Frieden, Entwicklung und Menschenrechte stellen die drei Kernbereiche unserer Arbeit dar. Bei all diesen drei Themenbereichen spielt Ressourcengerechtigkeit eine wichtige Rolle. In Politik und Medien ist die Debatte um Ressourcenkonflikte ein stets präsentes Thema. Dabei dominieren oft  kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Nationalstaaten, beispielsweise die „Ölkriege“ der USA oder blutige Bürgerkriege, in denen Ressourcen wie Diamanten oder seltene Metalle vermeintliche Kriegsgründe sind. Dem Mangel von Ressourcen oder deren ungleiche Verteilung werden weltweit  ein steigendes Konfliktpotential zugeschrieben.

Ressourcenkonflikte um Wasser

Ausgetrockneter Boden und Wassermangel – Knappheit kann zu innerstaatlichen Ressourcenkonflikten führen

Ausgetrockneter Boden und Wassermangel – Knappheit kann zu innerstaatlichen Ressourcenkonflikten führen

Ein direkter ursächlicher Zusammenhang zwischen Konflikten und Ressourcenmangel ist jedoch häufig schwer zu etablieren. Ein Beispiel dafür sind Wasserkonflikte, die vermeintlich zu den vielmals beschworenen „Wasserkriegen“ führen könnten. Oft führen Wasserverteilungskonflikte jedoch eher zu Kooperation anstatt zu Konfrontation zwischen Staaten. Einseitige Erklärungen und vereinfachte Warnungen vor drohenden Staatenkriegen um Ressourcen sind nicht immer richtig.

Gleichzeitig zeigen Studien, dass unzählige und oft gewaltvolle Ressourcenkonflikte Teil der Realität innerhalb von Staaten sind. Ein Beispiel dafür ist der längste Fluss der Welt, der Nil, der durch zehn Länder fließt und sowohl Kooperation zwischen Staaten als auch gewaltvolle innerstaatliche Konflikte hervorruft.

 

Globale Zusammenhänge bei Ressourcenkonflikten

Ressourcenkonflikte werden anstatt zwischen Staaten, häufiger lokal ausgetragen und entziehen sich  damit einer breiten (medialen) Aufmerksamkeit. Die Ursachen dieser Konflikte scheinen in vielen Fällen ebenfalls lokaler Natur zu sein. Überwiegend sind  Konfliktursachen jedoch in größere und oft globale Zusammenhänge eingebettet, wie etwa in globale Handelsstrukturen oder in weltumspannende Phänomene wie dem Klimawandel. Auch wenn Ressourcenkonflikte sich häufig als lokale Spannungen und gewalttätige Konfrontationen manifestieren, sind es oft ferne NutznießerInnen und VerursacherInnen, die die „versteckten Konflikte“ mit den Betroffenen vor Ort verschärfen.

Ressourcenkonflikte und der Weltfriedensdienst e.V.

In unserer Arbeit gehen wir von einem vielschichtigen Verständnis von Ressourcenkonflikten aus. Hierbei sind zwei Themenkomplexe für uns von besonderer Bedeutung: Einerseits der sogenannte Landraub (land grabbing), bei dem sich meist internationale Konzerne Land indigener Bevölkerungsgruppen aneignen. Ein Beispiel dafür stellt Argentinien dar, wo wir uns gemeinsam mit der indigenen Bevölkerung für ihre Landrechte einsetzen. Andererseits der mit Landraub eng verbundene  Wasserraub (water grabbing), das sprichwörtliche Abgraben von Wasser. Unter Wasserraub verstehen wir das Hindern einer Bevölkerungsgruppe am Zugang zu Wasser, bspw. durch den Anbau und die Herstellung von Exportprodukten, durch Klima- und Umweltveränderungen, durch wirtschaftliche Zwänge oder aufgrund der Bedrohung von nachhaltiger, kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Ein weiteres Beispiel unserer Arbeit ist Kenia, wo wir uns gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung nicht nur für eine gerechte Landverteilung sondern auch für den Erhalt der Lebensgrundlage Wasser stark machen.

Eine Lösung für Ressourcenkonflikte: Ressourcengerechtigkeit

In Argentinien verstärkt das Exportprodukt Lithium die Wasserknappheit, da es mittels Wasserverdunstung gewonnen wird.

In Argentinien verstärkt das Exportprodukt Lithium die Wasserknappheit, da es mittels Wasserverdunstung gewonnen wird.

Unsere Arbeit für Ressourcengerechtigkeit und an den Themen Landraub (lang grabbing) und Wasserraub (water grabbing) basiert auf der Definition einer umfassenden Ressourcengerechtigkeit. Während Gerechtigkeit im Allgemeinen meist im Rahmen geschlossener Gesellschaften gedacht wird, gehen wir  von der Notwendigkeit einer global konzipierten Ressourcengerechtigkeit aus.

