Mehr als 500 Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft trafen sich gemeinsam mit Kleinbäuerinnen und -bauern bei den „Agrarökologischen Tagen“ in Dakar. Im Zentrum stand die Frage, wie Agrarökologie dauerhaft in Politik und Praxis verankert werden kann. Mit dabei: der langjährige Partner des Weltfriedensdienstes Enda Pronat.
Von der Idee zur politischen Debatte
Vor zehn Jahren rief die senegalesische Organisation Enda Pronat gemeinsam mit anderen Akteuren die „Agrarökologischen Tage“ (Journées de l’agroécologie du Sénégal, JAES) ins Leben. Was 2016 als Fachveranstaltung begann, hat sich zu einem landesweiten Forum für agrarökologische Transformation entwickelt.
Vom 21. bis 23. April 2026 fand in Dakar die fünfte Ausgabe der JAES statt. Über 500 Teilnehmende aus Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft diskutierten mit Kleinbäuerinnen und -bauern über Ernährungssysteme, Klimaanpassung und nachhaltige Landwirtschaft. Vertreter*innen aus allen 14 Regionen Senegals und Gäste aus 13 afrikanischen Ländern waren vor Ort.
Dabei ging es längst nicht mehr nur um Erfahrungsaustausch. Die zentrale Frage lautete: Wie lässt sich Agrarökologie dauerhaft in Politik und Gesellschaft verankern?
Strategien für die Agrarwende
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Übergabe zweier strategischer Dokumente an Regierungsvertreter. Vorgestellt wurden eine Orientierungshilfe zur Institutionalisierung der Agrarökologie und ein Policy Brief zur regionalen Verankerung agrarökologischer Ansätze.
Die Dokumente sollen Agrarökologie langfristig in nationale Strategien und öffentliche Politik einbinden. Sie setzen auf die Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft, die Stärkung lokaler Ernährungssysteme und die Anpassung an die Klimakrise.
Die JAES haben sich damit von einem Fachforum zu einem Ort entwickelt, an dem Erfahrungen aus Gemeinden, Forschung und Praxis in politische Prozesse einfließen.
Eine Bewegung für die agrarökologische Transformation
Die Multi-Akteurspartnerschaft DyTAES (Dynamique pour une Transition Agroécologique au Sénégal) spielt dabei eine Schlüsselrolle. Unsere langjährige Partnerorganisation Enda Pronat gehörte zu den treibenden Kräften bei ihrer Gründung.
DyTAES vereint Bäuerinnen und Bauern, Wissenschaftler*innen, zivilgesellschaftliche Akteure und Politiker*innen, Wirtschaft und Forschung, um die agrarökologische Transformation voranzutreiben. Ziel ist es, lokale Erfahrungen in politische Entscheidungen einzubringen.
Dass Agrarökologie in Senegal heute als strategischer Ansatz für Ernährungssouveränität, Klimaresilienz und nachhaltige Ernährungssysteme gilt, zeigt die Entwicklung der JAES: Was einst als Idee begann, ist heute Teil der nationalen Debatte.
JAES 2026 in Zahlen
- Über 500 Teilnehmende
- Gäste aus 13 afrikanischen Ländern
- Beteiligung aus allen 14 Regionen Senegals und über 60 Orten
- 22 Fachforen und rund 50 Beiträge aus Forschung und Praxis
Wissen, Praxis und Menschen verbinden
Die Agrarökologie-Tage verdeutlichten die Vielfalt der Bewegung. Beim „Forum des Savoirs“ tauschten sich Forschende, junge Menschen und Praktiker in 22 Themenforen aus. Sie diskutierten über Klimaanpassung, die Rolle von Frauen in Ernährungssystemen, digitale Werkzeuge und lokales Wissen. Fast 50 wissenschaftliche und technische Beiträge wurden präsentiert.
Am letzten Tag öffnete sich die Veranstaltung für die breite Öffentlichkeit. Auf dem Place de la Nation zeigten Bäuerinnen und Bauern, Initiativen und Unternehmen ihre agrarökologischen Ansätze, lokale Produkte und praktische Lösungen. Kunst, Musik und Begegnungen machten deutlich: Agrarökologie betrifft nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch das Zusammenleben und die Zukunft ländlicher Räume.
Frieden und Ressourcen zusammendenken
Für den Weltfriedensdienst ist nachhaltige Landwirtschaft auch Friedensarbeit. Wo Böden geschützt, Wasser nachhaltig genutzt und Lebensgrundlagen gesichert werden, entstehen Perspektiven und Konflikte um knappe Ressourcen nehmen ab.
Die Entwicklung in Senegal zeigt, wie langfristige Partnerschaften wirken können – von lokalen Initiativen über nationale Netzwerke bis hin zu politischen Prozessen.
Mehr zum Projekt: Gemeinsam für eine ökologische Agrarwende