Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern

Bis 2011 stand Myanmar (vormals Burma ) jahrzehntelang unter der von Gewalt geprägten Herrschaft einer Militärdiktatur. Um den mit der Öffnung und Demokratisierung des Landes einsetzenden Friedensprozess zu begleiten, unterstützt der Weltfriedensdienst seit 2013  lokale Partnerorganisationen bei der Erarbeitung von gewaltfreien Lösung von Konflikten in verschiedenen Teilen des Landes.

Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern

Bis 2011 stand Myanmar (vormals Burma ) jahrzehntelang unter der von Gewalt geprägten Herrschaft einer Militärdiktatur. Um den mit der Öffnung und Demokratisierung des Landes einsetzenden Friedensprozess zu begleiten, unterstützt der Weltfriedensdienst seit 2013  lokale Partnerorganisationen bei der Erarbeitung von gewaltfreien Lösung von Konflikten in verschiedenen Teilen des Landes.

Schwangere Demonstrantin: Der Mut zum Widerstand ist größer als Angst vor Militärdiktatur, Yangon, Myanmar, 9.12.2021 © Jella Fink

Mit einem Putsch am 1. Februar wollte das Militär in Myanmar die Zeit zurückdrehen: Zurück zu einem strikten Militärregime, Hausarrest für Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Seitdem gehen Hunderttausende gegen das Militär auf die Straßen. Sie protestieren für die Demokratie – und sie sind kreativ und mutig. Angst macht sich trotzdem breit. Das Militär geht immer gewaltsamer gegen die friedlichen Demonstranten vor.

 

Aktualisierung vom 18.02.2021

 

Live aus Myanmar

Dr. Jella Fink, unsere Friedensfachkraft in Myanmar, lebt dort seit 2014 und berichtet aktuell in verschiedenen deutschen Medien, wie sie die Ereignisse einschätzt. Sie beobachtet gekaufte Gegendemonstrant*innen, die Angst vor dem digitalen Überwachungsstaat und Polizisten, die gar nicht gegen Demonstrant*innen vorgehen wollen.

Podcasts mit Dr. Jella Fink (Auswahl)

Deutschlandfunk Kultur “Weltzeit”, 18.02.2021

Deutschlandfunk Nova „Hielscher oder Hase“, 12.02.2021

BR 2 Morgen-Podcast „Tagesticket“, 12.02.2021

 

Militär begnadigt 23.000 Gefangene – wozu?

Bereits 384 Menschen hat das Militär im ganzen Land verhaftet (AAPP, 13.2.). Viele Menschenrechtler*innen und Journalist*innen sind untergetaucht. Um zu unterbinden, dass die Menschen ihren friedlichen Protest miteinander organisieren, sperrte das Militär Facebook und andere Plattformen. Wir sind besorgt, dass bald das Internet vollständig blockiert wird, um den Widerstand zu brechen.

Es sollen vom Militär rund 23.000 Gefangene begnadigt worden sein, darunter Personen, die für mehr Unruhe auf den Straßen sorgen könnten. Befürchtet wird, dass in den Gefängnissen Platz geschaffen wird für Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen und viele andere, die sich der Bewegung des zivilen Ungehorsams angeschlossen haben.

Der UN-Menschenrechtsrat hat die sofortige Freilassung der vom Militär entmachteten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi gefordert (12.2.). Alle „willkürlich Inhaftierten“ müssten sofort freigelassen und die gewählte Regierung „wieder eingesetzt“ werden, hieß es in dem von allen 47 Mitgliedern angenommenen Beschluss. Die USA hatten bereits Sanktionen gegen zehn Militärführer und drei Edelstein-Unternehmen in Myanmar verhängt.

 

Ein Bild des 3-Finger-Grußes wird während eines nächtlichen Protestes gegen den Militärputsch und zur Forderung der Freilassung der gewählten Führerin Aung San Suu Kyi auf ein Gebäude projiziert in Yangon, Myanmar, 9.12.2021 © Jellla Fink

Symbole des Widerstands

Die Protestierenden lassen sich von der Gewalt des Militärs nicht beirren und gehen weiter mutig auf die Straße. Die Proteste werden immer kreativer.

