Durchschnitt 11 Kilogramm Bekleidungstextilien im Jahr. Das entspricht ca. 30-60 Kleidungsstücken pro Jahr. Davon sind viele aus Baumwolle.1www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/HG__Bekleidung_Umwelt_BB_JE_06_2010.pdf

Baumwolle besitzt einen hohen Wasserfußabdruck

Baumwolle hat einen höchst problematischen Wasserfußabdruck von durchschnittlich 11000 Liter pro Kilogramm.2http://virtuelles-wasser.de/baumwolle.html Sie ist sehr empfindlich, extrem bewässerungsintensiv und wird fast ausschließlich in Trockenregionen bzw. Halbwüstenregionen angebaut. Grund dafür sind die empfindlichen Knospen, die sich bei Regen vollsaugen und verfaulen. Deshalb werden laut Berichten des Bayrischen Rundfunks zwei Drittel der weltweiten Baumwollanbaufläche künstlich bewässert – das macht rund die Hälfte aller künstlich bewässerten Flächen weltweit aus. Für die Bewässerung werden Oberflächengewässer – wie der Aralsee in Usbekistan – oder das Grundwasser angezapft, die dann auf lange Sicht austrocknen und ganze Regionen unfruchtbar machen. Außerdem werden im konventionellen Anbau – welcher 99.5 Prozent der gesamten Baumwollernte ausmacht – große Mengen an Pestiziden und synthetischen Düngern verwendet, die den Wasserhaushalt der betreffenden Regionen zusätzlich stark belasten.3www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/baumwolle-kunstfaser-kleidung-umwelt-100.html

Nicht nur beim Anbau, sondern auch bei der Weiterverarbeitung der Baumwolle fallen große Mengen an verschmutztem Wasser an. Das Umweltinstitut München e.V. weist darauf hin, dass der Kauf eines einzigen Baumwoll-T-Shirts aus biologischer Baumwolle circa sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Kunstdünger bewahrt.4 www.umweltinstitut.org/fragen-und-antworten/bekleidung/bio-baumwolle.html

Polyester macht Mikroplastik aus Erdöl

Ein großer Teil der jährlich konsumierten Bekleidungstextilien besteht aus Polyester oder anderen Kunstfasern. Diese haben direkt keinen hohen Wasserfußabdruck, da sie aus Erdöl gewonnen werden. Dessen Vorräte schrumpfen jedoch und der Abbau von Erdöl ist mit starken Eingriffen in die Umwelt verbunden. Die Verschmutzung von Gewässern ist eines der Risiken, die der Erdölabbau birgt. Deshalb wirkt sich auch Kleidung aus Polyester negativ auf den weltweiten Wasserhaushalt aus. Dazu kommt, dass die Kunstfasern nicht biologisch abbaubar sind und als Müll die Umwelt belasten. Bei jedem Waschgang lösen sich bis zu 1900 Mikroplastikfasern aus der Kleidung. In Deutschland können diese allerdings in hochentwickelten Kläranlagen aus dem Abwasser herausgefiltert werden.

Leder statt Kunstleder?

Auch Leder ist ein beliebtes Material der Kleidungsindustrie. Zur Erzeugung von einem Kilo (Rinds)Leder werden 16.600 Liter Wasser verbraucht.50 Dieser enorme Wasserverbrauch lässt sich mit dem hohen Wasserverbrauch in der Haltung und Fütterung der Tiere begründen. Zusätzlich fällt ins Gewicht, dass Leder laut des ProVeg Deutschland e.V. in vielen Fällen kein Abfallprodukt der Fleischerzeugung darstellt.51 Die Alternative Kunstleder wird zwar, wie Polyester, aus Erdöl gewonnen, verbraucht aber in Hinblick auf den Wasserfußabdruck deutlich weniger Wasser. Vorsicht ist nur bei möglichen Weichmachern geboten, die in Kunstleder enthalten sein können. Diese sind häufig gesundheitsschädlich für den Verbraucher.

Kleidung nachhaltiger konsumieren – so geht’s

In Sachen Kleidung ist, egal ob Baumwolle, Leder oder Chemiefaser, das Kriterium der Langlebigkeit entscheidend. Denn je länger Kleidung getragen oder weitergegeben wird, desto kleiner ist der virtuelle Wasserfußabdruck. Zusätzlich gibt es ein paar Tipps und Tricks, wie der Kleidungskonsum nachhaltiger gestaltet werden kann.

  • Kleidung länger tragen: Mode ist günstig, daher liegt es nahe kaputte Kleidungsstücke einfach nachzukaufen. Nachhaltiger ist es jedoch, seine Kleidung zu pflegen, sie zu reparieren und sie auf vielfältige Arten zu kombinieren. Gerade bei Basic-Teilen lohnen sich hochwertige und fair hergestellte Produkte, da Fast Fashion aufgrund der günstigen Produktion oft nicht lange hält.
  • Lieber zu zeitlosen Stücken greifen, die sich leicht kombinieren lassen. Denn Modetrends sind kurzlebig. Schnell wechselnde Modetrends sollen den Verbraucher dazu bringen möglichst häufig neue Kleidung zu kaufen – nicht aus Bedarf, sondern um mit den Trends mitgehen zu können.
  • Beim Kauf auf Siegel und Zertifikate achten: Egal ob Baumwolle oder Kunstfaser, Fair Trade und Bio-Zertifikate wie Blauer Engel oder bluesign berücksichtigen neben der Umweltauswirkung auch soziale Anforderungen.
  • Auf Second Hand zurückgreifen.
  • Einen Kleidertausch organisieren.
  • Auf Kleidung aus Hanf und Leinen umsteigen, da diese Materialien auch regional angepflanzt werden können und mit 2500 Liter pro Kilogramm nur ein Viertel der Wassermenge von Baumwolle benötigen.
  • Kleidung aus Kunstfasern sachgemäß recyceln.

Engagement des Weltfriedensdienst – Mehr Bewusstsein schaffen!

Mit unserer Wasserampel möchten wir unser eigenes Konsumverhalten hinterfragen und gegebenenfalls zum Umdenken anregen. Dabei berufen wir uns auf das Konzept des Virtuellen Wassers, das offen legt, in welchem Ausmaß Wasser in der Herstellung von Nahrungsmitteln oder Industrieprodukten verbraucht wird. Dabei wird deutlich, dass gerade aus den Trockengebieten der Erde zu viel Wasser für die Herstellung von Exportprodukten verbraucht wird.

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