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Menschen motivieren und beteiligen

Josefa Sabina Fernandes da Silva ist Schiedsrichterin bei einem ganz besonderen Fußballspiel: Mädchen und Jungen spielen gemeinsam in einer Mannschaft. Dabei gibt es einige Regeln, die auf Gleichberechtigung abzielen. Zum Beispiel zählt ein Tor nur, wenn eine Spielerin den Ball geschossen oder den entscheidenden Pass gegeben hat.

Für viele der Jugendlichen ist das Spiel eine neue Erfahrung. Die Mädchen sind überrascht, wie selbstverständlich sie Verantwortung übernehmen können. Die Jungen merken schnell, wie wichtig Zusammenarbeit und Fairness sind. Das Spiel ist eines von vielen friedenspädagogischen Instrumenten unserer Partnerorganisation GTO. Solche Workshops regen Jugendliche dazu an, über Rollenbilder, Verantwortung und Zusammenleben nachzudenken.

Projektsteckbrief
Region:
Afrika
Schwerpunkte:
Advocacy
Friedensjournalismus
Friedenspädagogik
Konfliktbearbeitung
Volltreffer für Frieden – mit Ihrer Spende!

Das Fußballspiel in Guinea-Bissau ist ein Beispiel für unsere vielfältige Friedensarbeit. Sie können den nächsten Volltreffer für den Frieden setzen – mit Ihrer Spende.

Zahlungsmöglichkeiten
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Starke Gruppen für den Frieden

Damit Workshops wie diese im ganzen Land stattfinden können, bildet unsere langjährige Partnerorganisation „Grupo de Teatro do Oprimido“ (GTO) lokale Friedensgruppen aus. Menschen wie Armando Mussa Sani gehören zu diesen sogenannten Kumpuduris. Das Verb „kumpu“ bedeutet sowohl „aufbauen“ als auch „heilen“ und „reparieren“. „Kumpuduris di paz“ kann am besten als „Friedensstifter*innen“ übersetzt werden.

Jede*r Kumpudur gehört einer der elf Friedensgruppen des Landes an, die jeweils für ihre eigene Region zuständig sind. Lokal setzen sie friedenspädagogische Workshops um, bei denen mit Teilnehmer*innen aus allen Teilen der Gesellschaft zum Beispiel Streitigkeiten um Weide- und Ackerland gewaltfrei gelöst werden. So wird verhindert, dass Konflikte eskalieren und im schlimmsten Fall einen Flächenbrand auslösen.

Bei den letzten Wahlen waren die elf Friedensgruppen auch als unabhängige Wahlbeobachtende im Einsatz. Ein besonderer Schwerpunkt liegt derzeit auf der weiteren Stärkung des Friedensjournalismus im Land. In der Rekordzeit von nur drei Monaten entstand eine moderne Radiostation. Demnächst wird ein mobiles Ausbildungsstudio hinzukommen. In einem Land, in dem viele Menschen weder lesen noch schreiben können, ist dieses Medium enorm wichtig.

Gelebte Demokratie von unten. Foto: Jasmina Barckhausen
Friedensaktivist

Armando Mussa Sani

Armando Mussa Sani (57) ist seit vielen Jahren Friedensaktivist im westafrikanischen Guinea-Bissau. Er ist begeistert von der Arbeit unserer Partnerorganisation GTO: „Diese Methode, dieser Austausch von Ideen und Wissen, ist ganz anders als alles, was wir hier bisher im Friedensprozess gemacht haben. Die Friedensgruppen fallen überall auf. Sie machen etwas, was es vorher nicht gab. Ihre Art, die Welt zu sehen, verändert sie selbst und verändert die Menschen um sie herum. Und am Ende verändern sie damit alles. Denn dank ihnen ist unsere Gesellschaft weniger gewalttätig.“

Armando Mussa Sani, Friedensaktivist in Guinea-Bissau. Foto: Jasmina Barckhausen
Amilcar Cabral, Befreiungskämpfer und Gründer der Nation, wirbt als Riesenmarionette für Demokratie in Guinea-Bissau. Foto: Jasmina Barckhausen

Theater der Unterdrückten

Eine Methode ist das „Theater der Unterdrückten“. Dabei erarbeiten die Theaterteams der Friedensgruppen ein Theaterstück zu einem aktuellen Konfliktthema und laden bis zu 60 Gäste aus allen Teilen der Gesellschaft ein. Das Themenspektrum reicht von Nachbarschaftsstreitigkeiten, Rechte von Frauen, über Landbesitzfragen bis hin zu Gewaltkonflikten. Das Publikum bringt Vorschläge zur Konfliktlösung ein, über die am Ende abgestimmt wird. So werden Problemlösungen entwickelt, die im besten Fall auch umgesetzt werden.

In Guinea-Bissau, wo die Wunden des Bürgerkriegs auch nach mehr als 20 Jahren noch nicht verheilt sind, ist diese gemeinsame Erfahrung, dass Gesetze von unten entwickelt und umgesetzt werden können, ein enorm wichtiger Schritt.

Workshops

Wer wird Guinea-Bissau in Ordnung bringen?

Ein friedenspädagogisches Werkzeug von GTO: Workshop-Teilnehmer*innen blicken zunächst auf die verschlossene Kiste. Auf dem Deckel steht die Frage „Wer wird Guinea-Bissau in Ordnung bringen?“ Sobald der Deckel öffnet, erscheint das eigene Gesicht im Spiegel. Da muss auch GTO-Gründungsmitglied Elsa Maria Ramos Gomes lächeln.

Michaela Balke
Programmkoordinatorin Burundi, Guinea, Guinea-Bissau

Headerbild: Schiedsrichterin Josefa Sabina Fernandes da Silva erklärt die Regeln für dieses besondere Fußballspiel. Foto: Jasmina Barckhausen