  • 3-Finger-Gruß: Sie recken 3 Finger in die Luft als Zeichen des Widerstandes der Unterdrückten. Die Geste kommt ursprünglich aus „The Hunger Games“ (Die Tribute von Panem), es wird damit ein Zeichen des Widerstands gegen autoritäre Regierungen gesetzt. Im Nachbarland Thailand wurde das Handzeichen bereits als Protest gegen das erstarkende Militär verwendet.
  • Töpfeschlagen: Mit Töpfen, Pfannen und Kochlöffeln wird um 20 Uhr der Protest von zuhause aus weitergeführt – so hält man sich an die Ausgangssperre, protestiert aber weiter. Normalerweise vertreibt man zum Jahreswechsel die bösen Geister mit dem Lärm wie bei uns ursprünglich mit Feuerwerk und Böller. Autohupen unterstützen den Protest lautstark. Die Topf-Protestform wird auch „Metal Pot“-Kampagne genannt und im Internet durch den Slogan „Soup not Coup“ (Suppe statt Putsch) ergänzt.
  • Generalstreik: Wie in früheren Protestbewegungen gegen die Militärdiktatur sind auch dieses Mal Studierende und buddhistische Mönche von zentraler Bedeutung. Auch das medizinische Personal, zum Teil ganze Krankenhäuser, verurteilen den Putsch scharf und weigern sich zu arbeiten. Viele Menschen legen die Arbeit nieder. Sogar staatlich Angestellte aus dem öffentlichen Dienst beteiligen sich an den Protesten. Neben Ärzten, Lehrern und Bahnarbeitern schlossen sich auch hunderte Regierungsangestellte der Bewegung des zivilen Ungehorsams an. Immer wieder laufen Polizisten zu den Demonstranten über.
  • Rote Farbe: Rot wird als Farbe der Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD), die Partei von Aung San Suu Kyi, zur Farbe von Protest und Widerstand. Es werden rote Ballons steigen gelassen, rote Fahnen geschwenkt, rote Rosen an Polizisten verteilt. Rote Schleifen werden als Zeichen des Protests getragen, zum Beispiel von Ärzt*innen, die nicht streiken.

Weitere Zeichen des Widerstands:

  • Junge Frauen tragen Hochzeitskleider, die Demonstrant*innen singen, oder überreichen Rosen an verblüffte Polizisten.
  • Kerzen brennen in den Fenstern und sollen Hoffnung verbreiten und an die Studentin gemahnen, die von einem Projektil in den Kopf getroffen wurde.
  • Firmen, die dem Militär gehören, werden boykottiert. Die noch bis vor kurzem populärste Marke Myanmar Beer ist aus den Regalen verschwunden.
  • Künstler*innen aus Myanmar stellen ihre Arbeit der „Bewegung des zivilen Ungehorsams“ zur Verfügung: https://www.artforfreedommm.com/

Insgesamt ist der Protest sehr kreativ und vielfältig. Die sozialen Medien spielen eine herausragende Rolle dabei. Oft sind die Transparente graphisch professionell, der Tonfall frech. Wer weiß, was sich die Demonstrierenden als nächstes einfallen lassen?

 

Gewaltfreien Widerstand unterstützen

In einem offenen Brief fordern zahlreiche Gruppen, Organisationen und Netzwerke aus der Zivilgesellschaft Myanmars die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.

  • Demonstrierende und Versammlungsrechte schützen
  • Internationale Aufmerksamkeit und Monitoring gewünscht
  • Völkerrecht und Menschenrechte achten
  • Humanitäre Hilfe aufrechterhalten

Hier die vollständige Fassung des englischsprachigen „Open Letter from Civil Society Organizations callling on the United Nations Council Regarding the Urgent Situation in Myanmar” vom 09.02.2021

 

Was können wir in Deutschland tun?

