Wie viel Wasser steckt in 1 kg Fleisch?
Der Wasserfußabdruck von Fleisch ist groß. Hier eine Übersicht wie viel Wasser im globalen Durschnitt in 1 kg Fleisch stecken:
- Rindfleisch: ca. 15.415 Liter
- Schweinefleisch: ca. 5.988 Liter
- Geflügel: ca. 4.325 Liter (1)
Knapp 55 kg Fleisch isst jede*r Deutsche pro Jahr. Davon entfallen knapp 29 kg auf Schweinefleisch (Tendenz leicht fallend), 14,7 kg auf Geflügel (Tendenz steigend) und etwa 8-9 kg auf Rindfleisch (2).
Hinzu kommen 46 kg Frischmilchprodukte, etwa 28 kg Käse und 6 kg Butter (3). In jedem Liter Milch stecken rund 1.000 Liter Wasser. Für die Herstellung von Käse werden 4 bis 12 Liter Milch benötigt, für Butter gar 22 Liter Milch (4).
Fleisch verbraucht also – wie kaum ein anderes Lebensmittel in der Produktion – enorm viel Wasser. Das belastet unsere Umwelt in Deutschland und weltweit stark.
Was ist der Wasserfußabdruck?
Der Wasserfußabdruck beschreibt, wie viel Wasser für die Herstellung eines Produkts insgesamt benötigt wird. Dazu zählt nicht nur das sichtbare Wasser, das direkt verbraucht wird, sondern auch sogenanntes „virtuelles Wasser“ – also Wasser, das entlang der gesamten Produktionskette eingesetzt wird.
Beim Fleisch bedeutet das: Der Wasserfußabdruck umfasst nicht nur das Trinkwasser für die Tiere, sondern vor allem das Wasser, das für den Anbau von Futtermitteln wie Getreide oder Soja benötigt wird. Auch die Verarbeitung, Reinigung und der Transport spielen eine Rolle.
So entsteht ein sehr hoher Wasserverbrauch: Für 1 kg Rindfleisch werden im globalen Durchschnitt über 15.000 Liter Wasser benötigt.
Der Wasserfußabdruck macht sichtbar, wie stark unser Konsum mit natürlichen Ressourcen weltweit verknüpft ist. Er hilft dabei zu verstehen, welche Auswirkungen unsere Ernährung auf Wasserressourcen, Ökosysteme und Menschen in anderen Regionen hat.
Weltweit wird 70% des Süßwassers in der Landwirtschaft verbraucht, wobei ca. 35-40% der Getreideernte als Tierfutter dient (6).
Mit nur einem fleischfreien Tag in der Woche könnten Sie bereits so viel Wasser sparen, dass eine Person anderthalb Jahre lang täglich duschen könnte.
Vegetarische oder vegane Ernährung ist in jedem Fall nachhaltiger. Eine Ernährung, bei der häufiger zu Gemüse und Getreide gegriffen wird, macht langfristig einen erheblichen Unterschied und trägt zur Verringerung des Wasserverbrauchs bei.
Warum verbraucht Fleisch so viel Wasser?
Die Landwirtschaft ist weltweit für 70 % des Wasserverbrauchs verantwortlich. Fast die Hälfte der Weltgetreideernte wird inzwischen an Tiere verfüttert. 77% der weltweiten Agrarflächen werden direkt oder indirekt für die Tierfütterung genutzt (Weideland und Futtermittelanbau) (7).
Wasser wird dabei nicht nur für das Pflanzenwachstum verbraucht. Insbesondere die Massentierhaltung ist in Bezug auf die Belastung von Gewässern problematisch und für die Zerstörung empfindlicher Frischwasser-Ökosysteme entscheidend mitverantwortlich.
In der brasilianischen Amazonasregion und auch in der im Süden angrenzenden Trockensavanne, dem Cerrado, wächst Soja auf einer Fläche, die etwa der Gesamtfläche Deutschlands entspricht. Ein Großteil dieser Anbaufläche wurde durch Abholzung von Regenwald und Buschland gewonnen, die als Einzugsgebiete zahlreicher Flüsse dienen. Mit den Sojabohnen importiert allein Deutschland Billionen Liter virtuelles Wasser aus Brasilien (8) (9).
Diese Sojabohnen werden in deutscher Massentierhaltung für die Fleischproduktion als billiges Eiweißfuttermittel verwendet.
Ein fleischfreier Tag in der Woche senkt Wasserfußabdruck deutlich
Ein Rechenbeispiel: In Deutschland können bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 8,7 kg Rindfleisch pro Jahr mit nur einem Tag Fleischverzicht pro Woche knapp 1,25 kg Rindfleisch eingespart werden. Mit den dabei gesparten rund 19.160 l Wasser könnte eine Person fast anderthalb Jahre lang täglich duschen!
Laut Statistischem Bundesamt blieb die Fleischproduktion 2025 bei 6,9 Mio. Tonnen nahezu konstant (10). Dennoch ist Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin in der TOP 10 beim Fleischproduktion: 2025 wurden 48,5 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde sowie 697,3 Millionen Hühner, Puten und Enten geschlachtet – obwohl der Fleischkonsum der Deutschen abnimmt (11).