Unser Verständnis von Ressourcengerechtigkeit umfasst sowohl die Prävention von ungerechter Verteilung als auch das faire Aussöhnen bestehender lokaler Konflikte um Ressourcen. Aber wir möchten auch indirekte Formen von Gerechtigkeit mitdenken. Damit meinen wir beispielsweise die Hauptverantwortlichkeit der Industrienationen für den Klimawandel, aber auch allgemeine globale Konsumungleichheiten. Ressourcengerechtigkeit ist  für uns mehrdimensional: Sie beinhaltet Gerechtigkeit bei der Verfügung über existenzielle Ressourcen wie Nahrung und Wasser, aber auch Gerechtigkeit bei der Verteilung und bei Austauschbeziehungen auf allen Ebenen menschlicher Interaktion. Aus einer Verletzung der so konzipierten Ressourcengerechtigkeit können Ressourcenkonflikte entstehen.

Ressourcengerechtigkeit ist nicht immer einfach zu erzeugen, wie uns unsere tägliche Arbeit an unseren Kernthemen Frieden Entwicklung Menschenrechte zeigt.

Ressourcengerechtigkeit durch Friedensarbeit und Prävention

RessourcenUNgerechtigkeit ist in vieler Hinsicht und auf verschiedenen Ebenen eine Gefährdung von Frieden. Solche Ungerechtigkeit führt vor allem auf lokaler Ebene zum Ausbruch von Konflikten. Dabei kann es sich um Konflikte zwischen Volksgruppen handeln, deren Ressourcen Wasser, Acker- und Weideland knapp sind oder knapper werden. Oder es entstehen Konflikte zwischen Großkonzernen und unterstützenden Staatsorganen auf der einen und der lokalen Bevölkerung auf der anderen Seite, wie es  bei  Landraub-Situationen der Fall ist. Aber auch auf zwischenstaatlicher Ebene sind Konflikte nicht ausgeschlossen, wie der israelisch-palästinensische Wasserkonflikt zeigt.

Durch unseren positiven Friedensbegriff gehen wir davon aus, dass Frieden auf der Haltung der aktiven Gewaltfreiheit basiert. Deshalb ist unsere Arbeit gegen Ressourcenungerechtigkeit auch ein Kampf gegen Gewalt in direkter und struktureller Form, vor allem auf globaler Ebene. Das Eintreten für Ressourcengerechtigkeit ist somit immer auch Friedensarbeit und Prävention von Ressourcenkonflikten.

Entwicklung ist ein Menschenrecht und braucht Ressourcengerechtigkeit

Kenia zeigt: nur gemeinsam können wir Ressourcengerechtigkeit erreichen

Kenia zeigt: nur gemeinsam können wir Ressourcengerechtigkeit erreichen

In unserer Arbeit bekennen wir uns zum Recht auf Entwicklung als ein Menschenrecht. Als Basis für jegliche Entwicklung braucht es in jedem Fall die Gewährleistung der grundlegenden menschlichen Bedürfnisse. Für uns stellt die Gewährleistung dieser Grundbedürfnisse ein fundamentales Menschenrecht dar. Doch der Zugang zu ausreichend Nahrung, Wasser, Wohnraum, Kleidung oder der Sicherung von ärztlicher Versorgung, usw. wird häufig durch Ressourcenungerechtigkeit aufgrund von Landraub, Wasserraub oder durch die ungerechte Verteilung monetärer Ressourcen verwehrt. Globale Ressourcenungerechtigkeit durch ungleichem Konsum und Verbrauch bestimmter Ressourcen oder durch globale Handelsstrukturen und Handelsmacht stellt nicht nur Ungerechtigkeiten dar, sondern verhindert oft auch Entwicklung.

Der Einsatz für Ressourcengerechtigkeit sichert somit das Recht auf Entwicklung. Dabei treten wir aber nicht für ein simples Recht auf „gleiche Entwicklung für alle“ ein, sondern arbeiten explizit an der Unterstützung positiver und nachhaltiger Entwicklung.

Ressourcenungerechtigkeit als Verletzung von Menschenrechten

Ressourcenungerechtigkeit geht oft mit der Verletzung fundamentaler Menschenrechte einher. Dadurch kann die Befriedigung der Grundbedürfnisse unmöglich gemacht, das Menschenrecht auf Entwicklung verwehrt oder sogar  Reche auf körperliche und seelische Unversehrtheit sowie auf freie Entfaltung durch strukturelle Gewalt beschnitten werden. Der Kampf für Verteilungsgerechtigkeit und Tauschgerechtigkeit, verwehrt durch asymmetrische Machtstrukturen und Handelsmuster, macht deutlich: es braucht die Einhaltung  der Menschenrechte!

Text: Micha Hummes und Lisa Feitsch

13.04.2017

Gepostet in: Allgemein

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