Unterstützt mit uns die weltweite Aktion gegen die Militärdiktatur #StepDownMyanmarMilitaryNow:

1. Schreibt eure Forderung gegen die Militärdiktatur auf ein Blatt Papier (inkl. dem Land, in dem ihr wohnt)

2. Macht ein Foto und postet es auf euren Kanälen und/oder sendet es an stepdownmyanmarmilitarynow@gmail.com

3. Nutzt beim Posten folgende Hashtags:

#stepdownmyanmarmilitarynow

#reject_myanmar_military_coup

#Civildisobediencecampaign

#saveMyanmar

Protestaktion gegen Militärputsch in Myanmar © Weltfriedensdienst e.V.

Der Newsletter des Weltfriedensdienst e.V. bietet aktuelle Projekt- und Länderinfos, Tipps zum persönlichen Engagement und bewegende Einblicke in die internationale Entwicklungszusammenarbeit – Jetzt abonnieren!

Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützen wir Menschen, ihre Lebensumstände aus eigener Kraft zu verbessern. Als gemeinnützige Organisation der Entwicklungszusammenarbeit sind wir in mehr als 20 Ländern rund um den Globus aktiv.

 

05.02.2021

Gepostet in: Aktuelles, Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern

Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern

Bis 2011 stand Myanmar (vormals Burma ) jahrzehntelang unter der von Gewalt geprägten Herrschaft einer Militärdiktatur. Um den mit der Öffnung und Demokratisierung des Landes einsetzenden Friedensprozess zu begleiten, unterstützt der Weltfriedensdienst seit 2013  lokale Partnerorganisationen bei der Erarbeitung von gewaltfreien Lösung von Konflikten in verschiedenen Teilen des Landes.

Empowerment von Frauen

Mi Kun Chan Non ist eine bekannte Frauenrechtlerin in Myanmar. Sie kämpft leidenschaftlich und lautstark für die Teilhabe von Frauen an den Corona-Reaktions- und Umsetzungsplänen.

Bislang ist die Teilhabe von Frauen an Friedensprozessen in Myanmar ohnehin sehr begrenzt. Das ändert Mi Kun Chan Non. Sie ist die Direktorin unserer Partnerorganisation Mon Women’s Organization (MWO). Sie führt Führungskräftetrainings für marginalisierte Mon-Frauen, die in verarmten Gemeinden leben, durch. Sie zeigt, wie wichtig Networking und Lobbyarbeit sind.

Das ist auch in der aktuellen Krise hilfreich: Die sozialen Medien sind in Myanmar in der Reaktion auf die Pandemie immer wichtiger geworden. „Auch jetzt nutzen wir Live-Streaming und Messenger, um mit den Frauen in unserem Gebiet zu kommunizieren“, berichtet Mi Kun Chan Non, „Wichtig sind die präventiven Maßnahmen gegen COVID-19. Wichtig ist das Erkennen der Symptome. Wir informieren ständig über die aktuelle Situation.”

Neben sozialen Medien setzt MWO auch Poster, Flyer und Lautsprecher ein. MWO hat die wichtigsten Fakten in die Mon-Sprache übersetzt und blitzschnell Aufklärungsbroschüren gedruckt und in die Dörfer gebracht.