Daher wird etwa 40 – 45% des erzeugten Fleischs exportiert (12). Hauptsächlich gehen die Exporte in benachbarte EU-Länder. Angefallene Reste wie Innereien, Hälse oder Pfoten, werden jedoch in westafrikanische Länder verkauft, wo sie als günstiges Importprodukt in Konkurrenz zu lokal produziertem Fleisch stehen und die Existenzgrundlage vieler Bäuerinnen und Bauern gefährden (13).
Weltweit wurden 2023 rund 363,9 Millionen Tonnen Fleisch produziert: China, USA und Brasilien sind die Länder mit der höchsten Fleischproduktion. Allein in China werden mehr als 90 Millionen Tonnen (mehr als 90.000.000.000 kg) Fleisch pro Jahr produziert – Tendenz steigend.
Laut der FAO werden weltweit jährlich durchschnittlich 42,8 kg Fleisch pro Kopf konsumiert. Damit ist der durchschnittliche Pro-Kopf-Fleischkonsum weiterhin gestiegen. Am meisten Fleisch wird in den Vereinigten Staaten gegessen. Jährlich kommen dort über 128,6 kg Fleisch auf eine Person.
Am wenigsten Fleisch wird hingegen in Indien, Ruanda und Nigeria verzehrt. Der durchschnittliche Jahreskonsum liegt hier zwischen 4,5 und 9 kg Fleisch pro Person.
Das zeigt: Fleisch ist ein Luxusgut, und steht in den ärmeren Ländern nicht so selbstverständlich auf dem Speiseplan wie bei uns.
Die weltweite Nachfrage nach Fleisch nimmt zu. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der weltweite Konsum von Fleischprodukten mehr als verdoppelt. Auch in den nächsten Jahren wird mit einem zunehmenden Fleischverbrauch gerechnet. Dabei steigt der Verzehr vor allem in den Ländern des globalen Südens und einigen Schwellenländern an.
Die wachsende Nachfrage ist in Ländern des globalen Südens durch ein hohes Bevölkerungswachstum zu erklären. Hinzu kommen sinkende Produktionskosten. Es gibt immer mehr Menschen, die es sich regelmäßig leisten können Fleisch zu essen. Insbesondere in China und Brasilien nimmt der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch zu.
Weniger Fleisch nachhaltiger konsumieren – so geht’s
Fleisch und tierische Produkte aus ökologischer Landwirtschaft haben einen weniger bedenklichen Wasserfußabdruck, denn:
- Der größte Teil der Futtermittel stammt aus dem Betrieb selbst oder zumindest aus der Region.
- Chemische Pestizide sind nicht erlaubt.
- So wird indirekt eine gewässerschonende Landwirtschaft zertifiziert – jedoch nicht garantiert, da der Wasserverbrauch noch kein eigenständiges Kriterium für die Bio-Siegel ist.
Naturland, demeter oder Bioland haben striktere Richtlinien als das deutsche Bio-Siegel und das EU-Bio-Siegel. Letzteres erlaubt sogar die Verwendung von konventionell und nicht-regional erzeugtem Futter. Damit ist nicht auszuschließen, dass zum Beispiel die Abholzung des brasilianischen Regenwalds indirekt mit dem EU-Bio-Siegel zertifiziert wird.
Tipp! Vegane und vegetarische Alternativen sind richtig lecker!
Das Sortiment an vegetarischen und veganen Schnitzeln, Burger-Pattys, und Würstchen nimmt zu – und die schmecken richtig gut. Wer seinen Fleischkonsum reduzieren möchte und somit auch seinen Wasserverbrauch, muss gar nicht zwingend auf seine Lieblingsgerichte verzichten. Einfach mal probieren!
Greift man zu pflanzlichem Fleischersatz, zum Beispiel Soja, sollte man die Siegel kennen, welche die Herkunft und Anbauweise der Pflanzen zertifizieren.
- Bio-Soja stammt meist aus Europa und ist nicht gentechnisch verändert.
- Für den konventionellen Sojaanbau werden hingegen große Regenwaldflächen gerodet, um dort Monoplantagen anzulegen.
- Auch die sozialen Folgen des Sojaanbaus in den südamerikanischen Anbauländern sind problematisch: Durch Enteignung der privaten Felder verarmen viele traditionelle Kleinbauern und werden von ihren Ländereien vertrieben.
Suchen Sie genauer Informationen zu den Soja-Siegel? Die bekanntesten Siegel im Vergleich finden Sie auf der Website von Aktion Agrar – Landwende jetzt.
Vegetarische oder vegane Ernährung ist also nicht automatisch nachhaltig, doch in jedem Fall nachhaltiger. Denn eine Ernährung, bei der häufiger zu Gemüse und Getreide als zu Fleisch gegriffen wird, macht langfristig einen erheblichen Unterschied in der Verringerung des Wasserverbrauchs. Sie trägt nicht nur zum Schutz artenreicher Naturräume bei, sondern schützt auch die eigene Gesundheit.
Die Sorge, dass Fleischverzicht zu Nährstoffmangel führt, ist unberechtigt, solange man sich ausgewogen ernährt. Eiweiß, Eisen oder Omega3-Fettsäuren sind zum Beispiel auch in Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Bohnen, in grünem Blattgemüse oder Samen und Nüssen enthalten.