Das sind die Themen der Aufklärungsbroschüren:

  • Tracking der bestätigten Corona-Fälle in Myanmar
  • 5 Tipps zur Unterstützung der eigenen Gemeinde während COVID-19
  • Wie man sich vor einer Ansteckung schützt
  • Wie man sich die Hände wäscht
  • Wie man sein Immunsystem stärken kann
  • Symptome von COVID-19
  • Wie man gebrauchte Gesichtsmasken entsorgt
  • Wie MWO die Teilhabe von Frauen in der Coronavirus-Reaktion stärkt

 

Weitere Infos zur aktuellen Situation in Myanmar: Corona in Myanmar: Pragmatisch in der Krise

 

 

Foto © Mi Kun Chan Non

11.06.2020

Gepostet in: Aktuelles, Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern

Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern

Bis 2011 stand Myanmar (vormals Burma ) jahrzehntelang unter der von Gewalt geprägten Herrschaft einer Militärdiktatur. Um den mit der Öffnung und Demokratisierung des Landes einsetzenden Friedensprozess zu begleiten, unterstützt der Weltfriedensdienst seit 2013  lokale Partnerorganisationen bei der Erarbeitung von gewaltfreien Lösung von Konflikten in verschiedenen Teilen des Landes.

Pragmatisch in der Krise

„Die Menschen in Myanmar sind unheimlich flexibel und passen sich super schnell an neue Umstände an“, berichtet Jella Fink, unsere Landeskoordinatorin in Myanmar. „Und sie handeln pragmatisch: sie organisieren sich in gemeinnützigen Organisationen und Freiwilligengruppen. Das „Geben“ ist tief in den sozialen und religiösen Strukturen verwurzelt.“

Fink beobachtet ein sehr solidarisches Verhalten. „Viele bleiben freiwillig zu Hause, fast jede*r trägt in der Öffentlichkeit einen Mund-Nase-Schutz und hält so gut es geht Abstand.“ Denn für alle hätte ein richtiger Ausbruch gravierende Konsequenzen. So entstanden in kürzester Zeit überall in der Öffentlichkeit improvisierte Waschmöglichkeiten – stets mit Seife ausgestattet.

Da die Trainings mit Jugendlichen ethnischer Minderheiten aktuell entfallen, hat unsere Partnerorganisation Mong Pan Youth Association (MPYA) im Shan-Staat Video-Anleitungen in mehreren lokalen Sprachen produziert, wie man selbst Handdesinfektionsmittel herstellt. In einer digitalen Arbeitsgruppe komponiert das von MPYA geförderte Alumni-Netzwerk gemeinsam ein Lied, das die Covid-19-Prävention unterstützen soll.

Hier geht’s zum Musikvideo.

MPYA unterstützt die lokalen Gemeinschaften in ihrer Region durch Informationskampagnen und Sachmittelspenden für Familien in prekären Verhältnissen. Sie schließen damit eine wichtige Lücke, da die Informations- und Gesundheitsversorgung in Myanmar bereits vor COVID-19 in bedenklichem Zustand war.

Von Corona-bedingten Ausfällen am stärksten betroffen sind 18 Millionen Myanmarer*innen, die im informellen Sektor tätig sind. Das sind 83% der arbeitenden Bevölkerung.

In Kontakt bleiben: Live-Streaming & Messenger

Auch unsere beiden anderen Partnerorganisationen engagieren sich in der Prävention und versuchen die Friedensarbeit so gut es geht online von zu Hause aus fortzusetzen. Trainings und Forschungsvorhaben sind erstmal verschoben.

Mon Women Organization (MWO) etwa hat die wichtigsten Fakten in die Mon-Sprache übersetzt und verteilt diese gerade. Die sozialen Medien sind in der Reaktion auf die Pandemie immer wichtiger geworden. Weitere Infos folgen in Kürze.

Westliche Einflüsse: Tendenz negativ

Nach anfänglichem Zögern und teilweise auch grob irreführender Kommunikation hat die Regierung in Myanmar auf die Lage reagiert. Erste Covid-19-Fälle waren allesamt „aus dem Westen“ importiert.

Gleichzeitig inszeniert sich China in Myanmar als freundlicher Helfer und entsendet Mediziner nach Yangon. Die Tendenz, westliche Einflüsse negativ zu charakterisieren, ist seit der Rakhine-Krise und der daraus folgenden öffentlichen Verurteilung sichtbar gestiegen.

Kämpfe teils ausgesetzt

Endlich hat das Militär einen Waffenstillstand bis Ende August beschlossen. Diesen erbaten ethnische bewaffnete Gruppen, um COVID-19-Vorsorge in ihren Gebieten betreiben zu können. Auch internationale Organisationen forderten ein Aussetzen der Kampfhandlungen. Der Waffenstillstand gilt allerdings nicht in Regionen, in denen terroristische Vereinigungen kämpfen, darunter Rakhine und Chin. Dort kommt es aktuell zu den stärksten Kampfhandlungen und den meisten zivilen Opfern.

Das Militär scheint sich durch die „Corona-Ablenkung“ in Sicherheit zu wähnen – die Anzahl ziviler Opfer hat im April stark zugenommen und es kam zu Attacken in den Staaten Rakhine, Karen, Shan und Chin. Gerade kam ein UN-Fahrzeug in Rakhine unter Beschuss, das COVID-19-Tests zum Labor in Yangon fahren sollte. Der lokale WHO-Mitarbeiter wurde getötet.

Das Militär gibt die Schuld an allen zivilen Opfern den ethnischen bewaffneten Gruppen gegen die es kämpft. Das entspricht oft nicht der Realität. Damit will es die Unterstützung der Zivilbevölkerung den ethnischen bewaffneten Gruppen gegenüber schwächen.

Pressefreiheit unter Druck

Eine Internetsperre – seit über 8 Monaten – verschärft die Situation in Rakhine. Zum einen unterbindet die Regierung so den Informationsfluss zu Kampfhandlungen und Menschenrechtsverletzungen in dieser Region, zum anderen können nun auch die COVID-19 Präventionsmaßnahmen nicht verbreitet werden.

Die Unterdrückung und Bekämpfung von Zivilisten findet außerdem nicht nur mit Waffengewalt, sondern auch durch Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit statt. Diese wurde unter der Regierung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi weiter beschränkt und nun durch COVID-19 verschärft.

Verhaftungen prominenter Redakteure, Website-Blockaden, abgeschaltetes Internet – im Wahljahr und in der Corona-Krise wird es für Myanmars Bevölkerung schwieriger, an wichtige Informationen zu kommen

 

Weiter zum Myanmar-Corona-Update Juni: Empowerment für Frauen

 

Alle Fotos © MPYA

17.05.2020

Gepostet in: Aktuelles, Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern

Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern

Bis 2011 stand Myanmar (vormals Burma ) jahrzehntelang unter der von Gewalt geprägten Herrschaft einer Militärdiktatur. Um den mit der Öffnung und Demokratisierung des Landes einsetzenden Friedensprozess zu begleiten, unterstützt der Weltfriedensdienst seit 2013  lokale Partnerorganisationen bei der Erarbeitung von gewaltfreien Lösung von Konflikten in verschiedenen Teilen des Landes.

Unsere Fachkräfte Bernhard Ortmann und Lukas Nagel berichten im Jahresbericht 2017, wie unsere Projekte zu einem nachhaltigen Frieden in Myanmar beitragen: wir stärken kritische DemokratInnen und bilden sie aus.

Die Welt schaut nach Myanmar. Doch tut sie das wirklich? Nach der ursprünglichen Euphorie der demokratischen Öffnung, den ersten freien Wahlen unter der Ikone Aung San Suu Kyi und dem Entsetzen des Westens über die Verfolgung der Rohingya sowie Berichten über rigorose Menschenrechtsverletzungen bleibt wenig Raum für andere Themen. Massiver Landraub und rücksichtsloser Ressourcen-Extraktivismus vertiefen alte Konflikte unter den zahlreichen Minderheiten Myanmars noch weiter.

Minderheiten von Rohstofferschließung und Infrastrukturprojekten betroffen

So bedeutsam Rohstofferschließung und Infrastrukturprojekte für Myanmars Entwicklung sind, so zerstörerisch sind stellenweise deren Folgen: Ganze Dörfer müssen wirtschaftlichen Großprojekten weichen und Familien das Land verlassen, von dem sie seit Generationen leben. Menschenrechtsstandards werden dabei so gut wie nie eingehalten. Besonders betroffen sind die ethnischen Minderheiten, die in den rohstoffreichen, wirtschaftlich wenig erschlossenen Gebieten nahe der Landesgrenzen leben.

Engagement für Frauenrechte und gegen Land Grabbing

Gemeinsam mit Partnerorganisationen arbeitet der Weltfriedensdienst in eben diesen Regionen: Entlang des Thanlwin, einem der letzten großen weitgehend freifließenden Flüsse Südostasiens, sieht sich die Bevölkerung mit den Folgen von geplanten Dammbauten, Bergbau- und anderen Großprojekten konfrontiert. Die Partnerorganisation Mong Pan Youth Association vermittelt im Shan State jungen Menschen die Kompetenz, sich gegen den grassierenden Landraub zu wehren. Sie lernen, belastbare Informationen zusammenzutragen, aufzubereiten und sie etwa durch Videodokumentationen ebenso breitenwirksam wie zielgerichtet publik zu machen.

Datenerhebung durch unseren Partner in Shan.

Im Mon State, wo der Thanlwin schließlich in die Andamanensee mündet, nimmt die Mon Women’s Organization die besonders leidtragenden Frauen und Kinder in den Blick: Mittels eines breiten Netzwerks lokaler Frauengruppen erhebt sie Informationen zur lokalen Problemlage. In Schulungen erlangen Frauen ein Bewusstsein für ihre Rechte und wie sie diese gemeinsam einfordern können.

Perspektiven für marginalisierte Jade-Sammler im Norden Myanmars

Im Norden Myanmars zwischen China und Indien befindet sich der Kachin State. Der seit Jahrzehnten währende Konflikt hier kann nur verstanden und bearbeitet werden, wenn man auch die Kriegsökonomie und die daraus entstehende Ressourcenverteilung berücksichtigt. Sie beruht auf der Ausbeutung von Jademinen, mit deren Profit sich die Kriegsparteien finanzieren. Hier engagiert sich unsere Partnerorganisation Naushawng Development Institute (NDI) mit Bildungsarbeit, Dialogprozessen und Forschung für Frieden. Junge, gut ausgebildete AbsolventInnen des einjährigen Programms setzen sich anschließend in den Kommunen für den Friedensprozess, Recht und staatliche Transparenz ein.

Im Rahmen dieser Ausbildung führen die Studierenden ihr eigenes kleines Forschungsprojekt durch. In Hpakant befinden sich die größten Jademinen der Welt. 2017 interviewten dort fünf NDI-Studierende 49 der extrem marginalisierten Jade-Sammler, die für einen kleinen Obolus in den aufgelassenen Minen nach kleineren Jadestücken suchen. Drangsalierung durch Sicherheitskräfte, sexuelle Gewalt, Mord, Drogenabhängigkeit und die Gefahr, in Erdrutschen begraben zu werden, gehören zum Alltag.

In ihrem wissenschaftlichen Bericht machen die ForscherInnen auf die Zustände hier aufmerksam und geben Politikempfehlungen. Die Gruppe entschied sich für dieses Thema, weil einer von ihnen, La Ja, seit dem 14. Lebensjahr ein Jade-Sammler gewesen war. Mit 21 Jahren bewarb er sich bei NDI und hat nun zum ersten Mal eine Perspektive. „Vor meiner Ausbildung bei NDI hatte ich kein Ziel im Leben, nur meinen Tageslohn in den Minen. Aber durch NDI habe ich mein Ziel gefunden. Besonders die LehrerInnen haben mich inspiriert.“ Seit Januar 2018 ist er ein vollangestellter Englischlehrer.

Bernhard Ortmann & Lukas Nagel, Myanmar – Unsere Mitarbeiter im Projekt Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern

28.09.2018

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Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern

Bis 2011 stand Myanmar (vormals Burma ) jahrzehntelang unter der von Gewalt geprägten Herrschaft einer Militärdiktatur. Um den mit der Öffnung und Demokratisierung des Landes einsetzenden Friedensprozess zu begleiten, unterstützt der Weltfriedensdienst seit 2013  lokale Partnerorganisationen bei der Erarbeitung von gewaltfreien Lösung von Konflikten in verschiedenen Teilen des Landes.

Von 1962 bis 2011 stand Myanmar (vormals Burma) unter der von Gewalt geprägten Herrschaft einer Militärdiktatur. Das Militär setzte 2011 ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt ein und leitete damit eine vorsichtige Öffnung und Demokratisierung des Landes ein. Jedoch bekämpfen sich noch immer zahlreiche bewaffnete Milizen sowohl untereinander als auch mit dem Militär – angeheizt von einer fortbestehenden Kriegsökonomie.

Hinzu kommt, dass die BewohnerInnen Myanmars keine gemeinsame Identität haben. Neben den BurmesInnen (ca. 70% der Gesamtbevölkerung) gibt es sieben weitere größere Volksgruppen, die offiziell anerkannt sind, sowie zahlreiche ethnische Minderheiten mit ausgeprägten eigenen Identitäten. Selbst die birmanische Mehrheit ist – vor allem in ihrem Verhältnis zu dem weiterhin dominanten Militär – politisch gespalten. Um den mit dem Ende der Militärdiktatur einsetzenden Friedensprozess zu begleiten, unterstützt der Weltfriedensdienst seit 2013  lokale Partnerorganisationen bei der Erarbeitung von gewaltfreien Lösung von Konflikten in verschiedenen Teilen des Landes.

Konfliktbearbeitung in benachteiligten Gemeinden

Ohne eine Konfliktbearbeitung mit dem Ziel nationaler Versöhnung ist jederzeit mit dem Aufbrechen bewaffneter Konflikte zu rechnen. Besonders ethnische Minderheiten fühlen sich von der Regierung systematisch vernachlässigt – eine Gefahr für den Friedensprozess. Die Friedensarbeit des Weltfriedensdienst im Land zielt daher zunächst darauf, dass sich die Bevölkerung in den Projektregionen Kachin State, südlicher Shan State und perspektivisch Mon State auf ihre wichtigsten Anliegen, Bedürfnisse und Rechte verständigt.  Dafür werden in Gemeinden verankerte Organisationen unterstützt, regionale Friedensprozesse zu moderieren und zu begleiten.
Friedensfachkräfte des Weltfriedensdienst mit Kenntnissen um Konfliktanalyse, gewaltfreie Kommunikation und Konflikttransformation beraten sie vor Ort. Perspektivisch werden die Menschen in die Lage versetzt, ihre Interessen gegenüber der Regierung und dem noch immer machtvollen Militär eigenständig zu vertreten und Einfluss auf Entscheidungsprozesse nehmen.

AbsolventInnen der Naushawng Community School mit unserem Kooperanten Lukas Nagel

Bildungsprogramme in Myitkyina, Kachin State

Ein Beispiel aus unserer Arbeit in Myanmar: Junge Leute, welche sonst in der Region keine ausreichende Berufsperspektive haben, werden zu Führungskräften in Themen wie Konfliktbearbeitung, Politik oder gemeindeorientierter Arbeit ausgebildet. Zum Teil wird ihre Weiterbildung im In- oder Ausland mit Stipendien unterstützt. Dadurch sind sie befähigt einen Beitrag zum Friedensaufbau, sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung zu leisten, statt abzuwandern. Viele der rund 1000 Alumni des Naushawng Development Institute (NDI) sind miteinander vernetzt. Gemeinsam arbeiten sie auf ein friedlicheres Leben in Kachin State zu.

28.06.2018

Gepostet in: Myanmar: Friedensprozesse auf Gemeindeebene fördern